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Proteste in Bangladesch und Kambodscha

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TextilarbeiterInnen auf der Straße


 

Tausende TextilarbeiterInnen sind in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, auf die Straße gegangen, um ihren Unmut über die jüngst bekannt gegebene Anhebung des Mindestlohns öffentlich zu machen. Sie halten die Lohnsteigerungen für nicht angemessen.

Artikel aus „The Socialist”, der Wochenzeitung der Socialist Party (Schwesterorganisation der SAV in England und Wales)

Die von der staatlichen Schiedsstelle vorgeschlagene Lohnerhöhung von 23,- US-Dollar auf 43,- US-Dollar im Monat ist das bisherige Ergebnis einer ganzen Reihe intensiv geführter Kämpfe der TextilarbeiterInnen, die 75,- US-Dollar monatlich fordern. Bei dem neu festgelegten Mindestlohn handelt es sich um die Summe, die die Arbeitgeber nach eigener Aussage höchstens in der Lage zu zahlen sind.

Laut Gewerkschaften sind die Lebenshaltungskosten seit der letzten Anhebung des Mindestlohns um 200 Prozent angestiegen. Damals, im Jahr 2006, betraf die Anhebung 2,5 Millionen in erster Linie weibliche Beschäftigte. Letztere sagen, dass ein Lohn in Höhe von 150,- US-Dollar nötig wäre, um über die Runden zu kommen.

Letzten Monat ging die Polizei mit Bambusstäben, Tränengas und Wasserwerfern auf streikende TextilarbeiterInnen los. Auch Kinder, von denen viele illegal in unzähligen der Textilfabriken in und um Dhaka arbeiten, wurden von der Polizei attackiert. Einer Schätzung zu Folge kam es in der ersten Hälfte des Jahres 2010 zu 72 Streiks, bei denen fast 1.000 ArbeiterInnen Verletzungen durch die Polizei erlitten und 45 verhaftet wurden.

Außerdem haben die Arbeitgeber in Bangladesch, die Kleidung für große westliche Marken wie „Marks and Spencer“, „Wal-Mart“ und „H&M;“ produzieren, auch Schlägertrupps angeheuert, um die TextilarbeiterInnen einzuschüchtern.

Der Wert der Textilausfuhren aus Bangladesch ist von nur fünf Milliarden US-Dollar im Jahr 2002 auf heute rund zwölf Milliarden US-Dollar jährlich angestiegen. Das macht achtzig Prozent der Exporteinnahmen Bangladeschs aus und fußt auf niedrigen Lohnkosten, die die Top-Marken aus dem Westen ins Land holen.

Unterdessen setzt die Polizei in Kambodscha Elektroschocker ein, um TextilarbeiterInnen anzugreifen, die sich seit einer Woche bei der von einem malaysischen Besitzer geführten Fabrik „PCCS Garments Ltd“ im Streik befinden. Diese Firma produziert Waren für Marken wie „Adidas“, „Puma“ und „Benetton“. Neun weibliche Beschäftigte wurden dabei verletzt.

Die ArbeiterInnen waren wegen der Entlassung eines Gewerkschaftsvertreters durch die Geschäftsführung aufgebracht und demonstrierten dagegen mit Straßenblockaden in der Hauptstadt Phnom Penh. Die Polizei, ausgestattet mit einer gerichtlichen Verfügung, versuchte daraufhin die Straßen zu räumen und die ArbeiterInnen zurück an ihren Arbeitsplatz zu zwingen.

Gerade die Textilbranche ist berüchtigt für die dort vorherrschenden Niedrigstlöhne und miserablen Arbeitsbedingungen. 2009 setzten die Arbeitgeber 30.000 TextilarbeiterInnen auf die Straße und begründeten dies mit der Rezession in den USA und in Europa, wodurch die Nachfrage nach Waren zurückgegangen sei.

ASDA profitiert von Niedriglöhnen

Vor kurzem erst wurde von der Wohlfahrtsorganisation „ActionAid“ ein belastender Bericht über die „beklagenswerten“ Lohn- und Arbeitsbedingungen der Öffentlichkeit vorgestellt, denen ArbeiterInnen in Fabriken in Bangladesch ausgesetzt sind, welche für die britische Supermarktkette ASDA produzieren. Bei ASDA handelt es sich um eine Tochterfirma des US-amerikanischen Konglomerats „Wal-Mart“, das täglich einen Profit von 45 Millionen britischen Pfund einfährt.

„Wal-Mart / ASDA“ zahlt seinen TextilarbeiterInnen in den Fabriken in Bangladesch durchschnittlich weniger als ein brit. Pfund am Tag. Bei den meisten Beschäftigten handelt es sich um Frauen mit Kindern, die zudem extreme Arbeitszeiten haben.

Laut „ActionAid“ decken Löhne in dieser Höhe nur 25 Prozent der Lebenshaltungskosten, die eine durchschnittliche Mutter in Bangladesch hat. Das Ergebnis ist, dass etliche überarbeitete Frauen kämpfen müssen, um ihre Kinder durchzubekommen. Das heißt, dass die Unternehmensprofite direkt aus den Taschen der ärmsten Menschen dieses Planeten kommen und den Mündern der ärmsten Kinder dieser Welt vorenthalten werden. Der Grund dafür, dass Unternehmen wie ASDA so kostengünstige Kleidung anbieten können liegt darin, dass ihre Kosten auf Grund der Löhne der TextilarbeiterInnen unterhalb der Armutsrate so niedrig sind.

„ASDA behauptet, ein familienfreundlicher Supermarkt zu sein. Ihr Geschäftsmodell hat jedoch eine dunkle Seite. Familien werden in die Armut getrieben, weil die Löhne, die ASDA zahlt, so niedrig sind.“, so der geschäftsführende Sprecher von „ActionAid“.

Dahingegen behauptet ASDA, dass man versucht habe, die Bedingungen ihrer Angestellten auf dem indischen Subkontinent zu verbessern, was folgende Frage aufwirft: Warum wurden sie dann überhaupt so schlecht behandelt? Die Antwort lautet, wie bei kapitalistisch geführten Unternehmen üblich: Profit.

Dave Younger