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Mit Kapitalismus ist kein Frieden zu machen

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Linksjugend [’solid] Hamburg (Hrsg.), „Mit Kapitalismus ist kein Frieden zu machen“, erschienen im Papyrossa-Verlag, 10 Euro

von Michael Koschitzki, Berlin

Der Landesverband Hamburg der Linksjugend [’solid] ist aktiv gegen Bundeswehr-Werbung an Schulen und brachte sich praktisch und theoretisch im Bereich Antimilitarismus in den Jugendverband ein. Als weiterer inhaltlicher Beitrag erschien im Sommer 2012 der Sammelband „Mit Kapitalismus ist kein Frieden zu machen“, der Beiträge zur Imperialismustheorie, zur Kriegsdrohung gegen den Iran, zur Debatte innerhalb der LINKEN und der Rolle der Bundeswehr enthält.

Imperialismustheorie und -praxis

Der Beitrag von Klaus Henning gibt einen guten Überblick über bürgerliche und marxistische Imperialismustheorien. Er arbeitet vor allem den Zusammenhang kapitalistischer Ökonomie und Kriegspolitik heraus. Davon ausgehend erklärt Jürgen Wagner, wie die konkurrierenden wirtschaftlichen Interessen zu größerer Aufrüstung der EU, deutscher Dominanz im Staatenbund und wachsender Konkurrenz mit dem US-Imperialismus führt.

Niema Movassat zeigt am Beispiel Iran, wie das vermeintliche Atomprogramm als Rechtfertigung zur Vorbereitung einer militärischen Intervention genutzt wird und keinem Vergleich standhält. Er verweist auf den Ölreichtum, die geostrategische Lage und das Machtgefüge in der Region als wirklichen Grund hinter dem Säbelrasseln gegenüber dem Iran.

Debatten in der LINKEN und Antimilitarismus in Deutschland

Der Sammelband trägt auch zur Debatte innerhalb der Partei DIE LINKE bei. Christine Buchholz und Stefan Ziefle weisen die von Stefan Liebich geforderte Einzelfallentscheidung in Bezug auf UNO-Kriegseinsätze zurück. Das ist der erste Angriff auf die Ablehnung von imperialistischen Kriegseinsätzen der LINKEN. Anhand der Geschichte der UNO zeigen sie auf, dass dieses Gremium ein Instrument des Imperialismus und nicht reformierbar ist.

Das Buch ist ein interessanter Beitrag zu antimilitaristischer Theorie und Praxis in Deutschland.Die ausgeprägte Verwendung von Fremdwörtern und ein akademisch anmutender Stil machen das Buch jedoch zur schweren Kost für die jüngeren Mitglieder im Jugendverband. Es richtet sich mehr an linke AktivistInnen jeden Alters als an ein neues Publikum. Die faktenreichen Artikel liefern dabei aber viel Hintergrund und Anregungen zur Diskussion für Aktivitäten gegen Krieg, Aufrüstung und die Bundeswehr.

Das zeigt auch der letzte Beitrag im Buch, der detailliert aufzeigt, wie die Bundeswehr sich in der Öffentlichkeit darstellt und versucht Jugendliche zu erreichen. Linksjugend [’solid] unterstützt die antimilitaristische Aktionswoche vom 24. bis 29. September. Das ist eine gute Möglichkeit dagegen aktiv zu werden. Infos unter http://antimilaktionswoche.wordpress.com/