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US-Truppen mit Gewehrfeuer statt mit Blumen begrüßt

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Standpunkt zu den aktuellen Kriegsentwicklungen

von Aron Amm, 26. März 2003
 
Monatelang kündigte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld der Weltöffentlichkeit einen mit laser- und satellitengesteuerten High-Tech-Waffen geführten, klinisch reinen „Präzisionskrieg“ an. Doch schon am ersten Kriegswochenende verwüsteten US-Bombardements ganze Wohnviertel in Basra und verursachten den Zusammenbruch der Wasserversorgung in der größten Stadt des Südiraks.

Im Norden sind nach fünf Kriegstagen 500.000 BewohnerInnen der Städte Mossul, Kirkuk und Dohuk auf der Flucht in die Bergregionen. An der syrischen Grenze zerriss eine US-Rakete den Bus von mehr als einem Dutzend Flüchtlingen. Zudem blamieren sich die britischen und US-amerikanischen Truppen mit einer Serie von Pannen. Nachdem drei Hubschrauber bei Unfällen abstürzten, wurde ein britischer „Tornado“ von einer US-„Patriot“ abgeschossen. Zu diesen Fällen von „friendly fire“ kam bereits in der ersten Woche der Kampfhandlungen der Angriff eines GIs gegen die eigenen Offiziere.

Es ist nicht die Frage, ob der Irak besiegt wird, sondern wie, in welchem Zeitraum und bei welcher Zahl von Verlusten.
Verkalkuliert haben sich Bush und Blair in jedem Fall, was den Widerstandsgeist im Irak gegenüber ihren Truppen angeht. Das US-Militär wird bisher größtenteils nicht als Befreier gesehen, sondern als Besatzer. Ein Gemüsebauer, der zu denen gehört, die auf US-Hubschrauber gefeuert haben, wird in der Financial Times Deutschland mit den Worten zitiert: „Wenn das kleine Umm Kasr seit fünf Tagen Widerstand leistet, wie lange wird es dann dauern, Bagdad einzunehmen?“ Es ist offen, wie die Haltung der Bevölkerung sich noch entwickeln wird, denn auch gegenüber Saddam Hussein und seiner Clique gibt es genug Hass. Doch das schafft noch keine Stimmung für die britischen und US-amerikanischen Invasoren.

Hass auf die „Befreier“

„Der Verlauf des Krieges straft die vollmundigen Ankündigungen der US-Militärs von einem Zehn-Tage-Krieg Lügen“, berichtet Andrzej Rybak aus Umm Kasr in der Financial Times Deutschland vom 25. März. „Die irakische Bevölkerung, die nach US-Kalkulation die Truppen mit Blumen und Dankbarkeit begrüßen sollte, kämpft verbissen gegen ihre ‚Befreiung‘ von Staatschef Saddam Hussein. Den Truppen schlägt oft blanker Hass entgegen.“ Und das auch unter den durch Hussein gegenüber den Sunniten benachteiligten Schiiten im Süden des Landes.
Trotz der heftigeren Gegenwehr als von der Bush-Adminstration erwartet, werden sich die US-Truppen wahrscheinlich bald vor Bagdad festsetzen können. Dort könnte ihnen allerdings ein wochenlanger Häuserkampf bevorstehen, bei dem sich die 90.000 Soldaten der Republikanischen Garde unter die Zivilbevölkerung mischen wollen, um den Krieg in die Länge zu ziehen.

Dem US-Imperialismus drohen weitere Hindernisse durch etwaige vorübergehende Störungen ihrer Nachschubwege; ein Ziel, das sich die 60.000 Mann starke paramilitärische Kraft „Fedaijin“ an der Südfront gesetzt hat. Andere Komplikationen drohen dem US-Militär im Norden. Dort versuchen die kurdischen Organisationen Einfluss auf die ölreiche Stadt Kirkuk zu gewinnen – als Druckmittel in ihrem Kampf für ein unabhängiges Kurdistan, was das türkische Militär als zusätzliche Konfliktpartei auf den Plan ruft. Zu alledem kommen die Massenproteste gegen die US-Kriegstreiber in Syrien, Ägypten, Jordanien, Saudi-Arabien und anderen Staaten in der arabischen Welt – Vorboten dramatischer politischer Erschütterungen, die dem US-Imperialismus zusätzliche Probleme bereiten werden.

Da das Regime Saddam Husseins durch und durch reaktionär ist, wird der Widerstandsgeist der durch zehn Jahre UN-Sanktionen grausam geschwächten ArbeiterInnen und Bäuer-Innen im Irak seine Grenzen haben. Dennoch werden Bush und Blair – auch wenn sie den Krieg auf Kosten der ausgebeuteten Massen in der Region gewinnen können – im Irak und im ganzen Nahen Osten keinen Frieden schaffen, sondern die Voraussetzungen für neue Kriege und Bürgerkriege, die jedoch in wachsendem Maß begleitet sein werden von den Kämpfen der arbeitenden und erwerbslosen Bevölkerung und vor allem der Jugend für ihre eigenen Interessen.