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Berlinale 2011: Es fehlen die Gefangenen

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Das Berliner Filmfestival erinnert an den im Iran inhaftierten Jafar Panahi


 

Vor Beginn der 61. Berliner Filmfestspiele wurden iranische Filmemacher inhaftiert und zu jahrzehntelangen Berufsverboten verurteilt. Zudem werfen Wirtschaftskrise, Umweltproteste und die Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse Schatten.

von Aron Amm, Berlin

Auch als das Mubarak-Regime Mobilfunknetz und Internet lahmlegte, ebbte die Welle der Widerstandsbewegung in Ägypten nicht ab. Dennoch waren die modernen Kommunikationsmittel ein wichtiger Faktor beim Beginn der Revolution im arabischen Raum. So war es die Facebook-Gruppe „Wir sind alle Chaled Said“ – nach dem von der Polizei im Sommer 2010 in Alexandria zu Tode geprügelten Blogger benannt – die für die Verbreitung des Protestauftakts am 25. Januar gesorgt hatte. Wie im Iran 2009 fungierten Facebook, Twitter und SMS-Botschaften als wichtige Hilfsmittel, um über Aufstand und Repression zu informieren. Mehr noch. Das Internet half, dass sich diese Nachrichten über die Landesgrenzen hinaus in Windeseile verbreiteten und gerade die in Tunesien in diesem Winter einsetzenden Ereignisse zu einer Kettenreaktion in Tunis, Algier, Amman, Sanaa, Marrakesch, Damaskus führten.

Diese Entwicklungen antizipierte der Regisseur Mohammad Rasoulof in gewisser Weise in seinem Streifen „Im Reich der Schüsseln“; eine Dokumentation über die Rolle der neuen Kommunikationstechniken im Kampf gegen die iranische Zensur. Im Sommer 2009 zeigte Rasoulof beim Festival „Senza Frontiere – Without Borders“ in Rom in seinem Film, „wie in Dörfern auf dem Land, die gerade mal vor drei Jahren die Elektrizität kennenlernten, Satellitenschüsseln auf die Hütten kommen. Wie das Fernsehen dort tatsächlich noch Aufklärungs- und Bildungsmedium ist, Überbringer von Nachrichten von fremden Sendern, die das Regime eigentlich nicht zulässt“ (Verena Lueken in der FAZ vom 5. Februar). Nachdem Mohammad Rasoulof diesen Film auf dem Festival von Rom vorgestellt und auch Cinecittà, der früheren Wirkungsstätte von seinem großen Vorbild Federico Fellini einen Besuch abgestattet hatte, wurde er nach seiner Rückkehr im Iran festgenommen. Damit erging es ihm ähnlich wie seinem international ungleich bekannteren iranischen Kollegen Jafar Panahi, der im Dezember 2010 zu sechs Jahren Haft und zwanzig Jahren Berufs-, Interview- und Reiseverbot verurteilt wurde.

Deshalb ist dieses Jahr ein Stuhl bei allen Vorstellungen der Wettbewerbsfilme im Berlinale-Palast leer, symbolisch freigehalten für Jafar Panahi – der vor seiner Festnahme in die internationale Wettbewerbsjury der 61. Berliner Filmfestspiele berufen worden war.

Teherans Repression gegen iranische Filmemacher

Wichtige Wegbereiter des iranischen Kinos wie Abbas Kiarostami („Quer durch den Olivenhain“) oder Mohsen Makhmalbaf („Kandahar“) und seine filmende Familie gingen bereits vor Jahren ins Exil. Auch Bahman Ghobadi („Zeit der trunkenen Pferde“) hat sich dazu entschieden, Iran zu verlassen. Andere iranische Regisseure sehen sich ebenfalls dazu gezwungen, im Ausland zu drehen und von dort auf das Land einzuwirken. So Marjane Satrapi, die „Persepolis“ machte. So Ali Samadi Ahadi, dessen Film über die revolutionären Unruhen nach den Wahlen 2009, „The Green Wave“, am 24. Februar in den deutschen Kinos anläuft. Ali Samadi Ahadi schreibt im tip-Magazin 4/11 über das Vorgehen der Ahmadinedschad-Herrschaft: „Die Zensurbehörde lehnt fast jede größere Produktion ab, die Filmindustrie steht somit auf Stopp, und es geht nicht voran. Für ein Land, dem das Kino so wichtig ist wie dem Iran, und das für eine so große renommierte Kinotradition steht, ist das ein Riesenschlag. Das iranische Kino fehlt seither auf den großen Festivals.“ Das gilt auch für die Berlinale 2011. Gezeigt wird nur ein Film in der Reihe Generation Kplus, „Wind und Nebel“ (auch hier erhält die Realität mit all ihren Schrecken in Form eines plötzlichen Bombardements in diese Kindheitsgeschichte Einzug), außerdem der Wettbewerbsbeitrag „Nader and Simin, a Separation“. Von diesem Film des Regisseurs Asgar Farhadi sagt man, dass dem Filmemacher seine Produktionslizenz zwischenzeitlich entzogen wurde, als er sich mit den verhafteten Kollegen solidarisierte. Erst nachdem er widerrief, soll ihm die Fertigstellung des Films genehmigt worden sein.

Wie verhält sich nun die Berlinale dazu? Der schon länger in Europa lebende iranische Filmemacher Rafi Pitts, von dem letztes Jahr auf dem Festival „Zeit des Zorns“ gezeigt wurde, appellierte dazu, zur Unterstützung der Inhaftierten einen Protest- und Streiktag durchzuführen. Dazu konnte sich die Berlinale-Leitung, wenig überraschend, jedoch nicht durchringen. Sie begnügt sich damit, zum Festivalbeginn einen im Gefängnis verfassten Brief Panahis verlesen zu haben und eine Reihe seiner Filme aufzuführen. Darunter „Offside“, der 2006 den Silbernen Bären erhielt, und von fußballbegeisterten Frauen handelt, die sich als Männer verkleiden, um dem Länderspiel Irans gegen Bahrein im Stadion beiwohnen zu können (was Frauen dort untersagt ist). Gut möglich, dass darüber hinaus der iranische Wettbewerbsstreifen „Nader and Simin, a Separation“ von der Jury mit dem Goldenen Bären preisgekrönt wird.

In den vergangenen zwei Dekaden ragte – neben dem israelisch-palästinensischen Film der letzten Jahre mit „Paradise Now“, „Waltz with Bashir“ oder „Ajami“ – vor allem das iranische Kino weltweit heraus. Es war, als hielten Kiarostami, Makhmalbaf und Panahi ein Stethoskop an die eingeengte, schier erstickende und gleichzeitig brodelnde Gesellschaft. Iranische Filmemacher nahmen nicht nur die Studentenrevolte 1999 und die revolutionäre Entwicklung zehn Jahre später in Ansätzen vorweg. Auch künstlerisch (so Kiarostamis nur in einem Auto in den Straßen Teherans gedrehter Film über die Lage der Frau, „Ten“- nachdem er mit dem „Geschmack der Kirsche“ bereits ähnlich vorgegangen war) und thematisch (über die US-Kriege und ihre Folgen in Afghanistan und im Irak) lieferten sie Wegweisendes. In der Tat findet sich das iranische Kino, wie Ali Samadi Ahadi konstatiert, zum heutigen Zeitpunkt „im Ausnahmezustand“.

Auch Peking greift durch

Was sich vom iranischen Film sagen lässt, trifft ganz ähnlich auf das Kino Chinas zu. Wenn wir die Berlinale als Spiegel des Films international nehmen, so gab es in den letzten Jahren auch im chinesischen Film einiges zu entdecken. Das wird schon deutlich, wenn man bloß die eindrücklicheren Berlinale-Beiträge der Vorjahre Revue passieren lässt. 2003 wurde „Blinder Schacht“ mit dem Silbernen Bären geehrt. In Li Yangs Film hecken zwei im Bergbau beschäftigte Tagelöhner einen perfiden Plan aus: Sie wollen einen Kumpel um die Strecke bringen und ihn als Verwandten ausgeben, um eine Provision zu kassieren, die ihre Löhne beträchtlich übersteigt. In einer Karaoke-Bar wird ein sarkastisches „Loblied“ auf den Kapitalismus angestimmt. Dieser Film war mit Handkamera heimlich an Originalschauplätzen entstanden, die Digitalvideo-Bilder wurden dann aus dem Land geschmuggelt. 2007 warf der (vor der Aufführung mehrfach, um durch die Zensur zu kommen, neu geschnittene) Wettbewerbsfilm „Lost in Bejing“ ein Schlaglicht auf ein verstörendes Peking, im Forum-Beitrag der Regisseurin Li Ying, „Mona Lisa“, begleitete der Zuschauer im selben Jahr eine Gefängnisinsassin dabei, wie sie für wenige Tage Freigang erhält, um zur Beerdigung eines verstorbenen Familienangehörigen zu reisen.

Auch diese Quelle der Inspiration für das Weltkino droht zu versiegen. Auf der diesjährigen Berlinale sind, abgesehen von „Together“ über das Leben von Aids-Patienten in China, nur Filme der Opportunisten Zhang Yimou („Under the Hawthorn Tree“ über eine Jugendliebe während der Kulturrevolution) und Chen Kaige („Sacrifice“, ein Historiendrama, „mit eindrucksvollen Kampfszenen“, wie es im Programmheft heißt) zu sehen.

Natürlich wird das neue Kino Irans und Chinas nicht völlig totzukriegen sein. Schließlich engagieren sich die ins Exil geflohenen Filmemacher weiter. Außerdem lassen sich in der Ära der DV-Kamera mit knappen Mitteln, unter klandestinen Bedingungen Filme machen – wie „Blinder Schacht“ bewiesen hat.

Der Finanzcrash auf der Leinwand

Der Fall Panahi zeigt, dass selbst die Berlinale und die Filmindustrie von den internationalen krisenhaften Entwicklungen heimgesucht werden. Natürlich würde die Kinobranche am Liebsten die Augen vor Krise, Unruhen und Revolutionen verschließen, business as usual betreiben und sich beim Filmfestival bloß selber feiern. Aber es gibt durchaus Ausnahmen bei dem 61. Filmfestival.

Mit dem US-Film „Margin Call“ wird ein Beitrag zur Weltwirtschaftskrise geliefert. 24 Stunden einer New Yorker Investmentbank, die vor dem Zusammenbruch steht – das Vorbild Lehman Brothers ist unschwer zu erkennen – werden minutiös nachgezeichnet. Film und Arbeitstag beginnen mit der Entlassung von 80 Prozent der Broker auf einer Firmenetage. Einer der Gefeuerten aus der „Risiko-Abteilung“ drückt einem der übriggebliebenen Kollegen einen Stick in die Hand, der ein Prognose-Modell enthält. Rasch entdeckt der junge Mitarbeiter, dass die Bank ein zu großes Rad gedreht hat. In der Nacht jagt eine Krisensitzung die nächste. Man entscheidet sich, die faulen Kredite am nächsten Morgen loszuschlagen und die wertlosen Papiere anderen aufzuhalsen. Margin Call ist für Broker und Trader der Augenblick, in dem es im Terminhandel ernst wird und Käufer mit Cash statt Versprechen zahlen müssen.

Der Film ist das Debüt von J. C. Chandor, der zuvor überwiegend Fernsehdokumentationen gemacht hat. Es ist ein „Submarine“-Werk, wie in Hollywood Filmprojekte genannt werden, die mangels Geld für aufwendige Außenaufnahmen und Kulissen als Kammerspiel, also in einem U-Boot, funktionieren müssen. Für Chandor überraschend heuerten dann Jeremy Irons, Kevin Spacey, Paul Bettany und andere Prominente an. Die Geschichte wird nicht sonderlich innovativ erzählt. Aber immerhin vermeidet es Chandor, zu menscheln. Solange der Kapitalismus fortbesteht, wird es Krisen und Katastrophen geben. Das hält der Streifen fest. Jeremy Irons als CEO zählt am Ende des Films alle vorherigen tiefen Rezessionen auf: 2001, 1991, 1987, 1979, 1974, 1937, 1929… Um solch eine Krise zumindest vorübergehend zu meistern, schlug der bürgerliche Ökonom John Maynard Keynes einmal vor, Geld in Flaschen zu stopfen, diese einzubuddeln und dann wieder auszugraben (und so Leute zu beschäftigen und damit den Wirtschaftskreislauf nicht zum Erliegen kommen zu lassen). Kevin Spacey fragt in diesem Film, ob ein Mensch, der nur Löcher schaufelt, nicht eine sinnvollere Arbeit verrichtet, als all die Banker und Spekulanten, die nie reale Werte schaffen. Während sich Milliarden in Luft auflösen und Millionen perspektivisch auf der Straße landen werden, weint der von Spacey gemimte Broker um seinen sterbenden Hund; in der Schlussszene von „Margin Call“ begräbt er ihn im Garten seiner Exfrau. Ein Berufseinsteiger spricht seinen Abteilungsleiter mitten im Schlamassel darauf an, dass der Crash „da draußen“ wohl viele Menschen ruinieren werde. Postwendend antwortet der Vorgesetzte: „Ich scheiß" auf die normalen Leute da draußen.“

Koreanische Beiträge

Eine Entdeckung auf der Berlinale ist der koreanische „Dance Town“ aus dem Panorama-Programm. Friedrich Engels meinte einmal, dass sich das kulturelle Niveau einer Gesellschaft auch daran bemessen lässt, welche Stellung die Frau inne hat. „Dance Town“ nimmt die Perspektive der Frauen in Nord- und Südkorea ein. Die Protagonistin (deren Ehemann von Dienstreisen ins Nachbarland Kosmetika und Pornofilme mitbringt) flieht von Nordkorea nach Seoul. In der kapitalistischen Metropole muss sie auf brutale Weise erfahren, dass die Bäume hier keineswegs in den Himmel wachsen. In dem letzten Teil von Jeon Kyu-hwans „Town“-Trilogie, die Einsamkeit und Entfremdung in den heutigen Großstädten anklagt, sagt ein auf engstem Raum vor sich hin vegetierender Querschnittsgelähmter, der aufgrund seiner Behinderung keine Wohnung kriegt, dass „nur die reichen Bastarde gut leben“. Als sich die Frau einem befreundeten Polizisten annähert und mit ihm auf Sauftour geht, wird sie von diesem in der anschließenden Nacht auf offener Straße vergewaltigt. Auf „exzentrische Art und Weise geht es in „Ashamed“, einem wortreichen und zum Teil surrealen Lichtspiel über lesbische Liebe“, so Ralph Umard im tip-Magazin 4/11 – jedenfalls ein Novum für das Kino aus Südkorea. In dem Forum-Film „Self Referential Traverse: Zeitgeist and Engagement“ wird mit dem südkoreanischen Präsidenten abgerechnet, unter anderem werden die Landschaft zerstörende Kanalprojekte angeprangert.

Stuttgart 21, Atomindustrie und Black Power

Auch eine Kritik an dem Profitprojekt Stuttgart 21 findet sich in dem diesjährigen Berlinale-Programm: „Stuttgart 21 – Denk mal!“ von den Filmstudenten Lisa Sperling und Florian Kläger. „Even the Rain“ ist ein Film-im-Film: Ein Regisseur will sich in Bolivien auf die Spuren von Kolumbus begeben und wird von seinem Kolumbus-Darsteller der Heuchelei bezichtigt; das dient als Aufhänger für eine Auseinandersetzung mit dem „Wasserkrieg“ aus dem Jahr 2000, als die Bevölkerung gegen einen Multi, der ihnen das Wasser nimmt, aufsteht. Der Eröffnungsfilm der Reihe Perspektive Deutsches Kino, „Utopia Ltd.“, ein Porträt der Punkband „1.000 Robota“, attackiert die Heuchelei gewisser Indepentent Labels, die ebenfalls nur noch abzocken möchten. Zudem sind mehrere Streifen zu sehen, die sich mit der Atomindustrie auseinandersetzen. Ob der russische Wettbewerbsbeitrag „An einem Samstag“ zum 25. Jahrestag des Super-Gaus von Tschernobyl oder „Unter Kontrolle“ aus dem Forum. Das tip-Magazin 4/11 schreibt darüber: „Beim Nachdenken über die Halbwertszeit von radioaktivem Müll, bei dem man bis heute nicht weiß, wohin damit, klärt sich die Frage, ob alles unter Kontrolle sei, von alleine.“

Mehrere Filme greifen prekäre Arbeitsverhältnisse auf oder gehen der Eintönigkeit von entfremdeter Lohnarbeit nach. Das gilt für den deutschen Film „Die Ausbildung“ über das letzte Lehrjahr eines Azubis und seine Beziehungen zum Personalchef, zu einer engagierten Gewerkschafterin und eine Zeitarbeiterin, das gilt für den japanischen „FIT“ über einen Mitarbeiter eines Versandhauses.

Tribut gezollt werden auf der Berlinale im Übrigen auch den Black Panthers in „The Black Power Mixtape 1967-1975“, Harry Belafonte in „Sing Your Song“ und Miriam Makeba in „Mama Africa“. Wenn man Andreas Müller von radio eins glauben darf, leider auf recht biedere und brave Weise.

Mal wieder Berliner Schule

Sehenswert ist Ulrich Köhlers dritter Film „Schlafkrankheit“. Wie seitens der Berliner Schule üblich, wird mit der konventionellen Erzählweise gebrochen, nicht geradlinig Spannung aufgebaut und auf Höhepunkte hingearbeitet, sondern nach links und rechts geschaut, Blick und Geist erlaubt, herum zu schweifen, Beiläufiges wahrzunehmen. Der Film zerfällt in zwei Hälften. Im ersten Teil steht der deutsche Entwicklungshelfer Ebbo vor der Entscheidung, ob er mit Frau und Tochter nach Wetzlar zurückkehrt oder seine Arbeit in Kamerun fortsetzt. Im zweiten Teil folgt man einem französischen Arzt mit kongolesischen Wurzeln, der in Paris beauftragt wird, ebenfalls nach Kamerun zu reisen, um – wie sich dem Zuschauer allmählich dämmert – Ebbos Projekt, die Bekämpfung der Schlafkrankheit, zu evaluieren. Bald begreift man, dass drei Jahre ins Land gegangen sind, Ebbo in Afrika geblieben, ja gestrandet ist. Der Bezug zu Joseph Conrads „Herz der Finsternis“ drängt sich auf. Ebbo ist nicht abgereist, weil er das Land, vor allem aber auch seine exponierte Stellung als Entwicklungshelfer liebgewonnen hat. In den letzten Minuten des Films scheitert eine Jagd von Ebbo und dem Arzt – eine Allegorie für das Scheitern der Entwicklungshilfe. Dann bricht der Film genau da ab, wo man eine Erklärung, Auflösung erwartet. Aber genau das ist die Intention von Ulrich Köhler. Den Zuschauer nicht bedienen, sondern fordern. Er lässt einen auch immer nur mutmaßen, wie seine Hauptfiguren denken, fühlen, handeln – und verteidigt das damit, dass man auch im echten Leben nur beschränkte Informationen von anderen Menschen bekommt und auf dieser Basis seine Schlüsse ziehen muss. In einer Schlüsselszene von „Schlafkrankheit“ verweist ein Politiker darauf, dass in 50 Jahren angeblich 500 Milliarden Dollar in die Entwicklungshilfe gesteckt wurden, und plädiert dafür, „Hilfe“durch „Handel“ zu ersetzen, endlich den Markt entscheiden zu lassen…