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Leben im Neoliberalismus

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Freiheit als UnterwerfungNeues Buch „Unterwerfung als Freiheit“

„Der Neoliberalismus will die ganze Persönlichkeit, die ganze Person, mit Haut, Hirn und Haaren. Er erfasst das private, das öffentliche und das berufliche Leben.“

von Michael Koschitzki, Berlin

So fasst Patrick Schreiner, Gewerkschaftshauptamtlicher aus Niedersachsen, in seinem 2015 erschienenen Buch die Durchdringung des Lebens im Neoliberalismus zusammen. Er wirft einen Blick auf die Entwicklung des Neoliberalismus abseits von Arbeit, Wirtschaft und Staat und beschreibt dessen Entwicklung in Lebensbereichen wie Bildung, Sport und Lifestyle.

Selbstoptimierung

Jeder Winkel des Sports ist zum Markt geworden und der eigene Körper wird Teil der Optimierung und Verwertung. Anpassung an fitte Ideale ist das Credo des Neoliberalismus. „Fitness, Wellness und Esoterik beruhen auf der Vorstellung, dass Menschen als Individuen zu verstehen, zu behandeln und zu ‚heilen‘ sind. (…) Aus dieser Perspektive sind nicht in erster Linie Staat und Gesellschaft aufgerufen, ein funktionierendes Gesundheitssystem zur Verfügung zu stellen, sondern jeder Mensch hat zuerst eine Bringschuld.“ Jederzeit wird ein Defizit an einem selbst konstruiert, dem man beständig nachkommen müsse. Fitness-Studios mit individuellen Trainingsplänen sprießen aus dem Boden.

„Der Gedanke der Konkurrenz, ein traditionelles Element des Wettkampfsports, wird übertragen auf die gesellschaftliche Ebene. (…) Nicht mehr die Konkurrenz zwischen wenigen wird inszeniert, sondern Menschen inszenieren sich und ihre Körper im verschärften gesellschaftlichen Konkurrenzkampf – Stichwort Selbstdarstellung.“

Stichwort Selbstdarstellung

Die Menschen verwandeln sich in wandelnde Reklame für sich selbst, resümiert das Buch und zieht einen roten Faden vom Nachhilfeunterricht oder der Weiterbildung über Fitness zur Darstellung neoliberaler Vorbilder und der letztlichen Präsentation in den sozialen Medien. Zwar könnten sie auch für politische Aktivität und Kontakte genutzt werden, und sicherlich ist es sinnvoll, sich sportlich zu betätigen. „All dies ändert aber nichts daran, dass sie auch immer Abbilder der neoliberalen Realität und des Lebens im Neoliberalismus sind.“

Im Buch „Unterwerfung als Freiheit“ wird nicht viel Neues erzählt, als das, was wir tagtäglich erleben und uns selbst antun, jedoch macht es bewusst und hilft zu verstehen, wie die Profitmaximierung des Kapitalismus in die Lebensgestaltung eingreift. Die Schlussfolgerung und Alternative bleibt das Buch schuldig, aber es macht klar, wie die Gesellschaft uns heute einredet, uns selbst Ketten anzulegen. Wie wir sie sprengen können, ist in vielen anderen guten Büchern nachzulesen.

Patrick Schreiner, „Unterwerfung als Freiheit“, PapyRossa-Verlag, 11,90 Euro, 128 Seiten

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