Iran-Krieg

Woche 2

Giftiger Regen in Teheran

Israelische und US-Kampfflieger haben die Energieinfrastruktur im Iran angegriffen. Durch die Bombardierung von Öl-Raffinerien und -Lagern kommt es in Teheran zu einer humanitären und ökologischen Katastrophe. Schwarzer Regen fiel auf die Stadt, der Himmel blieb tagelang dunkel. Bewohner*innen wurden gewarnt, drinnen zu bleiben, um sauren Regen und giftige Gasen zu vermeiden. Feuer brachen in den Straßen aus. Das Wasser von Bewässerungssystem wurde kontaminiert. Langzeitfolgen wie eine steigende Krebsrate oder Atemwegserkrankungen sind wahrscheinlich. Die Weltgesundheitsorganisation warnte vor Gefahren vor allem für Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen. Nach iranischen Angaben sind allein in Teheran über 18.000 Wohnungen und Geschäfte beschädigt worden, im ganzen Land wurden 61.000 zivile Einrichtungen beschädigt. Die USA bombardierten zudem eine Meerwasserentsalzungsanlage auf der Insel Qeshm, die 30 Orte mit Wasser versorgt. Iranische Drohnen trafen eine Anlage in Bahrain. Die Staaten der Region sind für ihre Trinkwasserversorgung auf die Meerwasserentsalzung angewiesen. 

Gazafizierung des Libanon

Die israelische Armee hat bei ihrem Angriff auf den Libanon in zwei Wochen bereits über 800 Menschen getötet, darunter über 100 Kinder. Teile von Beirut und Orte im Südlibanon sehen aus wie Gaza in den ersten Wochen des Krieges, ganze Wohnviertel sind verwüstet. Israelische Einheiten sind in den Süden des Landes einmarschiert und wollen das Gebiet südlich des Litani-Flusses “sichern”. 800.000 Menschen sind auf der Flucht (bei insgesamt 5,5 Millionen Bevölkerung). Laut Israel geht es darum, “die Hisbollah” zu bekämpfen, eine ähnliche Begründung wie bei Gaza. Das ist nur durch die Massenvertreibung nahezu der gesamten Bevölkerung und die dauerhafte Besetzung des Südlibanon oder weiterer Teile des Landes möglich.

Lieferketten-Krise und Preisschock

Der iranische Beschuss der Golfstaaten und die Schließung der Straße von Hormuz haben zum gewaltigen Anstieg der Ölpreise geführt. “Die Märkte” sind in Aufruhr, auch die Freigabe von Reserven hat das nicht geändert. Die Energiekonzerne nutzen die Situation für Extraprofite, wie an Deutschlands Tankstellen zu sehen ist. Die hohen Preise für Gas und Öl verteuern alle Waren, auch und gerade Lebensmittel. Die Länder Ost- und Südostasiens sind stark vom über die Straße von Hormuz verschifften Öl abhängig. In mehreren Ländern wie in Thailand gelten Energiesparmaßnahmen wie Homeoffice, Drosselung der Klimaanlagen und Aussetzen des  Präsenz-Studierens. Es ginge darum, “die Hisbollah” zu bekämpfen, eine ähnliche Begründung wie bei Gaza. Auch der Dax ist unter Druck. Nachdem Amazon Daten-Center in den Emiraten von iranischen Drohnen getroffen wurden, wurde Online-Banking dort ausgesetzt. Die extrem energiehungige KI-Branche, einer der Motoren der Finanzmärkte, kann speziell unter Druck geraten.

Die größte akute Knappheit besteht nicht bei Öl, sondern bei Düngemitteln. Nach Angaben des Welternährungsprogramms (WFP) werden über die Meerenge von Hormus 30% der globalen Stickstoffdünger-Exporte abgewickelt. Viel Dünger wird in der Region hergestellt. Die Verknappung wird, wenn sie länger anhält, die Lebensmittelpreise weltweit in die Höhe treiben, weil die Ernten schlechter ausfallen. Für Landwirte in den USA und auch Indien ist die Lage akut. Sie müssen den Dünger in den nächsten Wochen einsetzen. Schon jetzt fehlen US-Bauern rund 25% des Düngers für die Frühjahrsaussaat. Auch eine Krise der Lebensmittelversorgung ist möglich. Anders als die meisten Länder verfügt China über eine strategische Düngemittel-Reserve und ist weniger unter Zeitdruck. 

Risse in der NATO, Merz geht auf Distanz

Trump hat die NATO-Staaten aufgefordert, die US-Truppen dabei zu unterstützen, Geleitzüge von Tankern und Frachtschiffen durch die Straße von Hormuz zu unterstützen und gedroht, dass eine Weigerung die NATO in eine Krise stürzen würde. Deutschland und Großbritannien haben Absagen erteilt. Merz hatte sich kurz nach Kriegsbeginn bei seinem USA-Besuch unterwürfig gezeigt wie üblich. Weiterhin gilt, dass die Kriegsführung ohne die US-Infrastruktur auf deutschem Boden nicht möglich wäre. Doch bei den europäischen Regierungen herrscht offensichtlich Entsetzen darüber, dass das Trump-Regime weder klare Ziele noch eine Strategie hat, der Krieg zu großen wirtschaftlichen Verwerfungen führt und die militärischen und politischen Risiken schwer kalkulierbar sind. Merz und Außenminister Wadephul betonten, dass sei “nicht der Krieg der NATO” und forderten eine “Deeskalation von allen Seiten”.

Marines nach Kharg?

Die USA und Israel können den Krieg nicht allein über Luftangriffe gewinnen. Die US-Regierung hat inzwischen 2500 Marines und Landungsschiffe in Marsch gesetzt. Eine Invasion des Iran ist mit den vorhandenen Kräften nicht möglich, doch das Regime in Washington scheint zu überlegen, die Insel Kharg zu besetzen, die entscheidend für Irans Ölexport ist. Am 14.3. wurde Kharg bombardiert. Auch über weitere Einsätze an Land entlang Irans Südküste wird gesprochen. Solche Operationen können aufgrund der Überlegenheit der Angreifer erfolgreich sein, beinhalten aber auch das Risiko von höheren Verlusten auf Seiten der USA und Israels.

Woche 1

USA und Israel: Terror gegen die Zivilbevölkerung

Die Luftwaffen der USA und Israels bombardieren nicht nur militärische Ziele. Teheran unterliegt einem Flächenbombardement. Nach 6 Tagen berichtete der Iran 1230 Todesopfer. 168 Schülerinnen wurden allein in einer Mädchenschule im Midab an der südiranischen Küste getötet, 13 Krankenhäuser und Gesundheitsstationen wurden zerstört. Es gibt Berichte, dass USA und Israel die gleichen Methoden anwenden wie in Gaza und Russland in der Ukraine: in der ersten Runde werden Zerstörungen angerichtet, dann kommen die Rettungskräfte, dann werden diese angegriffen.

Auch im Libanon geht die israelische Armee zunehmend dazu über, wie in Gaza zu agieren: “Warnung” an die Bevölkerung, Gebiete zu verlassen (südliche Vororte von Beirut, Gebiete südlich des Litani-Flusses), dann massive Bombardierung, ohne dass die Menschen wirkliche Alternativen haben, wohin sie flüchten können.

Israels Bodenoffensive im Südlibanon kann der Auftakt zur erneuten dauerhaften Besetzung werden. Gaza ist abgeriegelt, die Übergriffe von Siedlern und Armee in der Westbank nehmen zu. Im Schatten des Iran-Krieges wird die ethnische Säuberung intensiviert. In Gaza wächst die Gefahr von Hungersnöten und direkter genozidaler Angriffe.

Regionaler Krieg – Irans militärisch-ökonomische Antwort

Der Iran hat keine Chance, militärisch auf breiter Front dagegen zu halten. Die Luftwaffen der Angreifer haben die Lufthoheit über dem Iran, die iranische Flotte wird zerstört. Doch die iranischen Raketen auf Israel, US-Stützpunkte von Irak bis Bahrain, die Bombardierung von Logistik, Produktion und Tourismus in den Golf-Monarchien und die Sperrung der Meerenge von Hormuz haben weltweite wirtschaftliche Folgen. Die Öl- und Gaspreise sind gestiegen, Zehntausend Tourist*innen hängen eine Woche später noch immer in der Region fest. Iranische Raketen haben einzelne wichtige Wirkungstreffer erzielt, z.B. gegen Radaranlagen der US-Armee. Noch wichtiger sind die politisch-ökonomischen Auswirkungen: das Geschäftsmodell der Golf-Monarchien – Öl, sicherer Hafen für Investitionen, Tourismus, Hub für den weltweiten Flugverkehr – wurde innerhalb von Tagen pulverisiert.

Die israelische Militärzensur versucht Bilder von Zerstörungen zu verhindern. Nach offiziellen Angaben wurden schon 1600 Menschen in Israel verletzt, trotz der guten Versorgung mit Schutzbunkern. 11 Menschen wurden getötet. Videos von Raketen-Einschlägen und Bergungseinsätzen zeigen, dass Dutzende, möglicherweise über 100 Gebäude in Israel getroffen wurden.

Asymmetrischer Raketen-Krieg

Die Behauptung Trumps, die USA hätten unbegrenzt Abwehrraketen, ist eine Lüge. Es handelt sich um einen Wettlauf: Die USA und Israel versuchen die iranischen Raketen-Abschussbasen- und Vorräte zu zerstören, bevor ihre Luftabwehr knapp wird. Wenn das nicht klappt, sind militärische, wirtschaftliche und zivile Ziele in Israel und den Golf-Staaten leichte Ziele. Dadurch, dass der Iran so viele Länder und Regionen beschießt, zwingt er die USA, die Verteidigung zu priorisieren, z.B. Israel besonders zu schützen, aber den Golf-Staaten weniger Nachschub zu liefern, was dort zu Unzufriedenheit führen würde. Die High-Tech-Geschosse der USA (Patriot und THAAD am Boden, Aegis auf Schiffen) kosten pro Stück mehrere Millionen, die iranischen Shahed-Drohnen zwischen 30.000 und 50.000 Dollar. Eine Abfangrakete muss technisch komplexer sein als das Geschoss, was sie treffen soll, sie ist quasi eine Patrone, die eine Patrone treffen soll. Pro angreifendem Geschoss kann mit drei benötigten Abfangraketen gerechnet werden.

Es handelt sich dabei nicht um einen langfristigen Abnutzungskrieg, denn der Iran hat zwar ein Arsenal unbekannter Größe, aber wird Probleme bekommen, weiter zu produzieren, wenn die angreifenden Mächte die Lufthoheit haben.

Ziel China: Erst Venezuela, dann Iran, dann …?

Mit Venezuela und Iran haben die USA zwei wichtige Öl-Lieferanten des großen Konkurrenten China angegriffen. China leidet wie andere Länder akut unter der Sperrung der Straße von Hormuz. Langfristig wichtiger ist jedoch, dass die USA den Finger am Drücker haben und die Rohstoffversorgung Chinas direkt behindern können, wenn sie es für nötig erachten. Militärisch kann China aktuell nichts dagegen ausrichten. Mittelfristig wird das Regime von Präsident Xi jedoch unter Druck kommen zu antworten, wirtschaftlich, aber möglicherweise auch mit der Erhöhung des Drucks auf Taiwan.

Bundesregierung unterstützt verbrecherischen Krieg

Als erster Staatsgast nach Kriegsbeginn saß Merz im Oval Office und schmeichelte Trump. Er und andere europäische Regierungschefs verurteilten Irans Gegenangriffe, aber verharmlosten den Staatsterrorismus seitens USA und Israel. Deutschland spielt eine wichtige Rolle als Riesen-Flugzeugträger der USA: Ramstein, die Frankfurt Airbase sowie das Centcom in Stuttgart sind wichtige Teile der Kriegsführung.

Mehrere EU-Staaten nutzen den Einschlag einer Rakete unbekannter Herkunft auf einer britischen Militärbasis auf Zypern als Argument, um ihre Unterstützung für den Krieg zu konkretisieren. Starmer versprach die Nutzung britischer Einrichtungen, Macron kündigte an, den Flugzeugträger “Charles de Gaulle” ins Mittelmeer zu schicken.

Der spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez positionierte sich als einziger gegen die Kriegsbeteiligung und verweigerte die Nutzung spanischer Flughäfen für US-Militärflieger. Daraufhin wurden die US-Flugzeuge nach Deutschland verlegt und Trump drohte Spanien mit dem Abbruch der wirtschaftlichen Beziehungen.

Kurdische Bodentruppen? Eine neue Falle

Die USA haben aktuell keine Möglichkeit, mit Bodentruppen zu intervenieren. Selbst wenn sie diese extrem riskante Operation starten würden – der Iran hat 90 Millionen Einwohner*innen, ist so groß wie Westeuropa und ein stark gebirgiges Land – bräuchten sie mehrere Monate, um die benötigten Truppen bereit zu stellen. Ein regime chance oder auch nur eine völlige Neutralisierung des Regimes ist ohne “boots on the ground” jedoch nicht möglich. Daher werden Gespräche mit kurdischen Gruppen geführt, die vom Irak aus in den Iran eindringen und gegen die Regime-Truppen kämpfen sollen.

Das könnte für die verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Iran zu einer Katastrophe werden. Die brutale Bombardierung des Landes dürfte dazu geführt haben, dass die Unterstützer*innen des Regimes zusammenrücken. Sie verfügen über Hunderttausende Bewaffnete. Wenn die Kurd*innen seitens der persischen Mehrheitsbevölkerung als Bodentruppen der USA und Israels wahrgenommen werden, droht ein ethnischer Bürgerkrieg, der nicht zu Freiheit und Frieden führt, sondern zu mehr Gewalt und Unterdrückung, zu einer Situation, in der reaktionäre Warlords die Macht im Iran ausüben.

Gerade sind die syrischen Kurd*innen von den USA benutzt und verraten wurden. Sie waren gut genug im Kampf gegen den “Islamischen Staat” und wurden jetzt dem neuen US-Verbündeten, dem Präsidenten und ehemaligen islamistischen Milizenführer Al-Sharaa zum Fraß vorgeworfen.