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Gute Ausbildung erkämpfen

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Steffi Ewert

Interview mit Berliner Pflege-Azubis und Krankenpfleger

Immer weniger junge Leute wollen den eigentlich schönen Beruf der Pflegerin/des Pflegers erlernen. Grund dafür sind vor allem Überlastung und schlechte Ausbildungsbedingungen. Marie Schulpig und Marlene Frauendorf sprachen mit Steffi Ewert und Franzi Schreiber (Name von der Redaktion geändert), beide Azubis beim Berliner Klinikum Vivantes, und Mathias Düring, Krankenpfleger und HealthSlammer, über die aktuellen Ausbildungsbedingungen.

Wie sind eure Ausbildungsbedingungen bei Vivantes?

Steffi: Meiner Erfahrung nach wird man als Auszubildende/r bei Vivantes gut behandelt. Probleme sehe ich momentan besonders beim theoretischen Teil der Ausbildung. Die naturwissenschaftlichen und pflegewissenschaftlichen Anteile kommen viel zu kurz. Zum einen ist das im Curriculum so vorgesehen, zum anderen liegt das am Mangel geeigneter Lehrer, die die Inhalte vermitteln könnten. Das führt zu viel Eigenarbeit, die in der Freizeit zu leisten ist – neben dem normalen Lernen. In unserer Schule sollen vor allem soziale Fähigkeiten gestärkt werden, die uns Schülern dort aber nicht unbedingt auch vorgelebt werden. Die schlechte theoretische Ausbildung hat eine immense Auswirkung auf die Praxis. Ich wurde beispielsweise nur drei Tage lang zum Thema Hygiene aufgeklärt und hatte somit immer wieder Probleme auf Stationen damit.

Franzi: Praktisch gibt es dann nochmal andere Probleme. Es gibt den großen Mangel an Pflegekräften, der sich auch auf die Auszubildenden niederschlägt. Insbesondere fehlen PraxisanleiterInnen. Auf meiner letzten Station gab es keinen. Auf den ersten Stationen, auf denen ich war, habe ich mich völlig allein gelassen gefühlt. Oft kann man die Dinge, die man in der Theorie lernt praktisch so nicht anwenden, da die Realität auf den Stationen damit nicht kompatibel ist.

Wie können die Probleme in der Ausbildung verbessert werden?

Steffi: Eine Möglichkeit wäre beispielsweise  Praxisanleiter für das Anleiten freizustellen, oder sie für ihren Zeitaufwand extra zu vergüten. Eine andere Möglichkeit wäre Qualität statt Quantität – nur so viele Schüler aufzunehmen, wie eine Schule auch gut ausbilden kann.

Franzi: Es geht darum, gegen den Personalmangel vorzugehen!

Steffi: Die wichtige Frage für mich ist in diesem Kontext auch, wie man den Beruf der Pflegekraft wieder attraktiv machen und mit Vertrauen füllen kann. Ein festgelegter Personalschlüssel könnte sowohl für Patienten als auch für Pflegekräfte ein erster Schritt in eine gute Richtung sein.

Mathias Düring

Mathias, du bist aktiv bei pflegeazubis-vernetzt.de. Was macht ihr genau?

Pflegeazubis-vernetzt.de ist ein Stammtisch von Auszubildenen von verschiedenen Pflegeschulen, die sich zusammengetan haben, um sich zum einen über ihre Ausbildung auszutauschen, aber auch, um Aktionen für die Pflege zu planen und sich für die Ausbildung stark zu machen. Unter anderem organisierten wir im letzten Jahr den „Walk of Care“, bei dem wir lautstark auf der Straße für die Zukunft unseres Berufes protestiert haben.

Bei den Sozialismustagen diskutieren Steffi Ewert und Mathias Düring gemeinsam mit anderen in einer Veranstaltung zum Thema „Gute Ausbildung erkämpfen“.