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Südafrika: Die Gebühren müssen fallen

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Südafrika feestmustfallStudierende kämpfen für kostenlose Bildung | Kampf der Unibeschäftigten geht weiter

Es waren zehn Tage die Südafrikas Universitäten erschütterten. Nicht mehr bereit die Erhöhung der Studiengebühren zu ertragen, protestierten Tausende bis die Regierung einen Rückzieher machen musste. Doch der Kampf ist noch nicht beendet. Vor allem Beschäftigte der Universität verlangen Verbesserungen.

von Michael Koschitzki, Berlin

Um ganze 10,5 Prozent wollte die Universität von Witswatersrand die Studiengebühren für das Jahr 2016 erhöhen. Im ungleichsten Land der Welt hängt der Zugang zu Bildung bereits stark von finanziellen Möglichkeiten ab. Sinkende Löhne und die Inflation machen die Kosten unerträglich. Gerade das Absacken des südafrikanischen Rand gegenüber dem Dollar verteuerte Bücher und andere Mittel.

Zumindest auf die Inflationsrate von sechs Prozent wollten die Studierenden die Gebühren begrenzen, als sie begannen, gegen die Gebührenerhöhung zu protestieren. Doch damit traten sie eine Bewegung los, die innerhalb von zehn Tagen alle Universitäten erfasste und die Regierung zwang, einer Null Prozent Erhöhung zuzustimmen.

#feesmustfall…

…ist der Hashtag unter dem sich die Bewegung organisierte. Zusammen mit den Studierenden der Universität Witswatersrand besetzten auch Studierende in Kapstadt und bei der Rhodes-Universität ihren Campus. Danach breitete sich die Bewegung auf das ganze Land aus. Die Regierung reagierte zuerst mit voller Härte – Wasserwerfer, Gummigeschosse und Polizei weckten die Erinnerung an die Zeiten des Apartheidregimes. Als das nur noch mehr Protest hervorbrachte, mussten sie umschwenken.

Für die Studierenden ging und geht um mehr als nur die Studiengebühren. Kostenlose Bildung und die Bezahlbarkeit von der Unterkunft bis zur Bibliothek wurde zum Thema. In Pretoria wird als ein Erfolg im kommenden Semester die Rückmeldegebühr ausgesetzt. Doch gerade auch die Beschäftigten der Universität wurden durch den Kampf ermuntert.

Gegen Outsourcing

An vielen Universitäten wurde Leiharbeit eingeführt, um dadurch Löhne der Beschäftigten zu drücken. Beschäftigte an der Universität in Johannesburg UJ verdienen 2.900 Rand (192 Euro im Monat). Sie traten auch in den Kampf ein. Während an der Uni Witswatersrand geschafft wurde, ein Auslaufen der Leiharbeit zu vereinbaren – wehren sich andere mit allen Mitteln dagegen.

An der UJ erlaubte die Universitätsleitung den Einsatz der Polizei. Am 4. November ging sie hart gegen protestierende Beschäftigte vor. Einem Arbeiter wurde ein Bein gebrochen. Heute wurde sie wieder eingesetzt. Die Universität hat Proteste im Umkreis von 700 Metern des Campus verboten – eine Methode aus der Apartheids-Ära. Die Workers and Socialist Party ruft international zu Protesten gegen die Universität auf. Schreibt Emails an den Leiter der Universität thabom@uj.ac.za und an workersandsocialistparty@gmail.com.

Kämpfe von unten

Der Widerstand wurde von unten organisiert. Traditionelle und karrieristische Studentenorganisationen hatten keinen Einfluss. Dagegen wurden versucht Kommittees von unten zu etablieren. Die Jugendorganisation Socialist Youth Movement konnte sich aufbauen, trat für die demokratische Selbstorganisation und eine landesweite Demonstration gegen die Regierung ein.

Der Kampf der Studierenden zeigte auch die soziale Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung. Während 80 Prozent der Bevölkerung schwarz sind, haben von ihnen nur 15 Prozent Zugang zu höherer Bildung. Interessant ist, dass der Protest an der Universität Witswatersrand begann, die immer noch ein ideologisches Zentrum weißer Afrikaner ist und in denen Kurse noch in Afrikaans abgehalten werden. Doch schafften es trotz der Hürden mehr schwarze Studierende an die Universität und fordern sich jetzt ihre Rechte ein.

Der Kampf der Studierenden ist ein Teil des Kampfes für soziale und rechtliche Gleichstellung, in einem Land, das über zwanzig Jahre nach Fall der Apartheid immer noch diskriminiert und in dem die Versprechen des demokratischen Wandel nach freiem Zugang zu Bildung und Sozialem für arme und arbeitende Menschen egal welcher Hautfarbe noch nicht Realität sind.

#workingclassmustrise

Der Sieg der Studierenden ist eine enorme Ermutigung für alle Studierenden international und für alle Kämpfe in Südafrika. An ihm muss angeknüpft werden, um weiter für kostenlose Bildung, Abschaffung der Gebühren und gegen Ausschluss armer Studierender zu kämpfen. Der Kampf fällt zusammen mit Protesten gegen die Korruption der Regierung. 700 Milliarden Rand (46 Mrd Euro) sind in den letzten Jahren in Korruption versickert. Reichtum ist genug vorhanden. Wenn die Studierende eine feste Verbindung mit der Arbeiterklasse und den sozialen Bewegungen der Communities schaffen, können sie weitere Erfolge erzielen, den Reichtum in die eigenen Hände nehmen und den Kapitalismus abschaffen.