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Der Skandal um krebserregende Brustimplantate

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Gesundheit tausender Frauen bedroht


 

In den letzten zehn Jahren wurden bei 30.000 Frauen defekte Implantate des französischen Herstellers Poly Implants Prothése (PIP) eingesetzt. Laut der französischen Behörden hat das Unternehmen nicht das vorgesehene Silikon-Gel verwendet, sondern ein billiges Industriesilikon.

von Svenja Jeschak, Dortmund

Das Problem bei diesem Silikon ist, dass es wesentlich flüssiger ist und daher schneller rissig werden kann. Somit kann das Industriesilikon leichter austreten und in das umliegende Gewebe gelangen. Den Hersteller kostete dieses Silikon nur ein Zehntel des üblichen Silikon-Gels und PIP konnte dadurch rund 1 Million Euro im Monat sparen.

Zwei Frauen sind durch die Folgen des austretenden Silikons gestorben. Zwanzig weitere Verdachtsfälle sind aufgedeckt und bei der Justiz in Marseille gingen mehr als 2000 Beschwerden von betroffenen Frauen ein.

Auch nach Deutschland wurden diese Billigimplantate exportiert. Bundesweit sind 19 Fälle bekannt, bei denen PIP Implantate gerissen sind. Zum Glück sei der Marktanteil an PIP- Produkten in Deutschland sehr gering. In Frankreich sollen alle 30.000 Frauen sich die Silikon-Kissen entfernen lassen. Die Kosten übernimmt die Regierung. In Deutschland hingegen müssen die Frauen selbst die Kosten übernehmen, wenn es ein Schönheitseingriff war. Der Eingriff soll jedoch nicht mehr als 1000 Euro kosten.

Die Betroffenen zur Kasse bitten

Frauen, die Opfer des gesellschaftlich dominierenden (und konstruierten!) Schönheitsideals sind und wahrscheinlich für diesen Eingriff sehr lange gespart haben, sollen nun für das Profitstreben seitens der Schönheitsindustrie aufkommen. Die betroffenen Frauen sind an dieser Stelle gleich doppelt belastet. Nach Schätzung der französischen Zulassungsbehörden handelt es sich bei den meisten Eingriffen um Schönheitseingriffe, bei nur 20% um einen medizinischen Eingriff.

Die nächste Belastung sind die nun anstehenden Kosten. Das Argument warum die Frauen zahlen sollen ist, dass die Ärzte keine Schuld trifft, da sie sich auf die Zertifizierungen der Brustimplantate verlassen müssen. Warum werden die Profiteure und die Verantwortlichen in Behörden und Krankenkassen nicht herangezogen?

Seit 1992 hat PIP 200.000 Brustimplantate verkauft und den Behörden ist nichts aufgefallen. Grade im medizinischen Bereich sollten die Produkte sehr gut kontrolliert werden, da es hierbei um Menschenleben geht, auch wenn es um medizinisch nicht notwendige Schönheitsoperationen geht. Die Forderung an die Schönheitsindustrie muss also lauten: Gesamte Übernahme aller anstehenden Kosten von betroffene Frauen mit PIP-Implantaten und anderen, die sich jetzt kontrollieren lassen müssen.

Brustimplantate und Schönheitswahn

Der Druck auf Frauen einem ganz bestimmtem Erscheinungsbild zu entsprechen, ist groß: Sie sollen schön und extrem dünn sein, die Brüste eine bestimmte (Mindest-)Größe haben und am besten immer jung, frisch und erfolgreich aussehen. Durch Werbeplakate und bestimmte Fernsehsendungen festigt sich das Bild von Frauen, wie sie am besten auszusehen haben. Immer mehr Frauen leiden darunter diesem Ideal nicht zu entsprechen und versuchen durch Schönheitsoperationen dem angeblich perfekten Frauenbild näher zu kommen. Die Folgen des Schönheitswahns sind oftmals Depression, sexuelle Unterdrückung, Angst vor sexuellem Kontakt und vieles mehr. Deshalb muss mit sexistischer Werbung Schluss gemacht werden!

Die Schönheitsindustrie macht mit dem Leid der Frauen unglaubliche Profite. Während in Krankenhäusern Ärzte und PflegerInnen unter riesigem Druck in langen Schichten arbeiten, wird ein ganzer Zweig damit beschäftigt gesunde Körper zu operieren. Das zeigt einmal mehr: privates Gewinnstreben hat nichts im Gesundheitswesen verloren! Private Schönheitschirurgie sollte verboten werden. Die Schönheitsindustrie muss enteignet, in öffentliches Eigentum überführt und dem eigentlichen Gesundheitswesen zugeordnet werden. Bei demokratischer Kontrolle und Verwaltung durch gewählte VertreterInnen der Beschäftigten, Gewerkschaften und Krankenkassen können dann die Bedürfnisse der PatientInnen in den Mittelpunkt gestellt werden.

Interview mit einer Betroffenen unter: ./?p=14631