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Ein Jahr nach #metoo

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Es braucht eine breite Bewegung gegen sexualisierte Gewalt

Gewalt und Missbrauch an Frauen wird weiterhin verharmlost. Vor allem, wenn der Täter mächtig und einflussreich ist.

von Marlene Frauendorf, Berlin

Was haben der oberste Richter der USA, Brett Kavanaugh, und der millionenschwere, umjubelte Weltfußballer Cristiano Ronaldo gemeinsam?

Beide wurden wegen Vergewaltigung angeklagt, beide haben jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach keine weitreichenden Konsequenzen zu erwarten. Kavanaugh, gegen den mehrere Frauen klagten, wurde sogar nach Veröffentlichung der Vorwürfe und trotz massivem Protest von Tausenden, zum Richter des obersten Gerichtshofes ernannt. Der zigfache Millionär und Unternehmer Cristiano Ronaldo soll 2009 eine Frau vergewaltigt haben. Nachdem er ihr Schweigegeld gezahlt hatte, sie aber weiterhin nach Angaben ihres Anwalts unter dem Trauma extrem leidet, hat sie dies an die Öffentlichkeit gebracht. Spiegel online (29.9.18) berichtete über Aussagen von Ronaldo auf einem Fragebogen seiner Anwälte, aus dem hervorging, dass sie mehrmals „Nein“ und „Stopp“ gesagt hat. In den Medien wird insgesamt darüber wenig berichtet.

Was hat uns #metoo gebracht?

2017 kamen in Deutschland 11.282 Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung zur Anzeige (BKA 2017). Die Dunkelziffer liegt weit höher. Laut Studie des Bundesfamilienministeriums haben vierzig Prozent Frauen sexualisierte oder körperliche Gewalt erfahren. 37 Prozent der von körperlicher und 47 Prozent der von sexueller Gewalt Betroffenen ziehen es vor, darüber zu schweigen. Nach #metoo wurde endlich darüber gesprochen, was Frauen tagtäglich passiert und die Verbreitung in Social Media hat deutlich gemacht in welchem Maße und vor allem wie oft. Das Bewusstsein steigt, etwas gegen sexuelle Gewalt und Sexismus tun zu wollen.

Gesellschaftliches Problem

Die Lösung für ein gesellschaftliches Problem muss kollektiv angegangen. Es hat bereits in einigen Ländern große Demonstrationen gegen sexualisierte Gewalt gegeben, aber die Bewegung muss noch breiter werden. Es braucht Kampagnen in Schule, Uni und Betrieb gegen victim blaming, Sexismus und Belästigung. Dafür sollten auch die großen Organisationen wie Gewerkschaften mobilisieren.

Wir müssen das Problem an der Wurzel packen und gemeinsam für eine Welt frei von Unterdrückung kämpfen, für die Überwindung des kapitalistischen Profitsystems, in dem Reiche und Konzerne die Macht haben.

Wir sagen:

  • Reform des Strafrechts, weg mit einer diskriminierenden Rechtssprechung.
  • Wähl- und jederzeitige Abwählbarkeit von Richter*innen und öffentliche Kontrolle
  • Aufklärungsprgramme über Missbrauch und ein respektvoller Umgang in den Schulen
  • Flächendeckendes Angebot an gut ausgebauten, selbstverwalteten Frauenhäusern, Frauenberatungsstellen und -notrufen.