Home / Themen / Bewegungen & Proteste / Antikapitalistische Bewegung / G8-Aktion: Kein Hotel für Umweltzerstörer, Kriegstreiber, Jobkiller!

G8-Aktion: Kein Hotel für Umweltzerstörer, Kriegstreiber, Jobkiller!

Print Friendly, PDF & Email

Am Samstag, den 21. April, statteten wir dem Besitzer des G8-Hotels in Heiligendamm einen Besuch ab. Jagdfeld, dem Hauptbesitzer, gehören neben dem G8-Hotel auch andere Luxus-Hotels, wie das Hotel Adlon in Berlin oder der Quellenhof in Aachen. Am Samstag zogen wir vor seine Villa in Aachen und trugen unsere Forderungen vor.
 

von Christian Walter

Mit einer kleinen Gruppe von AktivistInnen zogen wir in einem Demonstrationszug etwa 2 km zu seiner Villa. Dort hielten wir eine Kundgebung ab und trugen ein kleines Theaterstück vor. Dabei ging es darum, die Lage der, vor allem von den G8-Staaten ausgebeuteten, Arbeiterklasse zu verdeutlichen.

Ein Aktivist spielte Murat Kurnaz, der unter falschem Verdacht wegen seines Glaubens und seines Aussehens jahrelang im US-Gefängnis Guantanamo festgehalten und misshandelt wurde. Ein anderer stellte einen Iraker dar, der infolge des Irak-Krieges gefoltert wurde.

Im Vorfeld der Aktion hatten wir Herrn Jagdfeld einen offenen Brief geschickt, in dem wir ihn dazu aufforderten, die G8 aus seinem Hotel wieder auszuladen und das Hotel kostenlos den GipfelgegnerInnen für einen Gegengipfel zur Verfügung zu stellen.

So hatten wir beispielsweise ein Transparent mit der Forderung "Herr Jagdfeld: verweigern sie den G8 ihr Hotel!" und dem Slogan "G8 = Umweltzerstörer, Kriegstreiber, Jobkiller – Stop G8!". Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen und bessere Öffentlichkeit für diese Ideen zu bekommen (Presse etc.), zogen wir vor seine Villa.

Nach dem Theaterstück verlas Marc Treude, WASG-Ratsherr und SAV-Mitglied, noch einmal den offenen Brief mit den Forderungen. Jagdfeld ließ sich während der ganzen Aktion nicht blicken, vermutlich war er gar nicht da. Begleitet wurde die Aktion von einem vollkommen überzogenen Polizeiaufgebot; für jedeN AktivistIn war mehr als einE PolizistIn vor Ort.

Auch wenn Jagdfeld vermutlich nur müde lächeln wird, so war es dennoch eine gute Aktion, denn durch die folgenden Zeitungsartikel haben wir unsere Positionen und Ideen in der Bevölkerung ein Stück weiter gebracht. Immer mehr Menschen wollen etwas gegen die verbrecherische Politik der G8 machen, einige werden unsere Akzion als Aufforderung verstehen, sich weiter zu informieren und zu engagieren.

Ein weiterer Schritt ist die Veranstaltungsreihe mit Jesse Lessinger aus den USA, bei der es vor allem um Anti-Kriegsproteste in den USA geht.

Hier wird noch einmal der offene Brief dokumentiert:

Sehr geehrter Herr Jagdfeld,

Vom 6. Juni bis zum 8. Juni wird in Ihrem "Grandhotel Heiligendamm" der G8-Gipfel tagen.

Wie sie sicher wissen, wurde die Gruppe der Acht (G8) 1975 als G6 gegründet und hielt jährlich ihre "Weltwirtschaftsgipfel" ab. Später stieß Kanada, nach dem Zusammenbruch des Stalinismus auch Russland dazu. Die Politik blieb dieselbe. Bis heute verfolgen die G8 die Interessen der Superreichen und weltweit agierenden Konzerne, wie folgende Fakten belegen: So leben in den G8-Staaten nur 13,5% der Menschheit, jedoch konzentriert sich dort 50% des Welthandels und der weltweiten Wirtschaftsleistung. Ausserdem findet dort 80% der weltweiten Wirtschaftsproduktion statt. Auf jedem G8-Gipfel werden wohl klingende Themen diskutiert: So sollte die Armut bekämpft werden, die Abrüstung vorangetrieben werden oder der Umweltzerstörung Einhalt geboten werden. Doch das ist nichts weiter als Maskerade. Keiner dieser Ziele wurden oder werden ernsthaft verfolgt.

Denn Fakt ist: 1970 hat die UNO gefordert, jedes Land solle 0,7% ihres Bruttoinlandproduktes für Entwicklungshilfe ausgeben. Kein G8-Land hat dieses Ziel auch nur annähernd erreicht. 1997 wurde das Klimaschutzabkommen von Kyoto – das sogenannte Kyoto-Protokoll – verabschiedet. Seitdem hat kein G8-Land seinen CO2- Ausstoss nennenswert verringert, die USA haben das Kyoto-Protokoll noch nicht einmal unterschrieben. Dabei sind die G8 immerhin für 45% des weltweiten CO2- Ausstosses verantwortlich. Spätestens seit dem Irak-Krieg und der "Umstrukturierung" der deutschen Bundeswehr glaubt kein Mensch mehr, dass Abrüstung im Interesse der Machthaber ist.

Es ist Vorsatz, wenn die Mächtigen dieser Welt (an deren Spitze die G8 Staaten) im Jahr 2006 1 Milliarde Dollar weltweit für Rüstung ausgeben und gleichzeitig die nötigen 450 Millionen Dollar im Kampf gegen Hunger verweigern. All diese Tatsachen zeigen: die G8 haben kein Interesse an Beendigung von Armut, Krieg und Klimakatastrophe! Sie kennen nur das Streben nach Profit.

Immer mehr der von der Politik der G8 Betroffene wehren sich gegen Neoliberalismus und Kriegstreiberei. Hunderttausend werden im Sommer nach Heiligendamm kommen um gegen die Politik der G8 zu demonstrieren und den Versuch machen den G8 Gipfel zu verhindern. Auch ein meterhoher und 12,5 Millionen (aus öffentlichen Steuergeldern bezahlter) teuer Stacheldraht – Zaun um das Areal in Heiligendamm wird die Protestierenden nicht aufhalten ihre Wut in friedlichen Demonstration zu zeigen.

Im Interesse der Protestierenden fordern wir sie auf:

– Laden sie die G8 wieder aus Ihrem Hotel aus! Stellen Sie diesen Verbrechern nicht Ihr Hotel zur Verfügung!

– Stellen Sie stattdessen Ihr Hotel kostenlos TeilnehmerInnen der Anti-G8 Konferenz und der Anti-G8 Proteste zur Verfügung.

Wir – TeilnehmerInnen an den Protesten gegen die G8 – würden gerne persönlich mit Ihnen darüber sprechen. Dazu werden wir am 21. April um 15.00 Uhr zu ihrer Villa am Heidweg in Aachen kommen. Bitte schicken Sie eine Rückantwort an:

Marc Treude c/o SAV Aachen, Eifelstrasse 13, 52068 Aachen

Wir verbleiben

Mit erwartungsvollen Grüssen

Marc Treude

Als Stadtrat für die WASG Aachen und i.A. des Stadtverband der Sozialistischen Alternative – SAV Aachen