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Kämpferischer „Kapitalismus vs. Demokratie“-Kongress

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Über tausend Studierende und AktivistInnen diskutieren über Widerstand in Deutschland, Europa und darüber hinaus

von Michael Koschitzki, Teilnehmer aus Berlin

Über tausend Menschen, laut Anmeldung genauer gesagt 1170 Personen diskutierten vom 30. November bis 2. Dezember an der Uni Köln über Kapitalismus, Demokratie, Widerstand, DIE LINKE und vieles mehr. Organisiert wurde der Kongress vom Studierendenverband der LINKEN LINKE.SDS, der zum Semesterauftakt an den Universitäten und Hochschulen mobilisierte. Nicht wenige TeilnehmerInnen waren im ersten Semester und auf ihrer ersten größeren politischen Veranstaltung.

Über 90 Workshops und zwei Plenumsveranstaltungen luden zu zahlreichen Diskussionen über Widerstand, Ökonomie, Staat, Bildung und Feminismus ein. Viele bekannte RednerInnen aus der Partei DIE LINKE, sowie linke AutorInnen und AktivistInnen waren eingeladen. Internationale RednerInnen kamen aus England, Frankreich, Griechenland, Kasachstan, Portugal, Quebec, Spanien, und Südafrika. Am Samstag Abend gab es eine Großveranstaltung unter dem Titel „Generation Widerstand“ mit RednerInnen aus Südeuropa, deren Reden von Sprechchören mehrfach unterbrochen wurden.

Alternativen zum Kapitalismus?

Der Kongress strahlte eine enorm kämpferische Stimmung aus. Mehrere Beiträge forderten dazu auf, sich an den europaweiten Protesten gegen die Krise, wie zum Beispiel an der Demonstration in Brüssel im März zu beteiligen. Der Tenor war, dass im Kapitalismus keine Demokratie herrscht, dass wir uns international gemeinsam wehren müssen und dafür organisieren.

Allerdings wurde kaum über Alternativen zum Kapitalismus diskutiert oder detaillierter, wie sie zu erreichen seien. Gerade hier gibt es aber Erwartungen an sozialistische Organisationen wie LINKE.SDS, die LINKE sowie linke Parteien in Südeuropa, Alternativen zu herrschenden Kürzungspolitik und dem krisenhaften System aufzuzeigen. VertreterInnen von der griechischen linken Partei Syriza wurden mit der Frage geradezu gelöchert, welche Politik sie machen werden, wenn sie an die Regierung kommen.

Veranstaltung „Blutiges Platin – Bericht vom wilden Streik in Südafrika“

Mehr Diskussionen darüber wie eine demokratische sozialistische Gesellschaft aussehen kann und welche Schritte linke Parteien heute ergreifen können, um dort hin zu kommen, sind deshalb notwendig. Mitglieder der SAV haben sich mit Diskussionsbeiträgen und in diese Diskussion eingebracht.

Jenseits von Europa

Leider musste die Aktivistin aus Ägypten ihre Teilnahme am Kongress absagen. Dafür gab es zwei besonders hervorzuhebende Workshops mit Berichten aus Südafrika und Kasachstan. David Mametlwe Sebei berichtete vom Bergarbeiterstreik aus Südafrika. Er erklärte, dass die blutige Reaktion des südafrikanischen Staates nicht daher rührte, dass die Forderungen der BergarbeiterInnen unerfüllbar seien, sondern sie den Streik unterdrücken, weil er die Grundlagen des Kapitalismus in Südafrika angreift. Er diskutierte mit dem Bundestagsabgeordneten Niema Movassat, der in seinem Beitrag das aufgriff und an der Geschichte des Afrikanischen National Congress (ANC) erklärte, dass der Streik das etablierte politische System in Frage stellt.

Der kasachische Aktivist Ainur Kurmanov wies auf die Ähnlichkeiten vom Bergarbeiterstreik in Südafrika und dem Ölarbeiterstreik in Kasachstan hin und schilderte in einem eigenen Workshop zusammen mit dem Bundestagsabgeordneten Andrej Hunko die Unterdrückung in Kasachstan.

Veranstaltung „Kasachstan vs. Demokratie: Ein Land vor dem Aufstand?“

Widerstand in die Uni!

Der „Kapitalismus vs. Demokratie“ Kongress hat gezeigt, dass Studierende hier bereit sind sich gegen das krisenhafte System zu wehren. Seit den letzten großen Bildungsprotesten ist einige Zeit vergangen, aber ewig werden Studentinnen und Studenten die Situation von überfüllten Unis, Wohnungsmangel und fehlenden Masterplätzen nicht mehr hinnehmen. Das Interesse an internationalen RednerInnen macht auch deutlich, dass Studierende internationale Entwicklungen stark verfolgen und einen großen Teil der Proteste Anti-Krisenproteste im nächsten Jahr bilden werden.