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Mit langem Atem gegen Ausbeutung

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Der Streik an der Berliner Charité ist in der elften Woche


 

Die ersten Streiktage wurden noch im T-Shirt begangen, nun prägen Schals und Wollmützen das Bild. Als sie am 12. September in den Streik traten, hatte wohl keineR der KollegInnen beim Charité Facility Management (CFM) damit gerechnet am 24. November immer noch draußen zu stehen.

von Sascha Stanicic

Aber angesichts der Blockadehaltung des Arbeitgebers bleibt den Streikenden gar nichts anderes übrig, als auszuharren und darauf zu setzen, dass sie einen längeren Atem als die Geschäftsführung haben werden. Angetrieben werden sie nicht nur von den katastrophalen Lohn- und Arbeitsbedingungen, die bei der CFM bestehen, sondern auch von dem Bewusstsein, dass sie stellvertretend für Millionen von prekären Arbeitsbedingungen und Niedrigstlöhnen Betroffenen kämpfen.

Der Streik wird aktiv und kreativ geführt und er hat eine Solidarität ausgelöst, wie sie nicht alltäglich ist. So wurden schon zwei Solidaritätsdemonstrationen in Berlin durchgeführt, an denen neben den über 250 Streikenden hunderte GewerkschafterInnen und AktivistInnen aus linken und sozialen Bewegungen teilnahmen. An der Demonstration am 19. November beteiligten sich unter anderen KollegInnen der EVG (Eisenbahner- und Verkehrsgewerkschaft), NGG (Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten), IG Metall, GDL (Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer), verschiedener ver.di-Fachbereiche und Betriebe, aber auch Aktive der Occupy- und Bildungsstreikbewegungen, der Partei DIE LINKE und natürlich der SAV und anderer sozialistischer Gruppen.

Am 22. November fuhren die Streikenden in vier Bussen nach Hamburg, um dort vor der Niederlassung der Firma Hellmann World Logistics – einem der drei privaten Teilhaber an der CFM – zu demonstrieren und um vor dem Universitätsklinikum Eppendorf eine Kundgebung abzuhalten und Kontakt zu anderen Krankenhausbeschäftigten zu knüpfen. Aktive aus ver.di, der SAV und dem jour fixe der Gewerkschaftslinken Hamburg begrüßten die Streikenden.

Solidarität findet auch bundesweit und international statt. SAV-Gruppen in verschiedenen Städten Deutschlands haben Proteste vor Dussmann-Niederlassungen organisiert. Die SAV-Schwesterorganisation in Wales, Socialist Party, ebenfalls vor der dortigen Dussmann-Niederlassung. Die Dussmann-Gruppe gehört ebenfalls zu den privaten Teilhabern an der CFM.

Das Bewusstsein, dass Solidarität ein wichtiger Aspekt ist, um den Streik zum Erfolg zu machen ist bei den Streikenden da – und auch das Bewusstsein, dass Solidarität keine Einbahnstraße ist. So gab es immer wieder gemeinsame Aktionen mit den Streikenden der Alpenland-Pflegeheime (deren Streik mittlerweile ausgesetzt wurde, da sich eine Einigung im Tarifkonflikt abzeichnet) und zur Zeit werden Kontakte zu den Beschäftigten am Berliner Ensemble (dem Bertolt-Brecht-Theater) und zu den PsychotherapeutInnen in Ausbildung geknüpft, die ebenfalls Kämpfe für einen Tarifvertrag vorbereiten.

Solidarität muss auch finanziert werden. Deshalb ruft das Solidaritätskomitee für die CFM-Beschäftigten zu Spenden für die Streikkasse auf. Diese sollen bitte auf das Konto des Fördervereins Solidarität in Arbeit & Gesellschaft (SOAG), Konto-Nr. 166249, BLZ 410 500 95 bei der Sparkasse Hamm eingezahlt werden.