Eine Woche Krieg im Iran

USA und Israel: Terror gegen die Zivilbevölkerung

Die Luftwaffen der USA und Israels bombardieren nicht nur militärische Ziele. Teheran unterliegt einem Flächenbombardement. Nach 6 Tagen berichtete der Iran 1230 Todesopfer. 168 Schülerinnen wurden allein in einer Mädchenschule im Midab an der südiranischen Küste getötet, 13 Krankenhäuser und Gesundheitsstationen wurden zerstört. Es gibt Berichte, dass USA und Israel die gleichen Methoden anwenden wie in Gaza und Russland in der Ukraine: in der ersten Runde werden Zerstörungen angerichtet, dann kommen die Rettungskräfte, dann werden diese angegriffen.

Auch im Libanon geht die israelische Armee zunehmend dazu über, wie in Gaza zu agieren: “Warnung” an die Bevölkerung, Gebiete zu verlassen (südliche Vororte von Beirut, Gebiete südlich des Litani-Flusses), dann massive Bombardierung, ohne dass die Menschen wirkliche Alternativen haben, wohin sie flüchten können.

Israels Bodenoffensive im Südlibanon kann der Auftakt zur erneuten dauerhaften Besetzung werden. Gaza ist abgeriegelt, die Übergriffe von Siedlern und Armee in der Westbank nehmen zu. Im Schatten des Iran-Krieges wird die ethnische Säuberung intensiviert. In Gaza wächst die Gefahr von Hungersnöten und direkter genozidaler Angriffe.

Regionaler Krieg – Irans militärisch-ökonomische Antwort

Der Iran hat keine Chance, militärisch auf breiter Front dagegen zu halten. Die Luftwaffen der Angreifer haben die Lufthoheit über dem Iran, die iranische Flotte wird zerstört. Doch die iranischen Raketen auf Israel, US-Stützpunkte von Irak bis Bahrain, die Bombardierung von Logistik, Produktion und Tourismus in den Golf-Monarchien und die Sperrung der Meerenge von Hormuz haben weltweite wirtschaftliche Folgen. Die Öl- und Gaspreise sind gestiegen, Zehntausend Tourist*innen hängen eine Woche später noch immer in der Region fest. Iranische Raketen haben einzelne wichtige Wirkungstreffer erzielt, z.B. gegen Radaranlagen der US-Armee. Noch wichtiger sind die politisch-ökonomischen Auswirkungen: das Geschäftsmodell der Golf-Monarchien – Öl, sicherer Hafen für Investitionen, Tourismus, Hub für den weltweiten Flugverkehr – wurde innerhalb von Tagen pulverisiert.

Die israelische Militärzensur versucht Bilder von Zerstörungen zu verhindern. Nach offiziellen Angaben wurden schon 1600 Menschen in Israel verletzt, trotz der guten Versorgung mit Schutzbunkern. 11 Menschen wurden getötet. Videos von Raketen-Einschlägen und Bergungseinsätzen zeigen, dass Dutzende, möglicherweise über 100 Gebäude in Israel getroffen wurden.

Asymmetrischer Raketen-Krieg

Die Behauptung Trumps, die USA hätten unbegrenzt Abwehrraketen, ist eine Lüge. Es handelt sich um einen Wettlauf: Die USA und Israel versuchen die iranischen Raketen-Abschussbasen- und Vorräte zu zerstören, bevor ihre Luftabwehr knapp wird. Wenn das nicht klappt, sind militärische, wirtschaftliche und zivile Ziele in Israel und den Golf-Staaten leichte Ziele. Dadurch, dass der Iran so viele Länder und Regionen beschießt, zwingt er die USA, die Verteidigung zu priorisieren, z.B. Israel besonders zu schützen, aber den Golf-Staaten weniger Nachschub zu liefern, was dort zu Unzufriedenheit führen würde. Die High-Tech-Geschosse der USA (Patriot und THAAD am Boden, Aegis auf Schiffen) kosten pro Stück mehrere Millionen, die iranischen Shahed-Drohnen zwischen 30.000 und 50.000 Dollar. Eine Abfangrakete muss technisch komplexer sein als das Geschoss, was sie treffen soll, sie ist quasi eine Patrone, die eine Patrone treffen soll. Pro angreifendem Geschoss kann mit drei benötigten Abfangraketen gerechnet werden.

Es handelt sich dabei nicht um einen langfristigen Abnutzungskrieg, denn der Iran hat zwar ein Arsenal unbekannter Größe, aber wird Probleme bekommen, weiter zu produzieren, wenn die angreifenden Mächte die Lufthoheit haben.

Ziel China: Erst Venezuela, dann Iran, dann …?

Mit Venezuela und Iran haben die USA zwei wichtige Öl-Lieferanten des großen Konkurrenten China angegriffen. China leidet wie andere Länder akut unter der Sperrung der Straße von Hormuz. Langfristig wichtiger ist jedoch, dass die USA den Finger am Drücker haben und die Rohstoffversorgung Chinas direkt behindern können, wenn sie es für nötig erachten. Militärisch kann China aktuell nichts dagegen ausrichten. Mittelfristig wird das Regime von Präsident Xi jedoch unter Druck kommen zu antworten, wirtschaftlich, aber möglicherweise auch mit der Erhöhung des Drucks auf Taiwan.

Bundesregierung unterstützt verbrecherischen Krieg

Als erster Staatsgast nach Kriegsbeginn saß Merz im Oval Office und schmeichelte Trump. Er und andere europäische Regierungschefs verurteilten Irans Gegenangriffe, aber verharmlosten den Staatsterrorismus seitens USA und Israel. Deutschland spielt eine wichtige Rolle als Riesen-Flugzeugträger der USA: Ramstein, die Frankfurt Airbase sowie das Centcom in Stuttgart sind wichtige Teile der Kriegsführung.

Mehrere EU-Staaten nutzen den Einschlag einer Rakete unbekannter Herkunft auf einer britischen Militärbasis auf Zypern als Argument, um ihre Unterstützung für den Krieg zu konkretisieren. Starmer versprach die Nutzung britischer Einrichtungen, Macron kündigte an, den Flugzeugträger “Charles de Gaulle” ins Mittelmeer zu schicken.

Der spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez positionierte sich als einziger gegen die Kriegsbeteiligung und verweigerte die Nutzung spanischer Flughäfen für US-Militärflieger. Daraufhin wurden die US-Flugzeuge nach Deutschland verlegt und Trump drohte Spanien mit dem Abbruch der wirtschaftlichen Beziehungen.

Kurdische Bodentruppen? Eine neue Falle

Die USA haben aktuell keine Möglichkeit, mit Bodentruppen zu intervenieren. Selbst wenn sie diese extrem riskante Operation starten würden – der Iran hat 90 Millionen Einwohner*innen, ist so groß wie Westeuropa und ein stark gebirgiges Land – bräuchten sie mehrere Monate, um die benötigten Truppen bereit zu stellen. Ein regime chance oder auch nur eine völlige Neutralisierung des Regimes ist ohne “boots on the ground” jedoch nicht möglich. Daher werden Gespräche mit kurdischen Gruppen geführt, die vom Irak aus in den Iran eindringen und gegen die Regime-Truppen kämpfen sollen.

Das könnte für die verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Iran zu einer Katastrophe werden. Die brutale Bombardierung des Landes dürfte dazu geführt haben, dass die Unterstützer*innen des Regimes zusammenrücken. Sie verfügen über Hunderttausende Bewaffnete. Wenn die Kurd*innen seitens der persischen Mehrheitsbevölkerung als Bodentruppen der USA und Israels wahrgenommen werden, droht ein ethnischer Bürgerkrieg, der nicht zu Freiheit und Frieden führt, sondern zu mehr Gewalt und Unterdrückung, zu einer Situation, in der reaktionäre Warlords die Macht im Iran ausüben.

Gerade sind die syrischen Kurd*innen von den USA benutzt und verraten wurden. Sie waren gut genug im Kampf gegen den “Islamischen Staat” und wurden jetzt dem neuen US-Verbündeten, dem Präsidenten und ehemaligen islamistischen Milizenführer Al-Sharaa zum Fraß vorgeworfen.