Dortmund wehrt sich

Print Friendly, PDF & Email

dortmundErfolgreiche antifaschistische Demo nach Nazi-Angriff

 Trotz strömendem Regen kamen 500 bis 600 AntifaschistInnen am 28. Mai 2014 in Dortmund zusammen, um mit einer lautstarken und kämpferischen Demo gegen rechte Gewalt zu demonstrieren.

 von Sebastian Förster, Dortmund

 Erst am Sonntag, den 25. Mai, griffen 27 Neonazis der Partei „Die Rechte“ um Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt gegen 22 Uhr das Dortmunder Rathaus an. Etwa 100 Nazi-Gegner stellten sich ihnen in den Weg und blockierten die Eingänge. Die Rechten griffen die Menge an, neben Fausthieben setzten sie Flaschen als Hiebwaffe und Wurfgeschosse sowie Pfefferspray ein und verletzten zehn Menschen dabei. 

 Das Bündnis „BlockaDO“ rief daraufhin zu einer Protestdemo für Mittwoch auf. Die Auftaktkundgebung sammelte sich zuerst am Platz des Geschehens, vor dem Dortmunder Rathaus in der Innenstadt. Verschiedene Redner, darunter auch von der SAV, stellten als Teilnehmer der Blockade am Sonntag die Ereignisse dar.

 Skandalisiert wurde hier auch, wie nach Anzeigen der Nazis AntifaschistInnen im Nachhinein kriminalisiert wurden. So hieß es in der Pressemitteilung der Polizei vom Montag: „Darüber hinaus stellten die Beamten die Personalien von sechs Linksextremisten fest.“ Und des weiteren: „Gegen sechs Linksextremisten wurden ebenfalls Strafanzeigen erstattet.“ 

 „Damit werden Opfer zu Tätern gemacht und die Polizei hilft den Nazis ihre Lügen zu verbreiten, die Aggression und Gewalt gingen von den Menschen vor dem Rathaus aus.“ so ein BlockaDO-Redner.

 Die antifaschistische Demonstration zog durch die migrantisch geprägte Nordstadt auch vorbei an dem Kiosk, in dem Mehmet Kubasik 2006 vom NSU erschossen worden war. Hier legten die TeilnehmerInnen eine Schweigeminute ein, um den Opfern rechter Gewalt zu gedenken.

 Einen offenbar angetrunkenen Nazi, der sich der Demo näherte und die TeilnehmerInnen durch Beschimpfungen provozieren wollte, konnten die AntifaschistInnen abdrängen und verjagen.

 Weiter zog der Protestmarsch dann zum Wohnhaus von Siegfried Borchardt, der am Sonntag in den Dortmunder Stadtrat gewählt wurde. In einem Redebeitrag wurde die krimininelle Geschichte dieses Nazis beleuchtet, der bereits in den 1980ern mit der von ihm gegründeten Hooligangruppe „Borussen-Front“ an der Jagd auf MigrantInnen in der Nordstadt beteiligt war. 

 Zuletzt stellte in einem Redebeitrag ein SAV-Mitglied noch einmal den Zusammenhang von sozialer Krise, Kapitalismus und Faschismus dar und rief dazu auf, sich an den Blockadeaktionen des Bündnisses gegen den Naziaufmarsch im September zu beteiligen.

 Sebastian Förster ist aktiv in der Linksjugend[’solid] und dem antifaschistischen Bündnis „Dortmund stellt sich quer“. Er ist Mitglied des SAV Bundesvorstands.