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Return of Kings: Frauenfeindliche Offensive

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Return of KingsGegenaktionen in Aachen und anderen Städten

Für Samstag, 6. Februar hat die frauenfeindliche Initiative „Return of Kings“ eine weltweite Offensive angekündigt. Mit Vernetzungstreffen wollen sie arbeitsfähige Unterstützergruppen aufbauen. Auch in einigen deutschen Städten sind Treffen angesetzt – Widerstand ist bereits angekündigt.

von Christian Walter, Aachen

In Aachen haben wir am Dienstag durch einen Hinweis eines linksjugend [’solid]-Aktivisten davon erfahren. Innerhalb weniger Stunden geisterte die Info durch soziale Medien. Wir bekamen Anfragen, ob es nicht möglich sei, dagegen vorzugehen. Insbesondere Frauen waren und sind wütend, denn nicht erst durch die Ereignisse der Kölner Silvesternacht ist vielen klar, dass sexualisierte Gewalt fast immer und überall droht. Empörend ist auch, dass eine massive Medienkampagne zu Köln gefahren wurde, wo der Verdacht besteht, dass Männer sich zu Übergriffen verabredet haben. Hier wo es deutsche weiße Männer offen und angekündigt tun, bleibt der breite Aufschrei bislang aus. In Aachen starteten wir aber noch am gleichen Abend einen Aufruf für Proteste.

„Return of Kings“: Eine erzkonservative Gruppierung

Hier mal einige Fakten zur Gruppe „Return of Kings“, die ihren Charakter offenbaren:

  • Ihr Gründer und bekennender Putin- und Trump-Fan Daryush Valizadeh (er nennt sich selber Roosh V) ist Gründer und Führungsperson. In Seminaren lehrt er Männer, wie sie Grenzen von Frauen am besten brechen können. Wenn eine Frau „Nein“ sagt, sei das nur eine weitere Herausforderung für den Mann. Am deutlichsten wird seine Widerwärtigkeit in der Forderung, Vergewaltigungen zu legalisieren – sofern sie auf Privatgelände geschehen.
  • Er bezeichnet sich selber als „Männerrechtler“. Er steht für ein mittelalterliches Rollenbild, in dem der Mann in der Familie alles, die Frau nichts zu sagen hat. Das sieht er als „Männerrecht“ an: Frauen wie Objekte besitzen zu dürfen.
  • Er kämpft gegen eine „Feminisierung“ des Mannes. Männer sollten „maskulin“ (d.h. unterdrückerisch, beherrschend) und heterosexuell sein. Bi-, Homo- und Transsexualität lehnt er ab.
  • In rassistischer Manier werden Männern für Frauen aus unterschiedlichem Erdteilen bestimmte „Tipps“ gegeben, wie sie am besten zu brechen und letztendlich zu beherrschen seien.
  • Hinter feministischen Fortschritten vermutet „Return of Kings“ eine jüdische Verschwörung, in die Welt gesetzt, um eine „westliche Kultur“ zu untegraben.
  • In ihrer Selbstdarstellung schreibt die Gruppe: „Der Wert einer Frau hängt maßgeblich von ihrer Schönheit und ihrer Gebärfähigkeit ab. Der Wert eines Mannes hingegen von seinen Reichtümern, seinem Intellekt und seinem Charakter.“
  • Aber „nicht nur“ frauenfeindlich, rassistisch und antisemitisch ist diese Gruppierung: ihren Neoliberalismus bringen sie hiermit gut zum Ausdruck: „Sozialismus, Feminismus, Kulturmarxismus und der Kampf um soziale Gerechtigkeit zielen darauf ab, die Einheit der Familie zu zerstören, verringern die Geburtenrate und bluten den Staat durch steigende Wohlfahrtsansprüche aus.“

Die Zitate und Infos sind von den offiziellen Seiten von „Return of Kings“, die wir hier nicht verlinken wollen. VICE hat ein Seminar von Valizadeh besucht und das Erlebte in einem Bericht zusammengefasst: http://www.vice.com/de/read/als-frau-auf-dem-seminar-eines-vergewaltigungs-befuerworters-roosh-v-berlin-888. Triggerwarnung: Hier werden verschiedene Formen von Erniedrigung bis hin zur Vergewaltigung beschrieben.

Solche Widerwärtlinge wollen sich organisieren

„Return of Kings“ hat nach eigenen Angaben weltweit 40.000 Menschen in ihrem Newsletter. Das Online-Forum ist lebendig, hier tauschen Männer ihre Erfahrungen und Fanatasien. Durch Seminare in vielen Städten wurden bereits Kontakte geknüpft. Jetzt rufen sie zu einem weltweiten „Meetup Day“ auf, also einem Tag wo sich Anhänger sammeln sollen. Das Ziel davon ist zweifelsfrei die Schaffung einer besser vernetzten Anhängerschaft, um noch mehr solcher Seminare zu organisieren oder an anderen Fronten gegen Errungenschaften der feministischen Bewegung zu kämpfen.

Widerstand formiert sich

In Aachen haben wir am Dienstag davon erfahren. Am gleichen Abend wurden beim linksjugend [’solid]-Treffen Proteste ins Rollen gebracht. Das schreibt linksjugend [’solid] Aachen:

Das Konzept für ihr [Return of Kings] Treffen sieht so aus: Von 20:00 -20:20 Uhr werden sie sich auf dem Aachener Katschhof sammeln. Mit einem Codespruch wollen sie sich Gleichgesinnten gegenüber zu erkennen geben: „Do you know where I can find a pet shop?“ (Die direkte deutsche Übersetzung wäre: „Wissen sie wo ich ein Tiergeschäft finde?“. Es gibt im Englischen hier eine Doppeldeutigkeit, denn „Pet Shop“ kann auch als Ort zum angrabschen interpretiert werden) und der Antwort „Yes, it’s right here.“ (Deutsche Übersetzung: „Ja, das ist genau hier.“) Um 20:20 wollen sie dann woanders hingehen, wo sie sich ungestört austauschen können.

Wir rufen dazu auf:

  • kommt spätestens um 20:00 Uhr auf den Aachener Katschhof. Beachtet die Sicherheitshinweise weiter unten.
  • An die „männlichen“ unter euch: Geht auf Gruppen von Männern zu und sagt den Codespruch.
  • Wenn sich Sexisten so zu erkennen geben, informiert Umstehende. Dann sollten alle (auch die nicht-„männlichen“) zu der Gruppe gehen und sie nicht unbegleitet gehen lassen. So machen wir ihnen klar, dass es kein Vernetzungstreffen von Vergewaltigungsfans in Aachen geben wird.
  • Sollten sie geschlossen zu einem anderen Treffpunkt aufbrechen, werden wir mitgehen und das Treffen verunmöglichen.
  • Sollten sie vereinzelt weggehen, werden wir in unseren Gruppen möglichst viele von ihnen begleiten und sicherstellen, dass sie nicht an einem späteren Zeitpunkt erneut zusammentreffen.
  • Wir (linksjugend [’solid]) werden ab 19:00 vor Ort sein und für One Billion Rising (Aktion gegen sexualisierte Gewalt, 14.2. um 14:00 Uhr am Elisenbrunnen) mobilisieren. Ab 19:00 Uhr könnt ihr also gerne ankommen.

Sicherheitshinweise
„Return of Kings“ ruft zu aggressivem Verhalten gegen „Verrückte Feminist*innen“ auf. Das heißt: Abfilmen / -fotografieren, aber auch andere Formen von Bedrohungsszenarien. Überlegt euch, wie ihr euch vor Aufnahmen eurer Gesichter schützen könnt. Kommt entweder möglichst schon ab 19:00 Uhr zu uns, oder bewegt euch in Bezugsgruppen mit FreundInnen oder anderen Menschen, mit denen ihr euch abgesprochen habt.

Wer bei den Protesten in Aachen dabei sein möchte sollte unbedingt vorher aktuellste Info einholen. Angeblich haben die Organisatoren das Treffen abgesagt. Aber nichts ist sicher und die linksjugend [’solid] ruft weiter auf, sich zu treffen. Alle Updates gibt es hier:

Facebook-Veranstaltung: https://www.facebook.com/events/209071699441602/

Blog von linksjugend [’solid] Aachen: http://linksjugendsolidaachen.blogsport.de/

Neben Aachen sind in mindestens sechs weiteren deutschen Städten „Return of Kings“-Treffen geplant: Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, München, Nürnberg und Würzburg. In einigen Städten sind bereits Proteste in Planung. In anderen könnt ihr euch an lokale feministische Gruppen, Ableger von linksjugend [’solid] und DIE LINKE, Gewerkschaften oder andere fortschrittliche Kräfte wenden, um Widerstand zu organisieren.

Ausblick

In den letzten Jahren hat es viele Rückschläge im Kampf gegen Diskriminierung von Frauen und nicht-heterosexuelle Männern gegeben. In Deutschland wird auch heute mindestens jede dritte Frau in ihrem Leben Opfer von Gewalt. Die Lohndifferenz beträgt 22 Prozent. Übergriffe auf Homo- und Trassexuelle Menschen sind nach wie vor auf der Tagesordnung.

Die SAV steht für einen konsequenten Kampf gegen jede dieser Diskriminierungen. In der kommenden Zeit gibt es einige Termine dazu:

14.2.: Weltweiter Tag gegen sexualisierte Gewalt (One Billion Rising) – Aktionen in vielen Städten. Siehe hierzu: http://www.onebillionrising.de/onebillionrising-2016-aktionskarte/

8.3.: Internationaler Frauenkampftag. In Berlin gibt es am Sonntag davor (6. März) eine bundesweite Demo, in vielen weiteren Städten wird es Aktionen geben.

Bei den Sozialismustagen der SAV (25.-27. März, Berlin) gibt es eine ganze Workshopschiene zu Sexismus und Frauenbefreiung. Wenn Du mit uns an die Ursachen des Problems gehen willst bist Du hier richtig:

http://www.sozialismustage.de/

Christian Walter ist Sprecher von linksjugend [’solid] Aachen