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Kapitalismus, Katastrophen und Krisenmanagement

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Nach dem GAU in Fukushima


 

Selbst im Angesicht der nu-klearen Katastrophe lassen die Kapitalisten und ihre politische Vertretung nicht von der Pro-fitorientierung ab. Das Resultat: Versagen auf ganzer Linie und unabsehbare Schäden für Mensch und Umwelt.

von René Kiesel, Berlin

Der Konzern Tokyo Electric Power (Tepco) hat jahrelang eine Politik der Vertuschung gefahren. Da das Unternehmen Daten und Schadensberichte fälschte, war es beim größten Energiekonzern Japans sogar schon zu Sonderprüfungen gekommen.

Krisenmanagement – in wessen Interesse?

Die japanische Regierung unter Ministerpräsident Naoto Kan von der Demokratischen Partei diskutierte nach der Havarie des AKW die Option einer Verstaatlichung des Konzerns. Allerdings nicht, weil der Konzern – im Kampf gegen eine Kernschmelze – gezögert hatte, die Reaktoren mit Meerwasser zu kühlen (Tepco, das die weniger beschädigten Reaktoren irgendwann wieder ans Netz nehmen wollte, hatte diesen Schritt hinausgezögert, weil dieser einen irreparablen Schaden bedeutet). Auch nicht, weil die Unternehmenssprecher ständig widersprüchliche Informationen geben – mal ist die Strahlung zehn Millionen Mal so hoch wie „gewöhnlich“, dann wieder „nur“ 100.000 Mal so hoch. Und auch nicht, über eine Verstaatlichung betriebsexterne Experten einzubeziehen und die Maßnahmen zentral und transparent koordinieren und effektiver gestalten zu können.

Nein, es ging vielmehr um die Frage, ob der Konzern in der Lage ist, allein für den Schaden aufzukommen. Überlegt wurde, durch den Ankauf von Anteilen das Unternehmen mit mehr Kapital auszustatten.

Gleichzeitig will die Kan-Regierung die Verbrauchssteuern in einem ersten Schritt auf zehn Prozent verdoppeln. Auf wessen Rücken die Katastrophe in mehrfacher Hinsicht ausgetragen wird, ist also offensichtlich – auf dem der Beschäftigten, Erwerbslosen, RentnerInnen, Jugendlichen. Während die Pfründe der Reichen unangetastet bleiben.

Die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen!

Der Tepco-Direktor Masataka Shimizu ließ sich zu Beginn der Vorfälle entschuldigen, er sei überarbeitet, und schloss sich für eine Woche in seinem Büro ein, wo er nicht mehr erreichbar war.

Die rund 600 Arbeiter, die an Fukushima 1 gegen die Zeit und eine drohende Kernschmelze kämpfen, sind zum Teil Tagelöhner und Leiharbeiter, die dort für umgerechnet 80 Euro am Tag ihr Leben aufs Spiel setzen. Sie arbeiten und schlafen unter bleiverstärkten Decken vor Ort. Zum Frühstück um sechs Uhr gab es in den ersten Wochen 30 „Überlebenscracker“ und ein Glas Orangensaft. Die nächste Mahlzeit erfolgte nach Feierabend um 17 Uhr.

Ein Krisenmanagement, das jene zur Verantwortung zieht, die für diese Katastrophe durch den Bau verantwortlich sind und jährlich Gewinne in Milliardenhöhe eingestrichen haben, sieht anders aus.