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„Empört Euch – Kämpfen wie in Spanien!“

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Aktion in Rostock


 

Unter diesem Motto wurde am vergangenen Mittwoch auf dem zentralen Platz in Rostock, dem Uni-Platz, ein Zelt aufgestellt… Über Lautsprecher ertönte spanische (klassen-)kämpferische Ska-Musik. Aktive aus Linkspartei, SAV und solid, sowie Gewerkschafter von der GEW und SchülerInnen und StudentInnen aus der Anti-Atom-Bewegung machten deutlich, dass es genug Gründe gibt, es den spanischen und griechischen Jugendlichen und Arbeitern gleichzutun und auf die Plätze und Straßen zu gehen.

von René Henze, Mitglied DIE LINKE und SAV

Gleich mit der ersten Rede machte die Rostocker Abgeordnete, Christine Lehnert (SAV und DIE LINKE) klar, dass die Hetze von BILD & Co gegen die „faulen Griechen, die über ihre Verhältnisse leben“ in doppelter Hinsicht verlogen ist.

Verlogen ist zum Einen die Behauptung, die Griechen, Spanier, Portugiesen würden Luxusrenten und -Löhne kassieren und viel kürzer arbeiten als hier in Deutschland. Die durchschnittliche Arbeitszeit pro Jahr in Griechenland liegt bei 2119 Arbeitsstunden, in Deutschland aber bei 1.390 Stunden.

Zum anderen, sind es nicht „die Griechen“ – das heißt die ArbeiterInnen und Jugendlichen, die angeblich „über ihre Verhältnisse gelebt haben“ – die die jetzige Finanz-Misere verursacht haben, sondern vielmehr die Mechanismen dieses Wirtschafts- und Gesellschaftssystems im Allgemeinen und die Banken und die bürgerlichen Politiker im Konkreten die die eigentlichen Verursacher, Zocker und Gewinner sind.

Ein junger SAV-Unterstützer verlas das Manifest der Madrider Assamblea (Versammlung).

Wie sehr doch die Wut und Verachtung der spanischen Jugendlichen und ArbeiterInnen über die regierenden Parteien – sowohl der sozialdemokratischen PSOE als auch der konservativen PP – unserer Wut und Verachtung gegenüber der deutschen Sozialdemokratie und der CDU ähnelt…

Neben der Solidarität (und Begeisterung) mit den Bewegungen und Streiks in Südeuropa und Nordafrika, gibt es aber auch genug Empörung über die Verhältnisse hier.

Ein Redner wies darauf hin, dass auf der einen Seite Milliarden für Prestigebauten (Stuttgart 21 oder das „Darwineum“-Projekt des Rostocker Zoos) rausgepulvert werden, während auf der anderen Seite kein Geld für Jugendprojekte oder Schulsanierung da ist. Das fand die Zustimmung der Passanten. Und als er drauf hinwies, dass es geradezu absurd ist, von uns zu fordern, wir sollen mehr konsumieren (um so die Wirtschaft anzukurbeln), aber gleichzeitig unsere Löhne und Einkommen stagnieren oder gar sinken (während noch dazu die Preise, Gebühren, Zuzahlungen etc. steigen), fühlten sich viele Passanten sichtlich angesprochen.

Trotzdem – und zurecht – ärgerte sich ein Anti-Atom-Aktivist, dass noch viel zu Viele noch viel zu passiv oder gar gleichgültig seien und er sprach die PassantInnen auch direkt an…

Aber als dann eine Verkäuferin am Mikrofon vorrechnete, wie sie trotz Vollzeitarbeit und (für Mecklenburger Verhältnisse) relativ gutem Verdienst trotzdem am Ende ihres Arbeitslebens nur mit einer kleinen Rente dastehen werde… da wurden viele Passanten hellhörig und nickten.

Ein Schüler von der „Jugendoffensive gegen Atomkraft“ empörte sich über den zögerlichen und langsamen Ausstieg der Bundesregierung aus der Atompolitik… und der ehemalige Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern und jetzige Kreisvorsitzende der Linkspartei, Wolfgang Methling, kritisierte die Atompolitik und wies darauf hin, dass es jetzt schon genug Möglichkeiten des zügigen Ausbaus regenerativer Energiegewinnung gibt.

Alle Beteiligten sind frohes Mutes, dass es vom arabischen Frühling zum europäischen Sommer kommt und dann auch in Deutschland irgendwann Massen auf die Straße gehen.