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Autonome Nationalisten: Entstehung, Auftreten und Gegenstrategien

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Foto: Antifaschistische Koordination Köln & Umland

Foto: Antifaschistische Koordination Köln & Umland

„Anything goes“ ?

von Steve Kühne, Dresden

Die Kette von rassistischen Überfällen ist lang, die Todeszahlen – seit 1990 152 – ist erschreckend. Und leider beinahe üblich sind die trägen Ermittlungen von Staat und Justiz. Im August 2007 zeigte sich die Dresdner Polizei durch eine für sie qualitativ neue Erscheinung sichtlich überfordert. Nachdem ein senegalesischer Student von einer Gruppe angegriffen, rassistisch beschimpft und misshandelt worden war, ermittelte die Polizei gegen Linke! Der einzige Grund hierfür: Die Täter waren schwarz gekleidet, ihr Auftreten erinnerte die Polizei an linke Autonome. Irgendwann war es selbst den verwirrten BeamtInnen eingängig, dass da irgendetwas wohl nicht stimmen konnte. Irgendwann wurde auch den staatlichen Organen klar, dass rassistische Überfälle auf MigrantInnen so gar nicht zum Repertoire der radikalen Linken passen wollte. Nach dieser Feststellung wurden die Ermittlungen eingestellt!

Im selben Jahr protzten „autonome Nationalisten“ in einem Interview mit der NPD-Parteizeitung „Deutsche Stimme“, dass sie sich während der Auseinandersetzungen zwischen linken GipfelgegnerInnen und der Polizei unter die Autonomen gemischt hätten, um deren militantes Vorgehen gegen staatliche Organe besser kennenzulernen und letzten Endes zu kopieren. Sie zeigten sich beeindruckt vom arbeitsteiligen Vorgehen der Autonomen, davon, dass – ohne zentral organisiert zu sein – die einen Steine mit Schraubenziehern aus dem Pflaster lösten, andere dieselben zu jenen brachten, die dann die Polizei bewarfen, als diese die G8-Proteste mit roher Gewalt attackierte.

Am ersten Mai 2009 stiegen 400 schwarz angezogener Neonazis auf ihrer Fahrt zu einer Demonstration nach Siegen auf dem Dortmunder Hauptbahnhof um – so glaubte die Polizei und ließ sie gewähren. Stattdessen aber durchbrachen die Nazis alle noch so schwachen Polizeisicherungen und rannten in Richtung Innenstadt, wo sie mit Holzlatten und Pflastersteinen über die TeilnehmerInnen einer DGB-Kundgebung herfielen. Die Polizei reagierte viel zu spät und schaffte es erst nach Ende der Attacke etwa 200 autonome Nationalisten einzukesseln.

Längst nicht nur auf der Linken sorgten die Neonazis mit schwarzen Windbreakern für Kopfschütteln. Auch Teile der Rechten waren und sind von dem Konzept nicht überzeugt. In Foren und auf Treffen werden die Streitereien um die Sinnhaftigkeit der Kopie linken Lifestyles ausgetragen. In den ersten Jahren nach dem Auftauchen der autonomen Nationalisten waren selbst Prügeleien zwischen eher traditionellen Neonazis und autonomen Nationalisten auf rechten Aufmärschen nichts vollkommen Außergewöhnliches.

Es schien auch zu grotesk: Nazis, die Döner essen; statt den „deutschen Magen“ zu verteidigen, an deren schwarzen Basecaps reihenweise Buttons pranken; die Hip Hop und linken Punk hören; die wie Hardcorefans „straight egde“ T-Shirts tragen und diese Kleidungsstücke dann auch noch so und nicht „T-Hemden“ nennen. Ihre Transparente voller poppig wirkender Graffiti, und englischsprachiger Slogans („Fight the system, fuck the law!“), die selbst die Provokation der rechten Führungspartei NPD immer wieder aufs Neue zelebrieren („NPD was ist das schon – jeder zweite ein Spion!“) Ihre Fahnen schwarz oder rot, ihre Symbole linken Gruppierungen und Strukturen nachempfunden oder glatt weg geklaut, siehe zum Beispiel das Symbol der „Antifaschistischen Aktion“.

Sollen das etwa Kameraden sein? Ja, das sind „Kameraden“. Rechte Schläger, gewaltbereite Neonazis aber eben in schwarz. Mit einer Selbstinszenierung mit immer den gleichen Eckpunkten: Schwungvolle Dynamik, Jugendlichkeit, Kraft, Gewaltaffinität, Männlichkeit, Provokation des politischen Gegners und selbst der eigenen Reihen und Abenteuererlebnis.

Vieles – insbesondere die theoretische Schwäche – sind nicht neu, sondern gehören seit jeher zum rechten „Radikalismus“, der anders als Marx für einen linken Radikalismus formulierte, eben nicht bis an die Wurzeln des Systems geht. Anderes ist wenigstens in seinen aktuellen Ausprägungen, die wir bei den autonomen Nationalisten finden, neu.

Entstehung

Nazis sind nicht cool, wären sie aber gern! Im Grunde liegt in dieser simplen Aussage bereits der „tiefere“ Grund für das Entstehen der „Autonomen Nationalisten“, die sich alle Mühe geben eine „Szene“ darzustellen, in der Politik und Freizeit derart verschwimmen, dass man als Außenstehender quasi gezwungen ist von Lebenseinstellung, von einem „way of life“ zu sprechen. Dass davon schwerlich gesprochen werden kann, zumindest insofern, als die Motive der „Autonomen Nationalisten“ wenig Neues zu bieten haben, sondern entweder neonazistische Kontinuitäten darstellen oder aber schlechte Kopien subkultureller Jugendbewegungen sind, wird ebenso zu zeigen sein, wie die Tatsache, dass cool und damit für Jugendliche attraktiv zu sein beileibe nicht der einzige Grund zur Schaffung der „Autonomen Nationalisten“ gewesen ist.

Die Wurzeln der autonomen Nationalisten liegen in einer veränderten Strategie der militanten Rechten. Erste Ansätze zu diesem Transformationsprozess fanden sich schon in den 80er Jahren in rechten Kleinzeitungen und Fanzines. Titelbilder der Nazi-Zeitung „Neue Front“ zeigten Vermummte, die in Vielem eher an autonome Linke, als an Rechtsradikale erinnerten. „Ein Gespenst geht um im Westen und bringt den Staatsschutz um den Verstand – die autonomen Nationalen Sozialisten“, hieß es dort unter anderem.

Der Startschuss für die „Autonomen Nationalisten“ sollte jedoch viel später kommen. Zunächst schlug die Stunde von militanten, aber doch noch parteiähnlichen Strukturen wie der „Aktionsfront Nationaler Sozialisten“ (ANS) unter Michael Kühnen. Man müsse erst bekannt sein, dann könne man beliebt werden, war Kühnens Credo, der dann mit Aktionen wie dem Tragen von Eselköpfen und den dazu passenden Transparenten, auf den „ich Esel glaube noch, dass in Auschwitz Menschen vergast wurden“, in der Öffentlichkeit die von ihm erdachte Strategie Tatsache werden ließ.

Immerhin die Kompromisslosigkeit und Militanz seines Vorgehens, der unverhohlene, wiederkehrende Aufruf zur Gewaltanwendung und die ständige Bereitschaft zum Rechtsbruch nahmen das Vorgehen der „Autonomen Nationalisten“ in Teilen vorweg. Nur, Kühnens Organisation war auf ihn als führende Person zugeschnitten. Er gab den Ton an. Neben ihm stand niemand, was sich während seines Gefängnisaufenthalts rächte. Seine Gruppe zerfiel, der Aktivitätsgrad sank und viele stiegen aus.

Nach Kühnens Haftentlassung ging er mit seinen engsten Getreuen – beispielsweise einem gewissen Christian Worch – an die Reorganisation der ANS, die 1983 jedoch verboten wurde. Nun vollzog Kühnen einen – gerade im Hinblick auf das Entstehen der „Autonomen Nationalisten“ – interessanten Schwenk. Er organisierte die ANS als lose organisierte, nationale „Lesekreise“, die er später in der „Gesinnungsgemeinschaft der neuen Front“ (GdNF) zusammenfasste. Zumindest zeitweise entschied sich Kühnen damit von einer Abkehr des in rechten Kreisen in Organisationsfragen unverzichtbaren Führerprinzips. Dass diese Abkehr eher äußerlich war und das Ziel hatte sich gegen drohende staatliche Verfolgungsmaßnahmen zu immunisieren hatte Kühnens Vorgehen mit dem der Freien Kameradschaften in den 90er Jahren durchaus gemein.

Die GdNF durchdrang in der Folgezeit zahlreiche rechtsradikale Gruppen und Organisationen und versuchte diese zu kontrollieren. So auch die Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP), die mit einer wirklichen Arbeiterpartei bestenfalls den Namen teilte!

Mit dem November 1989 konzentrierte sich die militante Rechte auf den Aufbau von Gruppen in der DDR bzw. ab dem 3.10.1990 in den neuen Bundesländern. Gerade Kühnen spielte dabei eine Schlüsselrolle. Die revolutionäre Erhebung der DDR-BürgerInnen gegen das stalinistische Regime mündete mangels einer klaren Alternative in die kapitalistische Restauration. Die verursachte Massenverarmung, die öffentliche Zurschaustellung von Flüchtlingen und MigrantInnen als „Problem“ und als Ursache der sozialen Katastrophe in der (ehemaligen) DDR, die Sündenbock Politik von CDU/CSU, FDP und SPD ließ den Nazis leichtes Spiel.

Der Zorn der Bevölkerung in den neuen Bundesländern über ihre Situation, von den herrschenden Eliten in Wirtschaft und Politik gezielt auf die Schwächsten, die MigrantInnen, gelenkt, wurde zum Aufbauhelfer der militanter Neonazi-Strukturen. Doch mit den rassistischen Übergriffen und Pogromen (Rostock-Liechtenhagen, Hoyerswerda…) wuchs auch der Widerstand der übergroßen Mehrheit gegen Nazis und ihre Organisationen. Zehntausende gingen in Deutschland und in Europa gegen Rassismus und Neofaschismus auf die Straße. Die von der SAV initierte Kampagne „Jugend gegen Rassismus in Europa“ (JRE) spielte eine bedeutende Rolle dabei.

Der Staat geriet unter Druck. Selbst die CDU bezeichnete sich- in völliger Verkennung ihrer Rolle als geistiger Brandstifter – nun öffentlich als „antifaschistische“ Kraft. Der Staat reagierte, Verbote waren die unmittelbare Folge. Und während man so der vom anwachsenden Rassismus angewiderten Bevölkerung vorgaugelte, man tue etwas gegen Nazis, nahmen die rassistischen Gesetzesvorlagen im Bundestag kein Ende. Selbst das im Grundgesetz zugesicherte Recht auf politisches Asyl wurde faktisch ausgehebelt. Dennoch, Nazi-Gruppen wurden verboten so die nie formal als Partei anerkannte Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei, die Nationale Front und die Deutsche Alternative.

Der alte Gefolgsmann des zwischenzeitlich verstorbenen Michael Kühnen, Christian Worch, war längst nicht der Einzige, der eine strategische Neuausrichtung der militanten Rechten forderte. Man müsse sich unangreifbar machen für staatliche Repressionsmaßnahmen, so seine in knappen Worten zusammengefasste Einsicht. Bei diesen Überlegungen schaute er nicht zufällig auf seine Erfahrungen mit der ANS und der GdNF unter Kühnen zurück. Ob es nun er oder der Nazi-Kader Thomas Wulff waren – beide nehmen es für sich in Anspruch – irgendwer wagte den Blick nach links und siehe da, man fand die Anleihe, die man gesucht hatte. Von den Linken zu lernen erschien also höchst sinnvoll“, erinnerte sich Christian Worch Jahre später.

„Wir müssen aus den alten und verkrusteten Strukturen der Szene eine Art Volksfront (ähnlich APO: alle machen mit, keiner ist verantwortlich) bilden. Wo keine erkennbaren Organisationen vorhanden ist, kann man diese auch nicht zerschlagen!“ Posaunte 1994 die Zeitung der „Hilfsorganisation Nationaler Gefangener“ (HNG) unter Anspielung auf die linke „außerparlamentarische Opposition“ (APO) der 60er und 70er Jahreheraus. Immer häufiger waren Statements wie dieses in rechten Postillen zu lesen. Der „führerlose Widerstand“, das „Organisieren ohne Organisation“ wurden zu den entscheidenden Parolen.

Ab 1996 wurde dann das Prinzip der „Freien Kameradschaften“ offen propagiert. Lose Gruppen, von der Justiz kaum mehr juristisch angreifbar, extrem brutal und aktivistisch vernetzten sich zum „nationalen Widerstand“. Mit diesem Wandel ging auch eine weitgehende Veränderung des politischen Vorgehens der Nazis und ihrer Anwerbestrategien einher. Demonstrationen und Kundgebungen wurden häufiger, Feste und Konzerte nahmen zu. Ab sofort sollte es nicht mehr notwendig sein beim Einstieg in rechtsradikale Strukturen Vorwissen mitzubringen.

Der Alt-Nazi-Kader Thomas Wulff hielt das in einem Interview ganz offen fest: „Also heute kommen die Leute wesentlich unpolitischer rein […]. Sie haben zwar – so sage ich mal – ein gewisses Grundgefühl, warum sie sich in der Nationalen Opposition bewegen, aber wir hatten schon ein viel größeres Vorwissen gehabt und bestimmte politische Ansichten.“ In der Tat haben sich mit dem Auftauchen der „Freien Kameradschaften“ die Einstiegsmöglichkeiten in rechte Strukturen erheblich pluralisiert. Freizeitgestaltung steht im Vordergrund, Politisierung kommt erst hinterher. Damit erhöht sich zwar auch die Fluktuation, doch die Zahl der angesprochenen Interessenten an „rechtem Leben“ wächst ebenso und damit auch die Möglichkeiten für militante Nazis Gruppen aufzubauen und quantitativ und qualitativ zu wachsen. Darüber wird an späterer Stelle noch genauer zu sprechen sein.

Damit begannen die „freien Kameradschaften“ Mitte der 90er Jahre augenblicklich eine Schlüsselstellung für den Neo-Nazismus einzunehmen. Für die NPD brachen neue Zeiten an. Einerseits war sie nicht mehr quasi automatisch die Führungsmacht der radikalen Rechten, andererseits standen mit den „Freien Kameradschaften“ Kräfte an ihrer Seite, die Dinge tun konnten, an die für die NPD nicht zu denken war, wollte sie nicht WählerInnenstimmen und ihren Rechtsstatus als legale Partei aufs Spiel setzen.

Gewalttätige Angriffe auf MigrantInnen, AntifaschistInnen oder – wie während der Montagsdemonstrationen 2004/05 in Dresden gegen Hartz IV – auf die OrganisatorInnen sozialer Proteste waren und sind Aufgaben, denen sich die „Freien Kameradschaften“ gern stellen. Auf der anderen Seite erwarten sie von der NPD im Gegenzug politische Flankendeckung, finanzielle Mittel (häufig über formale Posten als Fraktionsmitarbeiter usw.) und ein radikales Auftreten im politischen Raum. Dass die NPD nach Ansicht der „Freien Kameradschaften“ dies nur oft genug vermissen lässt, erklärt das zwischen beiden Seiten teils angespannte Verhältnis. Den Spagat zwischen der angepassten „Biedermannpartei“, die auch für Nationalkonservative und vom Sozialabbau der letzten Jahre Betroffene durchaus wählbar erscheinen will und den militanten Schlägertrupps kann die NPD immer häufiger nicht leisten. Holger Apfel versucht sich mehr und mehr von den „Freien Kameradschaften“ loszulösen, was schon deshalb unmöglich ist, weil sie nach wie vor für die NPD unverzichtbare Wahlhilfe stellen.

Ein Ausdruck dieses wechselvollen Verhältnisses ist, dass die NPD ihr „Drei-Säulen-Konzept“ einer Modifikation unterzog. Dem „Kampf um die Köpfe“, „um die Straße“ und schließlich um „die Parlamente“ wurde noch die vierte Säule, der „Kampf um den organisierten Willen“ hinzugesellt. Als, der Kampf um die politische Beeinflussung der „Freien Kameradschaften“.

Einer dieser „Freien Kameradschaften“ ging um das Jahr 2000 herum sehr eigentümliche Wege. Statt sich mit Transparenten, auf denen in altdeutscher Schrift die ewig alten Parolen mal in Weiß und mal in Schwarz wiederholt wurden, besuchten die im Plattenbaubezirk Lichtenberg lebenden sehr jungen Neonazis gern den Bezirk Friedrichshain. Dort gab es Hausbesetzungen, linke Bands en masse und alle nur erdenklichen politischen und kulturellen Projekte. Die Mitglieder dieser „Kameradschaft Frankfurter Tor“ (kurz: KS Tor) schielten eher nach da, als nach den altbekannten Mustern ihrer politischen Heimat. Irgendwann trugen sie selbst Nietengürtel, Kapuzenpullover, ließen sich Döner schmecken und hörten von Hip Hop bis Hardcore alles, was das alternative Musikgenre so hergab. Als sie sich 2002 mit anderen Berliner Kameradschaften zusammenschlossen, war der neue Name schon ausgemacht „Autonome Nationalisten Berlin“, denn autonom sein und ein alternatives „Szeneleben“ das waren in ihrem Weltbild unbedingt untrennbar miteinander verbundene Erscheinungen.

Die „Autonomen Nationalisten Berlin“ besetzten symbolisch Häuser und forderten ein nationales Jugendzentrum – wieder eine schlechte Kopie des linken Vorbilds. Sie attackierte linke Veranstaltungen und arbeiteten schon frühzeitig mit Neonazis aus dem Ruhrgebiet zusammen. Dort tauchten vermehrt rechte Sprühereien auf. Nazis aus dem Pott bastelten Sprühschablonen und versuchten sich in Streetart.

Am ersten Mai traten sie in Berlin erstmals zusammen auf: Hinter einem Transparent mit der Aufschrift „Autonomen Widerstand organisieren!“ reckten Nazis im Rhythmus zum Sprechchor ihre Fäuste. Immer häufiger traf man nun Nazis im Ché-Guievara-T-Shirt und Kapuzenpulli. Als 2004 der Sänger der Nazi-Band „Landser“ endlich verurteilt wurde, formierte die Kameradschaft Tor den bundesweit ersten Block auf einer Neonazi-Demo. Am ersten Mai desselben Jahres riefen sie sogar öffentlich dazu auf.

Jetzt machte das Beispiel seine Runde wie ein Lauffeuer. Aus 30 „Autonomen Nationalisten“ wurden 300, aus Gerangel mit der Polizei wurden Durchbrüche durch Polizeisperren – die erdichteten Heldentaten wuchsen schneller als die Reihen der „Autonomen Nationalisten“. Aber immerhin, die KS Tor hatte einen Nerv getroffen. Selbst als sie 2005 verboten wurde, war der von ihr gesetzte Trend nicht mehr zu stoppen.

Mancher Aussteiger schildert, dass diese „neue“ oder eher kopierte Art zu leben und „politisch“ aufzutreten nicht nur als Propagandakrücke gedacht war, sondern, dass der Style den Mitgliedern solcher Kameradschaften einfach Spaß gemacht hat. Einerseits Hitler zu verehren und andererseits Hip Hop zu hören und chinesisches Essen zu kaufen – Widersprüche, die nicht zu kitten sind und dennoch von einer größer werdenden Szene gelebt werden. Der „NS black block“ schien so manchem jugendlichem Neonazi wie ein Erweckungserlebnis: „Als ich den ‚schwarzen Block“ in Berlin sah, dachte ich nur: Geil, das mache ich auch.“ Kein Wunder – empfinden doch gerade sehr junge Nazis die Auflagen für Verhalten und propagierter Meinung in Nazi-Strukturen als zu streng. Da wirkt die Doppelmoral der „Autonomen Nationalisten“ einfach anziehender. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die gesamte Rechte durch Doppelmoral gekennzeichnet ist, scheint dieser Umstand vielfach kein Hinderungsgrund für Einstieg und Verbleib in den Reihen der „Autonomen Nationalisten“.

Selektive Übernahme – eine alte, rechte Taktik

Die Übernahme linker Slogans, von Versatzstücken aus Programmen, von Mode und Auftreten durch die radikale Rechte ist nicht neu – ganz im Gegenteil. Die Gründung der NSDAP im Jahre 1919 als „Deutscher Arbeiterpartei“ geht im Grunde auf die Initiative der „Thule-Gesellschaft“ zurück. In ihr waren die Spitzen der Münchener Gesellschaft organisiert. Diese Unternehmer, Militärs und Spitzenbeamten wollten eine Organisation schaffen, die ArbeiterInnen der organisierten proletarischen Bewegung entreißen und einem konservativen, nationalen und vor allem konterrevolutionären Projekt zuführen sollte. Um dies zu bewerkstelligen sollte die Deutsche Arbeiterpartei selektiv aus der Linken herauslösen, was immer diesem Unterfangen dienlich sein konnte: Die rote Fahne, der Begriff Sozialismus, die Selbstbezeichnung Arbeiterpartei.

Die Übernahme dieser Begriffe und Sinnträger erfolgte unter Ablösung von der ursprünglichen Bedeutung. Antikapitalismus und Revolution, Sozialismus und Kampf verkamen zu bloßen Schlagworten, die mit beliebigen und nicht selten wechselnden und in sich widersprüchlichen Inhalten gefüllt wurden. Mit marxistischen Positionen hatte dies nur noch dem Namen nach zu tun. Und genau darin lag auch der Sinn. Indem man versuchte der organisierten Arbeiterbewegung den Monopolanspruch auf sozialistische Ideen streitig zu machen, versuchte man die konterrevolutionäre Rechte wenigstens für das Kleinbürgertum interessant zu machen und sei es auch mit lediglich pseudo-sozialistischen Versprechungen.

Das eigentlich Abscheuliche daran war, dass Begriffe wie Sozialismus und Revolution mit ihrem Sinn vollkommen zuwiderlaufenden Theorien gefüllt wurden, die nicht den Sturz des Kapitalismus, sondern im Gegenteil dessen Stabilisierung zum Ziel hatten: Revolution richtete sich plötzlich nicht mehr gegen die ökonomische und damit auch politische Machtstellung der Großunternehmer, sondern gegen „den Juden“, gegen „die Roten“… Sozialismus war nicht mehr eine Gesellschaft, ohne Ausbeutung und Unterdrückung, sondern sollte – so Hitlers Diktion – die Verantwortung des Einzelnen gegenüber einer rassistisch definierten Gemeinschaft bezeichnen. „Die Freiheit des Einzelnen, als Voraussetzung der Freiheit aller“, war nie das Ziel der angeblich „sozialistischen Revolution“ von rechts, die doch nur eine pro-kapitalistische Konterrevolution war.

Erreichte die selektive Übernahme linker Politik- und Lebensformen durch die radikale Rechte in den 20er und 30er Jahren auch groteske Auswüchse, auch danach blieben sich die Nazis in diesem Vorgehen treu. Nicht zuletzt deshalb, weil es sich beim Aufbau einer Massenbewegung ab Ende der 20er Jahre als äußerst nützlich erwiesen hatte.

In den 80er Jahren begannen sich britische Nazis gezielt wie Skinheads zu kleiden, sie schoren sich die Haare kurz und trugen Springerstiefel. Rechte Bands kopierten den Oi!-Punk von Skinheadbands. Die Unterwanderung war so perfekt, dass sie nicht nur im Geburtsland der Skinheads, in England, praktiziert wurde, sondern auch in Deutschland, in Frankreich und nahezu allen anderen westeuropäischen Staaten. Bald galten die Worte Neonazi und Skinhead als synonym – auch ganz unabhängig von der Haarlänge!

Die Gründe aus denen heraus Nazis begannen den Stil der Skinheads zu kopieren, erinnern in vielerlei Hinsicht an die Gründe, die sie aktuell dazu bewegen den Stil der Autonomen nachzuäffen. Skinheads hielten Werte wie Freundschaft, Zusammenhalt und Stolz hoch. Und so gerieten sie schnell ins Visier rechter Gruppierungen. Dass zur Kameradschaft der Skinheads auch die Kameradschaft mit schwarzen „Rude Boys“ gehörte; dass Skinheads vor allem stolz auf ihre Klasse waren (und sind) und eben nicht auf ihre Nationalität; dass sie mit Sprüchen wie „fight for your class, not for your country“ ihren politischen Standpunkt sehr deutlich erklärten; dass sie sich vielfach als unpolitisch, nicht selten aber als links verstanden (eine in den 90er Jahren von Klaus Farin in Skinheadkreisen durchgeführte Befragung ergab, dass die mit weitem Abstand am häufigsten von Skins gewählte Partei die damalige PDS war); dass ihr Zusammenhalt sehr viel eher als proletarische Solidarität, als als ausgrenzende rassistische Gruppenbildung interpretiert werden musste – dass alles spielte für Nazis keine Rolle. Der Stil gefiel Jugendlichen, er zog sie an, also begannen Nazis als Skins aufzutreten.

Gewiss die Szene wehrte sich. Zusammenstöße zwischen linken, unpolitischen, antifaschistischen Skins auf der einen und der schlechten Nazi-Kopie derselben auf der anderen Seite häuften sich. Bands wie „The Oppressed“ verbreiteten in Europa die aus den USA kommende Idee von SHARP (Skinheads against racial prejudice), die dem Trotzkismus nahe stehende Band Angelic Upstarts prügelte sich mit rechten Skins… Es half nichts! Die Medien griffen das Bild der gewalttätigen, betrunkenen Glatze begierig auf. Waren diese „Nazis“ für den Rassismus verantwortlich und nicht die Biedermänner in den Führungsriegen konservativer Parteien, dann konnte man sich getrost im Glauben an (bürgerliche) Demokratie und Marktwirtschaft schlafen legen, denn der Feind war klar ausgemacht.

Bis heute ist es Nazis nie wieder gelungen eine Subkultur im öffentlichen Bewusstsein derart umzudeuten.

Die Liste der selektiven Übernahme linker Politik und Kultur durch Nazis ist mit den Skinheads beileibe nicht zu Ende! In der Ostberliner Weitlingstraße besetzten militante Nazis 1990 ein leer stehendes Haus. Damit griffen sie sehr bewusst linke Praxis im Kampf gegen Mietwucher und für alternative Freiräume auf. Und auch hier wieder diese bezeichnende Selektivität! Unter der Führung von Neonazis wie Oliver Schweigert, dem wenig später an AIDS verstorbenen Michael Kühnen und dem später ausgestiegenen Ingo Hasselbach entwickelte sich aus der Weitlingstraße nicht etwa – wie bei linken Hausprojekten üblich – ein politisches und kulturelles Zentrum, sondern ein Stützpunkt im Kampf um die Hegemonie in einem ganzen Stadtteil.

Von Polizei und staatlichen Behörden gegen Angriffsversuche der Antifa geschützt, mauserte sich die Weitlingstraße zum Treffpunkt gewaltbereiter Neonazis, wurde das Haus Ausgangspunkt von Überfällen auf Linke und MigrantInnen, wurde es zum Waffenlager und zur Pressestelle der Nationalen Alternative, bis Peter-Michael Diestel, der letzte Innenminister der DDR, das Haus – nach erheblichem öffentlichem Druck – doch noch stürmen ließ.

In der Lausitz verteilten Neonazis in den 90er Jahren Buttons und Aufkleber mit Bildern von Rosa Luxemburg mit ihrem Zitat „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.“

Der Versuch den Stil der Autonomen zu kopieren ist also an sich nicht neu. Nazis haben immer wieder zu solchen Mitteln gegriffen. Die Frage ist, wie in Zukunft mit derartigen rechten Vorstößen umgegangen werden wird. Dass es Nazis gelingen könnte den autonomen Lifestyle und Politikbegriff derart zu besetzen, dass Autonome – ähnlich wie Skinheads – per se als rechtsradikal gelten, muss als unwahrscheinlich angesehen werden. Doch wie verhält es sich beispielweise bei der Hardcore-Szene? Hier versuchen Nazis schon seit Jahren Fuß zu fassen. Autonome Nationalisten mögen diesen Musikstil. Zahlreiche rechte Bands geben sich alle Mühe hörbaren rechten Hardcore (NSHC, Hatecore) zu produzieren. Dass sie dabei nicht selten musikalischen Schiffbruch erleiden hält sie nicht davon ab es weiter zu versuchen und gezielt das Lebensgefühl der Hardcoreszene zu usurpieren.

Die Gegenbewegung der Subkultur („good night white pride“)sind zwar weithin hörbar, das waren sie bei den Skinheads seinerzeit aber auch (SHARP, RASH,…). Allerdings eigneten sich die Skinheads um einiges mehr als mediales rechtes Schreckgespenst allein schon wegen ihres Aussehens als Mitglieder der Hardcoreszene.

Inwieweit es Nazis in Zukunft gelingt sich unwidersprochen subkulturell zu präsentieren bzw. Subkulturen zu unterwandern hängt auch und nicht zuletzt von der Aufklärung durch und innerhalb der organisierten Linken ab. Auch bezüglich dessen müssen wir kritisch Bilanz ziehen. Nicht nur in den bürgerlichen Medien werden Nazis bis heute in Bildern als Skinheads dargestellt, ganz unabhängig davon, dass kahlgeschorene Nazis bei rechten Aufmärschen kaum noch eine Rolle spielen. Auch in linken Gruppen und Strukturen kommt es vor, dass noch immer von den „Stiefelnazis“ gesprochen wird, wenn man über militante Rechte redet. Das ist schon deshalb falsch, weil die Hauptwaffen der Nazis – eben gerade auch der autonomen Nationalisten – beim Überfall auf GegnerInnen, Linke, Antifas und MigrantInnen inzwischen eher quarzsandgefüllte Handschuhe, Teleskopschlagstöcke und Schlagringe sind.

„Anything goes“ – Musik, Style, „Lebensgefühl“

Die „Autonomen Nationalisten“ sind ein „Durchlauferhitzer“: Viele gehen rein, viele kommen raus, verschwinden entweder ganz aus der radikalen Rechten oder gehen in andere Gruppen. Man darf jedoch dabei zwei Dinge nicht vergessen: Zum Einen sind sie durchaus ein Grund zum längeren Verweilen in neonazistischen Kreisen. Aussteiger geben an, dass sie schon fast soweit waren rechte Cliquen zu verlassen, nicht zuletzt deshalb, weil so viel verboten und untersagt war, was Jugendliche gern tun. Vom Essen bis zur Musik, Vorschriften waren überall. Hinzu kommt die Doppelmoral der ganzen Szene. Gerade regionale Führer fordern die Einhaltung dieser Regeln ein, verletzen sie aber andauern selbst.

Die „Autonomen Nationalisten“ geben ihren Mitgliedern die Möglichkeit rechtes Gedankengut mit einem bunten Leben zu verbinden. Man hört Hip Hop und Hardcore, trägt Klamotten, die gerade angesagt sind, am Abend raucht man schon mal Haschisch. Das tun zwar verdammt viele Nazis, aber die „Autonomen Nationalisten geben das mehr oder weniger offen zu und lassen es in ihren Reihen auch geschehen. „Anything goes“ lautet das Motto. Eben das macht sie für frustrierte und ausstiegswillige Nazis eben wieder attraktiv.

Gleichzeitig produziert es derart viele Widersprüche, dass auch Zweifel entstehen müssen. Die bei „Autonomen Nationalisten“ angesagte Hardcore- bzw. NS-Hatecoreband „Eternal Bleeding“ gab in einem Interview zu verstehen, dass gerade das zu begrüßen sei. Die Szene würde sich wandeln, öffnen, man brauche keinen Führer mehr und die Ächtung sogenannter „entarteter Kunst“ könne man mit ihnen nicht machen! Das „Dritte Reich“ sei wohl eher nationaler Kapitalismus, als nationaler Sozialismus.

Die erstaunlich offenen Nazis, die auch gern zum „China-Mann“ essen gehen, präsentieren sich gern als die neuen Neonazis, die höchstens ungern mit traditionellen Neonazis zusammen auf der Straße agieren wollen. Wo sie politisch einzuordnen sind, wenn nicht gerade eine Kamera ihre Aussagen festhält, zeigt der Umstand, dass sie in Zwickau mit einem gewissen Daniel P. zusammenlebten, dem Kontakte zur rechten Terrorgruppe „National-‚sozialistischer‘ Untergrund“ (NSU) nachgesagt werden.

Dass gerade solche Bands versuchen sich an den Hardcore zu hängen macht die Subkultur zusehends wütend. Doch offenbaren die meisten Hatecorebands nicht nur einen Mangel an musikalischem Können (damit waren die Fans von Nazi-Bands meistens gestraft), sondern scheinen noch dazu aus der Retorte zu stammen. Als in den 80er und 90er Jahren die Skinheads vor der Herausforderung standen, dass Nazis sich ihren Stil zeigen machen wollten, tauchten auf einmal eilig zusammengeschusterte „Oi!-Bands“ auf, die den Namen nicht verdienten. So ist es inzwischen beim NSHC. In Rostock misshandelte bald schon die Gruppe „Path of Resistance“ ihre Instrumente, die aus zwei ebenso schlechten „Oi!-Bands“ geklont wurde.

Auch wenn der Versuch den Hardcore zu usurpieren politisch und sozusagen philosophisch nicht gerechtfertigt ist, bot die Szene dennoch Anknüpfungspunkte. Bei den Autonomen ist es die nach außen gekehrte Darstellung von Unberechenbarkeit, Entschlossenheit, Stärke und die damit automatisch einhergehende Kultivierung von Männlichkeit, womit ein ungewolltes und doch unübersehbares Abgleiten in sexistische Rollenklischees einhergeht. Genau darauf können sich Nazis bei ihren selektiven Übernahmen berufen – sie picken sich einfach das heraus, was zu ihnen zu passen scheint.

Eines zeigt dieses Beispiel allemal: Antifaschistische, antisexistische und antirassistische Grundsätze, offenes Auftreten gegen Homophobie und Antisemitismus müssen daher Grundbestandteile jeder Jugendsubkultur sein und wo sie es nicht sind, da müssen sie es werden. Denn dort, wo das nicht, oder in nicht ausreichendem Maße der Fall ist, versuchen Nazis anzudocken. Die Aufgabe von MarxistInnen in solchen Szenen muss eben auch der Kampf um eine solche Ausrichtung sein, was eine Herausforderung an sich darstellt.

Wie bedeutend dieser Punkt ist, zeigt auch das Beispiel Hip Hop. Die Musikrichtung, die in sich zahlreiche Stilelemente von Reggae über Jazz bis zu Soul vereint hat ihre Wurzel unter anderem bei afro-amerikanischen Musikern. Erst beginnend mit den 90er Jahren, als diese Musik mehr und mehr von der Protestkultur zum Konsum verkam und mit Goldketten behängte Machos nackte Frauen neben sich tanzen ließen, konnte sexistische Labels Fuß fassen. Und nun wurde die Musik, die sich lange Zeit den Angriffen der radikalen Rechten ausgesetzt sah, für Nazis interessant.

Jugendliche fühlen sich von Hip Hop angesprochen, was ihn für die „Autonomen Nationalisten“ auf ihrer Suche nach Anhängern interessant werden ließ. Also versuchten Rechtsrockbands in Nebenprojekten rechten Hip Hop zu produzieren. Das klappte selbstverständlich hinten und vorne nicht. Erst in den letzten Jahren hat die Szene mit „Makss Damage“ Zulauf bekommen, einem Musiker, der nach einem kurzen Stelldichein in der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) zu den Ultra-Stalinisten der Kommunistischen Initiative wechselte und dann zu den Nazis ging. Auf Konzerte in linken Clubs wurde er ständig wegen seiner sexistischen und machohaften Texten kritisiert, bekam keine Einladungen mehr und stellte fest, dass die rechte Seite des politischen Spektrums doch besser zu ihm passt. „Autonome Nationalisten“ spielen seine Musik inzwischen sehr gern. Mit seinen Tracks unterlegen sie auch gern im Internet kursierende Videos ihrer Aktionen.

Auch die in antideutschen Kreisen beliebte Band „Egotronic“ wird von den „Autonomen Nationalisten“ gern gehört. Berührungsängste haben „Autonome Nationalisten“ da nicht. Das von den Antideutschen gern gehörte Lied „Raven gegen Deutschland“ wird rasch umgedeutet, man könne es ja auch als Statement gegen den dummen Deutschen, der sich noch immer gegen die „Lösungen“ der nationalen Bewegung stelle interpretieren. Und ja, der fehlende Klassenbezug der gesamten antideutschen Bewegung, ihr vereinfachtes Gut-Böse-Schema (Israel gut, Palästina böse) bietet Nazis Anknüpfungspunkte, die die „Autonomen Nationalisten“ gern für sich nutzen. Kann ein solches Politikverständnis doch höllisch leicht rassistisch ausgelegt werden.

All das bietet ihnen bei der Rekrutierung unverzichtbare Vorteile! Man kann bei ihnen hören, anziehen und essen was man will und wird nicht eigenartig angeschaut. Die dabei entsehenden Widersprüche machen ein Abwandern in andere Teile des neonazistischen Lagers nach einiger Zeit sehr wahrscheinlich. Aber wo gehen die Aussteiger hin? Steigen sie vielleicht nur um? In Parteien oder festere Strukturen? Oder steigen sie tatsächlich aus? Beide Wege sind absolut möglich. Fakt ist, mit ihrem nach außen getragenen „anything goes“ machen die „Autonomen Nationalisten“ neonazistisches Gedankengut für einen weitaus größeren Kreis von Jugendlichen interessant, indem sie gezielt Anknüpfungspunkte zu Subkulturen suchen.

Ideologie?

Dass eine Ideologie, wie die der Nazis, die statt auf rationale Überzeugung, konsequent auf emotionale Gewissheiten setzt, nicht gerade inhaltsschwanger daherkommt, verwundert nicht gerade. Dennoch besticht die scheinbar sehr geringe Bereitschaft sich mit politischen Positionen auseinanderzusetzen. Schlagworte ersetzen Thesenpapiere, laut gerufene Sprechchöre übertönen jeden Versuch der Argumentation. Style ist alles, Argumentationsketten nichts! Doch dieses Urteil wird der gesamten Szene der „Autonomen Nationalisten“ nicht gerecht. Gerade in Nordrhein-Westfalen und besonders in Dortmund sind Debatten um Inhalte und Strategie und Taktik Teil des Selbstverständnisses der dort ansässigen ANs. Wir werden darauf noch näher eingehen.

Im übrigen Bundesgebiet zeichnen sich die „Autonomen Nationalisten“ hingegen durch ein scheinbar weitaus geringeres Interesse an ideologischen Diskussionen und Kontroversen aus.

In Bezug auf Positionierungen zu aktuellen-politischen oder grundsätzlichen-weltanschaulichen Fragen stellen die Verlautbarungen der „Autonomen Nationalisten“ mit Sicherheit einen Negativrekord im National-„Sozialismus“ dar. Während sich Nazis historisch immer wieder darum bemühten ihre Weltanschauung irgendwie theoretisch zu begründen und zauberhaft-einfältige Bücher wie den „Mythus des 21.Jahrhunderts“ produzierten, haben die „Autonomen Nationalisten“, was diese Frage angeht, scheinbar kapituliert. Hinter der platten Aussage „anything goes“ verbirgt sich die schlichte Einsicht, dass die „Autonomen Nationalisten“ von theoretischen Debatten rein gar nichts halten, was es den AN’s in Nordrhein-Westfalen erleichtert bundesweit nach wie vor gerade in inhaltlichen Fragen ihren Führungsanspruch zu untermauern.

„Der Autonome Nationalismus bezeichnet eine Agitationsform, welche sich die letzten Jahre innerhalb der nationalen Bewegung entwickelt hat. Eine eigene Weltanschauung o.Ä. ist mit AN nicht gemeint“, geben die „Autonomen Nationalisten Weimar“ auf ihrer Homepage unumwunden zu. Und da sie keine „eigene Weltanschauung“ haben, brauchen sie auch keine Positionen zu beziehen! Außer Terminen erfährt man auf der Seite nicht viel. Der Link „Material“ führt zu einem rechten Versand, politische Debatten oder Statements irgendeiner Art sucht man vergebens. Dafür wird einem versichert: „Der Grundgedanke [der „Autonomen Nationalisten“ – der Verf.] ist eine Art ‚Do it yourself‘-Aktivist, also jemand, welcher aktiv und vor allem kreativ politische Arbeit betreibt, ohne sich an feste Organisationen binden zu müssen. Dies hat zum einen den Vorteil, dass Strukturen, die offiziell überhaupt nicht existieren, nicht verfolgt oder gar verboten werden können, und zum anderen gibt es dem Aktivisten mehr Freiheit und darauf aufbauend die Möglichkeit, seine eigene Kreativität in seine Aktivitäten einfließen zu lassen.“

Wie weit es mit der Kreativität her ist offenbart gleich die Startseite, der vermummte Aktivist, der dort mit einer Steinschleuder in der Hand gezeigt wird, ist glatt weg von den Autonomen (den echten) geklaut!

Zum Thema Autonomie liefern die „Autonomen Nationalisten Wetzlar“ genau denselben Text wie ihre schwarz gekleideten Kameraden aus Weimar. Aber immerhin geben sie unter „Über uns“ wenigstens ein paar ihrer Ziele bekannt. In 11 Punkten – selbst die NSDAP brauchte damals 25 – erklären sie ihr Weltbild, das im Grunde auf plumpen, naiven Rassismus hinausläuft! So sind sie für einen „sofortigen Einwanderungsstopp“ und gleichzeitig eine strengere Prüfung von Asylanträgen. Dass es ein Widerspruch in sich ist, niemanden mehr ins Land zu lassen und trotzdem Asylanträge strenger zu prüfen, sollte den „Autonomen Nationalisten Wetzlar“ vielleicht mal irgendwer erklären! Sie wollen – so einer ihrer Punkte – einen „nationalen Sozialismus durchsetzen“. Was das aber bitte sein soll behalten sie für sich! Sollen Produktionsmittel verstaatlicht werden? Wer soll diese nach der Verstaatlichung verwalten? Wie und durch wen werden gesellschaftliche Reichtümer zu welchen Zwecken verteilt? Nun, „anything goes“! Außerdem wollen sie die „kapitalistische Wirtschaftsreform (!) abschaffen“. Ohne ein „Wie“ und ein „Was-dafür-dann-kommen-soll“ ist das reichlich wenig und bewegt sich auf der Ebene schlichter Plattitüden.

Die „Autonomen Nationalisten Dresden“ – als deren Seite noch online war – bedankten sich dafür, dass sie die Sätze zu „ihrem“ Selbstverständnis von einer Seite von „Autonomen Nationalisten“ aus dem Ruhrgebiet hatten übernehmen dürfen. Die Ähnlichkeiten in den Selbstdarstellungen und den Definitionen von Worten wie „autonom“ und „Autonomie“ sind augenscheinlich und stehen im krassen Widerspruch zum linken Original. Die Autonomen führen untereinander teils ermüdende und langwierige inhaltliche Debatten, deren Ergebnis nicht selten Spaltungen und das Entstehen neuer Gruppen sind. In fast allen größeren Städten gibt es gleich mehrere Gruppen linker Autonomer, die sich an Fragen wie dem Umgang mit dem Staate Israel mehr oder weniger stark voneinander abgrenzen.

Bei den „Autonomen Nationalisten“ sieht das anders aus: Eine Stadt – eine Gruppe. Und deckungsgleiche Aussagen zwischen denselben. Wie wenig die „Autonomen Nationalisten“ „autonom“ sind, ist auch daran sehr gut zu erkennen.

Was genau die „Autonomen Nationalisten“ oder wenigstens einige Gruppen von ihnen wollen, offenbaren sie uns nicht! Allenfalls werden Begriffe wiederkehrend gebraucht, die an Gefühle appellieren sollen: Vom „Kapitalismus“ als Feindbild ist ebenso die Rede wie vom „nationalen Sozialismus“ als erstrebenswertem Ziel. Von „Kampf“ und „Freiheit“ wird gesprochen. Und während man als Besucher ihrer Seiten sich schon sehr genau ausmalen kann, was „Autonome Nationalisten“ als „Kampf“ verstehen, bleibt selbst der Begriff „Freiheit“ überraschend unausgefüllt. So mancher Rückgriff nach links ist scheinbar nicht zuletzt in dem totalen Fehlen eigener Politikvorstellungen zu suchen.

Eine politisch-theoretische Auseinandersetzung mit den „Autonomen Nationalisten“ fällt also schon deshalb sehr schwer, weil man sich mit ihnen, ob ihrer überraschend unpolitischen Haltung, kaum auf dieser Ebene auseinandersetzen kann.

Allerdings muss man an dieser Stelle Abstriche machen. Sowohl ihr zur Schau gestellter Habitus, als auch ihre Parolen sind sehr wohl analysier- und prüfbar. Allerdings kann man keinerlei „programmatische“ Ausrichtung erkennen. „So wird bei den AN jenseits des neonazistischen Konsensus die kollektive Aktion zum Inhalt, zu Propaganda der Tat. Die Theorie der Propaganda der Tat setzt in anarchistischer Tradition darauf, dass sich Ziele und Inhalte einer politischen Aktion unmittelbar über Tat selbst vermitteln und keiner weiteren politischen Erklärung bedürfen“, hält David Begrich in seinem Beitrag „Kopie oder Entwendung“ für den sehr empfehlenswerten kleinen Sammelband „Autonome Nationalisten“ des „Unrast-Verlags“ fest. Und zitiert dann weiter Benito Mussolini, den italienischen Faschistenführer der 20er, 30er und frühen 40er Jahre, mit dem bezeichnenden Satz: „Wir Faschisten haben keine vorgefasste Doktrin, unsere Doktrin ist die Tat.“ Womit Mussolini zweifelsfrei nicht nur den Charakter der Faschisten erklärte, sondern auch den der „Autonomen Nationalisten“ einige Jahrzehnte später vorwegnahm.

Somit bleibt das „Analysieren“ von Schlagworten und Slogans als eine der wenigen Möglichkeiten zur inhaltlichen Betrachtung der „Autonomen Nationalisten“. Und dort besticht, dass sie im Grunde wie ein Schwamm alles in sich aufsaugen, was sie für verwendbar halten. Sie erklären „revolutionär“ zu sein. Doch davon ausgehend, dass „revolutionär“ sein heißt, die Eigentumsformen der kapitalistischen Gesellschaft in Frage zu stellen, kann diese Selbstzuschreibung kaum ernst genommen werden. Denn Forderungen nach umfangreichen Verstaatlichungen – und seien es nur Verstaatlichungen in Teilbereichen der kapitalistischen Wirtschaft – sucht man bei den „Autonomen Nationalisten“ erwartungsgemäß umsonst. Hier verhalten sie sich nicht anders als die von ihnen häufig kritisierten „konservativen“, „reaktionären“ Neonazis.

Sie nehmen für sich in Anspruch „sozialistisch“ zu sein. Was wohl kaum als Bekenntnis zu einem anderen Gesellschafts- und Wirtschaftssystem gesehen werden darf. Wohl eher geht es um ein rein moralisches Konstrukt, um eine reine Wertegemeinschaft so nach dem Motto: Bei uns sind alle nett zueinander und jeder ist für den anderen verantwortlich. Dass das für den Entwurf einer gesellschaftlichen Alternative bedeutend zu wenig ist, beweist allein schon die Tatsache, dass außerhalb von Kleingruppen, die diese Regelungen für sich als bindend entdeckt haben, das Profitstreben und die herausgehobene gesellschaftliche Stellung einiger weniger Großunternehmer nicht nur unser aller Gleichberechtigung verhindert, sondern zudem gemessen am Umgang mit Mensch und Natur äußerst verantwortungslos ist.

Wie wenig die „Autonomen Nationalisten“ eine Wertegemeinschaft sind, beweisen die Darstellung der wenigen sich öffentlich äußernden Aussteiger aus den „Autonomen Nationalisten“. Von sehr hierachisierten Gruppenstrukturen ist da ebenso die Rede wie von Druck auf Leute, die Zweifel an Vorgehen und „Politik“ der „Autonomen Nationalisten“ entwickelt haben. Gerade Frauen wird häufig unmissverständlich gesagt wo ihr Platz ist, bei welchen Aktionen sie dabei sein dürfen und bei welchen nicht und sogar, wann sie dann endlich mal Kinder zu kriegen haben.

Hingegen kann die Festlegung der „Autonomen Nationalisten“ auf nationales Denken und Handeln durchaus ernst genommen werden.

Interessant ist zudem, dass die „Autonomen Nationalisten“ sich selbst als „nationalrevolutionär“ beschreiben und nicht für National-„Sozialismus“, sondern für nationalen „Sozialismus“ auf die Straße gehen. Was zunächst wie eine Übernahme nationalrevolutionärer oder nationalbolschewistischer Positionen aus den 20er und 30er Jahren wirkt, hat einen ganz anderen Hintergrund. Damals versuchten Leute wie Otto und teilweise auch Gregor Strasser, besonders aber Ernst Niekisch und Karl-Otto Paetel eine andere Art von nationalem „Sozialismus“ zu kreieren. Niekisch träumte von einer antikapitalistischen Front von Proletariern und den Resten des Feudaladels. Schließlich habe Bismarck mit seiner Sozialgesetzgebung der 1880er Jahre dieses vorweggenommen. Dabei übersah Niekisch zwar, dass Bismarck entschieden gegen die Arbeiterbewegung gekämpft und SozialistInnen verfolgt, die SPD verboten hatte und seine Sozialgesetzgebung derselben lediglich den Wind aus den Segeln nehmen sollte. Dennoch beeinflusste Niekischs „preußischer Sozialismus“ eine ganze Schicht nationaler Aktivisten.

Paetel glaubte an die proletarische Nation, die durch den Klassenkampf erreicht werden sollte, der durch eine aus links und rechts verschmolzene Front zu führen sei. Eine Nation, die die Führung des Proletariats anerkannte. Er glaubte an die Unterschiedlichkeit der Völker und Nationen, aber auch an ihre Gleichberechtigung und an ein Bündnis mit der Sowjetunion gegen den Westen. Sie alle wollten den Befreiungskampf der deutschen Nation gegen andere Nationen – im Grunde also Krieg. Dafür galt es Unterstützung in der Arbeiterklasse zu mobilisieren. Doch ihre Bereitschaft zu (Teil-)Verstaatlichungen verbaute ihnen den Weg in die NSDAP. Zudem war wenigstens Paetel kein Antisemit. Rassistisch und nationalistisch blieben sie dennoch alle.

Die Rufe der „Autonomen Nationalisten“ nach nationalem „Sozialismus“ und nach „nationalrevolutionären“ schwarzen Blöcken haben damit allerdings wenig zu tun. Allenfalls das Pathos der genannten Autoren sind sie bereit zu übernehmen. Zudem dienen Worte wie die genannten dazu sich von den bekannten Formen des Neonazismus abzugrenzen und – das scheint den „Autonomen Nationalisten“ wenigstens teilweise wichtig zu sein – Alt-Neonazi-Kader zu provozieren. Direkte Bezüge zu Niekisch und Paetel findet man auf Seiten der „Autonomen Nationalisten“ wenig bis gar nicht.

Doch Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel: Auf einer Seite zur Vernetzung von Aktionsgruppen in Schleswig-Holstein, findet man unter dem entsprechenden Link Zitate zu verschiedenen Themen. Zum Thema Revolution finden sich dort Zitate von Albert Camus, Ernst Röhm, Rosa Luxemburg und Ché Guevara!

Allerdings darf man nicht übersehen, dass gerade in den ersten Jahren nach Auftreten der „Autonomen Nationalisten“ Diskussionen um die genaue politische Ausrichtung dieses Projekts keine Seltenheit waren. Um die Zeitschrift „Der Fahnenträger“ fanden sich Gruppen zusammen, die über nationalen „Sozialismus“, durchaus in Abgrenzung vom National-„Sozialismus“ philosophierten, über National-„Anarchismus“ und nationalen „Syndikalismus“ faselten. Auf Transparenten verlangten sie die dritte Front und zitierten den bei National-„Bolschewisten“ stets beliebten Ernst Jünger. Lange nicht alle dieser Gruppen waren „Autonome Nationalisten“, aber Teile dieser nahmen Bezug auf den „Fahnenträger“

Die groteskeste Stilblüte dieser Jahre war wohl die Gruppe „Autonomer Nationalisten“, die sich den wenig klangvollen Namen NaSofI, was für „Nationale Sozialisten für Israel“ stand, zulegte. In ganz antideutscher Attitüde zogen sie mit Israel-Fahnen auf Nazi-Demos wetterten gegen die Palästinenser und kämpften für das Existenzrecht Israels- Kein Witz! Und selbst den Antideutschen ging dabei kein Licht auf! Sie erkannten nicht, dass ihnen ein Spiegel vorgehalten wurde, dass man das ständige Geratter gegen „die“ Palästinenser eben auch als rassistisches stakkato und die grotesk positiven Bezüge auf die israelischen Herrschenden auch als Juden ab nach Israel – und damit eben ohne weitere Probleme antisemitisch –interpretieren kann.

Lange hielten diese Debatten nicht an. Die aktuelle Ausrichtung der „Autonomen Nationalisten“ ist nicht zuletzt der Verlinkung mit rechten Verlagen zu entnehmen, in denen T-Shirts mit Motiven zu sehen sind, die die Wehrmacht verherrlichen oder mit dem Schriftzug „I love 1933“ versehen sind. Dennoch gibt es hin und wieder Versuche eine Querfront mit linken Gruppen herzustellen. Beispielsweise das Antikapitalistische Netzwerk (AKN/ACN). Unter klar national-„bolschewistischer“ Symbolik, vor dem Hintergrund eines schwarzen Sterns kreuzen sich Hammer und Schwert, wird dort mit vielen Fotos und wenig Text für die Herstellung eines antikapitalistischen Netzwerks geworben. Dabei präsentieren sich AktivistInnen im „AN-Style“ auf verschiedenen, vor allem linken Demos und Aktionen, mit ihren Flugblättern in verschiedenen Sprachen. Inhalte sucht man wenig und findet dafür zahlreiche wiederum selektive Übernahmen wie „tous ensemble“, einem Spruch der antikapitalistischen Proteste in Frankreich. Der „Aufruf zur Bündelung der antikapitalistischen Kräfte in Europa“ nimmt sich denn auch sehr knapp aus. Festgehalten wird aber: „Es gibt auch keine absolut festgelegten Standpunkte oder Unvereinbarkeitsbeschlüsse.“ Die Idee ist klar, man möchte gern als Teil der antikapitalistischen Bewegung anerkannt werden, am besten rasch Einfluss gewinnen. Wer sich wirklich hinter dem Projekt verbirgt wird nicht genannt. Der Aufruf ist so formuliert, dass er wenig bis nichts sagt. Man lehne eben Kapitalismus und Imperialismus und Globalisierung ab. Unter welchen Motiven oder welche Lösungen man anbietet wird selbstverständlich verschwiegen, denn genau dort müssten die Nazis Farbe bekennen.

Ein Teil der „Autonomen Nationalisten“, beispielsweise die „Autonomen Nationalisten Ostfriesland“ nahm Bezug auf das „AKN/ACN“, obwohl es kein rein „autonom-nationalistisches“ Projekt war. Da seit gut einem Jahr die Seite nicht mehr aktualisiert wurde, scheint das Projekt wieder ad acta gelegt zu sein. Bedeutend war es nie. Aber derartige Versuche wird es auch in Zukunft geben. Inwieweit „Autonome Nationalisten“ dabei eine Rolle spielen ist nicht ausgemacht. Im Moment ist ihre Energie voll auf den Kampf gegen Antifa, Linke und MigrantInnen ausgerichtet, für Querfront-Ideen bleibt da kein Platz.

Die ideologischen Grundlagen der „Autonomen Nationalisten“ sind demnach die alten: Hitler statt Strasser, Niekisch, Paetel; Rassismus und Antisemitismus, und Pseudo-Antikapitalismus, der diese Gesellschaft nicht im Geringsten in Frage stellt.

AN’s und NPD

Das Verhältnis zwischen den „Autonomen Nationalisten“ und der NPD ist nach wie vor gespannt. Schließlich gingen die „Autonomen Nationalisten“ aus dem „Worch-Flügel“ der „Freien Kameradschaften“ hervor, der der NPD, ihrem auf Legalität und Wahlen ausgerichteten Kurs eher kritisch gegenübersteht. Damit haben sie auch wiederkehrende Schwierigkeiten nicht nur mit der NPD, sondern auch mit dem „Wulff-Flügel“ der „freien Kameradschaften“, der ein engeres Verhältnis zu NPD hat.

Die NPD sah vor allem in den ersten Jahren nach Auftreten der schwarzen Blöcke auf Nazi-Aufmärschen die Gefahr, dass WählerInnen vom militanten Auftreten der schwarz angezogenen Neonazis abgeschreckt sein könnten. Doch schien die NPD-Führung damals noch nicht genau ausmachen zu können wo sie die neuen Neonazis einzuordnen habe. Zum öffentlichen Schlagabtausch kam es in den ersten Jahren noch nicht. Wahrscheinlich auch deshalb, weil die NPD fürchtete zu viele Aktivisten zu verprellen.

Wenn auch der öffentliche Schlagabtausch noch nicht stattfand, zum offenen Schlagabtausch kam es sehr wohl. Prügeleien zwischen altbackenen Nazis und den „Autonomen Nationalisten“ waren vielleicht nicht die Regel, aber doch auch nicht unbedingt selten. NPD-Kader gaben sich alle Mühe besonders auffällige „Autonome Nationalisten“ von ihren Aufmärschen fernzuhalten oder von denselben zu verweisen. So geschehen 2008 in Stolberg. NPD-Kader versuchten Redner der „Autonomen Nationalisten“ auf Kundgebungen zu verhindern. Die „Autonomen Nationalisten“ provozierten mit Sprechchören wie „NPD was ist das schon – jeder zweite ein Spion!“

Der Streit spitzte sich zu. Und dennoch halfen „Autonome Nationalisten“ an NPD-Infoständen aus, verteilten bei Wahlen Flugblätter und begannen gerade Mitglieder der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) im „AN-Style“ rumzulaufen.

Als sich auch aus dem Kameradschaftsspektrum heraus Erklärungen häuften, die das Vorgehen der „Autonomen Nationalisten“ kritisierten und dabei vorrangig deren Attacken auf die Polizei – nicht die Angriffe auf Flüchtlinge und Linke – als fruchtlos ansahen, als im rechten Störtebeker-Netz die „Autonomen Nationalisten als „schädlich und kontraproduktiv“ dargestellt wurden, legte die NPD im August 2007 nach. „Unsere Fahnen sind schwarz – unsere Blöcke nicht“ lautete der Titel einer NPD-Erklärung. Der öffentliche Schlagabtausch begann.

„In zunehmendem Maße ist bei Aktionen des nationalen Widerstandes das bisher nur von linksradikalen/antifaschistischen Demonstrationen bekannte Phänomen des „Schwarzen Blocks“ zu beobachten. Als Unterzeichner dieses Aufrufs sprechen wir uns in aller Deutlichkeit gegen derartige anarchistische Erscheinungsformen aus, da aus diesem Verhalten keine Erneuerung sichtbar ist, sondern nur die Gefahr der Provokation als Selbstzweck […]“, hieß es dort. Ganz offen forderte man die „Autonomen Nationalisten auf, sich von Demonstrationen der NPD künftig fernzuhalten: „Nach der Devise ‚Qualität statt Quantität‘ stellen wir fest, daß wir – auch auf die Gefahr künftig geringerer Teilnehmerzahlen hin – nicht bereit sind, uns diesem politischen Zeitgeistphänomen anzupassen.“ Voller Pathos schloss die zwei DIN A4 Seiten lange Erklärung mit dem Satz: „Hoch die schwarzen Fahnen der Wut, nieder die schwarzen Kappen der Vermummung!“

Für die NPD hätten die Reaktionen kaum schlechter ausfallen können. Es hagelte in Internetforen Kritik. Selbst Kader der „Freien Kameradschaften“, die sich nicht den „Autonomen Nationalisten“ zugehörig fühlten stellten sich auf die Seite der Angegriffenen. Christian Worch konterte mit einem Schreiben, in dem er der NPD unnötige Spalterei vorwarf. Und wie auf Stichwort ließen die „Autonomen Nationalisten“ die NPD bei einigen Aufmärschen und Aktionen im Regen stehen.

Gerademal vier Wochen nach der ersten Erklärung ruderte das NPD-Präsidium in einer zweiten Erklärung nun rückwärts: „Die NPD strebt unvermindert die enge Zusammenarbeit mit dem überwiegenden Teil des freien nationalen Widerstandes an und wird diese auch weiterhin praktizieren.“ An anderer Stelle war dort zu lesen: „Abgesehen von den üblichen Demo-Auflagen gibt es keine Kleidervorschrift bei Demos, sondern nur eine Abgrenzung zu einer bestimmten Erscheinungs/ Aktionsform!“ Und dennoch beharrte man auf dem festgestellten Standpunkt: „Die NPD schreibt niemand anderem vor, wie er auf seinen Versammlungen mit dem „Schwarzen Block“ umgehen soll. Dies muß jeder Veranstalter für sich entscheiden. Die NPD stellt lediglich fest, daß dies auf den von ihr organisierten Versammlungen unerwünscht ist!“

So wie die Entscheidung eines Teils der „Freien Kameradschaften“ sich wie Autonome anzuziehen und zu geben ein reiner Propaganda-Trick war, den Versuch darstellte und darstellt, Jugendliche für die Positionen der radikalen Rechten zu gewinnen, die man ansonsten schwerlich anziehen könnte, so war der Abgrenzungsversuch der NPD ebenso rein taktischer Natur. Weder der Terror gegen Antifas und andere Linke, noch die Überfälle auf MigrantInnen sieht der NPD wirklich als Problem an. Regelmäßig wird militantes, gewalttätiges Vorgehen von NPD-Anhängern von den Funktionären der Partei öffentlich relativiert und verteidigt und hinter verschlossenen Türen sogar eingefordert.

Was die NPD als Teil der eher traditinellen Rechten an den „Autonomen Nationalisten“ stört ist eher deren unverkennbare Bereitschaft kulturelle und politische Versatzstücke aus der Linken zu übernehmen, ihr pseudo-alternatives Aussehen, ihr Musikgeschmack, ihre englischsprachigen Parolen, ihre Provokation auch gegen die Partei selbst und ihre Zurschaustellung von Gewaltaffinität und Männlichkeit. Nicht, dass die NPD auf einmal antisexistisch und friedlich geworden wäre, aber all das im öffentlichen Raum zu inszenieren schafft eben auch die Gefahr WählerInnen aus den kleinbürgerlich-biedermännischen Schichten abzuschrecken. Welcher Kleinunternehmer, der zum Schutz seines Firmeneigentums ganz gern nach dem Staat ruft ist schon bereit Angriffe auf PolizistInnen auf Demonstrationen durch schwarz gekleidete Nazis einfach so hinzunehmen, selbst, wenn er deren Vorgehen gegen die antikapitalistische Bewegung grundsätzlich gut heißt?

Inzwischen scheint sich jedoch auch die NPD an die Anwesenheit der „Autonomen Nationalisten“ auf ihren Demos gewöhnt zu haben. Die JN versucht durch ein dem „AN-Style“ angepasstes Auftreten teilweise gezielt in deren Gewässern zu fischen.

Nach dem vom rechten Parteiflügel der Nationaldemokraten und militanten Neonazi-Kräften außerhalb der Partei herbeigeführten Sturz des ehemaligen NPD-Vorsitzenden Holger Apfel und dessen Austritt aus der NPD steht mit großer Sicherheit eine neuerliche Annäherung zwischen den „Autonomen Nationalisten“ und der NPD bevor. Schon schießt die Dortmunder AN-Internetseite „Dortmundecho“ gegen verbliebene Apfel-Gewährsmänner in der NPD des Ruhrgebiets, beschimpft sie als Polizeispitzel und fordert nicht nur Ämterverzicht, sondern sogar Parteiausschluss.

Beispiel Dortmund und Nordrhein-Westfalen

Während Berlin, wo das Konzept der „Autonomen Nationalisten“ ursprünglich aus der Taufe gehoben wurde, sehr schnell seine bundesweite Führungsrolle innerhalb der AN’s einbüßte, mauserte sich Nordrhein-Westfalen und dort vor allem Dortmund zum Flaggschiff der Autonomen von rechts. Das Vorgehen, welches die Nazis dabei an den Tag legten, war überraschend geplant. Von Anfang an wollte man Dortmund und Nordrhein-Westfalen als AN-Leuchtturm etablieren. Aktivisten wurden zum Umzug ins Ruhrgebiet aufgefordert. Örtliche Strukturen sorgten für Wohnungen und Arbeitsplätze.

Schnell versammelten sich in Dortmund, insbesondere im Stadtteil Dorstfeld, vorrangig junge Männer mit dem Ziel das Konzept der „Autonomen Nationalisten“ beispielhaft vorzuleben – Polizei und Regionalpolitik schauten weg. Aussteiger berichten immer wieder, dass die AN Dortmund selbst davon überrascht waren wie frei man sie agieren ließ. Im Ergebnis liefen die Dortmunder AN’s bis 2004/05 den „traditionellen“ Nazi-Gruppen, so der „Kameradschaft Dortmund“ um Siegfried Borchardt, den Rang ab.

Vom Staat nicht gestört, unter den misstrauischen Blicken der älteren Nazi-Szene gedeihend traten die „Autonomen Nationalisten“ bald mit einer kaum übersehbaren Arroganz nach außen. Im Wochenrhythmus organisierten sie Aktionen, verteilten Flugblätter vor Schulen, hielten – wenn auch kleine – Kundgebungen ab, griffen mit brutaler Härte politische Gegner an, klebten Plakate, sprayten Parolen, klebten Aufkleber – die AN’s markierten ihr Revier. Schon bald stand eine funktionierende Infrastruktur, die Vernetzung und Rückzugsraum in einem waren: In einem „nationalen Jugendzentrum“ traf man sich zum gemeinschaftlichen Alkoholkonsum – der auch bei den AN einen nicht zu unterschätzenden Stellenwert einnimmt – aber auch zu „Bildungs“- und Kameradschaftsabenden, in einem rechten Laden konnte man Kleidung, Musik und allerlei rechte Literatur erwerben. Die „Autonomen Nationalisten“ hatten sich eingerichtet!

Und nun schaute der Staat nicht mehr nur zu, er half sogar beim Aufbau rechter Strukturen. Führende Personen aus dem sogenannten „nationalen Widerstand“ Dortmund erhielten staatliche Fördergelder, um sich mit einem Versandhandel selbstständig zu machen. Dessen politische Ausrichtung war leicht an dem vertriebenen Propagandamaterial erkennbar.

Mit dem Auftreten der „Autonomen Nationalisten“ in Dortmund fand das Konzept der Herstellung „national befreiter Zonen“, welches erstmals in einem Thesenpapier der „Jungen Nationaldemokraten“ von 1991 Erwähnung findet, seine extrem militant auftretenden Vollstrecker. Dabei zielt dieses Konzept darauf ab Regionen zu schaffen, in denen Nazis die faktische Macht ausüben, in denen politische GegnerInnen auf der Linken, subkulturell geprägte Jugendliche, GewerkschafterInnen, MigrantInnen, Homosexuelle, Behinderte nicht mehr offen auftreten können.

Zwar störten die AN wiederholt Wahlkampf und Außenaktivitäten von Parteien, die wirklich (DIE LINKE) oder vermeintlich auf der politischen Linken agieren (SPD, Grüne); sie überfielen AntifaschistInnenn und MigrantInnen, die Herstellung einer Zone, in der sie de facto die herrschende Kraft darstellten, gelang ihnen jedoch zu keinem Zeitpunkt.

Von Anfang an war das Verhältnis der AN zur NPD in Dortmund und Nordrhein-Westfalen von ernsthaften Differenzen geprägt. Das mag kaum überraschen, immerhin erschien der traditionellen Rechten allein schon die Anwesenheit der AN in Dortmund als unannehmbaren Eingriff in ihre Deutungshoheit von neonazistischer Handlung und Theorie. So gerieten die Dortmunder „Autonomen Nationalisten“ schnell in einen harten Konflikt mit einer ebenfalls in Dorstfeld agierenden rechten Skinhead- bzw. Boneheadgruppe (wie antifaschistische Skinheads ihr rechtes Doubel nennen).

Die Konflikte zwischen der NPD und den „Autonomen Nationalisten“ in Dortmund zeigen jedoch interessante Spezifika. Sie werfen ein Licht auf die in Dortmund allgegenwärtigen Theoriedebatten innerhalb der AN. Dabei bedingen sich diese und die inhaltlichen Linien der Streitereien mit der NPD gegenseitig. Die Bruchlinien zwischen NPD und den AN in Nordrhein-Westfalen sind mehr als nur das Ergebnis unterschiedlichen Auftretens bei öffentlichen Aktionen.

Als 2004 die NPD mit der Partei, die sie später in einer als Vereinigung getarnten Übernahme, schluckte, den sogenannten „Deutschlandpakt“ einging, zog die NPD den Hass der „Autonomen Nationalisten“ auf sich. Der „Deutschlandpakt“ sollte konkurrierende Wahlantritte der beiden Rechtsparteien zu Landtagswahlen ausschließen. Den propagandistisch von NPD und DVU für dieses Abkommen gewählten Namen aufgreifend, wetterten die AN’s aus dem Ruhrgebiet auf Transparenten „keine Volksfront mit der Reaktion“.

Der Grund für die Kritik lag im pseudo-antikapitalistischen Selbstverständnis der „Autonomen Nationalisten“ in Dortmund. In der DVU erkannten sie eine pro-kapitalistische Partei, deren Ziel eher Systemerhalt denn Revolution sei. Dass diese Beschreibung auch auf die NPD zutrifft, mag den AN in Dortmund sogar bewusst sein, dennoch erkannten und erkennen sie in dieser Partei eher das Potential zu dem, was sie als „revolutionären Kampf“ begreifen.

Dennoch blieb das Verhältnis zwischen den schwarz gekleideten Nazi-Aktivisten und der Nazis der NPD auch in der Folgezeit gespannt. Insbesondere Holger Apfel mitsamt seiner als neue NPD-Taktik verkündeten „seriösen Radikalität“ geriet schnell zur Zielscheibe der Flüche und Verwünschungen der AN. Bevor Holger Apfel 2011 den Sprung an die Spitze der Partei geschafft hatte, attackierten die „Autonomen Nationalisten“ – und beileibe nicht nur diese – die sächsische NPD-Landtagsfraktion für ihre reformistische Ausrichtung. Während es also auch mit Teilen des radikaler auftretenden Flügels der Nationaldemokraten, unter Leuten wie Udo Pastörs oder Udo Voigt, Auseinandersetzungen beispielsweise um die Form des Auftretens gibt, war der Apfel-Flügel den AN in Dortmund schon lange ein Dorn im Auge.

Dabei spielten taktisch-strategische Fragen (Veränderungen durch Wahlen oder durch „Kampf“ auf der Straße) eine ebenso große Rolle wie inhaltliche (was soll eigentlich nationaler „Sozialismus“ sein). Verstärkt wurde diese Auseinandersetzung noch durch den Umstand, dass der Nazi-Aktivist Christian Worch sehr schnell Zugang zu den „Autonomen Nationalisten“ in Dortmund fand, sie mit seiner innerhalb der breiten Rechten unwiderlegbaren Autorität gegen Angriffe von NPD und Teilen der „Freien Kameradschaften“ verteidigte und sich dadurch eine Art Hausmacht innerhalb des militanten Spektrums der Nazis schuf. Schnell folgten erste wechselseitige Verbote und Ausschlusserklärungen. Worch versuchte zu verhindern, dass Vertreter der NPD auf AN-Aktionen in Dortmund und Nordrhein-Westfalen sprechen konnten. Die Nationaldemokraten ihrerseits erteilten dem ewig lederbemützten Worch-Weggefährten und AN-Sympathisanten Thomas Wulff Redeverbot auf NPD-Veranstaltungen. Besonders der Flügel um Holger Apfel tat sich hierbei mit Abgrenzungserklärungen und Unvereinbarkeitsbeschlüssen hervor. Das pseudo-revolutionäre Pathos des angeblichen Antikapitalismus der AN wollte so gar nicht zu Apfels seriöser Radikalität passen.

Die Internetpräsenz der Dortmunder AN’s, das „Dortmundecho“ – eine der bundesweit wenigen Versuche der „Autonomen Nationalisten“ ihre aktivistische Praxis mit einem programmatischen Unterbau zu versehen – spricht Bände über die Flankenkämpfe zwischen Partei und rechten Autonomen.

Da regt man sich lang und breit darüber auf, dass – noch unter Apfels Führung – der NPD-Bundesvorstand dem rechten Versand mit dem ekelhaften Namen „antisem.it“ mit Strafanzeige droht, wenn er nicht den Verkauf von NPD- und JN-Material einstellt; es werden Flüche gegen die ach so inkonsequenten Nationaldemokraten ausgestoßen, weil sie ihrem Bundesvorstandsmitglied Thorsten Heise einen „Maulkorb“ verpasst hätten. Heise zählt als Besitzer eines gut laufenden szenespezifischen Versandhandels zu jenen zahlreichen rechten Kleinunternehmern, die schon ob ihres unübersehbaren Klasseninteresses (Erhalt des Privateigentums an Produktionsmitteln) das Gefasel vom nationalen „Sozialismus“ quasi durch ihre Person ad absurdum führen. Den AN hat er es dennoch angetan. Er schlägt gern mal radikalere Töne an und verhätschelt die billige Kopie des linken Originals durch AN-freundliches Auftreten. Auch das liegt in seinem ureigensten Klasseninteresse – schließlich will Herr Heise Kunden für seinen überteuerten Versandhandel werben.

Als Heise 2013 anlässlich einer von Dortmunder AN’s organisierten Aktion zum ersten Mai sprechen sollte, pfiff ihn der Bundesvorstand seiner Partei zurück – Holger Apfel ließ grüßen! Sofort hagelte es Proteste von Seiten der AN.

Dennoch ist das Verhältnis der „Autonomen Nationalisten“ in Nordrhein-Westfalen zur NPD nicht so widerspruchslos zerrüttet wie es den Anschein haben mag. Zwischen beiden existieren neben Ablehnung und sogar Feindschaft auch enge persönliche Kontakte und selbst personelle Überschneidungen. Wahlhilfe für die NPD von Seiten der AN ist trotz aller inhaltlicher und strategischer Kritik keine Seltenheit. Bevor die DVU in der NPD aufging, gelang des den „Autonomen Nationalisten“ hin und wieder die Konkurrenz beider Parteien für sich auszunutzen. Der NPD-Kreisverband Hamm beispielsweise zahlte den AN in Dortmund gleich mehrere Tausend Euro, um sie vom Wahlkampf für die DVU abzuhalten.

Nordrhein-westfälische AN’s trafen sich sogar mit Vertretern der NPD Sachsen zu Strategiedebatten und bereiteten gemeinsame Diskussionsrunden vor.

Trotzdem reichen die inhaltlichen Differenzen dazu, dass die „Autonomen Nationalisten“ unter der Führung ihres Schutzpatrons Christian Worch dazu übergingen ein eigenes Parteiprojekt aus der Taufe zu heben. Dass das Vorzeige-Modell AN-Dortmund/Nordrhein-Westfalen in eine Parteigründung einmündet, mag zwar oberflächlich gesehen überraschen, liegt jedoch im Endeffekt in der Natur der Sache. Bis etwa 2011 konnten die „Autonomen Nationalisten“ gerade in Dortmund de facto ungestört von Polizei und staatlichen Behörden agieren, GegnerInnen einschüchtern, Propaganda verbreiten und Aktionen durchführen. Der sich dagegen formierende Widerstand setzte die staatlichen Stellen jedoch irgendwann doch unter Druck sich dem Problem anzunehmen. Der Staat führte eine eigenartige Doppelstrategie auf, die die AN’s zwar einerseits bremste, ihnen andererseits aber auch in die Hände spielte. So verbot man verschiedene AN-Gruppen in Nordrhein-Westfalen und eröffnete auch strafrechtliche Verfolgungen gegen die „Autonomen Nationalisten“, die sich körperlichen Angriffen auf AntifaschistInnen hatten zuschulden kommen lassen. Die Schließung des weitgehend in einen Versandhandel umfunktionierten „nationalen Jugendzentrums“ erreichte man hingegen dadurch, dass die Stadt Dortmund es den AN abkaufte. Das spülte Geld in deren Kassen und man muss sicherlich nicht lange raten, um herauszufinden, wofür sie diese Mittel nun verwenden.

Gerade aber der nach viel öffentlichem Druck nun einsetzende Verfolgungsdruck ließ die Gründung einer Partei für die AN – entgegen ihrer bisherigen Absagen an derartige Organisationsformen – anziehend erscheinen, schützt doch das sogar verfassungsrechtlich verbriefte Parteienprivileg wenigstens in Teilen vor staatlicher Verfolgung.

Dabei steckt die Partei DIE RECHTE voller innerer Widersprüche. An ihrer Gründungsveranstaltung nahmen nicht wenige ehemalige Mitglieder der inzwischen von der NPD verschluckten DVU teil. Das Personaltableau hat insgesamt das Zeug dazu arg verstörend zu wirken. Mit dabei natürlich Dortmunds AN-Größe Dennis Giemsch, der nicht nur Beisitzer im Bundesvorstand dieser Partei ist, sondern auch noch für die Kommunalwahlen auf Listenplatz 2 kandidiert. Giemsch, der inzwischen kräftig an der „Bewegung“ verdient, ist es sicherlich zu „danken“, dass selbst der Pseudo-Antikapitalismus der „Autonomen Nationalisten“ im „25-Punkte-Programm“ (historische Parallelen zum 25-Punkte-Programm der NSDAP sind sicherlich alles andere als zufällig) nicht so recht angekommen ist. Neben den üblichen rassistischen („Asylanteneinwanderung stoppen“) und populistischen Forderungen („Schluss mit der Korruption“) muss man Forderungen, die den Interessen von Unternehmern zuwiderlaufen und jene der Klasse der Lohnabhängigen betonen mit der Lupe suchen. Stattdessen fordert DIE RECHTE in ihrem Kommunalwahlprogramm für Dortmund: „Grund- und Gewerbesteuern senken.“ Die Begründung für diese Forderung wird gleich – etwas wortkarg – mitgeliefert, man wolle den Wirtschaftsstandort Dortmund stärken – also Unternehmerprofite sichern. So viel Unternehmerfreundlichkeit findet man auch bei der FDP!

Dass Dennis Giemsch, zumindest inzwischen, wenig von hohen Gewerbesteuern hält liegt auf der Hand: Er ist inzwischen ein erfolgreicher Inhaber eines rechten Versandhandels (aufgebaut mit staatlichen Fördermitteln!) und Betreiber des Nazi-Bloghosters „logr.org“, der ihm über Werbeeinnahmen zusätzlich Geld einbringt. Das gesellschaftliche Sein bestimmt eben das Bewusstsein!

Vielleicht hilft jenes marxsche Theorem ja auch dabei zu verstehen, warum Dennis Giemsch für DIE RECHTE auf Listenplatz 2 antritt, während Siegfried Borchardt – eben der Siegfried Borchardt mit dessen „Skinhead“front Dortmund sich die AN des Herrn Giemsch noch vor wenigen Jahren handfeste Auseinandersetzungen lieferten – auf Listenplatz 1 antritt. Pack schlägt sich – Pack verträgt sich!

Wohin die Entwicklung der Partei DIE RECHTE noch führt ist im Moment schwer vorherzusagen. Viel hängt auch vom Ausgang des neuerlich angestrengten NPD-Verbostverfahrens ab. Sollte dieses erfolgreich sein, könnte mit dieser Partei schon die Nachfolgeorganisation Gewehr bei Fuß stehen und diesmal wäre selbst Christian Worch mit von der Partie, der eine Mitgliedschaft in der NPD abgelehnt hatte. Zumindest für die Kommunalwahl 2014 rechnet sich DIE RECHTE große Chancen auf einen Sitz im Dortmunder Stadtrat aus.

Vorgehen der AN’s

Das Auftreten der „Autonomen Nationalisten“ auf Demonstrationen unterscheidet sich deutlich von dem traditioneller Neonazis. Auf die Erlebnis- und Abenteuerorientiertheit ist bereits hinlänglich hingewiesen worden.

Aber auch zwischen den Aufmärschen haben „Autonome Nationalisten“ ihre im neonazistischen Lager durchaus spezifische Art vorzugehen. Dabei sind sie ähnlich wie auf Aufmärschen vor allem auf eine gelungene Selbstinszenierung bedacht. Stadtteile, in denen „Autonome Nationalisten tätig sind, werden von einer wahren Welle von Aufklebern, rechten Graffitis und hin und wieder auch Plakatierungen überschwemmt.

„Autonome Nationalisten“ wollen vorrangig ihr „Revier“ markieren. Ständige Aktivitäten mit hoher Energie ausgeführt sind die Folge. Dabei ist nicht jede ihrer Propagandadarbietungen auch auf den ersten Blick als solche erkennbar, da sie auf nazi-typische Darstellungsweisen weitgehend verzichten. In Berlin tauchten beispielsweise immer wieder Graffitis der sogenannten NSBA-Crew auf, die auf ihre streetart-Homepage verwiesen. Hinter dem Kürzel NSBA verbarg sich nichts Anderes als „Nationale Sozialisten – Bundesweite Aktion“.

Genau daher ist die wirkliche Stärke von „Autonomen Nationalisten“ schwer auszumachen. Sie konzentrieren sich in ihrer Arbeit auf bestimmte Stadtteile und ihre Marken scheinen zu suggerieren, dass sie eine hohe personelle Stärke erreicht haben. Dass kann und soll täuschen. Wenige entschlossene „Autonome Nationalisten“ mit viel Zeit können ein Viertel entsprechend aussehen lassen.

Typisch für „Autonome Nationalisten“ ist ihre geringe Hemmschwelle beim Einsatz von Gewalt. Politische GegnerInnen und AussteigerInnen wird ein ernst gemeintes Bedrohungspotential vor die Nase gesetzt. Gewalttätige Angriffe werden vorbereitet und durchgespielt. Waffen wie Teleskopschlagstöcke spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Insgesamt ist Anti-Antifa-Arbeit das entscheidende Betätigungsfeld für „Autonome Nationalisten“. Aussteiger haben berichtet, dass aus „AN-Gruppen“ heraus Frauen bei Mobilfunkanbietern pro forma Jobs angenommen haben, um die Adressen von AntifaschistInnen zu ermitteln!

Neben dieser „Feindaufklärung“, die vor gewalttätigen Angriffen nicht nur nicht zurückschreckt, sondern diese offensiv propagiert, scheint auch die Idee der „Nationalbefreiten Zone“ bei den „Autonomen Nationalisten“ eine Renaissance zu erfahren. Veranstaltungen und antifaschistische Aktionen im Viertel müssen mit Angriffen durch „Autonome Nationalisten“ stets rechnen. So organisierte die „Antifaschistische Koordination Köln und Umland (AKKU) 2009 in Pulheim, einem Vorort von Köln, eine Veranstaltung, die sich mit dem Auftreten von Autonomen Nationalisten in Pulheim befasste. „Autonome Nationalisten“ versuchten ihrerseits diese Veranstaltung zu stören.

Und der Tatsache zum Trotz, dass „Autonome Nationalisten“ auch gern chinesisches und türkisches Essen genießen, sind Überfälle auf Imbisse die dasselbe anbieten Teil des Repertoires „Autonomer Nationalisten“.

Man könnte auch etwas verkürzt sagen, die „Autonomen Nationalisten“ setzen statt auf Politik verstärkt auf die gewalttätige Konfrontation. Feindbilder spielen für sie eine besondere Rolle. Dieser Herausforderung muss sich die organisierte Linke nicht erst seit dem Auftreten der „Autonomen Nationalisten“ stellen. Nazis waren schon immer gewalttätig. Die „Freien Kameradschaften“ waren und sind es in verstärktem Maße. Die „Autonomen Nationalisten“ sind es umso mehr!

In Dortmund Dorstfeld terrorisierten die dortigen AN eine Familie, die ihre Aufkleber entfernt hatte so lange, bis diese wegzog. Mal lauerte man dieser Familie auf, mal zündete man ihr Auto an, mal warf man die Scheiben ihrer Wohnung ein – die Dortmunder „Autonomen Nationalisten“ konnten ungehindert vom Staat der Familie unmissverständlich zu verstehen geben, dass sie besser verschwinden solle. Man ging sogar zu einer „Outing“-Kampagne über und verbreitete das Bild von Mutter und Sohn im ganzen Stadtviertel. Das ging solange weiter, bis die Familie wegzog.

Dass diese Art der Einschüchterung durchaus ernst zu nehmen ist, zeigte das Verhalten der Dortmunder AN nach dem Mord an einem Punk im Jahre 2005. Die Nazi-„Skinfront“ prahlte, dass der Täter aus ihren Reihen gekommen sei. Die „Autonomen Nationalisten“ traten in dieser Zeit mit Transparenten auf, auf denen zu lesen war: „Wer sich der Bewegung in den Weg stellt, muss mit den Konsequenzen leben!“ Damit bewiesen die AN ein weiteres Mal ihre Bereitschaft auch schwerste Gewalttaten zu rechtfertigen und für ihre eigene politische Praxis nicht auszuschließen.

Gerade die Infrastruktur des politischen Gegners ist immer wieder das Ziel von Angriffen der AN. Parteibüros der LINKEN und anderer Parteien, die die rechten Autonomen für links halten sind immer wieder Ziele ihrer Attacken. Das geben die „Autonomen Nationalisten“ nicht selten ganz offen zu. Die sich „Aktionsgruppe Weimarer Land“ nennenden „Autonomen Nationalisten“ aus Thüringen geben das unumwunden zu, wenn sie auf ihrer Seite verkünden: „Unsere Aktionen sind gezielt gegen die Vertreter des kapitalistischen und anti-deutschen Systems, sowie gegen die Rotfront gerichtet – sie sind also keineswegs blindwütig. Unsere „Gewalt“ hat meist nur symbolischen Charakter (Farbanschläge, Sprayereien, Aufkleberaktionen, …) und ist – außer im Selbstverteidigungsfall – nur gegen Infrastrukturen des Kapitals und der Antifa gerichtet.“

Dass die AN den Begriff der „Selbstverteidigung“ – freundlich ausgedrückt – sehr weit auslegen zeigt nicht allein, aber doch sehr deutlich, der Angriff einer riesigen Horde von AN auf ein anarchistisches Wohnprojekt, die „Praxis“, in Dresden 2011. Damals waren Tausende Nazis nach Dresden gekommen, um an einem Aufmarsch anlässlich der Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg teilzunehmen. Als sie erkennen mussten, dass die Blockaden von mehr als 10.000 Menschen ihren Aufmarsch platzen lassen würden, suchten sie gerade die „Autonomen Nationalisten“ ein neues Ziel und griffen – unter den Augen der den Verkehr regelnden Polizei – die „Praxis“ mit Steinen und Stahlstangen an. Einzig die Vorsicht der zahlenmäßig weit unterlegenen BewohnerInnen, die sich in Erwartung solcher Überfälle verbarrikadiert hatten, verhinderte ein Eindringen der Nazis, was zu unabsehbaren Folgen für die in der „Praxis“ lebenden Menschen geführt hätte.

Noch etwas anderes fällt bei den AN auf. Man stellt zwar stets heraus, dass man die Polizei als einen Feind betrachte, aber das Verhältnis zwischen beiden muss doch als ambivalent betrachtet werden. „Natürlich nehmen wir uns aber das Recht unsere Aktionen und Freiräume gegen Angriffe des Staates […] zu verteidigen“, halten die oben genannten Thüringer AN fest. Dabei fällt doch auf, dass die AN – wie in Dresden und jahrelang in Dortmund – sich meist nur dann polizeilichen Maßnahmen ausgesetzt sehen, wenn es öffentlichen Druck und wirksame Kampagnen gegen örtliche AN-Gruppen gegeben hat. Nicht selten legen auch die „Autonomen Nationalisten“ – ganz anders als das linke Original – auch bei Demonstrationen ein eher entspanntes Vorgehen gegenüber der Polizei an den Tag. Aus den Anfangsjahren der AN sind Fälle aus Berlin bekannt, in denen die AN sich zwar vermummt hatten, dann jedoch der Aufforderung der Polizei dies zu unterlassen von sich aus nachkamen und wieder mit freiem Gesicht marschierten.

Dass soll nicht heißen, dass es nicht auch zwischen Polizei und AN zu Zusammenstößen kommen kann, ganz im Gegenteil, derartige Vorfälle gab es seit Auftreten der AN immer wieder. Aber, während sie sich gegenüber einem zahlen- und kräftemäßig weit unterlegenen Gegner kaum beherrschen können, ist ihr Auftreten gegenüber der Staatsmacht bei Weitem taktischer.

Neben der immensen Affinität zur Gewalt, besticht bei den AN auch der Versuch, wo immer sie versuchen sich zu verankern, mehr als eine politische Gruppe zu sein. Sie wollen eine „Szene“ sein. Eine Subkultur, in der Jugendlich zu Hause sind. Daher auch der Hang zur Organisation von Konzerten, die Proklamation „nationaler Jugendzentren“, die explizit Jugendliche ansprechende Webpräsenz vieler Gruppen. In ihren politischen Aktionen beschränken sie sich – allem nach außen gestellten pseudo-kapitalistischen Geschwätz zum Trotz – auf bloße Propagandaaktionen. „Den“ Kapitalismus, oder auch nur einzelne Unternehmer fordern sie im Grunde nie heraus. Kampagnen für die (Re-)Verstaatlichung von Wohnungen oder die Verstaatlichung von Werken, die geschlossen werden sollen gab es aus den Reihen der „Autonomen Nationalisten“ bislang noch nicht. Was bei den inhaltlichen Unzulänglichkeiten und dem viel zu geringen Bezug auf die objektiven Interessen der lohnabhängig Beschäftigten auch nicht unbedingt überrascht.

Für politische aktive Linke, für MigrantInnen und AntifaschistInnen jedoch stellen die AN eine nicht zu unterschätzende Bedrohung dar.

Gegenstrategien

Antifaschistische Organisationen sollten verstärkt über mögliche Gegenstrategien gegen die AN’s diskutieren. Das beginnt bei einer Diskussion über Selbstschutz von AntifaschistInnen. AN’s sind eine reale körperliche Bedrohung. In jeder Kampagne, vor jeder Aktion müssen die notwendigen Schritte zum Schutz der AktivistInnen ergriffen werden. Propaganda „Autonomer Nationalisten“ sollte nicht im Alleingang, sondern nur in Gruppen beseitigt werden. Veranstaltungen müssen für den Fall des Angriffs durch AN geschützt werden, ebenso Info-Stände, Demonstrationen und Kundgebungen. Das Erlernen von Grundbegriffen der Selbstverteidigung ist alles andere als verkehrt.

So wie man versuchen muss die eigenen Aktivitäten abzusichern, so müssen die Aktionen der AN durch Massenmobilisierungen unterbunden werden. Die Aufmärsche der „Autonomen Nationalisten“, ihr bundesweites Treffen, der „Tag der deutschen Zukunft“, und ihre Kundgebungen müssen verhindert werden. So macht man ihnen das streitig, was für die AN von immenser Bedeutung ist, die öffentliche Bühne. Gerade auch das doppeldeutige Verhalten der Polizei in Dortmund oder Dresden und die finanziellen Hilfen für Nazi-Klein-Unternehmer unter anderem aus dem Spektrum der AN durch öffentliche Kassen, zeigen, dass der Staat dabei keine Hilfe sein wird. Stattdessen müssen wir von unten gegen die „Autonomen Nationalisten“ mobilisieren.

In dieser Diskussion müssen wir die soziale Demagogie der Nazis aller Schattierungen einbeziehen und Antworten geben. Wir müssen ihre rassistische Propaganda als das was sie ist entlarven, als Spaltungsversuch im Kampf gegen die Auswirkungen des Kapitalismus und nicht selten auch als Umverteilung gesellschaftlichen Reichtums von unten nach oben. Dass ist Rassismus immer dann, wenn die NPD beispielsweise Einsparungen bei MigrantInnen verlangt, aber gleichzeitig fordert deutsche Großunternehmen zu subventionieren.

Aber gerade der Versuch der AN Jugendsubkulturen zu unterwandern stellt auch die Aufgabe in diesen politisch aktiv zu sein und dort für antifaschistische und letzten Endes auch antikapitalistische Positionen einzutreten. Gemeinsam müssen wir diskutieren, wie eine wirksame Gegenstrategie in der Subkultur entwickelt werden kann.

Die enormen Auswirkungen der kapitalistischen Krise stürzen europa- ja weltweit Menschen in Armut und Elend. Das ist eine Situation, bei dem beim Fehlen ernst gemeinter linker Kampfangebote rechte Gruppen wachsen können. Um das zu verhindern müssen SozialistInnen Kämpfe für soziale Verbesserungen organisieren, in die sie insbesondere MigrantInnen einbeziehen. Ernsthafte soziale Kämpfe sind das beste Mittel gegen rassistische Spaltung und pseudo-antikapitalistische, möchte-gern-revolutionäre Positionen von rechts. Das trifft auf die NPD ebenso zu wie auf DIE RECHTE oder eben die „Autonomen Nationalisten“.