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Blockaden in Brokdorf

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250 AktivistInnen blockieren Atomkraftwerk


 

Am 18. und 19. Juni wurde die Revision des AKW Brokdorf drei mal blockiert. Die friedlichen Blockaden konnten von der Polizei schnell aufgelöst werden. Die AktivistInnen zeigten dennoch ihre Entschlossenheit.

von Michael Koschitzki, Teilnehmer der Blockaden aus Berlin

Mit der Verschiebung der Revisionsarbeiten um mehrere Tage reagierte der Atomkonzern E.ON auf die angekündigten Blockaden des Atomkraftwerks über Pfingsten. Anti-Atom AktivistInnen hatten angekündigt die Revisionsarbeiten zu verhindern, bei denen mehrere hundert, meist als Leiharbeiter eingestellte, Beschäftigte und Material in das Atomkraftwerk rein und rausgefahren werden müssen. Nach der Verschiebung wurden auch die Blockaden verschoben, was die Mobilisierung stark traf.

Drei blockierte Schichtwechsel

Am Freitag den 17. Juni startete die Aktion mit Besprechungen im Blockadecamp von x-tausendmalquer. Aus einer angemeldeten Demonstration heraus wurde Samstag Vormittag das Atomkraftwerk an beiden Eingängen blockiert. An einem Tor wurde ein hohes Tripod aufgestellt, in dem sich eine Aktivistin abseilte, was eine weitere Hürde für die Räumung der Polizei war. Allerdings konnten die AktivistInnen von insgesamt 1000 Polizisten, die nach Brokdorf geschickt worden waren, schnell geräumt werden. An den Aktionen beteiligten sich nur 250 TeilnehmerInnen aus dem ganzen Bundesgebiet. Die Polizei gab sich auch wegen der großen Überzahl betont friedlich, wahrscheinlich weil Bilder von Polizisten, die gegen AtomkraftgegnerInnen vorgehen, nicht gewollt waren.

Doch die AktivistInnen zeigten Entschlossenheit. Mit einer Wanderung über den Deich und durch das Durchfließen von einer Polizeiabsperrung wurde das Tor wieder eingenommen und das AKW auch beim folgenden Schichtwechsel blockiert. Die Beschäftigten des AKW waren von den Protesten abgeschirmt, so dass die Flugblätter, die für sie vorbereitet waren, nicht verteilt werden konnten. Vom Lautsprecherwagen wurde jedoch mehrfach darauf hingewiesen, wie viele Arbeitsplätze bei regenerativen Energien entstehen würden. Die Forderung nach Ersatzarbeitsplätzen wurde nicht erhoben, auch wenn deutlich gemacht wurde, dass sich die Aktion nicht gegen sie richtet. Nach einer weiteren Räumung folgte eine weitere Blockade im Morgengrauen. Mit der Verlegung des Schichtwechsels dachte die Polizei das sogar verhindern zu können, was ihr nicht gelang.

Warum so wenige?

Viele AktivistInnen waren von der geringen Teilnehmerzahl der Blockaden überrascht. Bei einer Umfrage unter den über tausend Menschen, die online angegeben hatten, dass sie blockieren würden, gaben sehr viele an, dass sie die Terminverschiebung nicht einrichten konnten. Das Bündnis Block Brokdorf, welches ein eigenes Blockadecamp zu Pfingsten organisiert hatte, konnte gar kein zweites Camp auf die Beine stellen. Von den UnterstützerInnen von Block Brokdorf beteiligten sich nur sehr wenige an dem Camp von x-tausendmalquer. Im Gegensatz zu Pfingsten konnte in keiner Stadt mehr ein Bus organisiert werden.

Daraus entwickelte sich eine Eigendynamik und viele zweifelten daran, dass man das AKW noch wirksam blockieren könnte. Bei der Abwägung ob man bei schlechtem Wetter, den langen Weg auf sich nehmen sollte, entschieden sich deshalb sehr viele Menschen dagegen. Eine Rolle spielte auch, dass bei der Mobilisierung nach der Verschiebung nicht nachgelegt wurde. DIE LINKE hatte die Verschiebung nicht mal auf ihrer Homepage vermerkt. Die Gewerkschaften hatten insgesamt erst gar nicht zu den Blockaden mobilisiert.

Die geringe Beteiligung ist sicher nicht als Zustimmung zum Atomausstieg der Bundesregierung zu werten. Dem auf den Blockaden viel gerufenen Slogan „Was klingt faul und ranzig: Zweitausendzweiunzwanzig!“ würden sich zehntausende AktivistInnen anschließen. Trotzdem hat die Stimmung, die allgemeine Medienpropaganda und die Zustimmung des Grünen Bundesvorstandes zum Ausstieg auch eine Rückwirkung auf viele AktivistInnen.

Wie weiter?

Von Brokdorf geht nicht das Erfolgssignal für weitere geplante Blockaden in Gorleben und Neckarwestheim aus, wie man gehofft hätte. Ob die ehrgeizigen Blockaden, wie Gorleben365, bei dem jeden Tag das geplante Endlager Gorleben blockiert werden soll, Erfolg haben, hängt auch davon ab, ob die Mobilisierung verbessert werden kann und mehr Menschen, die bisher „nur“ demonstrieren waren, in Blockaden einbezogen werden können. In den Gewerkschaften sollten sich Mitglieder für die Mobilisierung dazu einsetzen und Anträge einbringen. DIE LINKE muss entschlossen, die Blockaden unterstützen.

Das ist auch für die Verhinderung der Castor Transporte diesen Herbst wichtig. An die Mobilisierung des letzten Jahres kann angeknüpft werden. Dazu braucht es entschlossene Kampagnen und Unterstützung. Die SAV beteiligte sich an den Aktionen in Brokdorf und ist aktiv für die sofortige Abschaltung aller Atomkraftwerke, die Enteignung der Stromkonzerne und Überführung in demokratische Kontrolle und Verwaltung sowie für eine sozialistische Energieplanung zur Rettung von Mensch und Klima. Werde auch du mit uns aktiv!