Rede auf dem Antikriegstag am 1. September 2016

David Redelberger redet beim Antikriegstag

Wir dokumentieren hier den Redebeitrag von David Redelberger bei der Kundgebung zum Antikriegstag am 1. September 2016 auf dem Kasseler Friedrichsplatz.

 

Liebe Mitstreiterinnen, liebe Mitstreiter,

es ist mittlerweile kaum mehr möglich, durch die Stadt zu gehen, ohne Werbung der Bundeswehr zu sehen. Die Kampagne „Mach was wirklich zählt“ hat Plakate, Postkarten, Flyer und Bilder in den sozialen Medien. Das Budget liegt bei 12,5 Millionen Euro, das hat Gesine Lötzsch für die Linksfraktion im Bundestag in Erfahrung gebracht. Das muss man sich mal vorstellen: Auf der einen Seite wird sich über Fachkräftemangel in sozialen, in Pflegeberufen beschwert, auf der anderen Seite gibt man so viel Geld aus, um fähige Jugendliche in Uniformen zu stecken, die dann anderswo fehlen. Das darf nicht sein!

Der Aufwand, den die Bundeswehr in die Nachwuchsgewinnung steckt, scheint aus ihrer Sicht bitter notwendig. Das zeigen nicht nur die Diskussionen über die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Wie die junge Welt Ende 2015 berichtet hat, ließen sich im Jahr 2015 nur noch 9024 junge Menschen für den Bund rekrutieren. Das sind 1200 weniger als noch im Jahr zuvor. Die Bundeswehr versucht deshalb immer stärker in das öffentliche Bewusstsein und die öffentliche Debatte einzudringen; mit Werbekampagnen, wie eben beschrieben, mit Werbeständen auf Messen, aber auch mit Vorträgen und Diskussionen an Schulen und Unis. Wir müssen dabei klarstellen: Die Bundeswehr kann für uns kein legitimer Diskussionspartner sein! Wir halten sie für eine zutiefst undemokratische Institution. Und mehr noch, wir halten es für gefährlich, gerade unter Schülerinnen und Schülern so aggressiv zu werben. Jeder aus Afghanistan kommende Sarg war in der Vergangenheit eine Warnung, wie eine vermeintliche Karriere bei der Bundeswehr enden kann.

Klar ist: Die Bundeswehr hat nichts an unseren Schulen und Unis verloren! Wann immer wir können, stellen wir uns ihr in den Weg, klären auf und organisieren Gegenöffentlichkeit. Das ist praktischer Antimilitarismus. Auch bei Berufsmessen, öffentlichen Festen und Veranstaltungen machen wir klar: Kein Werben fürs Sterben – Die Bundeswehr ist kein Arbeitgeber wie jeder andere. Bei der größten deutschen Videospielmesse Gamescom hat es die Kampagne „Ein Herz für Gamer“ sehr treffend ausgedrückt: Solange die Bundeswehr Stände auf der Gamescom hat, sind Killerspiele unser kleinstes Problem. Das ist meiner Meinung nach auch der beste Kommentar zu dieser unsäglichen Debatte rund um die sogenannten Killerspiele, die nach jedem Attentat neu hervorgeholt wird.

Wir verbinden unseren Antimilitarismus immer mit einer grundsätzlichen Kritik: Solang der Kapitalismus herrscht, wird es keine friedliche Welt geben. „Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen“, hat Jean Jaurès einmal gesagt. Ich bin überzeugt: Erst in einer demokratisch-sozialistischen Welt wird es keine Kriege aus Rohstoffinteressen und Profitlogik mehr geben, werden keine Bundeswehr und keine Armeen mehr vorhanden sein, werden keine Waffen mehr produziert. Ich kämpfe im Hier und Jetzt gegen die Dominanz der Bundeswehr, aber ich kämpfe damit verbunden auch für eine grundsätzlich andere Welt.