Streik bei Amazon

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Foto: http://www.flickr.com/photos/scottishgovernment/ CC BY-NC 2.0

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Kampf gegen Niedriglöhne und Ausbeutung

Beim Online-Versandhändler Amazon schreiben die Beschäftigten in Deutschland Geschichte. Zum ersten mal haben Kolleginnen und Kollegen die Arbeit niedergelegt.

von Torsten Sting, Rostock

Hintergrund sind die schlechten Arbeitsbedingungen, die zuletzt von einer ARD-Dokumentation bestätigt wurden. Deutlich geringere Bezahlung als bei vergleichbaren Unternehmen der Branche (z.B. Otto-Versand), extrem hoher Anteil von ArbeiterInnen, die nur einen befristeten Vertrag haben, hoher Arbeitsdruck und Überwachung. Die Gewerkschaft ver.di hat in Verhandlungen versucht einen Haustarifvertrag zu erreichen, aber bislang ohne Erfolg. Der US-Konzern blockt ab.

Streik

Die Geduld der Beschäftigten ist nun am Ende. Am Standort Leipzig gab es bereits eine Urabstimmung, deren Ergebnis eindeutig ist. 97 Prozent stimmten für den Arbeitskampf! Am größten Standort im hessischen Bad Hersfeld, haben sich am 9.4. etwa 550 KollegInnen an einem ersten Warnstreik beteiligt. Auch hier wird nun in den nächsten Wochen eine Urabstimmung durchgeführt. Das Resultat dürfte ebenso wie in Leipzig deutlich ausfallen.

Zusammen kämpfen

Die Entwicklung bei Amazon ist für ver.di und darüber hinaus bedeutsam. Gelingt es hier einen Tarifvertrag mit deutlichen Verbesserungen für die Kolleginnen und Kollegen durchzusetzen, wird dies eine Ermutigung für andere ArbeiterInnen im Niedriglohnsektor darstellen. Dessen sind sich auch die Kapitalisten bewusst und es ist daher mit einer harten Auseinandersetzung zu rechnen.

Wichtig ist es daher, dass die Aktionen und Streiks an den Amazon Standorten koordiniert werden um den Druck erhöhen zu können. Besser organisierte Standorte wie Leipzig und Bad Hersfeld können hier eine Vorreiterrolle spielen, deren Beispiel zur Erhöhung des Organisationsgrads an anderen Standorten genutzt werden kann. Hier sollte auf den Erfahrungen der Streiks im Einzelhandel in Baden-Württemberg, beim Charité Facility Management (CFM) und anderen Betrieben aufgebaut werden, die gezeigt haben, dass auch Minderheitenstreiks möglich sind und durch Streik KollegInnen davon überzeugt werden können, in die Gewerkschaft einzutreten.

Wichtig ist zudem, dass die anstehende Tarifrunde im Einzelhandel mit diesem Kampf verknüpft wird. Auch hier stehen die Beschäftigten vor einem knüppelharten Kampf, weil die Unternehmer alle Tarifverträge gekündigt haben. Zudem haben einzelne Firmen wie „Globus“ schon angekündigt, den Arbeitgeberverband zu verlassen um damit die Standards angreifen zu können. Auch sollte ein Arbeitskampf in diesen Bereichen von einer politischen Kampagne gegen Niedriglöhne, Leiharbeit etc. begleitet werden. Gerade im Bundestagswahljahr kann das eine Wirkung erzielen. Die Partei DIE LINKE ist hier gefragt, Unterstützung zu leisten. Solidarität in Taten wird in den nächsten Wochen von großer Wichtigkeit sein, um die Auseinandersetzungen erfolgreich führen zu können.