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Produktion für die Tonne

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whes2013_banner_250x250Wir haben es satt: Kapitalistische Lebensmittelindustrie

Tierleid, ungesundes Essen, miese Jobs: Die Lebensmittelindustrie hat viele unschöne Gesichter. Ein besonders herausragendes Problem ist die massive Überproduktion. Riesige Essensberge werden vernichtet.

von Christian Walter, Aachen

Allein in Deutschland werden Schätzungen zufolge jährlich über elf Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet. Privathaushalte tragen mit etwa vierzig Prozent dazu bei. Aber vom Feld über Transport und Verarbeitung bis zum Supermarkt passiert sechzig Prozent der Vernichtung. Damit werden massenhaft Trinkwasser, Energie, Anbauflächen und andere Ressourcen vergeudet. Zwei Beispiele:

  • Fleischproduktion: Fast drei Viertel der globalen Anbauflächen werden für die Tierfütterung benötigt. Für ein Kilogramm Rindfleisch aus Stallhaltung werden 15.500 Liter Wasser (Trinkwasser, Anbau der Futtermittel, Reinigung der Ställe), 6,5 Kilogramm Getreide und 36 Kilogramm Heu benötigt. Die Fleischindustrie in Deutschland expandiert massiv, trotz bestehender Überproduktion. Ein Teil des Fleisches wird exportiert und überschwemmt als Billigprodukt Märkte vor allem in Westafrika. Möglich ist das nur, weil Deutschland und die EU die Fleischindustrie mit riesigen Subventionen unterstützen. Ein weiterer Teil wird ganz anders genutzt – Fleisch und Innereien in Biogasanlagen, Knochenmehl als Dünger oder Mastnahrung, Fette in der chemischen Industrie oder als Sprit. Von dem, was tatsächlich als Fleisch verkauft wird, werden im Handel sowie bei Groß- und EndverbraucherInnen nochmal große Mengen weggeworfen.
  • Handel: Obst und Gemüse werden kistenweise aussortiert, wenn neue Lieferungen kommen. Brot wird täglich weggeworfen. Produkte werden schon viele Tage vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums aus dem Sortiment entfernt. Durch den Trend, in Kühltheken zubereitete Salate oder geschnittenes Obst anzubieten, wird das noch verstärkt.

Ressourcenverschwendung

Eine Studie geht davon aus, dass bis zu 50 Prozent der Lebensmittel in den Industriestaaten nicht verzehrt, sondern vernichtet werden. In jedem Lebensmittel stecken dabei verschiedene Ressourcen, die dadurch verschwendet werden. Hier vier Beispiele:

  • Wasser: Gerade in extrem armen Regionen der Welt, wo zu Hungerlöhnen teils bewässerungsintensive Produkte wie Gemüse und Obst für den Export angebaut werden herrscht akuter Wassermangel.
  • Anbauflächen: Für die maximale Ausbeute werden Monokulturen angelegt die die Böden ausbluten lassen. Mit Düngemitteln wird versucht dagegen zu halten, allerdings mit mäßigem Erfolg. Eine Nebenwirkung dabei ist die Belastung des Grundwassers. Insbesondere seit dem verstärkten Pflanzenanbau für Biodiesel und Biogasanlagen nehmen Monokulturen wieder zu. Dazu kommt der Energieverbrauch für den unnötigen Transport von Lebensmitteln über weiten Strecken.
  • Energie: In der Verarbeitung von Lebensmitteln, aber auch für die Herstellung beispielsweise von chemischen Düngemitteln, wird enorm viel Energie verbraucht.
  • Arbeitskraft: Überproduktion belastet nicht nur die Umwelt, sondern verschwendet auch Milliarden Stunden menschlicher Arbeitskraft.

Profite gegen Fortschritt

Ist eine ökologische Lebensmittelproduktion im Kapitalismus denkbar? Die SAV kämpft für jede Verbesserung auch im aktuellen System. Doch für uns sind die Probleme nicht Ausrutscher, sondern logische Folge der profitorientierten Wirtschaftsweise. Deswegen stehen wir für eine grundsätzlich andere Wirtschaftsweise, die sich an den Bedürfnissen von Mensch und Umwelt orientiert.

Kapitalismus heißt Konkurrenzkampf. Jeder Konzern muss maximale Profite erwirtschaften, um im Wettbewerb bestehen zu können. Folgerichtig versuchen alle Konzerne immer weiter zu expandieren. Massive Überproduktion ist eine logische Folge davon. Konkret bedeutet das beispielsweise, dass KundInnen mit Werbung und Lockangeboten dazu verleitet werden, viel mehr zu kaufen als sie je essen können. Gleichzeitig geschieht mehr als die Hälfte der Lebensmittelvernichtung bereits auf dem Feld, beim Transport, in der Industrie oder im Handel. Die Verantwortung dafür wird gerne auf die VerbraucherInnen abgewälzt.

Demokratisch geplante Wirtschaft

Was in der Lebensmittelindustrie passiert, passiert in praktisch allen Wirtschaftsbereichen: Eine massive, tägliche Überproduktion bzw. Überkapazitäten.

Die SAV steht für Gemeineigentum an Produktionsmitteln und eine gesellschaftlich geplante und demokratisch kontrollierte Wirtschaft. Die tatsächlichen Bedürfnisse könnten ermittelt und die Produktion daran angepasst werden. Das darf nicht bürokratisch und abgehoben passieren, wie es im sogenannten Ostblock der Fall war, sondern muss flexibel sein: So zentral wie nötig, so dezentral wie möglich. Auf allen Ebenen muss eine demokratische Debatte stattfinden: Was soll produziert werden und wie soll produziert werden? So können die guten Ideen, die jede und jeder hat, einbezogen werden. Die Bedingung: Den Kapitalismus überwinden. Das heißt: Schluss mit der Diktatur der Konzerne – in der Lebensmittelindustrie und überall.