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Wie wird der Faschismus geschlagen?

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Neu bei Manifest: Texte Leo Trotzkis zur Einheitsfront

Im Faschismus hat sich gezeigt, auf welche barbarische Weise sich der Kapitalismus seiner Infragestellung widersetzen kann. Millionen JüdInnen, KommunistInnen, SozialdemokratInnen, GewerkschafterInnen und andere einfache Menschen wurden vom deutschen Nazi-Regime verfolgt und inhaftiert, in Konzentrationslager gesteckt und auf den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs hingemetzelt.

von Tom Hoffmann, Berlin

Doch anders als es heute in den Geschichtsbüchern steht, schöpfte die faschistische Bewegung ihre Stärke nicht einfach aus einem „charismatisch-ansprechenden“ Führer und Anti-Establishment-Rhetorik. Gestützt wurde sie von den obersten Reihen des deutschen Kapitals, nach dem diese sich vergewissert hatten, dass der „Antikapitalismus“ der Nazis nur ihre jüdischen Konkurrenten treffen würde. Die deutschen Unternehmer witterten neue Profite durch die Zerschlagung der Gewerkschaften und Arbeiterparteien, die wiederum den Weg frei machte um im Zweiten Weltkrieg aufzurüsten, einen Krieg um Ressourcen und Absatzmärkte. Doch diese Entwicklung war nicht zwangsläufig. Im Gegenteil hätte die mächtige Arbeiterbewegung die Faschisten in Deutschland stoppen können, hätte sie eine marxistische Führung gehabt.

Trotzkis Vorhersagen bestätigt

Diese Tatsache zeigen insbesondere die Texte Leo Trotzkis aus dieser Zeit auf. Ausgewählte Artikel und Broschüren veröffentlicht der Manifest Verlag nun in der Sammlung „Wie wird der Faschismus geschlagen?“. Eingeleitet durch einen Artikel von Steve Hollasky zur historischen Entwicklung des Nationalsozialismus, umfasst das Buch Klassiker-Texte zu Faschismus und Einheitsfronttaktik: Porträt des Nationalsozialismus, Bonapartismus und Faschismus, Die Wendung der Komintern und die Lage in Deutschland, Wie wird der Nationalsozialismus geschlagen?, Gespräch mit einem sozialdemokratischen Arbeiter sowie Der einzige Weg.

Trotzki analysierte den Faschismus nicht auf moralischer Grundlage oder mit dem Ziel, die kapitalistische „Demokratie“ zu verteidigen. Viel mehr zeigt er auf, wie gerade aus der instabilen Weimarer Republik der Faschismus aufsteigen konnte. Vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise, dem Ruin der Mittelschichten, der Klassenpolarisierung durch vorangegangene revolutionäre Situationen und Niederlagen der Arbeiterklasse durch falsche Politik ihrer Führung konnte sich der Faschismus des Kleinbürgertums bemächtigen. Zahlreiche deklassierte Kleinhändler und Gewerbetreibende, Handwerker und Beamte wanderten in Hitlers Armee, welcher sie gegen Jüdinnen und Juden, Minderheiten, SozialistInnen und andere „Unruhestifter“ aufhetzte. Trotzki sah die Gefahr, die sich ergab. Mit einer terroristischen Massenbewegung im Rücken würden die Nazis anders als im „gewöhnlichen“ Polizeistaat versuchen, alle Arbeiterorganisationen zu zerschlagen.

Einheitsfront

Trotzki forderte also von der KPD den gemeinsamen Kampf mit den ArbeiterInnen der SPD zu organisieren. Ihm war klar, dass die SPD-Führung sich vor einem Kampf scheuen würde, weil diese den Kapitalismus selbst nicht in Gefahr bringen wollte. Doch war ihm auch klar, dass die SPD-Basis so über ihre Führung noch nicht dachte. Aufgabe der KPD wäre also, Aktions- und Kampfbündnisse der gesamten SPD – Basis und Führung – vorzuschlagen, um die eigenen Vereine, Druckereien und Bezirke zu verteidigen. Dabei sollten beide Seiten jedoch nicht auf unabhängige Positionen und Kritik aneinander verzichten. Doch die KPD-Führung stolperte stattdessen von einem Fehler zum nächsten, erklärte die Sozialdemokratie zum linken Flügel des Faschismus und machte es den SPD-ArbeiterInnen für gemeinsame Aktionen zur Bedingung, dass diese mit ihrer Partei brechen. So konnte die Spaltung in der Arbeiterbewegung nicht überwunden sondern nur vertieft werden. Die Niederlage bezahlten Millionen Menschen mit ihrem Leben.

Trotzkis Texte sind nicht nur von historischem Interesse. Auch wenn Faschisten heutzutage längst nicht so stark sind, wie zu jener Zeit, haben wir doch mit ihnen und anderen RassistInnen zu tun. Im Kampf gegen Rechts ist die marxistische Methode, die sich die gesellschaftlichen Veränderungen nicht in starren Schemata vorstellt, sondern die konkreten, lebendigen Widersprüche begreift, Entwicklungstendenzen festmacht und politische Vorschläge für die Arbeiterbewegung ableitet, unabdingbar um erfolgreich zu sein.

138 Seiten, Softcover, 8,90 Euro

erhältlich im Buchhandel und unter manifest-buecher.de