Leiharbeit abschaffen!

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Gleichen Lohn für gleiche Arbeit erkämpfen


 

Durch die Agenda 2010 wurden mehr und mehr Menschen gezwungen, fast jede Arbeit zu den miesesten Löhnen anzunehmen, da ihnen sonst das Arbeitslosengeld gekürzt wird. Das führte zu einer generellen Ausdehnung des Niedriglohnsektors. In den Jahren 2004 bis 2008 gab es fast eine Verdoppelung der Beschäftigten in Leiharbeit auf 823.000 („stern“ vom 20. August 2009).

von Frank Redelberger, Kassel

Durch die Wirtschaftskrise kam es zu einem Rückgang der Leiharbeit. Das hängt damit zusammen, dass Leiharbeiter zumeist die ersten sind, die entlassen werden, da sie leichter gekündigt werden können.

Leiharbeit macht Schule

Es ist aber davon auszugehen, dass die Unternehmen künftig noch stärker auf Leiharbeit setzen werden, um weniger Lohn zahlen zu müssen – und um flexibler auf Schwankungen der Wirtschaft regieren zu können. Zudem sparen sie sich die Abfindungen gleich mit.

Bei Daimler sind die jüngsten Lohnkürzungen zwar seit 1. Juni beendet. Dafür ließ sich der Gesamtbetriebsrat jedoch verheerender Weise darauf ein, dass die Leiharbeiterquote auf acht Prozent erhöht werden kann. Bisher durften nur insgesamt 2.500 Beschäftigte Leiharbeiter sein, maximal vier Prozent KollegInnen in der Produktion in jedem Werk.

Mehr als jedes dritte bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldete Stellenangebot kommt mittlerweile von einer Leiharbeitsfirma. Die Jobangebote in der Leiharbeit haben sich seit Jahresanfang mehr als verdoppelt, während die Zahl der übrigen Stellen um ein Drittel zulegte.

„Leiharbeit wird leider auch bei unseren Gewerkschaften immer hoffähiger. Allen anderslautenden Erklärungen zum Trotz. So hat der DGB die auslaufenden Tarifverträge mit dem Arbeitgerberverband Zeitarbeit erneuert“ („Alternative“ Stuttgart-Untertürkheim).

Beschäftigte 2. Klasse

Leiharbeiter verdienen durchschnittlich 30 bis 50 Prozent weniger Lohn und haben deutlich weniger Rechte. Nur etwa jeder Zehnte wird von der Firma, die ihn „gemietet“ hat, fest übernommen.

Dadurch werden die Belegschaften untereinander gespalten. Höherer Druck wird somit auch auf die Stammbelegschaften ausgeübt: Denn wer nicht zu Lohnkürzungen und unbezahlten Überstunden bereit ist, soll wissen, dass er in Zukunft durch einen Leiharbeiter ersetzt werden kann.

Der Verdienst jedes fünften Vollzeitbeschäftigten liegt inzwischen unter der offiziellen Niedriglohnschwelle von 9,61 Euro im Westen und 6,81 Euro im Osten. Damit ist der Anteil der Beschäftigten in Billigjobs hier sogar höher als in Großbritannien, und nur noch etwas geringer als in den USA. Über eine Million Beschäftigte in Deutschland müssen ihren Verdienst mit Hartz IV aufstocken.

Wir müssen klarmachen: Leiharbeit kann keine Lösung sein. Verzicht auf Lohn oder unbezahlte Überstunden retten keine Arbeitsplätze. N

Forderungen der SAV:

– Verbot von Leiharbeit

– Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – in Ost und West, für Frau und Mann, für Deutsche und MigrantInnen

– Sofortige Einführung eines Mindestlohns von zehn Euro pro Stunde als erster Schritt zu einem Mindestlohn von zwölf Euro pro Stunde

– Einführung der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich

– Gewerkschaftlicher Kampf für den Ausschluss von Leiharbeit und die Verhinderung des Einsatzes von KollegInnen unter dem Tarifniveau für die Stammbelegschaften durch die Tarifverträge. Ein Betrieb – eine Belegschaft!