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Perspektiven nach dem Golfkrieg

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Stellungnahme des CWI vom 4.3.1991
 
1.Der sehr schnelle Sieg des Impe?ria?lismus ?ber den Irak ist eine Nieder?lage f?r die arabischen ArbeiterInnen und B?uerInnen, die wichtige Auswir?kungen in allen imperialistischen, neokolonialen und stalinistischen Staa?ten haben wird. Dies ist der gr??te milit?rische Erfolg des Imperialismus, besonders des US-Imperialismus, seit den Zweiten Weltkrieg und er hat das Selbstvertrauen der herrschenden Klasse der USA merklich gesteigert. Dieser Krieg hat die Brutalit?t des Im?perialismus offen gezeigt, besonders bei der Bombardierung irakischer St?dte, der systematischen Zerst?rung der irakischen Infrastruktur (wie Elek?t?rizit?t, Wasser und Kanalisation) und dem Massaker an fliehenden iraki?schen Truppen. Nach diesem Sieg wird Bush das Gef?hl haben, dass dem US-Imperialismus gr?nes Licht gegeben wurde, weitere konterrevolution?re In?terventionen in der Zukunft zu versu?chen.
2.Nach dem Patt im Koreakrieg und der Niederlage des US-Imperialismus in Viet?nam, hat dieser Erfolg ihn zu dem Glau?ben gef?hrt, dass er die Auswirkungen seiner vergangenen Niederlagen gebannt habe. Aber es ist eine Sache, einen mili?t?rischen Sieg zu erringen, es ist eine an?dere Sache, den Frieden zu gewinnen. Die Israelis gewannen einen milit?rischen Sieg im Libanon 1982, konnten ihn aber nicht ausschlachten. Im Gegensatz zu den Hoffnungen der b?rgerlichen Strate?gen wird dieser milit?rische Sieg keine Stabilit?t im Nahen Osten bringen. In der Tat wird er schlie?lich das Gegenteil brin?gen, wenn die arabischen ArbeiterInnen und Jugendlichen gegen die Regime vor?gehen werden, die die USA unterst?tzten. Der imperialistische Sieg wird zu Asche werden, wenn sich die brennende Wut der arabischen Massen ?ber diese Niederlage in den Sturz der F?hrer verwandelt, die an diesem Angriff auf den Irak teilnahmen.
3.Im Irak selbst stellen die j?ngsten Er?eignisse in Basra m?glicherweise den Beginn einer Revolution dar, selbst wenn sie gegenw?rtig eine religi?se F?rbung zu haben scheinen. Beim Fehlen des sub?jektiven Faktors besteht die Gefahr, dass die Revolution von den Fundamentalisten vereinnahmt werden k?nnte, wie es im Iran 1978/79 geschah. Es ist eine Ironie, dass der Imperialismus vor einem neuen Khomeini stehen k?nnte, nachdem er Saddam besiegt hat. Die Instabilit?t der Region wird erh?ht werden, wenn die konkurrierenden herrschenden Klassen und Cliquen alle versuchen, die neue Lage zur St?rkung ihrer eigenen Positio?nen zu verwenden, was zu neuen Span?nungen und Konflikten zwischen den Staaten f?hrt. Jetzt werden Iran, Syrien, Saudi Arabien und die T?rkei alle versu?chen, Unterst?tzungspunkte im Irak selbst aufzubauen und, falls der Irak zu zerbre?chen beginnt, die Kontrolle ?ber Schl?s?selregionen zu ?bernehmen, und dadurch die Grundlage f?r neue Kriege schaffen.
4.Die Niederlage der irakischen Armee hat das grundlegende Kr?fteverh?ltnis der Klassen international oder in irgend ei?nem Land nicht wesentlich ge?ndert. Das Ende des Zweiten Weltkriegs sah das Entstehen der USA und der UdSSR als Welt-Superm?chte, dieser Krieg hat da?gegen die Grundlage der Weltbeziehun?gen au?erhalb des Nahen Ostens nicht grundlegend ge?ndert, wenn es auch F?hrer in der neokolonialen Welt noch unwilliger machen wird, den Imperialis?mus herauszufordern. Trotz Bushs Be?hauptung, dass die USA das ?Vietnam-Erbe? beerdigt h?tten, w?re eine US-Mili?t?rintervention gegen zum Beispiel Gueril?lakriege in El Salvador, Peru oder die Philippinen nicht in 100 Stunden Boden?k?mpfen vorbei. Und eine Intervention gegen eine Massenbewegung der Arbei?terklasse wird so schwierig sein, wie sie es immer war.
5.Bushs Ank?ndigung, dass die meisten US-Truppen schnell den Golf verlassen werden, spiegelt sowohl die Furcht vor den arabischen ArbeiterInnen und B?ue?rInnen als auch die Sehnsucht der Solda?tInnen selbst wider, die heim wollen, jetzt, da der Krieg vorbei ist.
6.Der Krieg hat viel schneller geendet als irgend jemand erwartete. Die Reaktio?nen von ein paar der westlichen Kom?mandeure zeigen, dass sie selbst ?ber?rascht waren, wie leicht der Sieg war. Sie erwarteten eine Verlustquote von minde?stens 10% unter ihren Streitkr?ften. Letz?tes Jahr hatte Bush gewarnt, dass 10.000 US-SoldatInnen get?tet werden k?nnten, aber statt dessen starben pro 1000 iraki?sche Opfer nur ein Soldat der US-gef?hr?ten Koalition. Die Geschwindigkeit des Sieg des Imperialismus ergab sich aus dem Zusammenbruch der Moral der iraki?schen Armee. Wie es ein US-Panzer-Oberst erkl?rte: Wenn die Irakis ?nicht aufgegeben h?tten, w?re es eine ganz andere Geschichte gewesen?.
7.Der Imperialismus hatte Vorbereitun?gen f?r harte Bodenk?mpfe und viel gr???ere Opfer getroffen. Gewiss zeigte der Umstand, dass die US-gef?hrten Truppen ?ber 24 Stunden brauchten, um die iraki?sche Armee Ende Januar aus Khafdschi zu s?ubern, dass es zum allermindesten massive K?mpfe innerhalb von Kuwait Stadt h?tte geben k?nnen. Aber die Ver?bindung der erbarmungslosen Bomben?kampagne, mit einem Gef?hl, allein zu k?mpfen, der schmalen gesellschaftlichen Basis der irakischen herrschenden Clique und vor allem Saddams Ank?ndigung vom 15. Februar ?ber seine Bereitschaft, die UN-Resolution 660 anzunehmen und dann sein Befehl, mitten im Kampf Kuwait zu verlassen, untergruben die Moral der irakischen Truppen. Als die Bodenoffensi?ve begann, sahen viele irakischen Trup?pen keinen Sinn darin zu k?mpfen, vor allem, weil viele Offiziere als erste weg?rannten.
8.Es war zwar unm?glich, den genauen Verlauf vorherzusehen, den der Krieg nehmen w?rde, wir m?ssen aber aner?kennen, dass wir ein paar Fehler bei der Einsch?tzung machten, wie lang die K?mp?fe dauern k?nnten. Trotzki dachte, dass der Zweite Weltkrieg k?rzer als der Erste sein w?rde, der tats?chlich l?nger war, und er war nicht in der Lage, vorher?zusehen, dass die franz?sischen Truppen 1940 so schnell zusammenbrechen w?r?den, als Ergebnis davon, dass ihre Moral durch die Drehungen und Wendungen des Stalinismus untergraben war. Zu Be?ginn dieses Konfliktes erwartete niemand, das die irakische Armee binnen Stunden zerfallen w?rde. Es war zwar kein Gueril?lakrieg der nationalen Befreiung wie in Vi?etnam, die irakische Armee h?tte aber viel l?nger aushalten k?nnen, wenn sie den Kampfwillen bewahrt h?tte. Bemer?kenswerterweise besetzten die US-gef?hr?ten Armeen nicht die bev?lkerten Gebiete des Irak, w die Gefahr bestanden h?tte, dass sich im Verlauf der Zeit Gueril?la?k?mpfe h?tten entwickeln k?nnen.
9.Der Angriff des Imperialismus auf den Irak h?tte vor politischen Schwierigkeiten gestanden, wenn eine der gro?en stali?ni?stischen B?rokratien ihn abgelehnt h?tte. Moskau und Peking kapitulierten vor Bush und Co. Die Tatsache,. Dass keine der gro?en stalinistischen oder ?Drit?te-Welt?-M?chte gegen die Politik des Imperialis?mus Opposition machte, erlaub?te es Bush und Co, ihre Politik mit dem Deckmantel zu versehen, sie w?rden UNO-Politik durchf?hren. Dies trug zur St?rkung der ?demokratischen? Propa?ganda des Impe?rialismus bei, dass dies ein ?gerechter? Krieg gegen einen neuen Hitler und zur Verteidigung kleiner V?lker sei.
10.Gorbatschow spielte eine Schl?s?sel?rol?le, indem er dem Imperialis?mus half, seinen milit?rischen Sieg zu er?ringen. Es scheint zwar, dass Gorba?tschow eine mi?li?t?rische Niederlage des Irak verhindern wollte, aber die Taktik der sowjetischen B?rokratie spielte in die H?nde des Impe?rialismus. Erstens wei?gerten sich die Sta?linisten, die Pl?ne des Imperialismus auch nur in Worten abzu?lehnen, und zwei?tens halfen sie, den Zu?sammenbruch der Moral der irakischen Armee zu pro?vo?zieren, indem sie Saddam ?ber?redeten, mitten im Kampf anzuk?ndi?gen, dass sich der Irak aus Kuwait zu?r?ckziehen w?rde.
11.Die Kriegsergebnisse haben schon ge?zeigt, dass unsere Grundanalyse des im?perialistischen Charakters richtig war. Dies war kein innerimperialistischer Kon?flikt. Trotz der F?ulnis des irakischen Re?gimes sahen die arabischen Massen zu recht, dass der Imperialismus Iraks Be?setzung von Kuwait nutzte, um seine ?l?versorgung zu sichern und allen V?lkern in den neokolonialen L?ndern seine Macht zu zeigen. Auch wen die brutalen Methoden des irakischen Regimes in Frage gestellt wurden, war es keine Frage, dass gro?e Teile der arabischen ArbeiterInnen und B?uerInnen keine Sympathie f?r das kuwaitische Regime hatten und die US-gef?hrte Intervention v?llig ablehnten.
12.Gro?e Teile der arabischen Massen sehen das Kriegsergebnis schon als einen Sieg f?r den Imperialismus und die Agen?ten des Imperialismus: die Feudal?herr?scher, ?rtliche Bonapartisten und die is?raelische herrschende Klasse. Das Er?gebnis wird die Untergrabung und dann der Sturz jener Regime sein, die als im?pe?rialistische Marionetten gesehen wer?den. Dies wird nicht sofort stattfinden, aber wie ?gyptens Niederlage im Krieg 1948 ge?gen Israel zur Massenunruhe und dann zum Putsch der ?freien Offiziere? 1952 f?hrte, werden de F?hrer, die am US-ge?f?hrten Angriff teilnahmen, fr?her oder sp?ter zur Rechenschaft gezogen werden. Unter dem Eindruck der b?rgerli?chen Propaganda werden sich zwar viele Ar?beiterInnen in den fortgeschrittenen kapi?talistischen L?ndern erleichtert f?h?len, dass ein ?neuer Hitler? besiegt wurde, der die Weltwirtschaft und den Frieden be?drohte, aber mit der Zeit werden sie zu?nehmend sehen, dass des ein Sieg f?r die Feinde der Arbeiterklasse war.
13.Der Schl?sselfaktor, der dazu f?hrte, dass die Masse der irakischen Armee ih?ren Kampfeswillen verlor, war die F?h?rung des irakischen Regimes. Der Ein?marsch in Kuwait selbst war eine Wider?spiegelung der inneren Krise des iraki?schen Regimes und es ist offensichtlich, dass die herrschende Clique keine klare Strategie hatte. Es w?re besser gewesen, sich entweder v?llig aus Kuwait zur?ck?zu?ziehen, bevor das K?mpfen begann oder dazubleiben und zu k?mpfen. Aber Sad?dams Aufgabe seiner Kriegsziele mit?ten im Kampf demoralisierte die iraki?schen Soldaten v?llig.
14.Saddams Regime war unf?hig, auch nur die Karikatur eines revolution?ren Krieges gegen den Imperialismus zu f?h?ren. Der einzige Weg, auf dem die impe?rialistische Offensive h?tte gestoppt wer?den k?nnen, w?re gewesen, wenn die Massen des Irak mobilisiert worden w?ren mit einem Programm zur Sicherung de?mokratischer Rechte (einschlie?lich des Rechts auf Selbstbestimmung f?r die KurdInnen), Bruch mit dem Kapitalismus zu Hause und Entlarvung (in klarer, nicht?religi?ser Sprache) der Gr?nde f?r den Krieg und Aufforderung zur Aktion gegen die prokapitalistischen arabischen F?hrer in Appellen an die arabischen Ar?beiterIn?nen und B?uerInnen, die einfa?chen Sol?datInnen der imperialistischen Armeen und die Arbeiterklasse internatio?nal.
15.Schon vor dem Krieg gab es in Kuwait gro?e Opposition gegen die Saddam-Cli?que. Die Besetzung Kuwaits erzeugte Un?terst?tzung im Irak, aber diese war nicht so begeistert wie in anderen arabi?schen Staaten. Es gab zwar Zweifel be?z?glich der Absichten Saddams und der Vergan?genheit des irakischen Regimes (der ira?nisch-irakische Krieg, seine zyni?sche Ein?nahme Kuwaits und seine Unter?dr?ckung von sowohl demokratischen Rechten als auch KurdInnen), aber die Schl?ge, die Saddam gegen die f?hren?den imperiali?s?tischen M?chte und ihre Marionetten austeilte, bekamen ein sofor?tiges Echo unter gro?en Teilen der Arbei?terInnen, besonders in Algerien, Jordani?en, Marok?ko, Jemen und vor allem den Pal?stinen?serInnen. Die Art und Weise von Sad?dams Besetzung Kuwaits verwirr?te aber zuerst Teile der arabischen Mas?sen, trotz ihrer tiefen Feindschaft gegen den Impe?rialismus, aber das war keine Unterst?t?zung f?r die herrschende kuwai?tische Elite, und die Unterst?tzung f?r das iraki?sche Volk wuchs in direktem Ver?h?ltnis zur Zunahme der imperialistischen Angrif?fe.
16.Die massive Bombenkampagne, ?ber 90.000 Flugeins?tze bevor der Boden?kampf begann und 16.000 w?hrend ihm gaben dem Imperialismus v?llige Kontrol?le ?ber den Luftraum und sch?chterten viele irakische Soldaten ein, w?hrend sie zugleich die irakische Bev?lkerung em?p?rten. Aber der Hauptschlag gegen die Moral der irakischen Truppen war die pl?tzliche Ank?ndigung Saddams, dass er zum Abzug aus Kuwait bereit sei. Es ist klar, dass Zehntausende irakische Solda?ten keinen Sinn mehr darin sehen konn?ten zu k?mpfen, wenn das Regime immer mehr schwerwiegende Zugest?ndnisse an den Imperialismus versprach. Viele wer?den sich daran erinnert haben, dass Hun?derttausende f?r nichts im achtj?hrigen Krieg gegen den Iran starben. Trotz der Tatsache, dass viele Irakis dem Mangel an arabischer Einheit die Schuld an der Niederlage geben werden und Stolz f?h?len werden, dass sie dem US-gef?hrten Angriff 40 Tage lang standgehalten ha?ben, wird diese Niederalge Saddams Re?gime ernsthaft geschw?cht haben.
17.In den fortgeschrittenen kapitalisti?schen L?ndern waren der Charakter von Saddams Diktatur und besonders die Un?terst?tzung der Arbeiterf?hrer f?r den Im?perialismus die entscheidenden Gr?nde, warum der Krieg allgemein Mehrheitsun?terst?tzung genoss. Bemer?kenswerter?weise war ein Gro?teil der Op?position ge?gen den Krieg in den fortge?schrittenen kapitalistischen L?ndern nicht antiimpe?ri?alistisch, sondern pazifistisch. Dies spie?gelte teilweise die Hoffnungen auf Welt?frieden wider, die sich in der ver?gan?genen Periode als Ergebnis der anscheinenden Schw?chung der Spannun?gen zwischen der USA und UdSSR und innerhalb Euro?pas ergeben hatten. Aber das lag auch daran, dass Saddams Re?gime anders als w?hrend dem Vietnam?krieg nicht f?hig war, auch nur bei der radikalisierten Ju?gend innerhalb der im?perialistischen L?n?der Unterst?tzung zu erwecken.
18.Wir haben immer erkl?rt, dass der Krieg in den imperialistischen L?ndern zun?chst Unterst?tzung haben w?rde, und dass die Opposition zunehmen w?rde, je l?nger der Krieg sich fortsetzte und die Verluste zunahmen. Aber der schnelle Sieg und die Weise, auf die Bush die Initiative ergreifen und den Krieg be?enden konnte, wird eine unbestreitbare St?rkung der Bourgeoisie in den imperia?listischen Staaten bedeuten. In den Au?gen der Mehrheit der Massen in diesen L?ndern wird es scheinen, als sei dieser Krieg gerechtfertigt gewesen. Nur wenn das Ausma? der irakischen zivilen Opfer und die wirklichen Absichten des Imperia?lismus klarer werden, werden Fragen auf?kommen.
19.Der Sieg des Imperialismus wird ver?schiedene Wirkungen haben. F?r eine Weile wird er manche Teile der Massen und besonders ihre F?hrer in der neoko?lonialen Welt tendenziell einsch?chtern. Aber es wird wachsende Wut von en ara?bischen ArbeiterInnen und B?uerInnen gegen die Herrscher geben, die entweder als Verb?ndete des Imperialismus oder als unf?hig zum Kampf gegen den Impe?rialismus gesehen werden. Die Ge?schwindigkeit, mit der diese Prozesse sich entwickeln und sich die Wut in Be?wegungen verwandeln, werden sich von Land zu Land unterscheiden.
20.Im Irak wird der massive Umfang von Tod und Zerst?rung die Bitternis gegen??ber dem Imperialismus und die arabi?schen Regime, die den US-Angriff unter?st?tzten, steigern. Aber auch der Zusam?menbruch der irakischen Armee f?hrt zu Kritik sowohl am Offizierskorps als auch am Mangel an Verst?ndnis von milit?ri?scher Strategie und Taktik auf Seiten von Saddams Regime.. Im Irak und unter den fortgeschrittenen Schichten in der ganzen neokolonialen Welt wird die Frage auf?kommen, warum Saddam unf?hig zum Kampf gegen den Imperialismus war. Bemerkenswerterweise hat selbst unter den Kuwaitis, die v?llig gegen die iraki?sche Einnahme waren, der Zusammen?bruch des alten Regimes die Entwicklung von Forderungen nach demokratischen Rechten hervorgerufen. Wir m?ssten die Verteidigung der Pal?stinenserInnen in Kuwait und demokratische Rechte f?r alle, die in Kuwait leben, verlangen, in Verbindung mit dem Sturz des Kapitalis?mus und de Errichtung von demokrati?schen ArbeiterInnen- und B?uerInnen-Regierungen sowohl im Irak als auch in Kuwait.
21.Die vergangene Rolle des Stalinismus und die von Moskau und Peking gespielte Rolle in diesem Krieg k?nnten den religi??sen Fundamentalismus weiter st?rken. Diese Entwicklungen werden uns die Ge?legenheit geben, unser Programm, wie man einen revolution?ren Krieg f?hrt, und die internationale Rolle des Stalinismus zu erkl?ren, w?hrend wir geschickt die Fragen beantworten, die die Grundlage f?r die Zunahme der Unterst?tzung f?r den Fundamentalismus bilden.
22.Der Imperialismus w?rde zwar gerne Saddam mit einer neuen Diktatur erset?zen, aber es ist wahrscheinlich, dass sein Sturz anf?nglich zu Forderungen nach demokratischen Rechten, zur Bildung von Gewerkschaften, politischen Parteien, zu Forderungen nach Vergeltung gegen die?jenigen (sowohl innerhalb als auch au??erhalb Iraks), die f?r die Katastrophe verantwortlich sind und zu einer scharfen Debatte dar?ber, wie das Land wieder aufgebaut werden kann, f?hren w?rde. Die Ereignisse der j?ngsten Tage stellen m?glicherweise den Beginn einer Revolu?tion im Irak dar. , auch wenn sie von reli?gi?sen Elementen gef?hrt zu werden scheinen. Solche revolution?ren Erhe?bungen stellen ernsthafte Gefahren f?r den Imperialismus dar, der ein Milit?rre?gime im Irak, selbst unter Saddam, ge?gen?ber einer neuen Lage nach irani?schem Vorbild vorziehen w?rde. Die Im?perialisten w?rden versuchen, die Revo?lution zu begrenzen und dann zu besie?gen, w?hrend sie einen pro-imperialisti?schen Irak als regionales Gegengewicht gegen den Iran und Syrien behalten. Ohne eine bewusste F?hrung gibt es die Gefahr, dass eine revolution?re Bewe?gung im Irak den religi?sen und nationa?len Unterschieden, die im Land bestehen, zum Opfer fallen k?nnte, was die M?g?lichkeit eines Auseinanderbrechens des Irak ergeben w?rde. Sowohl der Imperia?lismus als auch andere Nahoststaaten w?rden versuchen, solche Spaltungen f?r ihre eigenen Zwecke zu nutzen, obwohl der Imperialismus ein Auseinanderbre?chen des Iraks tats?chlich nicht will.
23.Es ist klar, dass die Pal?stinenserIn?nen, die nach der anscheinenden Sack?gasse der Intifada frustriert waren, von allen V?lkern in der Region die gr??ten Hoffnungen in einen irakischen Sieg set?zen. Endlich schien es einen arabischen Staat zu geben, der bereit war, gegen den Imperialismus zu k?mpfen, aber die iraki?sche Niederlage wird viele Pal?stinense?rInnen demoralisieren und manche in die Sackgasse des Terrorismus treiben. In Kuwait besteht die Gefahr, dass die op?portunistische Politik der PLO-F?hrung dazu f?hren wird, dass den Pal?stinense?rInnen ein neuer ?Schwarzer September? droht, wenn die Kuwaitis an ihnen Rache nehmen.
24.Der Imperialismus m?chte jedoch ein neues Kr?ftegleichgewicht im Nahen Os?ten errichten. Es ist aus den Erkl?run?gen von Bush und Baker klar, dass der Impe?rialismus gerne vermeiden w?rde, eine st?ndige auff?llige Pr?senz im Na?hen Osten zu haben, weil das letztlich nur als Brennpunkt f?r antiwestliche Gef?hle die?nen w?rde.. Die USA zielen aber dar?auf ab, zumindest eine Luftwaffen- und Mari?nepr?senz in der Golfregion zu behal?ten
25.Es ist m?glich, dass der Westen ver?suchen wird, eine Art ?Abkommen? im Nahen Osten durch eine ?Friedens?kon?fe?renz? zu erreichen. Es gibt jedoch einen Unterschied zwischen dem britischen und franz?sischen Imperialis?mus, die daf?r sind, den Pal?stinenserIn?nen ein paar Zugest?ndnisse zu machen, und dem US-Imperialismus, der Israel als seine einzige sichere Basis im Nahen Osten sieht. Es w?re sehr schwierig, tat?s?chlich eine Ver?einbarung zu erreichen. Selbst wenn eine erreicht w?rde, w?re es notwendig zu er?kl?ren, dass sie auf kapi?talistischer Grundlage keinerlei langfristi?ge Stabilit?t liefern k?nnte. Aber mit der vor??ber?ge?hen?den Einsch?chterung der pal?stinen?si?schen und arabischen Mas?sen kann es nicht ausgeschlossen wer?den, dass der Imperialismus in der Lage sein kann, ein Abkommen wie das zwi?schen ?gypten und Israel auszuarbeiten, das f?r eine Weile ?berleben k?nnte. Aber schon die Tatsache, dass Syrien die Nie?derlage des Irak nutzen konnte, um seine Stellung zu st?rken, besonders im Liba?non, bereitet den Weg f?r neue Konflikte mit Israel.
26.In den stalinistischen L?ndern, beson?ders in der UdSSR, werden die Kriegser?gebnisse widerspr?chliche Ergebnisse er?zeugen und k?nnten den Kampf zwischen den verschiedenen Fl?geln der B?rokratie versch?rfen. Unter den prokapitalistischen Schichten wird es die Anziehungskraft des Sturzes der Planwirtschaft erh?hen auf der Grundlage, dass der Krieg die ?berlegenheit westlicher Technologie ge?zeigt habe. Dies k?nnte eine Wirkung in?nerhalb der Streitkr?fte haben, besonders unter den mittleren Offizieren, auch wenn es der v?llige Verlust der Moral auf Seiten der irakischen Armee war, die dem Impe?rialismus seinen leichten Sieg gab. Auf der anderen Seite wird auf dem stalinisti?schen Fl?gel der B?rokratie das Gef?hl sein, dass die Zugest?ndnisse an den Imperialismus zu weit gegangen sind und die UdSSR in Gefahr ist, isoliert und ein?gekreist zu werden.
27.In vielen L?ndern nahmen MarxistIn?nen eine f?hrende Rolle in den Anti?kriegsprotesten ein und konnten eine neue Schicht von Mitgliedern und Interes?sentInnen um uns sammeln. Es ist jetzt wesentlich, Mitgliedergewinnung mit der Festigung dieser neuen Schicht zu ver?binden. Dies ist besonders wichtig, weil der Sieg des Imperialismus die herr?schende Klasse und den rechten Fl?gel der Arbeiterbewegung f?r eine Periode st?rken wird. Aber auf der Grundlage neuer Ereignisse und(oder der Entwick?lung innerer Klassenk?mpfe wird sich diese Lage ?ndern. Die Lage wird in je?dem Land anders sein, aber nirgends hat der Krieg das grundlegende Kr?ftever?h?ltnis der Klassen ge?ndert.
28.Es ist m?glich, dass ein paar imperia?listische F?hrer wie Major und Bush ihren milit?rischen Sieg ausschlachten und eine Wiederwahl erreichen k?nnen, aber das ist nicht gewiss. Major steht vor der schnellen Entwicklung einer scharfen Re?zession und dem Hass auf die Pol Tax und es ist noch nicht klar, in welchem Zu?stand die US-Wirtschaft zur Zeit der n?chsten Pr?sidentschaftswahl im No?vember 1992 sein wird. In anderen impe?rialistischen L?ndern wird das Ende des Krieges innenpolitische Themen wieder in den Vordergrund zur?ckkehren lassen, wie in Deutschland, wo die destabilsie?renden Wirkungen der deutschen Eini?gung die Kohl-Regierung untergraben werden.
29.Die Entwicklung der objektiven Lage wird teilweise von der Weltwirtschaft ab?h?ngen. Es scheint gewiss, dass der ?l?preis jetzt nicht dramatisch ansteigen wird, auch wenn er sich vielleicht bei 20 Dollar im Vergleich zu 16 Dollar vor der Invasion in Kuwait einpendeln wird. Aber schon vor dem August 1989 [gemeint 1990?] verlangsamte sich die Weltwirt?schaft schon und ein paar imperialistische L?nder bewegten sich auf die Rezession zu. Zwar werden ein paar Bereiche vom Wiederauff?llen der Waffenarsenale, vom Wiederaufbau Kuwaits und sp?ter des Irak profitieren, aber das wird eine be?grenzte Wirkung auf die Weltwirtschaft haben.
30.Schon hat die Geschwindigkeit, mit der sich der Abschwung in L?ndern wie Gro?britannien, Frankreich, Italien und den USA entwickelt hat, die Bourgeoisie ?berrascht. Ein paar L?nder (wie Austra?lien, Gro?britannien, Kanada und die USA) sind schon in der Rezession und andere (wie Deutschland und Japan) ste?hen gegenw?rtig nur vor einer Wachs?tumsabschw?chung. Da die zugrundelie?gende Lage der Weltwirtschaft immer noch f?r Inflation, Finanzschocks und m?gliche Handelskriege anf?llig ist, ist es schwierig vorherzusagen, ob die n?chste Periode nur eine Abschw?chung oder eine tats?chliche Rezession der Weltwirt?schaft erleben wird. Aber es ist jetzt klar, das zumindest in einer Reihe von L?ndern der Weg f?r Klassenschlachten bereit ist, da die wirtschaftliche Lage die herrschen?de Klasse zwingt, sich den Forderungen der ArbeiterInnen zu widersetzen und in machen L?ndern eine Senkung des Le?bensstandards zu versuchen.
31.Im Gefolge dieses imperialistischen Sieges ist es vor allem notwendig, sicher?zustellen, dass alle GenossInnen die Gr?nde f?r das verstehen, was passierte, die Auswirkungen f?r die n?chste Periode und die grundlegenden Prozesse, die in allen Teilen der Welt neue K?mpfe erzeu?gen werden.