Marx hat Recht

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„Eine Revolution ist nötig, um den ganzen Dreck vom Hals zu schaffen“


 

(Karl Marx und Friedrich Engels in „Die deutsche Ideologie“)

„Die moderne bürgerliche Gesellschaft, die so gewaltige Produktions- und Verkehrsmittel hervorgezaubert hat, gleicht dem Hexenmeister, der die unterirdischen Gewalten nicht mehr zu beherrschen vermag, die er heraufbeschwor“, heißt es im „Kommunistischen Manifest“. Und weiter: „In den Krisen bricht eine gesellschaftliche Epidemie aus, welche allen früheren Epochen als ein Widersinn erschienen wäre – die Epidemie der Überproduktion. Die Gesellschaft findet sich plötzlich in einen Zustand momentaner Barbarei zurückversetzt.“ Vor 160 Jahren formuliert, passen diese Worte – angesichts des momentanen Zustands des Weltkapitalismus – wie die Faust aufs Auge. Die Ideen von Karl Marx – und Friedrich Engels – sind heute, auch 125 Jahre nach Marx’ Tod, dem ganzen Gelaber der bürgerlichen Ökonomen und Politiker haushoch überlegen.

von Gaetan Kayitare und Norbert Lütz, Aachen

Es gehört nun zum guten Ton, in Talkshows mit Zitaten von Marx zu jonglieren oder bloß seinen Namen zu erwähnen, um wissenschaftlich oder kenntnisreich zu erscheinen. Selbst die erzkonservative Frankfurter Allgemeine Zeitung titelt bezogen auf die Wirtschaftskrise: „Marx hat Recht“. Und die Frankfurter Rundschau urteilt: „Marx hat Hochkonjunktur“. Die Berliner Zeitung stuft Marx’ „Kapital“ als Bestseller ein. Der Verleger dieses Werkes freut sich darüber, dass alle „Kapital“-Bände zwischenzeitlich ausverkauft waren.

Bei so viel Lob wollte der Münchner Erzbischof Reinhard Marx nicht zurückstehen und empfahl, Marx’ Analyse ernst zu nehmen: „Die Globalisierung hat Marx schon als Globalisierung des Kapitals erkannt“ (Spiegel Online vom 25. Oktober). Wo der Erzbischof Recht hat, hat er Recht. Es lohnt sich, Marx zu lesen, um die heutige Internationalisierung von Produktion und Handel zu begreifen: „Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz für ihre Produkte jagt die Bourgeoisie [Kapitalistenklasse] über die ganze Erdkugel. Überall muss sie sich einnisten, überall anbauen, überall Verbindungen herstellen. – Die Bourgeoisie hat durch ihre Exploitation [Ausbeutung] des Weltmarkts die Produktion und Konsumption aller Länder kosmopolitisch gestaltet. Sie hat zum großen Bedauern der Reaktionäre den nationalen Boden der Industrie unter den Füßen weggezogen. Die uralten nationalen Industrien sind vernichtet worden und werden noch täglich vernichtet. Sie werden verdrängt durch neue Industrien, deren Einführung eine Lebensfrage für alle zivilisierten Nationen wird, durch Industrien, die nicht mehr einheimische Rohstoffe, sondern den entlegensten Zonen angehörige Rohstoffe verarbeiten und deren Fabrikate nicht nur im Lande selbst, sondern in allen Weltteilen zugleich verbraucht werden“ („Kommunistisches Manifest“).

Viele Konservative oder sonstige Scharlatane, die nun meinen, auf Marx Bezug nehmen zu müssen, wollen sicherlich nur mit etwas Wissenschaftlichkeit prahlen oder den Eindruck erwecken, sie verstünden was von Wirtschaft. Vor allem Jugendliche aber, die sich das „Kapital“ besorgen, wollen sich Rat holen, wie man einen Ausweg aus der Hölle des Kapitalismus finden kann.

Wissenschaftlicher Sozialismus

Wie kann es sein, dass Karl Marx, der im letzten Mai 190 Jahre alt geworden wäre, die heutige politische und ökonomische Krise besser erklärt als alle bürgerlichen „Experten“?

Marx und Engels, die gemeinsam das „Kommunistische Manifest“ verfasst haben und als Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus gelten, waren zweifellos geniale Köpfe, aber keine Hellseher. Sie haben sich sowohl intensiv mit der ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklung beschäftigt und festgestellt, dass es – ähnlich wie in der Natur – auch hier und beim Übergang von einer Gesellschaftsordnung zur nächsten Entwicklungsgesetze gibt. Zudem haben sie erkannt, dass die Entwicklung der Produktivkräfte (Produktionsmittel und menschliche Arbeitstätigkeit) die treibende Kraft ist.

Marx und Engels haben das Wesen des Kapitalismus penibel analysiert. Damals steckte dieses System noch in den Kinderschuhen, aber die beiden konnten genau schlussfolgern, was daraus wird – genauso wie ein Tierpfleger weiß, was aus einem süßen Löwenbaby einmal wird.

Funktionsweise des Kapitalismus

Marx hat die kapitalistische Gesellschaft unter die Lupe genommen und Verborgenes offengelegt. Die kapitalistische Produktion basiert auf Ausbeutung, auf der Aneignung unbezahlter Arbeit (der Differenz zwischen dem an die ArbeiterInnen zu bezahlenden Wert der Ware Arbeitskraft und dem dafür erhaltenen Wert der von diesen ArbeiterInnen erbrachten Arbeit [dies ist die korrigierte Version – im Artikel in der Solidarität – Sozialistische Zeitung hatte sich an dieser Stelle ein Fehler eingeschlichen]) durch die Besitzer der Produktionsmittel (Fabriken, Maschinen, Rohstoffe).

Die Triebkraft, das Ziel der Produktion im Kapitalismus, ist nicht die Befriedigung gesellschaftlicher Bedürfnisse, die Verbesserung der Lebensverhältnisse der Mehrheit, sondern die Maximierung des Profits einer kleinen Minderheit. Sinkt der Profit oder bleibt er aus, weil die Kapitalisten ihre Produkte nicht absetzen können, dann stehen Massenentlassungen und Betriebsschließungen an – wie wir sie in diesen Tagen erleben.

Sagenhafte Reichtümer für einige Wenige setzen unsagbare Armut für Millionen voraus. Während zehn Millionen Superreiche heute ein Vermögen von 40 Billionen Dollar besitzen (das entspricht 40 Prozent des gesamten privaten Geldvermögens auf Erden), muss eine Millarde Menschen von einem Dollar am Tag leben.

Der Marxismus erklärt diese Zusammenhänge. Zugleich ist er aber auch eine Anleitung zum Handeln, um die Welt zu verändern, den Kapitalismus abzuschaffen und den Weg frei machen für eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Armut.

Enteignung der Kapitalisten

Marx und Engels machten den Hauptwiderspruch der kapitalistischen Gesellschaft in der privaten Aneignung bei gleichzeitiger gesellschaftlicher Produktion aus: ArbeiterInnen stellen in gemeinsamer Arbeit ein Produkt her, das sich vom privaten Eigentümer der Unternehmen unter den Nagel gerissen wird – die individuelle Produktion aus der Feudalzeit ist weitgehend überwunden. Die Enteignung der Kapitalisten, sprich die Überführung der Produktionsmittel in Gemeineigentum, ist eine zentrale Forderung sozialistischer Politik. Wenn die großen Auto- und Chemiekonzerne heute laut darüber nachdenken, im großen Stil Stellen zu streichen und ganze Werke dicht zu machen, dann werden sie mit einer anderen Besteuerung von Millionären zum Beispiel davon nicht abzubringen sein.

Es ist natürlich klar, dass die Kapitalisten heute wie damals gegen die Enteignung der Banken und Konzerne Sturm laufen: „Ihr entsetzt Euch darüber, dass wir das Privateigentum aufheben wollen. Aber in Eurer bestehenden Gesellschaft ist das Privateigentum für neun Zehntel ihrer Mitglieder aufgehoben, es existiert gerade dadurch, dass es für neun Zehntel nicht existiert. Ihr werft uns also vor, dass wir ein Eigentum aufheben wollen, welches die Eigentumslosigkeit der ungeheuren Mehrzahl der Gesellschaft als notwendige Bedingung voraussetzt. (…) Der Kommunismus nimmt keinem die Macht, sich gesellschaftliche Produkte anzueignen, er nimmt nur die Macht, sich durch diese Aneignung fremde Arbeit zu unterjochen.

Man hat eingewendet, mit der Aufhebung des Privateigentums werde alle Tätigkeit aufhören und eine allgemeine Faulheit einreißen. Hiernach müsste die bürgerliche Gesellschaft längst an der Trägheit zugrunde gegangen sein; denn die, die in ihr arbeiten, erwerben nicht, und die, die in ihr erwerben, arbeiten nicht” („Kommunistisches Manifest”).

Rolle des Marxismus in der Arbeiterbewegung

Nach dem Erscheinen des „Kommunistischen Manifestes“ gelang dem wissenschaftlichen Sozialismus – trotz anfänglicher Hindernisse – ein enormer Aufschwung in der organisierten Arbeiterklasse. Auf die Niederlage der europäischen Revolution von 1848 (dem Erscheinungsjahr des „Kommunistischen Manifestes“) folgten zunächst Rückschläge, aber Marx und Engels arbeiteten hart an der Stärkung sozialistischer Ideen.

Beiden war klar, dass sich die Arbeiterklasse – international – organisieren muss. Der Bund der Kommunisten, in dessen Auftrag das „Kommunistische Manifest“ geschrieben wurde, bestand aus einer Handvoll Revolutionäre aus verschiedenen Ländern. Marx und Engels spielten auch bei der Gründung der I. Internationale 1864 die entscheidende Rolle. Darin waren nicht nur Sozialisten, sondern auch Anarchisten, Reformisten, alles, was beanspruchte, für die Interessen der Arbeiterklasse einzustehen, vertreten. Das größte Verdienst der I. Internationale bestand in der Klärung von Ideen, Programmen und Methoden. In diesen Auseinandersetzungen zeigte sich die Überlegenheit des wissenschaftlichen Sozialismus. Im Anschluss an die Niederlage der Pariser Kommune 1871 (einem ersten Versuch von ArbeiterInnen, die Macht zu ergreifen) wurde die I. Internationale 1876 aufgelöst. Erst mit der zahlenmäßigen Erstarkung der Arbeiterklasse, durch die industrielle Revolution in mehr und mehr Ländern, setzte sich der Marxismus in der Arbeiterbewegung durch.

Vor ihrem Tod gingen Marx und Engels davon aus, dass sich der wissenschaftliche Sozialismus als Hauptkraft in der Bewegung etabliert hätte. Ihnen war zwar die bremsende Rolle der Arbeiteraristokratie, dem „bestbezahlten Teil der Arbeiterklasse” (Marx) bewusst, hätten sich aber nicht die reformistische Entartung der Sozialdemokratie bis zur heutigen kompletten Verbürgerlichung vorstellen können; noch weniger die Stalinisierung und ihre massive Diskreditierung des Sozialismus.

Krisenhaftes System

Die Vertreter und Verteidiger des Kapitalismus sagen uns immer, dass Krisen nur Folgen von Fehlverhalten Einzelner oder von politischen Ereignissen sein können: Jetzt soll angeblich die Gier der Banker die Ursache für die dramatischste Krise seit 80 Jahren sein.

Spekulationen und Bankenkrisen haben in der Tat einen erschreckenden Umfang angenommen, sind aber alles andere als neu: „Daneben aber stellt auch eine ungeheure Masse dieser Wechsel bloße Schwindelgeschäfte vor, die jetzt ans Tageslicht kommen und platzen; ferner mit fremdem Kapital getriebene, aber verunglückte Spekulationen” („Das Kapital”, III. Band).

Krisen sind so alt wie der Kapitalismus selber. Seit mehr als 250 Jahren kommt es immer wieder zu Krisen. Bis zum 19. Jahrhundert waren viele politisch hervorgerufen. Im Zuge der Verallgemeinerung der kapitalistischen Produktion setzte sich im 19. Jahrhundert ein kapitalistischer Krisenzyklus durch.

Marx arbeitete heraus, dass diese Krisen aus den dem System innewohnenden Widersprüchen resultieren. Der Grundwiderspruch bleibt die gesellschaftliche Produktions- und die private Aneignungsweise. Solange eine kleine Minderheit über die Produktion bestimmt und nur auf die gewinnbringende Verwertung von Kapital aus ist, solange wird ein erbitterter Konkurrenzkampf toben. Und solange Konzerne (und Nationalstaaten) um Absatzmärkte konkurrieren, solange werden Krisen ausbrechen – Krisen wegen Überproduktion beziehungsweise Überkapazitäten.

Trotz milliardenschwerer Rettungspakete für die Banken in den letzten Wochen, droht heute die tiefste und wahrscheinlich längste Rezession der Nachkriegszeit. Im III. Band vom „Kapital“ heißt es auch schon zu Recht: „Unwissende und verkehrte Bankgesetzgebung, wie die von 1844/45, kann diese Geldkrise erschweren. Aber keine Art Bankgesetzgebung kann die Krise beseitigen.“ Die heutigen Rettungspakete von Angela Merkel und anderen werden vor allem die Reichen stützen, damit sie ihren Spekulationsgeschäften weiter nachgehen können. Der Staat zeigt hier deutlich, dass er nicht neutral, sondern der Staat der Kapitaleigner ist. Unternehmern und Bankenchefs, die jahrelang Millionen in ihre Taschen gesteckt haben und mit ihren Unternehmen jetzt in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind, bekommen von den Regierungen nötige Gelder zugeschoben. Diese Milliardengeschenke an die oberen Zehntausend steigern die Staatschulden. Und wer soll dafür aufkommen? Die Folgen sollen natürlich der Arbeiterklasse aufgebürdet werden. Da immer mehr Beschäftigte aufgrund der Kürzungspolitik der letzten Jahre immer weniger der produzierten Waren kaufen können, wird das mit dazu beitragen, die nächste Krise vorzubereiten.

Um nochmal das „Kommunistische Manifest“ zu bemühen: „Wodurch überwindet die Bourgeoisie die Krisen? Dadurch, dass sie allseitigere und gewaltigere Krisen vorbereitet und die Mittel, den Krisen vorzubeugen, vermindert.”

Kapitalismus ist nicht reformierbar

Die Frühsozialisten, die utopischen Sozialisten Ende des 18. beziehungsweise Anfang des 19. Jahrhunderts – wie Babeuf, Owen oder Saint Simon –, leiteten den Sozialismus vom Anspruch auf eine gerechtere Gesellschaft ab. Angeekelt vom Elend der einfachen Leute zu Beginn der kapitalistischen Entwicklung setzten sie sich Gerechtigkeit und Gleichheit zum Ziel, ohne die Gesetze des Kapitalismus ausreichend zu untersuchen.

Im „Elend der Philosophie“ erklärte Karl Marx: „Eine unterdrückte Klasse ist die Lebensbedingung jeder auf dem Klassengegensatz begründeten Gesellschaft“. Eine Frau Schaeffler, die allein fünf Milliarden Euro Vermögen angehäuft hat, und gerade Continental übernehmen will, weiß sehr gut, dass ihre Interessen im Widerspruch zu den Interessen der großen Mehrheit stehen und die kleine, steinreiche Minderheit, der sie angehört, deshalb einen entsprechenden Unterdrückungsapparat benötigt. Für Marx und Engels war zentral, dass eine Versöhnung zwischen den Klassen, ein systemimmanenter, reformistischer Ansatz – wie von einzelnen Frühsozialisten vertreten – Wunschdenken ist.

Marx und Engels erkannten, dass es die Entwicklung der Produktivkräfte ist, die erst eine Gesellschaft ohne Not und Elend möglich macht. Die Produktivkräfte sind heute längst weit genug entwickelt für den Übergang zum Sozialismus und drängen nach Enteignung und Entmachtung des Kapitals. In dem Maße, in dem sich der Kapitalismus entwickelt und ausgedehnt hat, vergrößerte er auch das Heer der Lohnabhängigen, die Arbeiterklasse. Damit schafft er sich – in den Worten von Marx und Engels – seine eigenen „Totengräber“!

Gewerkschaften

Zur Zeit des „Kommunistischen Manifestes“ war die Arbeiterklasse auf Weltebene noch eine verschwindende Minderheit. Dennoch erkannten Marx und Engels in der Arbeiterklasse die kommende revolutionäre Klasse. Schließlich sind es nicht die Unternehmer in ihren Chefetagen, sondern die abhängig Beschäftigten, die allein neue Werte schaffen und den ganzen gesellchaftlichen Reichtum erzeugen. Damals wie heute gilt der Satz der Arbeiterbewegung: „Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will.“

Marx und Engels befassten sich auch mit dem Aufbau der Gewerkschaften und begrüßten diese als Mittel zur Stärkung des Klassenkampfes. „Jeder Kampf Klasse gegen Klasse“ (Engels), ob für Lohnerhöhung oder für kürzere Arbeitszeiten, ist – wie Marx und Engels schon im „Manifest“ korrekt analysierten – ein politischer Kampf. Ein Kampf, der nur konsequent geführt werden kann, wenn die Gewerkschaften ihn nicht als ein Ritual begreifen, sondern ihn mit einer Perspektive der Überwindung des Kapitalismus verbinden.

Heute stellt die Arbeiterklasse die Mehrheit der Bevölkerung und ist in jedem Land der Welt die potenziell stärkste Kraft. Sie könnte – wenn sie organisiert vorgeht – alles lahmlegen und ganze Regierungen stürzen. Voraussetzung ist aber, dass sie sich nicht spalten lässt. Die Spaltungsversuche der Kapitalisten sind heutzutage noch niederträchtiger als zur Zeit von Marx. Es wird gespalten zwischen ArbeiterInnen, Angestellten und BeamtInnen, zwischen den Standorten, zwischen Mann und Frau, zwischen den Nationalitäten und so weiter.

Massenparteien mit sozialistischem Programm aufbauen

Für Marx und Engels war das herausragende Ergebnis des gewerkschaftlichen Kampfes die Einsicht der Arbeiterklasse, dass sie die Fähigkeit besitzt, der Gesellschaft ihren eigenen Stempel aufzudrücken, zu bestimmen, was geschieht. Allerdings sind Gewerkschaften – auch ohne die bremsende Wirkung der Bürokratie – allein nicht im Stande, die Herrschaft des Kapitals zu beenden. Dafür muss in jedem Land eine Partei aufgebaut werden, die in der Arbeiterklasse stark verankert ist, Gegenwehr und Massenkampagnen organisiert und ein klares sozialistisches Programm vertritt. Eine solche Partei muss sich das Ziel auf die Fahnen schreiben, die Konzernherrschaft zu Fall zu bringen und eine sozialistische Demokratie zu erkämpfen: „Weil die herrschende Klasse nicht anders gestürzt werden kann, sondern auch, weil die stürzende Klasse nur in einer Revolution dahin kommen kann, sich den ganzen alten Dreck vom Halse zu schaffen und zu einer neuen Begründung der Gesellschaft befähigt zu werden” (Marx/Engels, „Die Deutsche Ideologie”).

Der Rechtsruck und die Verbürgerlichung der ehemaligen „Arbeiterparteien“, in Deutschland die SPD, haben massiv dazu beigetragen, das Bewusstsein zurückzuwerfen. Mit dem Widerstand gegen die neoliberale Politik der letzten Jahre wurde aber auch die Frage vom Aufbau von neuen politischen Interessenvertretungen auf die Tagesordnung gesetzt. Die aktuelle Weltwirtschaftskrise wird diesen Prozess verstärken. Rückblickend wird die heutige Periode als der Beginn einer mächtigen Wiederbelebung des Marxismus in der Arbeiterbewegung gesehen werden.

Die Partei DIE LINKE könnte eine treibende Kraft in diesem Prozess sein. Sie muss aber aufhören, auf eine Integration in dieses System zu setzen und stattdessen den Staat als Herrschaftsinstrument der Kapitalisten begreifen. Die Führung der LINKEN darf sich nicht an Regierungen mit bürgerlichen Kräften wie SPD oder Grünen beteiligen.

„In dem Maß, wie der Fortschritt der modernen Industrie den Klassengegensatz zwischen Kapital und Arbeit entwickelte, erweiterte, vertiefte, in demselben Maß erhielt die Staatsmacht mehr und mehr den Charakter einer öffentlichen Gewalt zur Unterdrückung der Arbeiterklasse, einer Maschine der Klassenherrschaft “ (Marx, „Der Bürgerkrieg in Frankreich”). Zu dieser Erkenntnis gehört auch, dass Regierungen mit Bürgerlichen, Regierungen, die im Rahmen des kapitalistischen Systems bleiben, nichts anderes als „Ausschüsse“ zur Regelung der Geschäfte der Kapitalisten sind. Was eine solche Regierungspolitik bedeutet, selbst wenn sie als „Rot-Rot” bezeichnet wird, sehen wir Tag für Tag in Berlin mit der Beteiligung der LINKEN am SPD-geführten Senat.

Die Ideen von Marx sind nicht nur brandaktuell. Es ist dringender denn je, die Kräfte des revolutionären Sozialismus, des Marxismus aufzubauen – um dem Ziel näher zu kommen, den Kapitalismus dorthin zu befördern, wo seine Vorgänger, Sklavenhaltergesellschaft und Feudalherrschaft, schon gelandet sind: auf der Müllhalde der Geschichte. „Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen. Proletarier aller Länder, vereinigt euch!”