Home / Themen / Betrieb & Gewerkschaften / Arbeits- & Tarifrecht / Verschlechterungen beim Arbeitszeitgesetz geplant

Verschlechterungen beim Arbeitszeitgesetz geplant

Print Friendly, PDF & Email

CC0, Pixabay

Arbeiten bis der Arzt kommt?

Viele arbeitende Eltern, vor allem Alleinerziehende, können ein Lied davon singen: „’Ne ganz normale 50-Stunden-Woche, heim kommen und erst mal für die Kleinen kochen…“

Das was Max Giesinger in seinem Song „Wenn sie tanzt“ beschreibt, ist leider heute bittere Realität für viele Menschen. Auch diejenigen, die keine kleinen Kinder (mehr) haben, kommen oft völlig fertig von der Arbeit nach Hause. Viel zu selten ist noch Zeit für Hobbys, Freunde oder einfach nur Zeit zum Entspannen.

von Marén Wiese, Rostock

Da kommt dann Frau Nahles mit den Änderungen zum Arbeitszeitgesetz und versucht uns einzureden, wie toll diese doch gerade für berufstätige Eltern seien. Es wird uns weis gemacht, dass wir selbst entscheiden können, wann und wie viel wir arbeiten. Aber ein mulmiges Gefühl beschleicht einen, wenn sich dann herausstellt, dass sich an der realen Wochenarbeitszeit gar nichts ändert. Natürlich ist es in Bereichen wie dem öffentlichen Dienst schon möglich die Arbeitszeit zu reduzieren, aber dann mit den entsprechenden Lohneinbußen. Das können sich vor allem Alleinerziehende in der Regel nicht leisten.

Oder aber es geht den Beschäftigten – zum Beispiel in den Pflegeberufen – so, dass sie nicht nur weniger Lohn bekommen, sondern auch noch die gleiche Arbeit in weniger Zeit bewältigen sollen.

Es ist also eine Illusion, dass wir selbst entscheiden können, wann wir mehr und wann weniger arbeiten. Im Gegenteil, es zeigt sich, dass die Änderungen im Arbeitszeitgesetz nur den Arbeitgebern nutzen, da sie letztlich bestimmen, wer wann und wie viel arbeiten muss. So können sie sich um die Einstellung von zusätzlichem Personal drücken, indem sie die bestehende Belegschaft über die maximale Höchststundenzahl arbeiten lassen, wenn sie es für notwendig erachten.

Arbeit macht krank

Untersuchungen zeigen es immer wieder: egal ob in der privaten Wirtschaft oder im öffentlichen Dienst stehen vor allem Frauen (aber zunehmend auch Männer) unter einem enormen Druck. Wir sollen flexibler arbeiten, am besten jederzeit für den Chef verfügbar sein. Das geht auf die Gesundheit. Vor allem die Arbeitszeit und der allgemeine Stress im Job machen immer mehr Beschäftigte krank.

Deshalb ist es wichtig, das zu ändern. Die meisten Beschäftigten möchten weniger arbeiten. Sie möchten mehr Zeit haben, um mit den Kindern oder der Familie etwas zu unternehmen. Viele haben heute keine Zeit mehr, regelmäßig einem Hobby nachzugehen. Einmal wieder ein Buch lesen, eine Sprache lernen oder zum Sport gehen. Auch wenn man dann mal Urlaub hat, versucht man die vielen aufgeschobenen Dinge irgendwie zu erledigen. So wird die Zeit, die der Erholung dienen soll, fast ebenso stressig, wie die Arbeitszeit.

Es darf nicht nur ein ferner Wunsch bleiben, wir müssen uns organisieren und gemeinsam für eine Reduzierung der Arbeitszeit kämpfen. Denn während die Produktivität immer weiter steigt, also von weniger Menschen innerhalb der gleichen Zeitspanne immer mehr produziert werden kann, ist die Arbeitszeit in den letzten 25 Jahren fast überall so geblieben oder wurde gar weiter angehoben.

Gemeinsamer Kampf notwendig

Wir müssen also in und mit den Gewerkschaften und der LINKEN für eine Reduzierung der regelmäßigen Wochenarbeitszeit auf dreißig Stunden pro Woche kämpfen. Das muss dann aber bei vollem Lohn- und Personalausgleich passieren.

Wenn die Bosse oder PolitikerInnen der etablierten Parteien dann jammern, dass so etwas nicht bezahlbar ist, können wir ihnen die Namen der 36 reichsten deutschen Multi-Milliardäre geben. Dort ist der Reichtum! Der konnte nur angehäuft werden, weil sie uns und unsere Arbeitskraft ausbeuten und zudem kaum Steuern bezahlen. Das hat auch die aktuelle Oxfam-Studie sehr gut dargelegt. Es ist also genug Geld da, um eine allgemeine Arbeitszeitreduzierung bei vollem Lohn- und Personalausgleich umzusetzen. Wir sollten deshalb endlich selbstbewusst auftreten und uns das holen, was uns zusteht. Lasst uns gemeinsam kämpfen!