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Tarifrunden 2013: Mehr Geld muss her!

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Öffentlicher DienstGemeinsam kämpfen – Lohnforderungen voll durchsetzen

Mit eindrucksvollen Warnstreiks haben Beschäftigte an Flughäfen, Schulen und Universitätskliniken im Februar deutlich gemacht: Mit Lohndumping muss endlich Schluss sein. Insgesamt laufen in diesem Frühjahr die Tarifverträge für über neun Millionen Beschäftigte aus. Eine gute Chance, durch gemeinsames Agieren der Einzelgewerkschaften den Druck für längst fällige Lohnerhöhungen aufzubauen.

von Angelika Teweleit, Berlin

„Lehrer, Erzieher, Airport-Arbeiter – würgen sie unseren Aufschwung ab?“ fragt die BILD, um gegen die Streikenden Front zu machen. Aber sogar hier gibt es wütende Kommentare von LeserInnen, wie „Welcher Aufschwung, wer profitiert denn davon?“, „Wer schmeißt den Banken das Geld in den Rachen?“, „Recht haben sie“.

Nein zu Lohndumping!

Der Unmut der Beschäftigten ist gerechtfertigt, das Gejammer der Arbeitgeber nicht: Von 2000 bis 2012 stieg die Produktivität um 13,4 Prozent. Die Brutto-Stundenlöhne erhöhten sich jedoch nur um 2,1 Prozent. Die Differenz von elf Prozent ist dem Kapital zugeflossen. Zusammengerechnet sind das eine Billion Euro!

Die Forderungen der Gewerkschaften sind nicht „überzogen“, sondern das Minimum: 6,5 Prozent fordern ver.di, GEW und dbb für den Öffentlichen Dienst, fünf Prozent die IG Metall für StahlarbeiterInnen; die IG BAU fordert 6,6 Prozent für die Beschäftigten im Baugewerbe.

In einigen Betrieben wurde über Festgeldforderungen diskutiert, um untere Lohngruppen anzuheben. So fordern KollegInnen der Daimler-Zentrale 6,5 Prozent und einen Mindestbetrag von 250 Euro. Die Forderungen der IG Metall für den Metall- und Elektrobereich werden Mitte März beschlossen. Außerdem steht ver.di vor einer harten Auseinandersetzung im Einzelhandel, da die Arbeitgeber mit der Kündigung aller Tarifverträge einen Frontalangriff gestartet haben.

Ohne Arbeitskampf geht‘s nicht

Wo die Gewerkschaften ernsthaft mobilisieren, ist die Beteiligung groß. Für das Vertrauen der KollegInnen in ihre Gewerkschaften ist zentral, dass kämpferischen Reden der Gewerkschaftsvorsitzenden bei den Warnstreiks auch konsequente Vorbereitungen zu Urabstimmung und Vollstreik folgen. Dafür ist die Einbeziehung der KollegInnen über Streikversammlungen in den Betrieben nötig. So können auch viele Neumitglieder gewonnen werden.

Alle gemeinsam

Warum soll jede und jeder für sich allein kämpfen? Mit zeitgleichen Streiks von Landesbeschäftigten, ArbeiterInnen und Angestellten im Baugewerbe, Einzelhandel, in Stahl-, Elektro- und Metallbetrieben könnten sogar gemeinsame Protestkundgebungen organisiert werden. Das wäre ein Vorteil für die Bereiche, wo der Organisationsgrad geringer ist. Mit Hunderttausenden auf der Straße könnten die Gewerkschaften eine Bewegung aufbauen, die im Bundestagswahljahr großen Druck entfalten und auf solidarische Unterstützung vieler Menschen setzen könnte.