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Streik an der Charité: Wachsende Solidarität

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Über 350 auf offener Streikversammlung in der neunten Streikwoche


 

An ihrem 57. Streiktag luden die KollegInnen der Charité Facility Management GmbH (CFM) in Berlin zu einer offenen Streikversammlung in die ver.di-Bundeszentrale. Die Resonanz war überwältigend. Der Saal war mit über 350 TeilnehmerInnen brechend voll. Die Bedeutung des CFM-Streiks für die gesamte Gewerkschaftsbewegung wird offensichtlich immer mehr Menschen klar und die Bereitschaft zur aktiven Solidarität wächst. Das zeigt: der Streik kann noch stärker werden!

von Sascha Stanicic

Eine solche Versammlung hat es lange nicht gegeben. Für die Berliner ver.di-Vorsitzende Susanne Stumpenhusen war es sogar die „beste Versammlung seit zehn Jahren“. Der entschlossene und mittlerweile fast neun Wochen andauernde Streik der CFM-Beschäftigten mobilisiert betriebs- und gewerkschaftsübergreifende Solidarität. Denn eins ist klar: die CFM-Beschäftigten kämpfen auch darum, eine gesellschaftliche Entwicklung des Abbaus von Arbeiterrechten zu stoppen.

„Euer Kampf ist unser Kampf“ – so formulierten es mehrere RednerInnen aus verschiedenen Betrieben und Gewerkschaften. Besondere Begeisterung löste der Betriebsratsvorsitzende des Baumaschinenherstellers CNH (ehemals O&K) aus, als er vom Streik in seinem Betrieb im Jahr 2006 berichtete. „Ich bin stolz, dass ich beim Streik dabei war. Ich werde meinen Enkeln davon erzählen können. Was soll ich ihnen erzählen, wenn ich Streikbrecher gewesen wäre?“

Über 30 IG Metall-Mitglieder waren gekommen: von Otis, dem Bosch-Siemens-Hausgerätewerk (BSH), Daimler, Siemens. Güngör Demirci, Betriebsratsvorsitzender bei BSH versprach die aktive Solidarität seiner KollegInnen und betonte, dass die politisch Verantwortlichen in den Fokus genommen werden müssen.

Von der ver.di-Betriebsgruppe an der Charité sprach Stephan Gummert und kündigte an, dass die Betriebsgruppe im Rahmen der ver.di-Kampagne „Der Druck muss raus!“ eine Auseinandersetzung für einen Gesundheitsschutz-Tarifvertrag im kommenden Jahr vorbereitet, der als Konzerntarifvertrag gefordert werden soll und somit die Möglichkeit besteht, die formal getrennten belegschaften der Charité und von CFM gemeinsam in einen Streik zu führen. Thomas Pottgießer von der ver.di-Betriebsgruppe am Vivantes-Krankenhaus in Kreuzberg überbrachte solidarische Grüße und betonte, wie genau die KollegInnen dort den CFM-Streik verfolgen.

Eine Ortsgruppe der GDL (Lokführer-Gewerkschaft) der Berliner S-Bahn überbrachte ihre solidarischen Grüße, Kathrin Dornheim von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) kündigte einen kulinarischen Unterstützungsbesuch beim Streiklokal mit Grill und Würstchen an und Alexandra Arnsburg, Gewerkschafterin bei der Telekom, erklärte, wie die Zersplitterung in ihrem Unternehmen die Arbeitsbedingungen massiv verschlechtert hat und sagte, dass der CFM-Streik Mut mache, dass auch bei der Telekom der Kampf für bessere Arbeitsbedingungen wieder möglich sein wird. Weitere RednerInnen kamen vom Betriebsrat der Rosa-Luxemburg-Stiftung, dem Hauptpersonalrat der Landesverwaltung Berlin, Studierenden und SchülerInnen der Bildungsstreik-Initiative.

Begonnen hatte der Abend jedoch mit kulturellen Beiträgen des argentinischen Musikers Pablo Miro und des Hamburger Schauspielers und ver.di-Aktiven Rolf Becker. Dieser rezitierte Texte von Bertolt Brecht und Kurt Tucholsky und betonte die Bedeutung solcher Arbeitskämpfe für den Kampf um gesellschaftliche Veränderungen.

Die Versammlung verabschiedete per Akklamation eine Resolution, die die Gewerkschaften zu praktischer Solidarität auffordert und zu einer Solidaritätsdemonstration am 19.11.2011 aufruft. Die Resolution findet sich hier.