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„Ich will Menschen von einer sozialistischen Alternative überzeugen.“

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Sebastian Sommerer, Platz 12 der bayerischen
Landesliste und Direkt-
kandidat im Wahlkreis
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Interview mit Sebastian Sommerer, Direktkandidat der LINKEN in Bayreuth zur Bundestagswahl

Du bist Direktkandidat der LINKEN in Bayreuth. Was sind die Schwerpunkte und Ziele Deines

Wahlkampfs? Wofür stehst Du inhaltlich?

Ziel des Wahlkampfes ist für mich ganz klar, Menschen von einer sozialistischen Alternative zum Kapitalismus zu überzeugen. Hierfür versuche ich die soziale Frage in den Mittelpunkt zu stellen und unseren linken Forderungen Gehör zu verschaffen. Auch ist Kampf gegen Rassismus in Bayern und Solidarität mit Geflüchteten ein wichtiger Punkt. Die CSU konkurriert ja in vielen Bereichen mit der AfD und es werden irrsinnige und teilweise pseudomäßige Debatten um eine angebliche Leitkultur oder auch innere Sicherheit geführt. Aber sich die Fragen zu stellen, warum Menschen kriminell werden und warum Menschen anfällig werden für faschistische und menschenfeindliche Ideologien, das wird verschwiegen – das würde ja aufzeigen, warum gerade die soziale Frage entscheidend ist.

Dabei muss jedoch immer wieder betont werden, dass wir für Verbesserungen im hier und jetzt kämpfen, die grundlegenden Probleme unserer Gesellschaft sich jedoch nur durch eine Überwindung des Kapitalismus lösen lassen. Wir müssen mit der Profitlogik brechen und für eine Gesellschaft kämpfen, in welcher die Bedürfnisse der Menschen im Mittelpunkt des wirtschaftlichen Handelns stehen und wir dies alle gemeinsam, demokratisch und nach Plan umsetzen.

Man begegnet jedoch immer wieder einer gewissen Perspektiv- bzw. Alternativlosigkeit. Gleichzeitig herrscht jedoch auch eine gewisse Wut und Unzufriedenheit mit diesem System und vielen ist auch bewusst, dass Profite wichtiger sind als Menschen. Genau hier müssen wir ansetzen und Überzeugungsarbeit leisten. Vor allem gelingt dies in gemeinsamen Kämpfen, beispielsweise Streiks oder auch auf Demos und durch Mitarbeit in sozialen Bewegungen.

Bayern gilt ja als tiefschwarz. Wie ist die bisherige Resonanz?

Häufig werde ich gefragt, warum ich überhaupt kandidiere, gerade in Bayern als Linker ist es ja aussichtslos, ein Direktmandat zu erringen. Wenn ich dem dann entgegne, dass mir dies durchaus bewusst ist und es gar nicht mein Anliegen ist, in den Bundestag einzuziehen oder Karriere zu machen, ernte ich häufig verdutzte Blicke.

Manchmal kommen auch Anfeindungen von Menschen, welche uns noch in der Nähe der SED sehen wollen. Oft geht diesen Menschen gar nicht um eine zielführende Diskussion, sondern um eine Bestätigung ihrer Vorurteile. Hier wirkt der jahrzehntelange Antikommunismus, welchen selbst die Gewerkschaften teilweise zu spüren bekommen. Andere kann ich zum Nachdenken bringen, wenn ich meine Stalinismus-Kritik erkläre und darlege, weshalb sich eine sozialistische Demokratie davon unterscheidet.

Es gibt jedoch auch genauso viele Situationen, welche Mut machen und viele interessante Gespräche. Ein Großteil der Menschen stimmt mir meiner Kapitalismuskritik voll zu. Die Wut auf dieses System mit seinen Vollstreckern kommt immer klarer zum Ausdruck. Diese Menschen möchte ich erreichen und für uns gewinnen.

Du bist auch einer der Organisatoren der Antikapitalistischen Linken (AKL) in Bayern und bist kürzlich der SAV beigetreten. Wie sollte sich DIE LINKE Deiner Meinung nach aufstellen, um erfolgreiche sozialistische Politik zu machen?

Wir sollten uns als klar Oppositionskraft zu dieser gesamten bürgerlichen Gesellschaft positionieren. Wir müssen glaubhaft für die Interessen der Lohnabhängigen und sozial Benachteiligten kämpfen und uns genau deshalb von anderen prokapitalistischen Parteien, wie der SPD oder den Grünen, abgrenzen.

Der Kapitalismus muss durch uns auf die Anklagebank gesetzt werden und wir müssen die Alternative einer sozialistischen Gesellschaft für die lohnabhängigen Menschen attraktiv werden lassen. Dabei gilt es natürlich viele Fehlschlüsse zu widerlegen. Ich denke, der wohl häufigste ist die Annahme, dass man als Alternative zum Kapitalismus wie durch ein Naturgesetz bei dem alten stalinistischen System landet. Dies lässt sich in Gesprächen jedoch häufig schnell widerlegen.

Beispielweise indem wir aufzeigen, was eine sozialistische Demokratie für uns bedeutet: Verpflichtung der Politiker auf ihrem Programm, Wähl- und Abwählbarkeit aller Amtsinhaber, Politiker sollen nur einen durchschnittlichen Facharbeiterlohn erhalten, und so weiter.

Gregor Gysi hat kürzlich wieder einmal gefordert, DIE LINKE müsse in der Außen- und Friedenspolitik Kompromisse schließen, um eine Regierung mit SPD und Grünen zu bilden. Was denkst Du über das Dauerthema R2G?

Gysis Aussage halte ich für sehr gefährlich. Es wird sich auch keiner zufrieden geben, wenn wir diese von ihm genannten Kompromisse machen, denn die eigentliche Forderung ist eine Anerkennung der NATO durch DIE LINKE. Dies würde jedoch eines unserer Alleinstellungsmerkmale zerstören und wäre krassester Opportunismus.

SPD und Grüne sind prokapitalistische Parteien, welche die Grundrichtung der Politik nicht mal ändern möchten. Wann haben denn diese beiden Parteien sich mal grundsätzlich von ihrer Agenda-Politik abgewandt oder auch nur angekündigt, diese grundlegend zu ändern? – Gar nicht!

Und so lange dies so bleibt, können diese Parteien keine Partnerinnen für uns sein. Ansonsten verlieren wir als LINKE eines unserer wichtigsten Merkmale als linke Partei: Unsere Glaubwürdigkeit. Politiker welche vor der Wahl eine Wahlkampfshow abziehen und nach dem Wahltermin die selbe Politik weiter betreiben und damit die Politikverdrossenheit fördern, haben wir leider schon zur Genüge. Diese müssen sich auch den Vorwurf gefallen lassen, der AfD zuzuspielen.

Und warum hast Du Dich entschieden, Dich zusätzlich zu LINKE und AKL auch noch der SAV anzuschließen?

Hier in meiner Region ist es schwierig, sich als Sozialist politisch zu engagieren. Zur LINKEN gibt es leider keine überzeugende Alternative, in welcher ich eine Mitarbeit für sinnvoll erachte. In der AKL bin ich zudem aktiv, da ich das antikapitalistische Profil meiner Partei schärfen möchte und um einige der Regierungsmitglieder unserer Partei an unsere durch die Basis entschiedenen roten Haltelinien zu erinnern.

Der SAV bin ich vor allem beigetreten, da meine Positionen sich mit derer der SAV decken. Die Methoden Trotzkis, welche die SAV ja nutzt, sind für mich ebenso die überzeugendste Anwendung des Marxismus. Ebenso hat mich der gelebte Internationalismus der Partei überzeugt. Es macht zum Beispiel Mut zu lesen, dass die Abgeordnete von Socialist Alternative im Stadtrat von Seattle, Kshama Sawant, den damals höchsten Mindestlohn der USA oder auch eine regionale Reichensteuer durchsetzen konnte. Eine sozialistische Gesellschaft können wir nur im weltweiten Kampf erreichen.

Das Interview führte Sascha Staničić.