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Ford-Köln: Proteste belgischer Arbeiter vor dem Werk

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Massive Polizeirepression und Medienkampagne gegen die Beschäftigten

Augenzeugenbericht von Angela und Georg

200 ArbeiterInnen von FORD Genk (Belgien) sind heute Morgen nach Köln angereist, um gegen die geplante Schließung ihres Werks zu demonstrieren. Heute und Morgen tagt dort der europäische Betriebrat. Die FORD Geschäftsleitung verweigerte ein Gespräch mit einer Delegation. Mit dem Betriebsrat fand ein Gespräch statt, wie die belgischen Kollegen berichteten.

Vor dem Tor 3 wurde aus ein paar Reifen ein Feuer entfacht sowie Knallkörper entzündet, in Belgien übliche Formen des Protestes. Dies nahm die Kölner Polizei zum Anlass, ein massives Aufgebot zusammenzuziehen, wie man es in Köln sonst nur von Einsätzen kennt, wenn es darum geht, Faschisten den Weg freizuhalten.

Mehrere hundert Einsatzkräfte und Dutzende Einsatzfahrzeuge sowie ein Polizeihubschrauber vor dem Tor 3 auf und über den Zufahrtwegen sollten den Eindruck vermitteln, es handele sich bei den Kollegen um einen Haufen Krimineller. Den Eindruck randalierender Krawallmacher erweckten parallel dazu auch hetzerische Online-Artikel in der Kölner Presse.  

Die Demonstranten wurden vor dem Tor 3 eingekesselt und stundenlang festgehalten. Für diese Einkesselung und die Personalienfeststellung gab die Kölner Staatsanwaltschaft grünes Licht.  Obwohl die Geschäftsleitung schon früh erklärte, man werde keine Strafanzeige stellen, ging der Polizeieinsatz unvermindert weiter.

Die unwahren Behauptungen über angebliche Randale, verletzen Polizisten und beschädigte Polizeifahrzeuge, die auch unter den PolizistInnen die Runde machten, lösten sich gegen Mittag in Luft auf. Dennoch blieb der Kessel bestehen.

Ein Betriebsrats-Kollege sagte, man verwahre sich gegen die Unterstellung von Straftaten, dies sei unwahr. Man werde eine Pressemitteilung mit Richtigstellungen herausgeben. Allerdings kritisierte er auch, dass die Aktion nicht mit dem Kölner Betriebsrat abgesprochen gewesen sei. Zwischenzeitlich war auch der 1. IGM Bevollmächtigte Wittich-Rossmann vor Ort. Die Eingekesselten wurden vom Kölner Betriebsrat mit Getränken und Imbiss versorgt.

Bis auf einige Kölner Kollegen, die zeitweise mit einer IGM-Fahne auf dem Werksgelände von innen an das Tor kamen, gab es leider keine größeren und offiziellen Solidaritäts-Bekundungen oder Ansprachen vor dem Tor, weder vom Betriebsrat noch vom Vertrauensleutekörper.

Fehlende Absprachen zwischen Belgien und Köln hin oder her: Eine derartige Kriminalisierung von Arbeitnehmer-Protesten darf nicht hingenommen werden! Alle belgischen Kolleginnen und Kollegen wurden am Schluss einzeln abgeführt, durchsucht, fotografiert, erkennungsdienstlich behandelt!

Wegen dieses ungeheuerlichen Vorgehens sollten die Verantwortlichen der Kölner Polizeiführung und Staatsanwaltschaft mit Protesten von allen Seiten überschüttet werden, auch und gerade von gewerkschaftlicher Seite.

Für Sonntag, den 11.11., mobilisiert die Kölner IG-Metall die Fordkollegen zur Teilnahme an der großen Protestkundgebung in Genk. Busse fahren ab 9:30 Uhr vom Fordwerk in Niehl los: IGM-Bus nach Genk. Die IGM-Vertrauensleute bei Ford unterstützen den Protest der belgischen KollegInnen: VKL Ford

Artikel in den bürgerlichen Medien: Express und Stadtanzeiger