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Bildungsproteste auf Italienisch

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SchülerInnen, Studierende und Beschäftigte gemeinsam im Ausstand


 

Seit Wochen wird in Schulen, Universitäten und Betrieben Sturm gelaufen gegen das von Regierungschef Silvio Berlusconi geschnürte Kürzungspaket.

von Michael Koschitzki, Berlin

In den Sommerferien wurde der Rotstift gezückt. Insgesamt sollen 15 Milliarden Euro im öffentlichen Sektor eingespart werden – acht Milliarden allein im Bildungsbereich.

Wenn diese Pläne nicht gestoppt werden, bedeutet das den Wegfall von 80.000 Lehrerstellen und weiteren 43.000 Stellen bei Verwaltung und Technik.

Am Freitag, dem 17. Oktober fanden – von kleineren Gewerkschaften und Schüler- sowie Studierendenverbänden initiierte – Streikaktionen statt. Ohne Aufruf des Gewerkschaftsdachverbandes beteiligten sich zwei Millionen an Arbeitsniederlegungen. Allein in Rom gingen 300.000 Menschen auf die Straße, in Mailand waren es 50.000. Dem strömenden Regen trotzend legten sie den öffentlichen Verkehr lahm.

Grundschule Arrivederci?

Besonders die Grundschulen sind von den Angriffen betroffen. Pro Klasse soll es nur noch eine Lehrkraft geben, die, ohne dafür ausgebildet zu sein, alle Fächer unterrichten soll. Geplant ist zudem, Ganztagsschulen zu schließen. Viele Eltern wären dann gezwungen, entweder ihren Vollzeitjob aufzugeben oder eine teure Kinderbetreuung anzuheuern beziehungsweise ihre Kinder auf – meist katholische – Privatschulen zu schicken.

Die Protestwelle erfasste Kindergärten, Grund- und Oberschulen. Vielerorts kam es zu Sitzblockaden und sogar zu Besetzungen von Einrichtungen.

Kopfnoten

Mit dem Ziel, SchülerInnen einzuschüchtern und zu disziplinieren, sehen die Regierungspläne die Rückkehr zu Verhaltensnoten vor. Damit kombiniert soll Staatsbürgerkunde als Pflichtfach eingeführt werden. SchülerInnen sollen sich nicht zu kritischen Menschen entwickeln, sondern auf Linie gebracht werden. Dagegen wird für den 14. November ein italienweiter Schülerstreik angestrebt.

Noch sind auch die italienischen Studierenden kritisch genug, um seit Wochen die Universitäten in Bologna, Genua, Mailand, Turin, Neapel und Rom besetzt zu halten. Damit wehren sie sich gegen Kürzungen von 445 Millionen Euro an den Fakultäten.

Generalstreik als nächster Schritt?

Die italienische Schwesterorganisation der SAV, Lotta, macht sich in der Bewegung für die Forderung nach einem Generalstreik stark. Damit könnten über die bisherigen Proteste hinaus Schüler-Innen, Studierende, Eltern und Beschäftigte sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor an einem Tag zusammen gebracht werden, ihre eigene Stärke erfahren und das Land 24 Stunden lahm legen.