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Fahrpersonal heizt dem Bahn-Vorstand ein

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Berliner Kollegen ergreifen Initiativen für öffentlichkeitswirksame Aktionen im Streik


 

Die Art, wie ein Streik organisiert wird, ist zentral für seinen Erfolg. Entscheidend sind auch die Aktionen während des Streiks. Nachdem anfangs Streikende durch Sicherheitskräfte von den Bahnhöfen vertrieben worden waren, lautete die Anweisung der GDL-Streikleitungen zunächst, in den Meldestellen zu bleiben. Doch viele KollegInnen wollten an die Öffentlichkeit. In Berlin wurden auf Initiative von unten mehrere erfolgreiche Aktionen durchgeführt.

von Angelika Teweleit, Berlin

So entschieden die streikenden S-Bahner am 15. November, dem ersten Morgen des Vollstreiks, vor dem Hauptbahnhof zusammen zu kommen und von da aus zum Bahn-Tower zu ziehen. Die Spontankundgebung mit 100 TeilnehmerInnen war ein voller Erfolg (eine Film-Dokumentation findet sich unter www. bahnstreik-soli.de). Die Rede des Ortsgruppen-Vorsitzenden der S-Bahn, Ernico Forchheim, wurde mit anfeuernden Zwischenrufen und Beifall bedacht, so dass die Stimmung immer kämpferischer wurde. Beiträge von Lucy Redler für die Berliner Alternative für Solidarität und Gegenwehr (BASG), Michael Koschitzki für die SAV, Carsten Becker als ver.di-Aktivist an der Charite wurden ebenfalls begeistert aufgenommen.

Der einzige Wermutstropfen war die geringere Beteiligung von KollgeInnen des Fern-, Güter- und Regioverkehrs. Das Problem war, dass verschiedene Ortsgruppen an unterschiedlichen Orten verstreut waren. Um dies zu ändern, entschlossen sich einige KollegInnen, ein Streikkomitee zu bilden. Dadurch sollen diese Schwächen überwunden werden. Eine Idee dieses Komitees besteht darin, schon am ersten Streiktag alle Mitglieder an einem zentralen Ort zusammen zu bringen. Der Bezirksvorstand ist dem Vorschlag gegenüber offen. Die KollegInnen vom Komitee schlagen weiter vor, auf täglicher Basis Versammlungen aller Streikenden zu organisieren. Hier könnte dann zunächst informiert und diskutiert werden – zum Beispiel über ein Angebot oder über Vorschläge der Streikleitung. Im Anschluss an eine Versammlung könnten dann wieder Aktionen stehen – um so den Streik öffentlichkeitswirksam weiterzuführen und den Druck zu erhöhen.

Damit haben die AktivistInnen schon jetzt enorm viel Erfahrungen sammeln können. Alle Beteiligten sagen, sie haben noch nie so viel in so kurzer Zeit erlebt und gelernt. Das gilt auch für KollegInnen in anderen Städten, wo Aktionen stattfanden.

Angelika Teweleit ist Mitglied der SAV-Bundesleitung