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Streik gegen Ausbeutung im Gesundheitswesen

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PsychotherapeutInnen in Ausbildung treten bundesweit in den Ausstand


 

In Berlin und mehreren anderen Städten werden vom 5. bis 9. Dezember an mehreren Krankenhäusern die PsychotherapeutInnen in Ausbildung (PiA) in den Streik treten. Diese haben sich in der Gruppe „PsychotherapeutInnen in Ausbeutung“ organisiert. ver.di hat sich mit dem Streik solidarisch erklärt.

von Sascha Stanicic

Um die Anerkennung als PsychotherapeutIn zu erlangen, muss nach dem abgeschlossenen Hochschulstudium eine mindestens dreijährige Ausbildung durch ein staatlich anerkanntes Ausbildungsinstitut folgen. Teil davon sind 1.800 Praktika-Stunden in den ersten anderthalb Jahren dieser Ausbildung. Diese Praktika sind faktisch eine Vollzeit-Berufstätigkeit von dreißig Wochenstunden. Sie werden aber in der Regel nicht oder nur sehr gering vergütet. An der Berliner Charité erhalten die PiA"s keinen Cent, an den Vivantes-Kliniken gerade mal 400 Euro im Monat.

In einer Resolution der Vollversammlung der Berliner PsychotherapeutInnen in Ausbildung erklären die Betroffenen: „Solche Missstände gibt es in keinem anderen akademischen Heilberuf. Dies führt zur scharfen sozialen Selektion des Berufsstands, da sich nur diejenigen eine Ausbildung leisten können, die Vermögen oder Unterstützung durch die Familie haben.“ Sie fordern daher: „Verbesserung der Vergütungssituation für die PiA während der 1.800 Stunden Praktische Tätigkeit. Leistungsgerechte Vergütung für geleistete Praktische Tätigkeit im Rahmen von Tarifverträgen.“

Die PiA"s wollen diese pure Ausbeutung nicht länger hinnehmen und haben begonnen, sich zur Wehr zu setzen. Erste Aktionen liefen in den vergangenen Monaten, an den Vivantes-Kliniken in Berlin haben diese immerhin schon zu einer Erhöhung der Vergütung von 200 auf 400 Euro geführt – immer noch zu wenig, um davon leben zu können. Nun planen die Betroffenen in verschiedenen Städten in einen fünftägigen Streik zu treten. In Berlin, Mannheim, Wiesbaden und Köln wird vom 5. bis 9. Dezember die Arbeit niedergelegt – selbstorganisiert und „von unten“.

Tariffreie Zonen sind das Thema von immer mehr betrieblichen Kämpfen. So haben die Berliner PiA"s den Kontakt zu den Streikenden der Charité Facility Management GmbH aufgenommen und es findet eine gegenseitige Solidarisierung statt. PiA-Vertreterinnen waren bei Solidaritätsdemonstrationen der CFM-KollegInnen und in der PiA-Streikwoche werden gemeinsame Aktionen stattfinden.

Infos finden sich hier: http://www.pia-im-streik.de/