6,8 % mehr für das Bauhauptgewerbe

Am 19. Mai haben mit zweimonatiger Verspätung die Tarifverhandlungen für die 850.000 Beschäftigten des Bauhauptgewerbes begonnen. Die nächsten Verhandlungen finden am 4. und 25. Juni statt.

von Thilo Nicklas, stellvertretender Vorsitzender IG BAU Köln*

Unsere Forderungen: Wegezeit-Entschädigung für die Fahrt von zuhause zur Baustelle und zurück, 6,8 % (mindestens 230 Euro) mehr, 100 Euro mehr für die Lehrlinge vom ersten bis zum dritten Lehrjahr. Für den Osten wird ein höherer Abschluss gefordert, bis 2022 soll das Lohnniveau im Westen erreicht werden.

In den vergangenen Jahren boomte die Bauwirtschaft. 2019 machten die Hoch- und Tiefbau-Unternehmen nach eigenen Angaben 135 Milliarden Euro Umsatz und damit 6,7 % mehr als im Vorjahr. Auch in diesem Jahr sind die Auftragsbücher voll und es wird flächendeckend gearbeitet. Für 2020 rechnen die Arbeitgeber mit einem Anstieg von etwa 5 %. Es werden mehr Fachkräfte benötigt und es wäre wichtig, die Beschäftigten zu halten und neue zu gewinnen. Um den Bau attraktiver zu machen, sollte von den Chefs ordentlich was drauf gepackt werden. Aus Sicht der Unternehmen stehen wir vor einer Rezession. Sie verweisen auf die hohen Kosten, die entstehen, um die Corona-Regeln einzuhalten. Ihr Blick nach vorne sieht ausbleibende Aufträge, wenn der Wirtschaft und den Kommunen im nächsten Jahr das Geld ausgeht.

Es gilt, den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen. Zum offenen Streik kann es auf dem Bau erst nach einer gescheiterten Schlichtung kommen. Noch lässt der Kampfeswille zu wünschen übrig. Aus den Betrieben kommt zu wenig. Die IG BAU ist von einer kämpferischen Gewerkschaft weit entfernt. Der Kampf wird von zu wenigen Mitgliedern und Hauptamtlichen getragen. Um die Forderungen durchzusetzen, wird man sich bewegen und kämpfen müssen.

* Die Angabe dient lediglich zur Kenntlichmachung der Person.