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Widerstand gegen Stuttgart 21 nicht kleinzukriegen

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Einstürzende Neubauten

Es gibt ihn noch! Zwar wird er über die Bundesländer-Grenzen hinweg seltener wahrgenommen, ab und an ist seine Ursache aber eine kleine dpa-Meldung wert. Er wurde bedingt erfolgreich beiseite gedrängt durch missverstandenes Teilhaben, aktives Zerreden, vorgegaukelte Transparenz, Hoffen auf den Wechsel und fehlgedeutetes Mitbestimmen.

Aber er ist zäh …

von Alexander Brandner, Stuttgart-Bad Cannstatt

… der Widerstand. – Er ist nicht gebrochen, wie die erfolgreiche mehrstündige Blockade des Technikgebäudes von 250 Menschen am 24. Juli gezeigt hat. Es demonstrieren weiterhin bald zum 140. Mal jeden Montag Tausende auf dem Marktplatz oder am Bahnhof. Von der regionalen Presse wird das weitgehend totgeschwiegen und ignoriert, denn es ist Oberbürgermeister-Wahlkampf, bei dem der aktive S21-Gegner Hannes Rockenbauch (vom kommunalen Bündnis SÖS) – den unter anderem auch DIE LINKE unterstützt – antritt. Das Inkompetenz-, Filz- und Fehlplanungsfestival soll nicht kommuniziert werden, denn sonst könnten fast erfolgreich sedierte Teile der Masse wieder geweckt werden.

Das Brachland

Mit dem Bau des Technikgebäudes sollte nach dem Abriss des Nordflügels 2010 begonnen werden; nun rühmt man sich, Ende August 2012 die „BauGrube“ ausgehoben zu haben. Der Schlossgarten wurde im Februar gerodet, obwohl dort nicht ernsthaft gegraben werden kann, weil der Bau des Grundwassermanagements gerichtlich gestoppt wurde. Eine mindestens doppelt so hohe Entnahme des Grundwassers kann zu Problemen der benötigten „BahnhofsGrube“ und der näheren Umgebung führen und erfordert ein neues Genehmigungsverfahren. Wird halt seither die Kultur zerstört: Im Januar wurde vorsorglich der Musikclub „Die Röhre“ abgerissen (bezeichnenderweise war der erste Konzertbesuch des Schreibers dieser Zeilen dort als Jugendlicher Ende der Achtziger das der „Einstürzenden Neubauten“), im August der „Landespavillon“.

Die Bahn

Vertraut man so auf die Bahn AG als Bauherrin unter ihrem Chef Rüdiger Grube, so möchte man auf das „Babel des Untergrunds“ händeringend verzichten wollen – so es denn zu Lebzeiten fertig werden sollte: Die neue Weiche 227, die am 24. Juli einen Zug wenige Meter nach der Ausfahrt entgleisen ließ, ein Kabelbrand am 15. August in einem tipptopp gewarteten ICE bei Stuttgart, diverse defekte ICEs auf freier Strecke, vorzugsweise in Tunnel, nicht nur in Stuttgart, sondern auch bundesweit – die Liste ist lang, bei der zu Gunsten der Rendite an der Sicherheit und dem Interesse der Bahnreisenden gespart wurde. Und man will sich die Ausmaße gar nicht ausmalen, was alles über die inoffiziellen Wege der S21-Connection gelaufen ist. Gerade nachdem jetzt herauskam, dass Stefan Mappus, der ehemalige „Prügel-MP“, wegen des EnBW-Deals seine Dienstfestplatte gelöscht hat.

Was tun

Stuttgart 21 wird sich nicht durch seine inneren Widersprüche erledigen, das zeigt das Urteil (auf die Klage eines Grundstückeigentümers) des Verwaltungsgerichtshofs Mannheim vom 20. August, das „ein sicheres Scheitern des Projekts wegen Kostensteigerung“ für „nicht feststellbar“ hält. Auch wird man vergeblich warten müssen, dass sich Vernunft über die Verantwortlichen im Ländle ausgießt. Stuttgart 21 wird nur durch mehr aktiven Widerstand aufgegeben werden müssen und wenn genug Menschen die Sache wieder selbst in die Hand nehmen.