Patriarchat, Missbrauch, Gewalt, Korruption – Epstein-Skandal als Kapitalismus-Konzentrat

Die Veröffentlichung der Epstein-Dokumente ist schockierend. Wie kann es sein, dass reiche und mächtige Männer über Jahre extreme Verbrechen gegen Frauen, Kinder und Jugendliche begehen und ungestraft davonkommen? Warum tun sie es – weil sie „es können“? Aus Sadismus? Weil sie sich zu einem Kult zusammen gefunden haben? Weil die Demütigung von Menschen ein unverzichtbarer Bestandteil von Herrschaft ist?

Aus Sicht des US-Justizministeriums unter der Leitung von Pamela Bondi, seit 2019 Lobbyistin und Anwältin von Trump, dient die Veröffentlichung von 3,5 Millionen Epstein-Dokumenten dem Abschluss des Falls und soll nicht zu weiteren Ermittlungen führen. Lediglich Jeffrey Epstein selbst – 2019 offiziell durch Suizid in Haft verstorben – und seine Geschäftspartnerin Ghislaine Maxwell – derzeit noch in Haft – wurden wegen Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung Minderjähriger verurteilt.

Es gibt laut US-Justizministerium keine Handhabe, gegen die in den Dokumenten häufig erwähnten Politiker*innen wie Trump, Ex-Präsident Clinton, den britischen Botschafter Mandelson, Vertreter*innen des europäischen Adels wie Mette-Marit von Norwegen oder Andrew Mountbatten-Windsor aus Großbritannien oder gegen Konzernchefs wie Bill Gates oder Ökonomen wie Lawrences Summers zu ermitteln.

Seit den 1990er Jahren haben Überlebende gegen Epstein ausgesagt und Vorwürfe wegen Menschenhandel und Vergewaltigung auch Minderjähriger erhoben. Ihre Aussagen wurden von der Justiz nicht ernst genommen, ihre Glaubwürdigkeit öffentlich in Frage gestellt. In den Dokumenten finden sich viele E-Mails, in denen sich Personen mit Epstein über den Kauf und den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen austauschen. Fotos unter anderem von Epsteins Karibik-Insel Little Saint James bestätigen die von Überlebenden erhobenen Vorwürfe.

Gäbe es nicht die Klassenjustiz, die die Reichen schützt, säßen Dutzende bis Hunderte in Untersuchungshaft. Alle Verdächtigen müssten festgesetzt, ihre elektronischen Medien, Accounts und Akten beschlagnahmt und ihr Vermögen und Besitz eingefroren werden, um Verdunkelung und Flucht zu vermeiden.

Tsunami der Grausamkeit

Nichts davon ist passiert. Es sind lediglich 3,5 von 6 Millionen Dokumenten veröffentlicht worden. Die sechswöchige Verspätung – laut Kongressbeschluss hätten die Dokumente bis bis Mitte Dezember 2025 veröffentlicht werden sollen – erklärt das Justizministerium damit, dass Bilder und Namen der Betroffenen geschwärzt werden mussten. Unkenntlich gemacht wurden allerdings auch die Namen und Fotos von Beschuldigten. An mehreren tausend Stellen wurden über 100 Betroffene gegen ihren Willen genannt, ihre Fotos und Namen wurden bei der Schwärzung „vergessen“.

Die US-Regierung will durch die Veröffentlichung keine Klarheit schaffen. Es ist Teil ihrer Strategie, durch die schiere Menge der Dokumente und das Durcheinander von belangloser Alltagskommunikation, korrupten Verstrickungen, verstörenden Bildern und extremen Grausamkeiten die Synapsen der Lesenden zu fluten, Verwirrung zu schaffen, abzustumpfen, zu traumatisieren und Menschen dahin zu bringen, den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen.

Betroffenen von sexualisierter Gewalt und Missbrauch wird damit unmissverständlich klar gemacht: Wenn ihr redet, dann seid ihr nicht sicher. Schon jetzt sind diejenigen, die durch die nicht geschwärzten veröffentlichen Dokumente geoutet wurden, Drohungen ausgesetzt und wissen nicht, in welchen Foren, Medien und Formaten ihre Infos und zum Teil sogar Nacktbilder weiterverbreitet werden.

Europäische Medien verharmlosen die Vorkommnisse mit unzutreffenden Begriffen wie „Sex-Parties“. Sie vermitteln in ihren Berichten überwiegend den Eindruck, es ginge bei den Vorwürfen gegen Epstein und andere um den sexuellen Missbrauch von 16- oder 17jähren weiblichen Teenagern (was schlimm genug wäre!). Doch die Vorwürfe gehen viel weiter: Vergewaltigung von Kindern jeden Alters, Raub und Menschenhandel, schwere Körperverletzung, fahrlässige Tötung, Folter, Totschlag, Mord und Kannibalismus. Es ging auf Epsteins Insel nicht um „Sex“, sondern um die gewaltsame Ausübung von Herrschaft.

Ob all diese Anschuldigungen zutreffend sind oder ob das Justizministerium an vorhandenen Verschwörungserzählungen von Babymorden und Kannibalismus gezielt anknüpft, um die Entsetzlichkeit der „alltäglichen“ Verbrechen gegen Frauen, Kinder und Jugendliche zu relativieren, lässt sich nicht sagen.

Organisieren!

Wir müssen uns gegen den Tsunami von Grausamkeiten schützen, der durch die sozialen Medien rast. Die psychologische Wirkung der Veröffentlichung kann verheerend sein. Wenn die Reichen selbst bei diesen Verbrechen gegen verletzliche und wehrlose Menschen davon kommen, wie sollen wir sie stoppen, werden sich viele fragen. Die Flut der entsetzlichen Nachrichten über Kriegsgefahren und die gewaltsame Unterdrückung von Teheran bis Minneapolis können Menschen in die Passivität und den Doomerismus treiben.

Die Linke und die Arbeiter*innenbewegung müssen sich mit der Epstein-Affaire beschäftigen, jedoch ohne sich kopfüber in diese Mutter aller Rabbit Holes zu stürzen. Entscheidend ist zu handeln, sich zu organisieren, den Medienkonsum unter Kontrolle zu halten und Aktivitäten in der Nachbarschaft, in Betrieb, Schule und Uni zu starten. Die Antwort auf diesen morbiden Wahnsinn wurde auf den Straßen von Minneapolis formuliert: Organisierung, Massenproteste, Streiks.

Sollten die Entführung von Maduro oder der ICE-Terror in Minneapolis von Trumps Verstrickungen mit Epstein ablenken oder dient die Datenflut umgekehrt dazu, die nächsten Schritte der Regierung Trump vorzubereiten? Beides ist möglich. Sicher ist, dass das MAGA-Regime eine „Strategie der Spannung“ einsetzt, um zunehmend autoritär zu regieren, Gewalt zu provozieren, Wahlen zu beeinflussen. Zu dieser Strategie gehören die enge Verbindung aggressiven militärischen Handelns nach außen mit der Intensivierung repressiver Gewalt nach innen, außerdem das Stiften von Verwirrung, wer für welche Verbrechen verantwortlich ist, das Befördern einer Atmosphäre von Einschüchterung und Angst und irgendwann auch gewalttätige und terroristische Operationen unter falscher Flagge.

Wie sich der weitere Umgang mit den Epstein-Affäre entwickelt, hängt auch davon ob, ob das MAGA-Regime seine zentrale Integrationsfigur Trump weiterhin mit allen Mitteln schützt oder opfert. Schließlich verschlechtert sich dessen geistiger Zustand schnell, so dass er nur noch als zombieartige Galionsfigur von Nutzen genutzt wird oder in wenigen Monaten zusammenbricht bzw. wegen seines Verfalls auf die eine oder andere Weise aus dem Verkehr gezogen wird.

Was war das Epstein-Netzwerk?

Einige mutmaßen, Maxwell und Epstein hätten für den israelischen Geheimdienst Mossad US-Politiker*innen kompromittiert und behaupten, Netanyahu habe Trump daher in der Hand und würde ihn zwingen, den Genozid in Gaza geschehen zu lassen. Das ist eine klassische Verwechslung von Hund und Schwanz. Nicht Israel diktiert dem US-Imperialismus, was in der Region passiert, sondern der israelische Staat ist der wichtigste Wachposten des westlichen Imperialismus in der arabischen Welt, der dort dessen „Drecksarbeit“ (Friedrich Merz) erledigt.

Die Springer-Medien und die Hamburger Morgenpost interpretieren – wenig überraschend – Epsteins Insel als russische „Honigfalle“ und wollen damit erklären, warum Putin so gute Karten bei Trump hat. Das bedient die europäische NATO-Propaganda, welche die Übel dieser Welt am liebsten sämtlich bei Putin verortet. Auch die deutsche Recherchegruppe „correctiv“ hat angekündigt, sich auf den Holzweg der Russland-Verbindungen zu begeben anstatt die Verbindungen nach Deutschland zu untersuchen, was die zentrale Aufgabe eines Recherchekollektivs hierzulande wäre. Dafür gäbe es Ansätze: Die deutsche Unternehmerin Nicole Junkermann, eine von „100 Frauen, die Deutschland voranbringen“ (Handelsblatt 2021) war eng mit Epstein verbunden, unterhielt einen regen Briefkontakt, auch als er bereits verurteilt war. Sie taucht über 1000 mal in den Dokumenten auf. Junkermann traf sich mit Epstein und dem rechtsextremen Tech-Unternehmer Peter Thiel (Paypal, Palantir) und war zusammen mit Epstein an einer Software-Firma des ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak beteiligt.

Dass Trump von Putin manipuliert sei, war schon immer ein Verschwörungsmythos. Das MAGA-Regime will vor allem Russland aus dem Bündnis mit China herauslösen und ist dafür bereit, die Ukraine zu opfern. Ziemlich sicher haben Maxwell und Epstein Geschäfte mit dem Mossad gemacht, vielleicht auch mit dem russischen Geheimdienst. Sie haben Informationen aller Art gehandelt. Doch ihr Netzwerk ist ein originär US-amerikanisch-westliches, das Politiker*innen, Kapitalist*innen, Wissenschaftler*innen und Kulturschaffende miteinander verband.

Epstein war ein Aufsteiger und Hochstapler. Er hatte sich mit gefälschten Dokumenten eine Stelle als Dozent verschafft, flog auf, konnte jedoch aufgrund guter Leistungen weiterarbeiten. In den 1990ern machte er eine geförderte Karriere in der boomenden Finanzbranche und häufte ein Vermögen an, das am Ende auf 500 Millionen geschätzt wurde. Er setzte dieses Vermögen aktiv ein, um Verbindungen und Einfluss zu schaffen, investierte es in seinen persönlichen Luxus und ließ andere daran teilhaben – durch Partys und Übernachtungen auf seinen Anwesen, umfassenden Transportservice mit Privatflugzeugen sowie Spenden für Kultur und Wissenschaften.

So wurde er zu einer wichtigen kommunikativen Figur für Kapitalist*innen und Politiker*innen. Er handelte mit Insider-Informationen, die ihm und anderen Einfluss und Profite brachten, z.B. bekam er vom britischen Politiker Peter Mandelson Informationen über die Stützung des Euro durch die britische Regierung während der Euro-Krise (2008-2015).

Gewalt als Eintrittskarte

Wie passt diese Rolle als Info-Händler mit dem massenhaften sexuellen Missbrauch von Kindern zusammen? Charlotte Walser, die USA-Korrespondentin der Süddeutschen Zeitung, beschreibt es in einem Podcast so, als sei vor allem Epstein der Täter gewesen und andere hätten was merken und sich schneller distanzieren müssen. Doch es ist unwahrscheinlich, dass ein so umfassendes Netzwerk von Kapitalist*innen und Politiker*innen von einer Person geknüpft und geleitet wurde, die eher zufällig als weiteres Hobby die Vergewaltigung von Kindern betrieb.

Patriarchale Gewalt und Missbrauch waren zentrale Bestandteile des Epstein-Netzwerks. Wahrscheinlich war die sexuelle Gewalt gegen Minderjährige der besondere „Kick“, der bei Epstein geboten wurde. Man wollte zu einer elitären Truppe gehören, die sich etwas leistet, was sich andere nicht trauen. Gemeinsame Verbrechen schaffen eine besondere Verbindung unter denjenigen, die sie miteinander begehen. Sie schaffen gegenseitige Abhängigkeiten – man kann schlecht die anderen beschuldigen, wenn man selbst drin hängt. Der Missbrauch von älteren Teenagern zum „Einstieg“, die sexuelle Gewalt gegen Kinder – und möglicherweise weitere Gräueltaten wie Entführung, Mord und Kannibalismus – wären somit die Eintrittskarte für einen speziellen Kult der Reichen und Mächtigen, ein Aufnahmeritual, um zur „Elite“ der Ausbeuter zu gehören.

Die Vergewaltigung von Kindern ist keine Pädophilie im klinisch-psychologischen Sinn, sondern das Zelebrieren der ultimativen Machtausübung, als symbolischer Missbrauch an den Massen – weil sie „es können“. Wenn das zutrifft, dann wäre es unwahrscheinlich, dass diese Prozesse mit dem Tod Epsteins endeten oder dass dies die einzige „Gang“ von Kapitalist*innen-Politiker*innen war, die spezifische Rituale hatte.

Wie tickt die herrschende Klasse?

Die Reichen und Mächtigen führen trotz möglicher ideologischer Unterschiede ein gemeinsames Leben in einer Parallelgesellschaft. Dieses Leben ist erstaunlich kulturlos und dumpf. Die seltsamen Partys eines Hochstaplers und Zuhälters waren für einige anscheinend ein solcher Höhepunkt des gesellschaftlichen Lebens, dass Elon Musk, reichster Mann der Welt, Epstein um einen Platz auf seiner Gästeliste anbettelte. Er wollte zu den „wildesten Partys“ kommen.

Dieses Verhalten sagt viel über den psychischen Zustand der Angehörigen der herrschenden Klassen aus, die sich an den Verbrechten beteiligt, dabei zugesehen oder davon gewusst haben. Das Ausmaß von Empathielosigkeit, Narzissmus, Sadismus und innerer Leere ist für die Mehrheit der Menschen nur schwer zu fassen. Die Reichen behandeln Menschen wie die Konsumgüter der Wegwerfgesellschaft. Sie empfinden Befriedigung dabei, Leben anderer durch Herabwürdigung zu zerstören. Ihr Verhalten ist ein ins Grausame gesteigerter Ausdruck der Tatsache, dass im Kapitalismus alles einen Warencharakter hat. Die heutigen Kapitalist*innen und ihre Politiker*innen tragen nicht zum gesellschaftlichen Fortschritt bei. Ihr System ist parasitär und destruktiv. Die Existenz der menschlichen Zivilisation ist durch die Klimakatastrophe bedroht. Der Kampf um Absatzmärkte und Rohstoffe nimmt zunehmend die Form von militärischen Konflikten an und gefährdet unsere Leben.

Das ist nicht vollständig neu, doch die ökonomische, ökologische und soziale Sackgasse, in der der Kapitalismus steckt, lässt die Moral der bizarr reichen kleinen Minderheit weiter verfaulen. Gleichzeitig verweist der Fall Epstein auf die Kontinuität von Ausbeutung und Missbrauch aus den Entstehungszeiten des Kapitalismus: der Umgang der Epstein-Gang mit Minderjährigen reproduziert die Gewalt der US-amerikanischen Sklavenhalterklasse – vor allem weibliche Sklaven wurden gehandelt, geschlagen, vergewaltigt, über ihre Kinder bestimmten die Sklavenhalter.

Die Zugehörigkeit zur herrschenden Klasse begünstigte schon immer die Ausprägung psychopathischer und narzisstischer Züge. In der klassischen Erzählung helfen diese Eigenschaften bei der Durchsetzung in einer Gesellschaft, die auf Konkurrenz basiert. Doch die meisten heutigen Kapitalist*innen mussten sich gar nicht durchsetzen, sie haben schlicht geerbt. Es ist davon auszugehen, dass die Erziehung, die gesellschaftliche Machtstellung und ein sozial elitäres, vom Rest der Gesellschaft abgekoppeltes Umfeld der Bonzenkinder diese Seiten fördert, möglicherweise vererben Reiche auch nicht nur ihr Geld, sondern ein intergenerationales Trauma der Bösartigkeit bzw. eine Klassenkultur, in der Entsolidarisierung, Verachtung nach unten und die Bereitschaft zur Gewalt weitergegeben werden.

Empathielosigkeit wird von den prokapitalistischen Politiker*innen trainiert, auch unterhalb der Ebene der persönlichen Ausübung von Gewalt. Wenn Vertreter*innen von CDU/CSU die Bestrafung von angeblich arbeitsscheuen Sozialleistungs-Empfänger*innen, das Ende der „Lifestyle-Teilzeit“ oder Mehrarbeit fordern, dann steckt dahinter einerseits der sich aus sachlichen Klasseninteressen ergebende Versuch, die Löhne zu drücken und die Verwertungsbedingungen von Kapital zu verbessern. Doch diese Bestrafung hat auch eine nur wenig versteckte sadistische Komponente: den arbeitenden Menschen wird nicht gegönnt, selbst darüber zu entscheiden, weniger zu arbeiten. Es entsteht Lust zur Herabwürdigung der vermeintlich Schwachen und Faulen, sowohl bei den Politiker*innen als auch bei denen, die sich entsolidarisieren. Wer die Verbesserung der eigenen Lebensumstände für utopisch hält, tröstet sich damit, dass es anderen noch mieser geht, das ist die Logik kapitalistischer Spaltungspolitik.

Nicht nur die herrschende Klasse

Der Fall Epstein zeigt die organisierte und verdichtete Form des Patriarchats, doch es wäre eine Vereinfachung und Verfälschung, sexuelle Gewalt und Gewalt gegen Kinder nur bei der herrschenden Klasse zu verorten. Wir erleben im Alltag eine Pandemie der mysogynen Gewalt, die auch von „normalen Männern“ aus den Mittelschichten und der arbeitenden Klasse ausgeübt wird, meisten durch Partner oder Ex-Partner.

Die Französin Gisèle Pelicot wurde über 14 Jahre von ihrem Ehemann betäubt. Er vergewaltigte sie, filmte die Taten, stellte sie ins Internet und stellte seine bewusstlose Frau auch anderen Männern zur Vergewaltigung zur Verfügung. Im Februar 2026 wurde ein ähnlicher Fall in Schweden bekannt, wo ein Mann seine Partnerin an rund 50 Männer „verkaufte“.

Durch eine Recherche des NDR kamen 2025 Netzwerke mit Beteiligten aus Deutschland ans Licht, in denen Männer sich über das Betäuben und Vergewaltigen von Frauen austauschen. Die Videos der missbrauchten Frauen wurden hauptsächlich in Telegram-Chat-Gruppen und auf der Porno-Website „Motherless“ veröffentlicht und ausgetauscht. Mit Tags wie „Bewusstlos“ , „Passed Out“, „Drugged“ und auch „Vergewaltigung“ beschrieben die Täter ihre Verbrechen. Sie  gaben sich gegenseitig Tipps, welche Betäubungsmittel gut funktionieren, wie sie diese verabreichen und was sie mit ihren Opfern alles anstellen können.

2024 gab es in Deutschland 308 versuchte und vollendete Femizide – Tötungsdelikte gegen Frauen und Mädchen im Rahmen von Partnerschaftsgewalt. Während bei allen Tötungsdelikten rund 30% der Opfer weiblich sind, sind 80% der Opfer Frauen und Mädchen, wenn Mord oder Totschlag im Rahmen einer Beziehung oder Ex-Beziehung stattfinden.

Dass die patriarchale Ideologie bei Männern aus der Arbeiter*innenklasse verbreitet ist, ist nicht neu. Sie wirkt spaltend, wie auch der Rassismus, weil sie männliche, meist weiße Arbeiter*innen über andere Menschen erhebt, sie mit Macht und Herrschaft über andere bzw. der Illusion davon ausstattet. Sie schafft gefühlte und reale Privilegien, die gegen Forderungen nach gleichen Rechten und einem Ende der Diskriminierung in Stellung gebracht werden können.

Diese reaktionären Ideen in der arbeitenden Klasse konnten durch Klassenkampf und Solidarität immer wieder bekämpft und zurückgedrängt werden, sowohl durch geschlechterübergreifende Bewegungen wie Streiks als auch durch die Aktivitäten der feministischen Bewegungen. In den letzten Jahren wird die antifeministische, gewaltvolle Ideologie gezielt von rechten Propagandist*innen verbreitet, um die Errungenschaften der Frauen- und der LGBTQ+-Bewegungen zurückzudrängen, durch Influencer und Vergewaltiger wie Andrew Tate, rechte Parteien wie die AfD und nicht zuletzt die „Helden“ der MAGA-Bewegung wie den inzwischen getöteten Charlie Kirk oder Donald Trump selbst. Die extreme Rechte zielt auf sozial deklassierte und frustrierte junge Männer und versucht sie Richtung Hass auf Frauen, Queers und trans Personen zu kanalisieren.

Die Menschenhandel- und Missbrauchsnetzwerke um Epstein oder auch um Sean „P Diddy“ Combs konnten in dieser Form nur innerhalb der herrschenden Klasse stattfinden, aber das Gift der Frauen- Queer- und Kinderfeindlichkeit ist weit stärker verbreitet.

Wir müssen sie stürzen

Der irrsinnige Jahresbeginn 2026 mit dem extrem aggressiven US-Imperialismus im Zentrum, lässt Menschen verzweifeln, entmutigt und verängstigt sie. Doch viele andere ziehen daraus klare Schlussfolgerungen, wollen kämpfen und sehen, dass es nicht um ein paar mehr Brötchen, sondern die ganze Bäckerei geht.

Dieses System kann nicht reformiert werden. Wir können nicht auf oppositionelle Parteien, die bürgerliche Justiz oder die etablierten Medien vertrauen. Diese herrschende Klasse muss gestürzt, der Kapitalismus abgeschafft werden. Um unsere Zivilisation zu retten. Um patriarchaler Gewalt und Ausbeutung den Nährboden zu entziehen. Um die Klimakatastrophe abwenden zu können. Um Kriege zu verhindern. Um die Ressourcen des Planeten im Interesse aller und nachhaltig zu nutzen. Um genug zu essen und zu trinken für alle zu haben. Um zu verhindern, dass sich die rechten Diktaturen ausbreiten.

Die Partei Die Linke sollte eine deutliche Sprache sprechen und sich von allen bürgerlichen Kräften scharf abgrenzen und erklären, dass dieses kaputte System revolutionär gestürzt und eine sozialistische Gesellschaft aufgebaut werden muss. Wir sollten weiterhin für jede kleine tägliche Verbesserung kämpfen, aber ohne jede Illusion, auf der Grundlage des Kapitalismus stabile, tiefgehende Änderungen erreichen zu können. In diesem System sind alle sozialen und demokratischen Errungenschaften bedroht.

In den Händen der bizarr reichen Minderheit werden die Fabriken zu Risiken für das Klima, die Medien zu Maschinen zur Verbreitung der Lügen, die Software und die KI zu Instrumenten der Überwachung und der Manipulation und die Waffen in den Händen von Polizei und Armee zu einer Gefahr für unsere Sicherheit. Es ist an der Zeit, dass wir all diese Dinge in gesellschaftlichen Besitz nehmen und demokratisch kontrollieren. It’s time for revolution.

Der Fall Noam Chomsky

Der als links und kapitalismuskritisch bekannte Sprachwissenschaftler Noam Chomsky betätigte sich als Epsteins Brieffreund. Er schrieb an ihn von „der schrecklichen Art und Weise, wie Sie in der Presse und der Öffentlichkeit behandelt“ werden. „Am besten ignoriert man das einfach (…) Das gilt insbesondere jetzt, wo eine Hysterie um den Missbrauch von Frauen entstanden ist, die so weit gegangen ist, dass schon das Infragestellen einer Anschuldigung ein Verbrechen ist, das schlimmer ist als Mord.“ Zu diesem Zeitpunkt hatte Epstein eine Haftstrafe wegen abgesessen, offiziell, weil er eine 14jährige zu Prostitution gezwungen hatte. Tatsächlich hatte er sie auch persönlich vergewaltigt. Weitere Ermittlungen liefen bereits.

Nicht nur, dass Chomsky im Stile der antifeministischen Rechten das Narrativ von den Falschbeschuldigungen verbreitet, er wendet es auch an auf einen reichen Mann an, der sich bereits Schweigen und und eine verringerte Haftstrafe erkauft hatte.

Chomsky selbst kann sich aufgrund seiner gesundheitlichen Situation – er ist 97 Jahre – nicht mehr verteidigen, daher übernahm das seine Partnerin Valéria Chomsky. Sie entschuldigte sich für die „Naivität“ des Paares und sagte, man hätte sich besser informieren sollen. Und sie beschrieb die Beziehungen zu Epstein in einer Weise, die sie wohl als Verteidigung sieht, die jedoch deutlich macht, dass der „Linke“ Chomsky und seine Partnerin durch und durch korrupt sind.

Epstein hatte Chomsky Geschenke geschickt. Das Paar speiste auf Epsteins Ranch. Sie übernachteten in seiner Stadtwohnung in New York. Epstein überwies Chomsky 20.000 Dollar für einen „linguistischen Wettbewerb“. Ein weltberühmter, wohlhabender linker Professor und seine Partnerin ließen sich von einem Zuhälter, Vergewaltiger und Finanzspekulanten einladen und aushalten und dachten, das wäre kein Problem!? Weil „akademische Angelegenheiten“ diskutiert wurden, wie Valéria Chomsky es formuliert?

Chomsky mag sich für progressiv gehalten haben, aber vor allem ist er ein Teil der herrschenden Elite, der es für normal hält, sich in die Luxushäuser von Finanzspekulanten einladen zu lassen. Epstein hatte mehrere Angehörige der akademischen Oberschicht in den USA zu Gast, die wohl von seinem Reichtum und der Verschwendung beeindruckt waren. Kein einzelner Mensch sollte mehrere Häuser, Ranches oder gar Inseln besitzen. Wirkliche Linke würden solche Gelände nur betreten, um auszumessen, auf wie viele Familien das Anwesen nach der Enteignung verteilt werden kann.

Das entwertet nicht die Inhalte von Chomskys Forschungen. Seine Auftritte und Texte haben viele politisiert. Doch es macht deutlich, dass sich als links verstehende Privilegierte bewusst mit der herrschenden Klasse brechen und aktiver Teil von sozialen Bewegungen und linker Organisierung sein sowie sich der demokratischen Disziplin dieser Bewegungen anpassen müssen anstatt sich lediglich innerhalb des akademischen Elfenbeinturms links zu positionieren.