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Mehr als 400 Menschen in Aachen gegen Polizeigewalt auf der Straße

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Polizeigewalt AachenProtest gegen Polizeigewalt in Frankfurt und Istanbul

 

Bericht von linksjugend [’solid] Aachen

 

Recht spontan kamen am 3.6. mehr als 400 Menschen zusammen, um ihre Solidarität mit den Massenprotesten in der Türkei und den Blockupy-DemonstrantInnen auszudrücken, aber auch um einen Zeichen gegen brutale Polizeigewalt zu setzen und dagegen zu protestieren.

 

Schon die Auftaktkundgebung am Elisenbrunnen war eindrucksvoll. Schon vor dem offiziellen Kundgebungsbeginn um 17 Uhr war der Platz voll mit Menschen.

Man sah AktivistInnen und Fahnen der LINKEn, von Linksjugend [’solid], der SAV, von attac, den Piraten, von ver.di, der DKP und dem Anti-Kriegs-Bündnis sowie AktivistInnen vom Autonomen Zentrum. Hinzu kamen viele migrantische Vereine.

Besonders gut war, dass hier TürkInnen und KurdInnen, SunnitInnen, AlevitInnen AtheistInnen und andere gemeinsam demonstrierten.

 

RednerInnen von Linksjugend [’solid] betonten, dass weltweit Menschen für ihre Rechte und für eine bessere Gesellschaft auf die Straße gehen und die Herrschenden überall mit Repression darauf antworten. Deshalb bedürfe es internationaler Solidarität.

Carolin Hänel, die bei Blockupy dabei war, berichtete über die dortige Repression gegen antikapitalistische DemonstrantInnen, während Christian Walter auf den internationalen Zusammenhang hinwies.

Danach sprach Ceren, eine junge Aktivistin, die bis vor ein paar Tagen noch selbst in Istanbul war. Sie schilderte voller Empörung die Brutalität der Regierung, aber auch die Entschlossenheit und Kampfbereitschaft der Massen.

 

Unter deutsch- und türkischsprachigen Slogans wie „Hoch die internationale Solidarität!“ , „Erdogan – Rücktritt!“ und „Taksin ist überall!“ zog sich der laute und kämpferische Demonstrationszug durch die Stadt. Eine erste Station war die Filiale der Deutschen Bank am Holzgraben, wo wir von Linksjugend in einer Rede auf die Rolle der Deutschen Bank als Krisenprofiteurin hinwiesen und Lebensmittelspekulationen anprangerten.

Von dort aus ging es zum Marktplatz, wo wir eine zweite Station machten. In Reden wurde auf die Bedeutung der zentralen Plätze als Schauplatz und Ausgangsort für revolutionäre Veränderungen hingewiesen, wobei das Verbindende zwischen Taksin-, Tahrir- (Kairo) und Syntagma-Platz (Athen) betont wurde. Erst nach dem Zug durch die Großkölnstraße, am Bushof vorbei und durch die Blondel-Straße endete die Demonstration am Willy-Brandt-Platz mit zahlreichen kämpferischen Reden, meist in türkischer Sprache.

 

Der Demozug war nicht nur laut, sondern es wurden auch mit Mikrofon und Megafon PassantInnen informiert. Dies war umso wichtiger, da die Medieninformationen hier wie auch in der Türkei – wenn man von Social Media und alternativen Medien absieht – eher spärlich sind.

 

Nach gut zwei Stunden gingen die DemoteilnehmerInnen nach Hause ; doch tief entschlossen, dies nicht die letzte Soli-Demo in Aachen für die Bewegung in der Türkei und anderswo gewesen sein zu lassen.

 

Politisch wird sich aber weiterhin die Frage der Ausrichtung der Demonstrationen stellen. Bislang vereinigten sie – wie die Protestbewegung in der Türkei – die verschiedensten Strömungen. Doch auf Dauer wird sich die Frage stellen, ob sich internationalistische und Klassenfragen durchsetzen werden oder aber ob die Bewegung auf einen kemalistischen Nationalismus setzt.