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So muss es weiter gehen!

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Dokumentiert: Bericht der Zeitung Herzschlag (herzschlagkrankenhaus.wordpress.com)

Eindrücke von einer tollen Streik-Demo in Düsseldorf

Mit der Demo in Düsseldorf haben 4000 Kolleg*innen Jens Spahn und den übrigen Verantwortlichen ordentlich Dampf gemacht. Die Stimmung war kämpferisch, kreativ und einfach klasse.

Es hat viel Mut gemacht zu sehen, dass Kolleg*innen in Düsseldorf, Essen, Homburg und Brandenburg zeitgleich im Streik sind, um für mehr Personal zu kämpfen. Eine Kollegin von der Charité in Berlin meinte auf der Rückfahrt, besonders die rheinländische Streikart mit Auf-die-Knie-gehen, Hüpfen und Tanzen habe ihr gut gefallen. Sie hat sich auch gefreut, weil ein Azubi aus Düsseldorf auf sie zugekommen sei und sich bedankt habe, dass auch aus Berlin Kolleg*innen den weiten Weg auf sich genommen haben. Beeindruckend war auch die Solidarität der anderen Servicebereiche aus dem Düsseldorfer Uniklinikum mit dem Streik der Pflegekräfte. Auf der Bühne sprachen Kolleg*innen aus der Reinigung, dem Labor, der Technik, der Steri, der Küche, dem Patiententransport.

Obwohl es mitten in der Woche war, kamen Kolleg*innen aus dem ganzen Bundesgebiet zusammen, aus Krankenhäusern, aber auch aus der Altenpflege. Dazu gab es eine tolle Aktion, wo sich Kolleg*innen in eine Tonne mit Wasser setzten, um zu dokumentieren, dass ihnen das Wasser bis zum Hals steht. Es gab auch großartige Reden von Aktivist*nnen an der Charite, aus dem Saarland und vielen anderen. Einer der Redner auf der Abschlusskundgebung erklärte, dass das kurzfristige Ziel gesetzlicher Personalschlüssel, eine angemessene Auszubildendenmindestvergütung und mehr sein soll, das mittelfristige Ziel aber die demokratische Kontrolle des Gesundheitswesen durch die Beschäftigten und der Gesellschaft sein sollte.

Die Zeitung Herzschlag wurde verteilt und einige Kolleg*innen haben Interesse gezeigt, weiterhin informiert zu werden. Als sich schon einige aus dem Bundesgebiet auf den Heimweg gemacht hatten, kam noch ein kämpferischer Abschluss, als Jens Spahn sowie die Gesundheitsminister der Länder auf die Bühne kamen. Dazu ein Augenzeugenbericht von Jens Jaschik aus Dortmund:

„Diesen Politikern keinen roten Teppich“

Eigentlich wollten wir uns auf dem Weg machen, als wir erfuhren, dass wohl Jens Spahn höchstpersönlich, sowie NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann auf der ver.di-Bühne reden werden. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Ein roter Teppich um den sich alle versammelten, wurde ausgerollt. Über diesen lief dann eine Gruppe KollegInnen, wofür es tosenden Applaus gab. Der Teppich wurde wieder eingerollt. Und ein Transpi mit dem Slogan „Diesen Politikern keinen roten Teppich“ aufgehangen. Dann wurde eine Gasse gebildet, damit Jens Spahn in Begleitung sämtlicher Gesundheitsminister der Länder zur ver.di Bühne kommen konnte. Auf den Weg dahin wurden sie auf das Lauteste von der ganzen Menge ausgebuht. Der Lärm der Sirenen, Pfeifen, Tröten und Rufe war ohrenbetäubend. Auch auf der Bühne hat es Minuten gedauert bis sie endlich anfangen konnten zu reden. Beschwichtigungsversuche der Redeleitung durch die ver.di-Funktionärin liefen ins Leere.

Laumann bekam als erster das Wort und machte sich nicht viele Freunde, als er seine Rede damit begann, dass er im Gegensatz zu den Anwesenden schon vierzig Jahre Gewerkschaftsmitglied ist und die ihm gar nichts zu erzählen brauchen. Massive Buhrufe auf diese Überheblichkeit folgten. Er erklärte dann, dass er vierzig Jahre gebraucht hat, um zu verstehen, dass man nicht nur für höhere Löhne, sondern auch für mehr Personal streiken kann. Lautes Gelächter. Seine Rede wurde immer wieder von Buhrufen unterbrochen und als er ausführte, dass eine wissenschaftliche Expertenkommission beauftragt wurde, ihm 2020 ein Papier vorzulegen, was aus Sicht der Wissenschaft für ein Personalschlüssel notwendig wäre, rief die ganze Masse immer wieder „Viel zu spät“. Seine Rede endete schließlich in Buhrufen und mit Buhrufen wurde dann auch die Rede von Jens Spahn willkommen geheißen.

Spahn gab sich mehr Mühe, auf die Sachen einzugehen, was angeblich schon alles erreicht wurde, was er noch vorhat, was halt nicht möglich ist und das die Politik die letzten Jahre nicht erkannt hat, was falsch läuft, sich jetzt aber alles verändert. Dass es seine Partei ist, die in den letzten 12 Jahren an der Macht war, verschwieg er. Manchmal gab es etwas Applaus, als er Zugeständnisse andeutete, aber oft Buhrufe als er eine konkrete und spürbare Umsetzung dann wieder einschränkte. Es wurde deutlich, dass Spahn keine Ahnung hat, wie die Realität in den Krankenhäusern aussieht. Am Ende wurde es dann richtig emotional, als plötzlich Kolleg*innen die Bühne enterten. Die erste schrie Jens Spahn ins Gesicht, ob er weiß, wie es ist, wenn unter der Aufsicht einer Pflegerin ein Patient allein stirbt, um den man sich nicht kümmern konnte. Sicherlich nicht! Alle applaudieren. Ein Azubi erklärte, dass keiner in der Pflege arbeiten will, weil die Bedingungen so schlecht sind. Dass er als Azubi vor Aufgaben gestellt sei, die er nicht bewältigen kann, weil die Zeit fehlt, dass sie ihm beigebracht werden. Vorschlag für einen Personalschlüssel erst 2020? Banken werden sofort gerettet, aber Menschenleben nicht! Gewaltige Zustimmung unter allen Kolleg*innen. Ich habe wohl mindestens 10-mal lauthals „Jawohl“ gerufen, während ich applaudierte. Am Ende wurde eine Gasse der Schande gebildet durch die Spahn, Laumann und Co unter den Buhrufen und der Verachtung der KollegInnen hindurch mussten.
So muss kämpferische Gewerkschaftspolitik aussehen!