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Hansa Rostock in schwerer See

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Kampf um den Erhalt des Vereins an der Ostseeküste

Der FC Hansa Rostock ist in die 3. Liga abgestiegen, die Geschäftsführung funkte S.O.S.

von Torsten Sting, Rostock

Hansa Rostock ist der bedeutendste Profifußballverein in Mecklenburg-Vorpommern, mit vielen Anhängern in Ostdeutschland. Der Abstieg in die 3. Liga und die drohende Insolvenz bedeuteten den vorläufigen Tiefpunkt in der Geschichte des Clubs.

Stadt in Wallung

 Zwei Wochen lang polarisierte das Thema die Stadt. Die Lokalzeitungen wurden mit Leserbriefen bombardiert. Der Tenor: Die Stadt muss den Verein vor dem Absturz bewahren. Auch Medien und Unternehmen unterstützten das Ansinnen, da Hansa ein „Wirtschaftsfaktor“ sei.

Es wurde ein Bild gezeichnet, als ob die ganze Region hinter dem Plan des Oberbürgermeisters und Teilen der bürgerlichen Parteien stand, den Club auf verschiedenen Wegen mit insgesamt beinahe zwei Millionen Euro zu unterstützen. Viele waren jedoch gegen eine „Rettung“, da die Stadt massiv verschuldet ist und bei vielen Dingen den Rotstift ansetzt.

Hansa absaufen lassen?

Fußball ist der populärste Sport in Deutschland und im Besonderen unter der Arbeiterklasse. Es kann daher – auch wenn es sich um einen Profiverein handelt – SozialistInnen nicht gleichgültig sein, ob ein großer Verein baden geht. Zehntausende Menschen hängen an dem Verein; sie sind der Verein und nicht überbezahlte Sportfunktionäre und Fußballsöldner.

Daher ist es richtig, den Kampf der Fans um den Erhalt ihres FCH zu unterstützen. Allerdings nicht an der Seite des Establishments, das dem Verein zwar Unterstützung gab und kurzfristig vor der Pleite rettete, aber alles beim Alten lässt. Aus diesem Grund konnte die Abgeordnete Christine Lehnert (Mitglied von SAV und DIE LINKE) den vorliegenden Anträgen des Oberbürgermeisters auch nicht zustimmen.

Kommerz in Frage stellen

Der Kurs der bisherigen Vereinsspitzen ist gescheitert. Rostock ist wirtschaftlich zu schwach, um beim Anlocken der teuersten Spieler mithalten zu können. Die Kicker, die es an die Küste zog, haben sich nicht gerade für den Verein und seine Fans zerrissen.

Die Krise des Vereins muss deshalb mit einem radikalen Kurswechsel verbunden werden: Statt Spieler einzukaufen, sollte konsequent auf den eigenen Nachwuchs gesetzt werden. Der Kommerzialisierung muss ein Riegel vorgeschoben, abgehobene Funktionärs- oder Spielergehälter müssen drastisch gesenkt werden. Statt plan- und regungslose Aufsichtsratsmitglieder braucht der FCH wirklich demokratische Entscheidungen über die Entwicklungen – getragen von VertreterInnen der Fans und der Bürgerschaft sowie Spielern, die sich mit dem Club identifizieren.

Es kann nicht angehen, dass ein Blankoscheck vom „kleinen“ Steuerzahler (auch den Hansa-Fans) ausgestellt wird, obwohl es kein ernsthaftes Konzept für die nächsten Jahre gibt. Wir stehen nicht allein mit der Warnung, dass es nicht lange dauern wird, bis der Verein wieder in einer ähnlichen Situation ist, weil nichts darauf hindeutet, dass sich etwas grundlegend ändern soll.

„Natürlich gilt es, den Verein zu unterstützen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Geschäftsbücher offengelegt werden müssen! Was ist in den letzten Jahren mit den Millioneneinnahmen geschehen? Wer trägt für was die Verantwortung? Sollten die Verantwortlichen nicht auch zur Verantwortung gezogen werden?“