Sri Lanka: Regierung in Angriff auf Anti-Kriegs-Kundgebung verwickelt
[Druckversion] Thema: Asien, veröffentlicht: 16.01.2007
Am 9. Januar konnten Siritunga Jayasuriya und weitere Aktivisten des
United Peoples Movement (UPM) nur knapp einem bewaffneten Angriff
entkommen. Vor einer öffntlichen Kundgebung gegen Krieg und
Unterdrückung in Sri Lanka, die an diesem Tag in Colombo stattfindet
sollte, wurden die Organisatoren von einem bewaffneten Schlägertrupp
angegriffen und verfolgt.
Angeführt wurden die ca. 100 Schläger von einem stellvertretenden
Minister der Regierung, Mervyn Silva.
Mervyn Silva ist bekannt für seine rassistischen und brutalen Übergriffe
gegenüber TamilInnen, aber auch gegen Journalisten. Die anwesenden
Organisatoren konnten nur knapp ihre Leben retten und sind weiterhin mit
Morddrohungen konfrontiert. Mehrere Journalisten wurden bei dem Überfall
verprügelt und ihre Kameras zerstört. In einem Interview (siehe Link
unten) schildert Siri. Jayasuriya die Ereignisse.
Der Überfall ist als Angriff auf die Arbeit des UPM zu sehen, die seit
dem Antritt des neuen Präsidenten Rajapakse Ende 2005 großen Anklang
findet mit der Mobilisierung gegen Krieg, repressive Maßnahmen der
Regierung und Armut. Bis zu zehntausend TeilnehmerInnen waren zu der
verhinderten Kundgebung am 9. Januar erwartet worden. Dort sollten
diverse politische VertreterInnen sprechen, unter anderem vom United
People"s Movement, der Tamil National Alliance, des
Sri Lanka Muslim Congress und der United Socialist Party.
Siritunga Jayasuriya aus Colombo, Sri Lanka, ist Koordinierer des neu
gegründeten "United People"s Movement" und Vorsitzender der "United
Socialist Party". Er ist ausserdem Sprecher des "Civil Monitoring
Committee", das gegründet wurde um Entführungen und Ermordungen von
TamilInnen in Sri Lanka aufzudecken und dagegen vorzugehen.
Angelika Teweleit interviewte ihn am Rande einer internationalen
Konferenz, an der er zur Zeit in Belgien teilnimmt, dem Weltkongress des
Kommittes für eine Arbeiterinternationale.
AT: Siri, in der Presse wurde berichtet, dass du und weitere
Organisatoren einer öffentlichen Kundgebung in Colombo von einer
bewaffneten Bande angegriffen wurdet. Was ist dort vorgefallen?
Siri: Es sollte die erste öffentliche Kundgebung des "United People´s
Movement" (UPM) sein. Die UPM ist ein Bündnis aller politischer Kräfte
und Parteien, die gegen den Krieg und Hunger sind und gegen die
repressiven Gesetze der Regierung. Dies war unsere erste
Massenmobilisierung seit die neue Regierung an die Macht gekommen ist.
Wir hatten eine große Resonanz auf unsere Plakate und haben bis zu
zehntausend Teilnehmer für die Kundgebung erwartet.
Am Tag vorher teilte uns die lokale Polizeibehörde mit, dass wir die
Veranstaltung absagen sollten, da sie nicht für unsere Sicherheit sorgen
könnte. Ich entgegnete ihnen, dass wir selber für die notwendige
Sicherheit sorgen würden und dass es sich um eine vollkommen legale
Veranstaltung handelt.
Neunzig Minuten vor Beginn der Veranstaltung, als die meisten Helfer
gerade zum Mittagessen unterwegs waren, hielt ich mich mit einigen
anderen in der Nähe der Rednerbühne auf. Plötzlich wurde es laut und wir
sahen, wie über hundert Leute auf die Bühne stürmten. Sie begannen die
Lautsprecher und die ganze Ausstattung zu zertrümmern. Ich ging hin um
zu sehen, was dort vor sich ging.
Dort sah ich Mervyn Silva, einen stellvertretenden Minister. Er führte
die Bande an. Ich wollte sie fragen, was sie dort tun, da rief eine
kleine Gruppe von ihnen: "Das ist er!" und begann, mich zu verfolgen.
Ich konnte über einen Parkplatz wegrennen und in einen Supermarkt
flüchten. Die Gangster fingen an die Scheiben einzuschlagen und folgten
mir. Ich rannte in ein anderes Geschäft, konnte entkommen und so mein
Leben retten. Dann sah ich durch die Fenster, dass sie draussen die
gesammte Ausrüstung für unsere Kundgebung anzündeten. Nach kurzer Zeit
gelang es mir durch die Hilfe eines Riksha-Fahrers, den Stadtteil zu
verlassen. Das ist, was an diesem Tag geschah.
AT: Du sagtest, ein stellvertrender Minister führte diese Bande an.
Wie kann es sein, dass jemand aus dem Umkreis der Regierung so etwas tut?
Siri: Dieser stellvertretende Minister hat übrigens bei einer
Pressekonferenz noch am Tag des Überfalls abgestritten, dass er
überhaupt dort gewesen sei. Die Regierung hingegen behauptet, dass sich
diese Leute dort befunden hätten um den Organisatoren der Kundgebung zu
helfen, weil wir die Veranstaltung angeblich nicht hätten statt finden
lassen wollen!
Seit der neue Präsident Rajapakse Ende 2005 vereidigt wurde, ist die
Regierung wegen uns sehr beunruhigt. Zu dieser Zeit, ich war damals
Kandidat für die USP und wurde Dritter bei der Präsidentschaftswahl,
haben wir Rajapakse gewarnt, dass wir breiten Widerstand organisieren
würden, wenn er den Weg von Chauvinismus und Krieg weitergehen würde.
Seit er an der Macht ist, hat sich eine Opposition und Widerstand
entwickelt und wir mobilisierten gegen die Regierung. Ich glaube, diesen
Überfall kann man nicht isoliert betrachten. Ich denke, die Regierung
hat diesen Angriff auf uns geplant, wegen unserer Versuche, eine
Bewegung gegen Unterdrückung und Hunger zu organisieren.
Wir haben dabei deutlich gemacht, dass wir für die Rechte der Tamilen
eintreten, aber nicht mit der terroristischen Taktik der LTTE
(Liberation Tigers of Tamil Eelam) einverstanden sind. Denn sie führt zu
einer Vertiefung der Spaltungen in Sri Lanka.
Wegen des Überfalls haben wir eine offizielle Beschwerde bei der
Regierung und der Polizei gemacht. Aber sie versuchen uns als
Unterstützer von Terroristen darzustellen, um damit ihre gewaltsame
Aktion zu legitimieren.
AT: Wie ist zur Zeit die Situation für die Tamilen in Sri Lanka?
Siri: Im Norden, wo sie eine Mehrheit darstellen, ist die Situation
furchtbar. Die Armut ist dort sehr groß, die Preise sind dort fünf mal
höher als normalerweise und es gibt dort viel Hunger. Besonders für
Kinder und alte Menschen ist es sehr schlimm. Es gibt keine Medikamente
mehr. Die Regierung hat die Autobahn A9 gesperrt. Das bedeutet, dass die
wichtigte Verbindung auf die Jaffna-Halbinsel gesperrt ist, über die die
ganze Versorgung mit Waren etc. lief. Wir machen eine Kampagne für die
Öffnung der Straße und auch für eine Notversorgung. Selbst die Schulen
und Krankenhäuser funktionieren dort nicht.
AT: Was ist das "United People´s Movement"?
Siri: Das UPM, das sich vor kurzem gegründet hat, setzt sich aus vielen
Parteien aus unterschiedlichen politischen Richtungen zusammen. Aber wir
arbeiten zusammen für die demokratischen Rechte der Arbeiter und der
armen Bevölkerung, gegen den Krieg , Chauvinismus und Hunger. Die
Inflation beträgt derzeit 22 % - so viel wie noch nie - und die Preise
für Nahrungsmittel werden täglich teurer. Das UPM hat sich
zusammengefunden, um für demokratische Rechte und gegen Armut zu
kämpfen.
Wir setzten und auch ein für eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche
in diesem seit Jahren anhaltenden Bürgerkrieg. Wenn die Regierung diesen
blutigen Krieg fortsetzt, wird das zu einer dauerhaften Spaltung des
Landes führen. Das lehen wir völlig ab.
AT: Und was sind die Ziele und das Programm deiner Partei, der
"United Socialist Party"?
Siri: Wir haben ein klares Programm zu den Problemen der tamilischen
Minderheit. Wir denken, die Probleme der Tamilen können nur auf der
Basis gelöst werden, ihre Rechte und das Recht auf Selbtsbestimmung der
Tamilen zu verteidigen. Aber es ist uns auch klar, dass wir eine solche
Lösung von der bürgerlichen Klasse nicht erwarten können. In einem
kapitalistischen System wird keine dauerhafte Lösung erreicht werden
können. Diese Frage kann nur durch die Arbietrklasse gelöst werden.
Gleichzeitig setzen wir uns für die Wiederaufnahme von
Friedensgesprächen ein und für kurzfristige Verbesserungen, damit die
Arbeiterklasse überhaupt in der Lage ist, einen Ausweg aus der aktuellen
Spaltung entlang nationalistischer Linien zu finden. Wir wollen den
Kampf entlang von Klassenkonflikten führen und die Teilung nach
ethischen und religiösen Zugehörigkeiten beenden. Wir sind die einzige
Partei, die einen gemeinsamen Kampf der arbeitenden und armen
Bevölkerung anbietet, der alle Gruppen einschließt - Tamilen, Muslime
und Singalesen.
AT: Was kann man außerhalb von Sri Lanka machen um euch gegen die
Repressionen zu unterstützen?
Siri: Ich denke, der einzige Weg ist, maximale Unterstützung durch
Arbeiter- und Menschenrechtsorganisationen in anderen Ländern zu
organisieren. Viele Menschen wurden wegen des Krieges bereits getötet.
Vor diesem Hintergrund braucht der Protest gegen die Represionen durch
die Regierung und auch gegen die terroristischen Aktivitäten der LTTE
maximale Unterstützung.
AT: Was können wir in Europa konkret unternehmen?
Siri: Ich denke, dass die europäische Arbeiterklasse eine wichtige Rolle
spielen kann, um die repressiven Maßnahmen der Regierung einzuschränken
und auch den Krieg, der einem Völkermord nahe kommt.
Mein Name, sowie 21 weitere, ist auf einer Todesliste, die von
kommunalistischen Kräften publiziert wurde. Wir brauchen Unterstützung
durch Protestschreiben an die Regierung, in denen sie aufgefordert wird,
dem Einhalt zu gebieten. Ausserdem muß man öffentlich machen, welche
Angriffe auf demokratische Rechte und welche Todesdrohungen zur Zeit in
Sri Lanka stattfinden. Im Endeffekt wird es keinen anderen Weg geben
diese Probleme ein für alle mal aus der Welt zu schaffen, als die
Arbeiterklasse für einen weltweiten Kampf für Sozialismus zu gewinnen.
Protesbriefe können versendet werden an die folgende Adresse:
An Präsident Mahina Rajapakse (gleichzeitig Innenminister Sri Lankas):
Office of Mahinda Rajapakse
Telefon: ++ 94 11 25429-31 (bis -41)
e-mail: gosl@presidentsl.org
Fax: ++ 94 11 2321404
Botschafter in Berlin:
Jayantha Palipane
Telefon: 030-80909749
e-mail:
info@srilanka-botschaft.de
Fax: 030-80909757
Kopien bitte auch an das "United People"s Movement" c/o Siritunga
Jayasuriya: usp@sltnet.lk
Spenden können an die folgende Verbindung überwiesen werden:
Alliance for Peace, c/o Dröge
Kontonummer: 6210082
BLZ: 120 400 00
Commerzbank Berlin
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