Home / Themen / Soziales & Gesundheit / Wohnen / Der Aufstieg von Annington und seine Folgen

Der Aufstieg von Annington und seine Folgen

Print Friendly, PDF & Email
Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Maschinenjunge CC BY-SA 3.0

Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Maschinenjunge CC BY-SA 3.0

Annington in Gemeineigentum überführen – Mieten senken

Der kometenhafte Aufstieg von Annington zum mit Abstand größten deutschen Wohnungsunternehmen ist Ausdruck von Kapitalkonzentration in sogenanntes Betongold und Spekulation mit Mietwohnungen. Das muss gestoppt werden.

Von Ursel Beck, Stuttgart

„Wir haben uns gegenüber unseren Aktionären verpflichtet, jede Gelegenheit zu prüfen“ sagte Vorstandschef Rolf Buch nach dem Kauf der Südewo und ihren 19.800 Wohnungen im Juni 2015. Im Januar hatte Annington die Gagfah und deren 144.000 Mietwohnungen übernommen. Damit hat Annington, die sich vor Kurzem in „vonovia“ umbenannt hat 370.000 Wohnungen unter Kontrolle. Die Deutsche Annington entstand 2001 mit der Übernahme von 65.000 Eisenbahnerwohnungen. Dann ging es Schlag auf Schlag. Die Privatisierung von öffentlichen Wohnungen und Verkäufe von Werkswohnungen lieferten regelmäßig sichere Beute. Laut Handelsblatt gibt es Gerüchte, die Annington könnte auch noch die großen Konkurrenten LEG Immobilien und Deutsche Wohnen schlucken. Im Jahr 1014 ist der Aktienkurs von Annington um 56,2 Prozent gestiegen. Der Vorstandsvorsitzende Rolf Buch kassiert 2,9 Millionen Euro Gehalt im Jahr.

Mietpreisbremse wirkungslos

Um das Maximum an Profit aus den Mietern zu pressen, werden einerseits hohe Mieten kassiert und andererseits durch Personalabbau, Vernachlässigung der Instandhaltung und miserablem Service Kosten gespart.

Von der Bundesregierung über die Landesregierungen bis zu den Kommunen bedienen die Politiker von der CDU über die SPD bis zu den Grünen die Profitinteressen der Immobilienwirtschaft. Die „Mietpreisbremse“ ist Etikettenschwindel.

Enteignung im öffentlichen Interesse

Für den Bau des zerstörerischen Projekts Stuttgart 21 wurden Hausbesitzer per Besitzeinweisung aus ihren Wohnungen vertreiben und auf dem kalten Weg enteignet. Diese Enteignung wurde als im „öffentlichen Interesse“ verkauft. Es ist höchste Zeit, dass die großen Wohnungsgesellschaften wie Annington enteignet werden. Eine solch dringend notwendige Enteignung wäre tatsächlich im „öffentlichen Interesse“.

Ebenso muss das Finanzkapital durch Verstaatlichung der Banken und Versicherungen und demokratische Verwaltung und Kontrolle entmachtet werden. Dann können Mieten auf kostendeckende Mieten reduziert werden.

Mieter von Annington haben angefangen sich in Mieterinitiativen zu organisieren. Das ist gut so. Eine landes- und bundesweite Vernetzung könnte ein weiterer Schritt sein gemeinsamen Widerstand gegen Mietabzocke und Missachtung von Mieterrechten zu leisten.