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Gegenwind von den Stadienrängen

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Fanblock auf der Unteilbar-Demo am 13.10. in Berlin

Fußball-Fans protestieren gegen Profitgier und Kommerz

Sicher: Dass das große Geld auch im Fußball regiert, ist ein offenes Geheimnis. Doch Ausmaß und Tempo der Kommerzialisierung und Entfremdung des Sports von seinen Wurzeln sind wahnwitzig, wenn man sich die Entwicklungen der letzten Jahre ansieht. Zurecht kämpfen Fans vereinsübergreifend dagegen an.

von Tom Hoffmann, Berlin

Man muss sich schon etwas anstrengen, um die absurden Dimensionen zu begreifen. Da wurden laut Weltverband FIFA auf dem internationalen Transfermarkt für Fußballspieler im letzten Jahr über fünf Milliarden Euro umgesetzt. Männliche Spitzenfußballer verdienen zehntausende Euro pro Tag (!) ,während im ganzen Land an Schulen und Krankenhäusern Personal fehlt! Anfang November wurden Pläne bekannt, dass mehrere europäische Top-Clubs wie der FC Bayern München, die Gründung einer privaten Elite-Liga prüften. Die Clubs witterten extra-Einnahmen. Großkonzerne mischen kräftig mit im Sport. Für viele der größte Skandal: Mit RB Leipzig hat sich der österreichische Getränkehersteller Red Bull in den letzten Jahren einfach seinen eigenen Bundesligaclub aufgebaut, dessen erster Kader heute einen Marktwert von über 300 Millionen Euro besitzt.

Schnelle Veränderung

Die Ökonomisierungsprozesse der letzten Jahre und Jahrzehnte haben den Sport verändert. Die Schere zwischen wenigen Elite-Vereinen und dem abgeschlagenen Rest spiegelt die Finanzstärke der jeweiligen Investoren. Hinzu kommt die Zerstückelung der Spieltage, um Übertragungseinnahmen im Fernsehen zu steigern. Insbesondere im Amateurbereich stellt das Gästefans vor erhebliche An- und Abreiseprobleme. Und seit diesem Jahr wird die Champions League zum ersten Mal nur noch im Pay TV bzw. dem Streaming-Dienst DAZN übertragen. Überall wird versucht, noch mehr Profit herauszupressen, während Zuschauer*innen und Fans draufzahlen.

Widerstand

Dagegen regt sich Widerstand. An mehreren Aktionsspieltagen kam es in der Vergangenheit bereits zu kreativem Protest von Ultras und Fangruppen verschiedener Vereine. Mit Stimmungsboykott und Transparenten gegen Korruption und Kommerz machen sie Druck auf die Verantwortlichen. Mit erstem Teilerfolg! Die Deutsche Fußball Liga kündigte an, Montagsspiele in der 1. Bundesliga ab 2021 wieder abzuschaffen. Das zeigt, dass die Fan-Proteste wirken. Ob das tatsächlich umgesetzt wird, ist aber alles andere als sicher und wäre auch nicht ausreichend, weil u.a. untere Ligen davon bisher ausgenommen sind.