CFM: Opfer gekündigt

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CFMCharité Facility Management will Ersatzbetriebsrat loswerden

Das Charité Facility Management (CFM) scheint sich einmal mehr als gewerkschaftsfeindlicher Arbeitgeber zu profilieren. Fred L., ver.di-Aktiver und Ersatzmitglied im Betriebsrat, wurde außerordentlich fristlos gekündigt – weil er sich von seinem Chef nicht rumschubsen lassen wollte.

Was war geschehen? Fred L. arbeitet beim Sicherheitsdienst der CFM. Eines Tages kam sein Chef, fasste ihn ohne Warnung an und schubste ihn zur Tür raus. So jedenfalls die Darstellung von ver.di, die laut Gewerkschaft im Grundsatz von zwei Zeugen und dem Chef selbst bestätigt wurde.

Von Sascha Stanicic

Der Geschädigte wollte ein solches Verhalten nicht ohne Widerspruch akzeptieren. Da keine Entschuldigung des Chefs kam, beschwerte er sich beim Betriebsrat und erstattete Anzeige. Nun wurde er selbst gekündigt, obwohl für Ersatzmitglieder von Betriebsräten ein besonderer Kündigungsschutz gilt und der Betriebsrat der Kündigung nicht zugestimmt hat. Angeblich sei das Vertrauensverhältnis gestört.

Für die zuständige ver.di Fachbereichsleiterin, Meike Jäger, ist das eine groteske Verdrehung der Verantwortung für diesen Vorfall. „Die CFM zeigt sich hier einmal mehr als Schmuddelkind der Charité – ohne Tarifvertrag und ohne Respekt gegenüber den eigenen Mitarbeitern“, so Jäger.

Denn es ist nicht das erste Mal, dass Gewerkschaftsaktive unter Druck durch die Arbeitgeberseite geraten. 2011 hatte es einen dreimonatigen Streik für einen Tarifvertrag gegeben, der von Seiten des Managements mit harten Bandagen geführt wurde. Erreicht wurde damals ein zwischen Gewerkschaft und CFM-Geschäftsleitung vertraglich festgelegter Mindestlohn von 8,50 Euro. Vorher gab es Stundenlöhne, die teilweise bei sechs Euro lagen. Ein Tarifvertrag wurde durch den Streik jedoch nicht erreicht. Schon damals bzw. im Nachklang des Streiks gab es Kündigungsversuche gegen GewerkschafterInnen. Einem Betriebsratsmitglied wurden die Bezüge gekürzt. Viele Streikaktive berichteten von Schwierigkeiten mit ihren Vorgesetzten. Auch berichteten damals neu eingestellte Mitarbeiter, dass sie beim Vorstellungsgespräch erklären mussten, ob sie Gewerkschaftsmitglied seien.

ver.di an der CFM will einen neuen Anlauf im Kampf für einen Tarifvertrag nehmen und hat in den letzten Wochen erfolgreich den Organisationsgrad im Betrieb erhöht. Da liegt es nahe, die Kündigung von Fred L. in einem Zusammenhang zu sehen. Nicht vergessen werden darf auch, dass die CFM eine – teilprivatisierte – Tochter der Charité ist, also ein Landesunternehmen. An der Charité findet gerade eine Tarifauseinandersetzung statt, in der die Beschäftigten mehr Personal und Gesundheitsschutz per Tarifvertrag erreichen wollen. Zwei Wochen Streik im Juni machten die Zustände an Europas größtem Universitätsklinikum zu einem medialen Top-Thema. Dass hier der Servicebereich ausgegliedert und teilprivatisiert wurde, empfinden viele als einen ebenso großen Skandal, wie die Unterbesetzung auf den Stationen. ver.di hat dementsprechend immer wieder die Rückführung der CFM in die Charité gefordert. Eine gestärkte Gewerkschaft bei der CFM würde sicher auch diese Frage wieder auf die Tagesordnung setzen können.

Die CFM will sich nicht öffentlich äußern. Vielleicht wissen die Damen und Herren einfach nicht, wie man die Kündigung eines Opfers – die auch noch durch den Täter unterschrieben wurde – begründen soll.