Home / Themen / Wirtschaft / Wirtschaft & Konjunktur allgemein / Die US-Wirtschaft: Der Motor stockt

Die US-Wirtschaft: Der Motor stockt

Print Friendly, PDF & Email

Zur Situation der US-Wirtschaft und den Auswirkungen auf die Weltwirtschaft
 
W?hrend der Pr?sidentschaftswahl lenkte Bush die Aufmerksamkeit von der US-Wirtschaft ab. Aber das reichste, m?chtigste Land der Welt ist auch ihr gr??ter Schuldner, und sein Wirtschaftswachstum verlangsamt sich. Der Artikel untersucht die ablaufenden Prozesse und die j?ngsten Entwicklungen in der US- und Weltwirtschaft.

von Lynn Walsh, Komitee f?r eine Arbeiterinternationale

Die vor sich hin d?mpelnde Weltwirtschaft wird von zwei miteinander verbundenen Lokomotiven gezogen. Dabei ist der US-Kapitalismus an der Spitze des Zuges und China eine entscheidende Hilfslokomotive. Die USA sorgen f?r massive Verbrauchernachfrage, w?hrend China einen wachsenden Teil der Industrieg?ter herstellt. Das US-Wachstum wird aber von riesigen Kapitalzufl?ssen aus dem Rest der Welt angeheizt. In den letzten Jahren hat der US-Kapitalismus achtzig Prozent der Ersparnis?bersch?sse der Welt aufgenommen. Das sind Mittel, die zur Entwicklung der Wirtschaft ihrer Herkunftsl?nder h?tten verwendet werden k?nnen. Der US-Verbrauch h?ngt ab von einer ph?nomenalen Verschuldung nach au?en und innen, die (f?r die USA) historisch beispiellos ist. Diese Schulden sind auf der Grundlage niedriger Zinsen angeschwollen, die durch das Hereinfluten von Kapital m?glich wurden. Zwischen 1995 und 2003 betrug das Wachstum des US-Verbrauchs durchschnittlich real 3,9 Prozent pro Jahr: Fast doppelt so hoch wie das Wachstum von 2,2 Prozent pro Jahr, das f?r die anderen fortgeschrittenen kapitalistischen L?nder in der selben Periode typisch war.
Das st?ndig steigende Niveau der US-Schulden, das sich in den ?Zwillingsdefiziten? (Zahlungsbilanz und Bundeshaushalt) ausdr?ckt, l?sst sich nicht dauerhaft aufrecht erhalten. Gleichzeitig haben der galoppierende Investitionsboom und die Immobilienpreisblase in China, die dessen hohe Wachstumsrate angetrieben haben, ihre Grenzen erreicht.
Zweifellos n?hert sich ein Finanzkrach, der von den emporschnellenden ?lpreisen der letzten Monate angeheizt wird. Eine Wachstumsverlangsamung in den USA wird unvermeidlich eine Wachstumsverlangsamung in China bedeuten. Da die Kombination USA-China das einzige dynamische Element in der Weltwirtschaft seit der Rezession 2001 war, wird ein Abschwung in den USA und China eine Rezession f?r die Weltwirtschaft einl?uten. Ein scharfer Fall im Dollarkurs w?rde zu Ersch?tterungen im Weltw?hrungs- und -handelssystem f?hren. Obendrein erzeugt die Wiederaufnahme der Spekulationst?tigkeit im gro?en Stil, die durch den scharfen Fall der Zinsen nach 2001 ermutigt wurde, zugleich die Gefahr einer Finanzkrise. Die rasende Intervention von Banken und Hedgefonds auf Devisenm?rkten und in letzter Zeit in ?l und anderen Rohstoffen, zeigt das Potential f?r die Destabilisierung der Weltfinanzm?rkte.
Der US-Kapitalismus schaffte es, einen gr??eren Abschwung zu vermeiden, nachdem die Finanzblase 2001 platze, indem er drastisch die Zinsen senkte und schnell ein riesiges Bundeshaushaltsdefizit erzeugte. Diese doppelte Politik durch das Bush-Regime und Alan Greenspans Bundesbank wurde massiv verst?rkt nach den Angriffen vom 11. September, als die herrschende Klasse der USA eine sofortige schwere Krise f?rchtete. Neben massiven Steuernachl?ssen f?r die Reichen und Superreichen, denen sich Bush ohnehin verpflichtet f?hlte, waren niedrige Zinsen und vergr??erte Milit?rausgaben die Haupts?ulen der Wirtschaftsstrategie des Bush-Regimes. Dieser Ansatz beinhaltete unausweichlich eine wachsende Abh?ngigkeit vom Kapitalzufluss aus dem Ausland.
Von Januar 2001 bis Juni 2003 senkte die US-Bundesbank ihre Leitzinsen von 6,5 Prozent auf ein Prozent, die niedrigsten seit 40 Jahren.

Begrenztes Wachstum

Das Wachstum war aber nicht sehr beeindruckend, au?er im Vergleich zur Eurozone und Japan. Das vielgefeierte Emporschnellen auf ein Wachstum des realen Bruttoinlandprodukts (BIP) auf 7,4 Prozent im dritten Quartal 2003 (in dem sich haupts?chlich Bushs Steuernachl?sse ausdr?ckten) setzte sich nicht fort. Das Wachstum im vierten Quartal 2003 war 3,7 Prozent. 2004 war das Quartalswachstum 4,5 Prozent, 3,3 Prozent und 3,7 Prozent. W?hrend Bushs erster Amtsperiode, war das BIP-Wachstum im Durchschnitt 2,7 Prozent, besser als die Bilanz seines Vaters (2,1 Prozent) aber weniger als unter Clinton (3,7 Prozent), Carter (3,3 Prozent) und Reagan (3,4 Prozent). Die gegenw?rtige Erholung nach der Rezession von 2001 ist schw?cher als in den sechs vorangegangenen Konjunkturzyklen. Das Wachstum der Zahl der Arbeitspl?tze ist schw?cher als jemals seit der Gro?en Depression der drei?iger Jahre.
Die Gesamtinvestitionen im Unternehmenssektor (besonders Ausr?stungsinvestitionen) erholten sich 2000 bis 2004, bleiben aber immer noch unter dem Niveau von 2000. Nettoinvestitionen (Kapitalinvestitionen ?ber den Ersatz verschlissener Ausr?stungsg?ter hinaus) aber sind deutliche 60 Prozent niedriger als 2000. Und die verarbeitende Industrie baut weiterhin Arbeitspl?tze ab: mehr als 2,7 Millionen verschwanden seit Januar 2001. Der Informationssektor, der vom Platzen der dot.com-Blase getroffen wurde, hat auch ?ber 500.000 Arbeitspl?tze verloren. Unter Bush entstanden die meisten neuen Arbeitspl?tze in den Bereichen Regierung, Gesundheitswesen und im Gastst?ttengewerbe.
Reall?hne und -geh?lter stiegen im Durchschnitt nur um ein Prozent pro Jahr, im Vergleich zu einem Durchschnitt von vier Prozent im Jahr in fr?heren Erholungen. Die typische Arbeiterfamilie hat einen R?ckgang der Realeinkommen von 1.500 Dollar unter Bush erlitten. L?hne machen den niedrigsten Anteil am BIP seit 1929 aus.
Laut dem Statistischen B?ro der USA stieg 2003 die Zahl der AmerikanerInnen in Armut oder ohne Krankenversicherung das dritte Jahr in Folge. (Washington Post, 27. August) 2003 fielen zus?tzliche 1,3 Millionen Menschen unter die Armutsgrenze. Das brachte die Summe auf 35,9 Millionen (12,5 Prozent), einschlie?lich 12,9 Millionen Kinder. F?nfundvierzig Millionen Menschen haben keine Krankenversicherung. Gleichzeitig haben Bushs Steuersenkungen, Peanuts f?r die Armen und Milliarden f?r die Milliard?re, zur Vergr??erung der Ungleichheit beigetragen, die jetzt extremer ist als jemals seit der Gro?en Depression.

Aufr?stung und Profite

Die einzige boomende Industriebranche unter Bush war die R?stungs- und Flugzeugbranche. Dies spiegelt die riesige Erh?hung der Milit?rausgaben wieder. Der Pentagon-Haushalt f?r das Haushaltsjahr 2004 betr?gt 400 Milliarden Dollar, wobei weitere 40 Milliarden Dollar im Jahr f?r die Innere Sicherheit ausgegeben werden. Die Bush-Regierung plant, weitere 2,7 Billionen Dollar f?rs Milit?r w?hrend der n?chsten sechs Jahre auszugeben, trotz des riesigen Haushaltsdefizits. Diese Haushaltstitel umfassen nicht die Kosten f?r die Kriege in Afghanistan und Irak (etwa 200 Milliarden Dollar bisher) die durch zus?tzliche Bewilligungen vom Kongress finanziert wurden. Diese Milit?rausgaben sind zwar gut f?r die Waffenproduzenten und -h?ndler, werden sich aber als eine massive Last f?r den US-Kapitalismus w?hrend der kommenden Jahre erweisen.
Die Konzernprofite stiegen 2003 auf ein Rekordniveau. Profite nach Steuern und Zinseink?nfte stiegen auf 14,8 Prozent, h?her als der fr?here Spitzenwert 1965 (allerdings waren 1965 die Profite vor Steuer h?her, denn Konzernsteuern waren damals h?her). Dieser Anstieg war haupts?chlich das Ergebnis der r?cksichtslosen ?Kostensenkung? durch die Konzerne: Abbau von Besch?ftigten, Senkung von Arbeitsstunden und L?hnen. Aber dies scheint dieses Jahr an seine Grenzen gesto?en zu sein und die Profite sind wieder gefallen.
Diese Erholung der Profite half zusammen mit niedrigen Zinsen bei einer Erholung der Aktienkurse, die die B?rsenindizes wieder steigen lie?. Anfang M?rz 2004 machte zum Beispiel der New Yorker S&P-500-Index etwa die H?lfte seines vorherigen R?ckgangs von dem Allzeithoch im M?rz 2000 ? dem H?hepunkt der Spekulationsblase ? bis zum Tiefpunkt im Oktober 2002 wieder wett. Seit M?rz sind die Aktienkurse in gewissem Umfang wieder gefallen, was das langsamere Wachstum der Konzernprofite wiederspiegelte. ?Das Muster des R?ckgangs?, kommentiert Vince Hastings, ?stimmt weiter mit einer B?ren-Sicht ?berein [der Erwartung mittelfristig sinkender Kurse]. Jeder neue kurzfristige Tief- und Hochpunkt des Index war niedriger als der letzte, eines der Merkmale eines B?ren-Markts?. (Cycles and their Patterns, Financial Times Money Guide, 30. Oktober 2004)
Trotz des scharfen Falls zwischen 2000 und 2002 bleiben Aktienkurse wesentlich ?berbewertet im Vergleich zu Konzernprofiten, was einen weiteren Fall in den kommenden Monaten wahrscheinlich macht.

Schuldenberg

Auf der Grundlage des tats?chlichen Wachstums der US-Einkommen, ob private L?hne und Geh?lter oder staatliche Steuereink?nfte, h?tte es bestenfalls sehr schw?chliches Wachstum zwischen dem Beginn der Rezession 2000 und heute gegeben. Die US-Sparquote (die die Menge der im Inland f?r Investitionen verf?gbaren Mittel bestimmt), die Ende der achtziger Jahre zehn Prozent betrug, fiel auf f?nf Prozent Mitte der neunziger Jahre und w?hrend der letzten f?nf Jahre durchschnittlich auf nur zwei Prozent (und fiel in einigen der j?ngsten Quartale praktisch auf Null). Abgesehen von manchen Verbesserungen zwischen 1996 und 2001 stagnierten die Reall?hne der Mehrheit der ArbeiterInnen ?ber zwei Jahrzehnte und gingen seit 2001 zur?ck. Deshalb wuchs die Verbrauchernachfrage, die etwa neunzig Prozent des US-Wachstums ausmacht, auf der Grundlage des Schuldenbergs.
Das Verh?ltnis der Haushaltsschulden zu den verf?gbaren Einkommen stieg auf die Rekordh?he von 108 Prozent der verf?gbaren Einkommen Ende 2003 (16 Prozentpunkte ?ber dem Niveau von 2000). Dies lag haupts?chlich an Hypothekenschulden, aber Verbraucherkredite (Autokredite, Kreditkartenschulden) waren auch auf Rekordniveaus. Wenn die Haushaltsschulden mit der der Rate Jahre 2000 bis 2003 weiter w?chsen, w?rde das Verh?ltnis bis zum Ende von Bushs zweiter Amtszeit auf 152 Prozent der verf?gbaren Einkommen steigen. Aber ein weiterer Zinsanstieg wird die bestehende Schuldenlast f?r viele Haushalte nicht durchhaltbar machen.
W?hrend der letzten acht Jahre stiegen die durchschnittlichen Immobilienpreise 35 Prozent schneller als die allgemeine Preissteigerung (im geschichtlichen Durchschnitt stiegen sie parallel zur Inflation) ? angetrieben durch die Verf?gbarkeit billiger Hypotheken. In Gebieten mit einer besonders ausgepr?gten Spekulationsblase wie San Francisco und Boston stiegen sie sechzig Prozent schneller als die Inflation. Eigenheimbesitzer haben ihre vergr??erten Verm?gen durch Aufnahme neuer Hypotheken in riesigem Umfang in zus?tzliche Verbraucherkaufkraft verwandelt. Hypothekenschulden stiegen zwischen 2000 und 2003 um atemberaubende 2,3 Billionen Dollar (wobei 750 Milliarden Dollar allein 2003 geliehen wurden). Tats?chlich erzeugte die Immobilienblase einen gr??eren ?Reichtumseffekt? (eine schuldenfinanzierte Verwandlung von Kapitalzuwachs in Verbraucherausgaben) als die B?rsenblase der sp?ten neunziger Jahre, weil ein gr??erer Bev?lkerungsanteil beteiligt war. Im September 2004 warnte der IWF, dass eine wahrscheinliche ?Korrektur? auf den Immobilienm?rkten (die, wie er sagt, wahrscheinlich international synchronisiert sein wird wegen dem parallelen Aufw?rtstrend der Zinsen) ?ernste Folgen f?r die realwirtschaftliche T?tigkeit? haben k?nnte.
Das Bundeshaushaltsdefizit, das weitgehend durch Auslandskapital finanziert wird, ist ein Schl?sselfaktor, der dem US-Kapitalismus erlaubt, mehr zu verbrauchen als er erzeugt. Dieses Jahr wird ein Defizit von 422 Milliarden Dollar oder 3,7 Prozent des BIP erwartet. Dies stellt eine 4,9-prozentige Verschlechterung gegen?ber dem Haushalt?berschuss von 2,4 Prozent des BIP 2000 dar. Dies ist noch drastischer als die bisher schlimmste Verschlechterung, die 4,4-prozentige Verschlechterung w?hrend der tiefen Krise 1979 bis 1983.
?Laut der ?Halbzeitbilanz? der Regierung machen die Steuerk?rzungen der Jahre 2001 bis 2003 mehr als die H?lfte des Haushaltsdefizits 2004 aus und haben mehr zum wachsenden Defizit beigetragen als die Kosten der Inneren Sicherheit, des Krieges gegen den Terrorismus in Irak und Afghanistan und das Wachstum der innenpolitischen Ausgabenprogramme zusammen?. (Laura D?Andrea Tyson, There?s Nothing Macho About Soaring Deficits, Business Week, 27. September 2004)

Der weltgr??te Schuldner

Ende 2003 betrug das Zahlungsbilanzdefizit 4,5 Prozent des BIP, Mitte 2004 war es auf 5,7 Prozent gestiegen, etwa 600 Milliarden Dollar. Seine Finanzierung erfordert, dass die USA Verm?genswerte (Aktien, Konzernanleihen, Staatsanleihen) mit der Rate von 600 Milliarden Dollar im Jahr verkaufen. Selbst eine so reiche und m?chtige Wirtschaft wie die USA kann das nicht unbegrenzt weitermachen. Vizepr?sident Cheney t?tigte den ber?chtigten Ausspruch: ?Defizite machen nichts aus?. Aber Jahr f?r Jahr wiederholte Zahlungsbilanzdefizite summieren sich zu einem Defizit gegen?ber dem Rest der Welt. Dies dr?ckt sich aus in der internationalen Investitionsposition der USA, dem Verh?ltnis zwischen Verm?genswerten in US-Eigentum im Ausland und Verm?genswerten in ausl?ndischem Eigentum in den USA. Dies ist das allgemeinste Ma? der Verschuldung der USA beim Rest der Welt.
1980 waren die USA international noch ein Gl?ubiger mit einer positiven Investitionsbilanz von 360 Milliarden Dollar (die Welt schuldete 360 Milliarden Dollar mehr den USA als die USA der Welt schuldeten). Aber Ende der achtziger Jahre wurde die Bilanz negativ. Jetzt haben die USA eine Nettoverschuldung von 2,4 Billionen Dollar oder 24 Prozent des BIP, und es werden wahrscheinlich Ende dieses Jahres 28 Prozent sein. Dies sind etwa 300 Prozent der US-Exporte (nicht weit von der Rate von 400 Prozent von Brasilien und Argentinien, die laut Wall-Street-Investoren ?Sorgenkinder? sind). Wenn der gegenw?rtige Trend w?hrend Bushs zweiter Amtszeit weitergeht, werden die summierten Auslandsschulden auf 40 oder 50 Prozent des BIP bis 2008 ansteigen. Dies ist ein nicht durchhaltbarer Prozess. Irgendwoher muss das Geld kommen.
Lawrence Summers, fr?her unter Clinton Finanzminister, kommentierte diese Lage mit den Worten: ?Man hat sich viel um die US-Abh?ngigkeit von ausl?ndischer Energie gesorgt, aber die Abh?ngigkeit des Landes von ausl?ndischem Bargeld ist noch viel besorgniserregender. Auf sehr reale Weise halten die L?nder, die US-Devisen und Anleihen in ihren Banken haben, auch den US-Wohlstand in ihren H?nden??
Obendrein ??ndert sich auch der Charakter der Investoren in US-Schulden ? zum schlechteren. Kurzfristige Investoren, die weniger vorhersagbar sind und ungewissere Motive haben, finanzieren einen wachsenden Anteil des US-Zahlungsbilanzdefizits. Diese ?nderungen sind Warnzeichen, dass die US-Ausgaben sich einer kritischen Stufe n?hern?.
?Etwas stimmt nicht?, f?hrt Summers fort, ?wenn die gr??te Weltmacht der gr??te Schuldner der Welt ist?. Wenn ausl?ndische Regierungen und Investoren ihre Dollarreserven auf den Kopf hauen und die US-Wirtschaft in den Bankrott treiben w?rden, w?rde die daraus folgende Krise ihre eigenen Wirtschaften auch hart treffen. ?Aber nachdem die USA schlie?lich aus dem milit?rischen Gleichgewicht des Schreckens ?brigblieben, sollten sie nicht leichtfertig ein neue Version der ?gegenseitig gesicherten Zerst?rung? akzeptieren, wenn sie es vermeiden k?nnen?. (America Overdrawn, Foreign Policy, Juli-August 2004)
Laut Summers l?uft die US-Wirtschaft ?mit stockendem Motor?, aber er bietet keine L?sung abgesehen vom dem ?Anerkennen der US-Sparkrise?. Die Realit?t ist aber, dass die USA schon in einer symbiotischen Beziehung mit China und Japan (und anderen s?dostasiatischen Exporteuren) gefangen sind, aus der sich keine Seite leicht befreien kann.

Verschiebung in den Investitionen

W?hrend der schwachen Erholung seit 2001 begann der private Kapitalinvestitionszufluss in die USA zu versiegen. Bis vor kurzem bot der Zufluss der Portfolio-Investitionen (in Aktien, Firmenanleihen, Regierungsanleihen) einen Puffer beziehungsweise einen ?berschuss der Portfolio-Investitionen ?ber das Handelsbilanzdefizit. Aber die gehen zur?ck. Im ersten Quartal 2004 war der monatliche Durchschnitt 36 Milliarden Dollar, im dritten Quartal nur 8,7 Milliarden Dollar pro Monat.
Reiche ausl?ndische Investoren kaufen nicht l?nger Aktien wie in den neunziger Jahren, als sie durch die Aussicht auf die Superprofite in den USA angezogen wurden. Auf dem H?hepunkt kauften Ausl?nder Aktien im Wert von 14,6 Milliarden Dollar pro Monat. Bis 2003 kauften sie nur f?r 5,7 Milliarden Dollar im Monat, w?hrend der Durchschnitt f?r 2004 (erste sieben Monate) blo?e 0,6 Milliarden Dollar sind.
Gleichzeitig gingen ausl?ndische Direktinvestitionen (FDI), die weitgehend mit der Gr?ndung oder dem Kauf von Firmen verbunden sind, seit dem Ende des ?bernahmebooms (Fusions- und Aufkaufbooms) der neunziger Jahre zur?ck. Tats?chlich gingen mehr FDI aus den USA hinaus als hinein (das dr?ckte den Investitionsboom in China und anderswo aus), was zu einer negativen Bilanz von 134 Milliarden Dollar 2003 (im Unterschied zu einer positiven Bilanz von 160 Milliarden Dollar 2000) f?hrte. Zwischen Ende 2003 und Anfang 2004 machte das FDI-Defizit (das in der US-Kapitalbilanz erscheint) den kleinen ?berschuss der Portfolioinvestitionen mehr als wett, mit dem Ergebnis, dass das Zahlungsbilanzdefizit nicht durch den Kapitalzufluss gedeckt wurde. Wenn man obendrein Kapital- und Zahlungsbilanz zusammennimmt, bezahlten die USA schlicht und einfach ihre Rechnungen nicht. Es scheint, dass diese Zahlungsbilanzl?cke durch ?Reserveverm?genswerte?, Banktransfers und kreative Buchf?hrung (sogenannte ?Bilanzposten?) gedeckt wurde. Wenn diese Lage in irgendeinem anderen Land auftr?te w?rden IWF und Wall Street ?ber Zahlungsunf?higkeit und die Gefahr, dass die Schuldnernation ihre internationalen Schulden nicht mehr bedienen kann, schreien. Aber selbst im Fall der USA, die durch ihre Macht und eine Verschw?rung des Schweigens gedeckt werden, muss bald etwas geschehen.
Der Kapitalzufluss in die USA hat sich verlagert von reichen Privat-/Konzerninvestoren zu den Zentralbanken von China, Japan und anderen s?dostasiatischen Wirtschaften, die in massivem Umfang US-Regierungsanleihen kauften. Zwischen September 2003 und Juli 2004, machten Zentralbankk?ufe von US-Schatzanleihen 35 Prozent des Nettozuflusses in Dollar aus. Dies war doppelt so hoch wie der langfristige Trend, und das viereinhalbfache ihres 7,5-prozentigen zwischen den Jahren 2000 und 2003. Den letzten vergleichbaren Anstieg von K?ufen von US-Regierungsanleihen durch Zentralbanken gab es in den Monaten vor dem B?rsenkrach vom Oktober 1987.
Als ein Ergebnis ihrer K?ufe von Dollar-Verm?genswerten (US-Regierungsanleihen) halten die asiatischen Zentralbanken gegenw?rtig etwa 2,2 Billionen Dollar (80 Prozent der Weltdevisenreserven ? 70 Prozent der Weltreserven sind in Dollar, obwohl die USA nur 30 Prozent der Weltwirtschaft bilden). Japan hat jetzt Devisenreserven von 825 Milliarden Dollar, China von 480 Milliarden Dollar.
Warum haben die Regierungen von Japan und China Dollaranleihen in so riesigem Umfang gekauft? In beiden F?llen h?ngt ihr Wirtschaftswachstum entscheidend von Exporten ab, vor allem in den riesigen US-Markt. Die Binnennachfrage in Japan hat seit mehr als einem Jahrzehnt praktisch stagniert, w?hrend in China riesige Reichtumsungleichheiten, weitverbreitete Armut und niedrige L?hne ein massives Hindernis f?r das Wachstum seines Binnenmarktes sind. Das US-Handelsbilanzdefizit als Ausdruck der US-Abh?ngigkeit von Importg?tern ist unverzichtbar f?r Chinas Exporte. Dasselbe gilt f?r andere industrielle oder halbindustrielle s?dostasiatische L?nder.

Der fallende Dollar

Der US-Dollar ist weiterhin die Haupthandelsw?hrung der Welt und spielt eine entscheidende Rolle in den Beziehungen zwischen dem US-Markt und den s?dostasiatischen Produzenten. Der starke Dollar der neunziger Jahre erlaubte US-Verbrauchern praktisch, Importg?ter verh?ltnism??ig billig zu kaufen und gab s?dostasiatischen Produzenten einen Wettbewerbsvorteil auf dem US-Markt. Diese Lage f?hrte zum US-Handelsbilanzdefizit, weil US-Importe viel schneller wuchsen als US-Exporte. Normerweise w?rde ein Zahlungsbilanzdefizit (Handel in Waren und Dienstleistungen plus Fl?sse von Profiten, Zinsen etc.) auf die Dauer dazu f?hren, dass die W?hrung eines Landes f?llt, um das Ungleichgewicht auszugleichen. Der Dollar aber wurde trotz des Defizits, durch den riesigen Kapitalzufluss aus dem Ausland hochgetrieben. Reiche Investoren waren international begierig, ein St?ck vom Profitkuchen abzubekommen, der in den USA w?hrend des Boom der sp?ten neunziger Jahre verf?gbar war. Der Dollar fiel zwar seit 2001 (25 Prozent gegen?ber einem breiten W?hrungskorb), bleibt aber ?berbewertet, wie das fortgesetzte Zahlungsbilanzdefizit bezeugt. Der Dollar wird immer noch unterst?tzt durch einen Zufluss an Kapital, aber der Zufluss kommt immer mehr von asiatischen Zentralbanken statt von privaten Investoren. An einem bestimmten Punkt wird verlangsamtes US-Wachstum und die Furcht vor einem beschleunigten Fall im Dollar zu einer Flucht aus Dollarwerten durch private Investoren und zum allermindesten einem verringerten Zufluss von den asiatischen Zentralbanken f?hren.
Ein Fall des Dollars (der asiatische Waren in den USA teurer macht) w?re begleitet (da Gelder aus Dollarwerten in asiatische Verm?genswerte flie?en w?rden) von einem Anstieg der asiatischen W?hrungen (was ihre Waren ?berall teurer machen w?rde). Obendrein w?re der Markt f?r Asiens Exporte verheerend beschr?nkt, wenn das US-Handelsbilanzdefizit drastisch verringert oder beseitigt w?rde. Deshalb ist es im wirtschaftlichen Interesse von Japan, China etc., den Dollar zu unterst?tzen (durch den Kauf von Dollarwerten) und die Aufwertung ihrer eigenen W?hrungen zu verhindern. Ihre Handelsbilanz?bersch?sse mit den USA ?ber einen l?ngeren Zeitraum erm?glichten ihnen, die Ressourcen aufzuh?ufen, um riesige Dollarreserven zu kaufen. Praktisch ist ihr Kauf von US-Regierungsanleihen ein Recycling ihrer Handelsbilanz?bersch?sse, damit die Beziehung US-Nachfrage zu asiatischem Angebot weitergehen kann.
Aber diese Beziehung n?hert sich jetzt dem Bruchpunkt. Die USA k?nnen das Wachstum ihres Zahlungsbilanzdefizits nicht aufrechterhalten und hoffen auf einen langsamen, kontrollierten R?ckgang des Dollars. Unter Bush hat die US-Regierung eine Politik der ?vornehmen Zur?ckhaltung?, stillschweigender Unterst?tzung f?r einen schrittweisen Fall des Dollars betrieben. Wenn sie sich offen f?r einen schw?cheren Dollar aussprechen w?rden, k?nnte das selbst einen tieferen Fall ausl?sen. Trotz des 25-prozentigen Falls des Dollars (gegen?ber einem breiten W?hrungskorb) w?hrend der letzten zweieinhalb Jahre ist aber das US-Zahlungsbilanzdefizit um f?nfzig Prozent gestiegen. Das liegt daran, dass es keine nennenswerte Abwertung des Dollars gegen die W?hrungen der L?nder gab, die die gr??ten Handelsbilanz?bersch?sse mit den USA haben. Die Top Ten unter den US-Handelsbilanzdefiziten sind mit L?ndern, deren W?hrungen faktisch an den US-Dollar gekoppelt sind (zusammen machen sie vierzig Prozent des gesamten Zahlungsbilanzdefizits der USA aus). Die meisten dieser Handelspartner erzeugen mehr als die H?lfte ihres BIP-Wachstums durch Exporte, vor allem in die USA.

Dollarzone Asien

Praktisch bildet S?dostasien eine Dollarzone, die zusammen mit den USA jetzt ?ber die H?lfte des Welt-BIP ausmacht. China ist die vorherrschende Wirtschaft in dieser Zone und hat seit langem seine W?hrung, den Renminbi (RMB oder Yuan) an den Dollar gekoppelt. Wenn also der Dollar f?llt, f?llt der RMB auch ? so gibt es keine Korrektur beim US-Handelsbilanzdefizit. Hong Kong und Malaysia haben auch eine offizielle Anbindung an den Dollar, w?hrend Japan, Indien, S?dkorea, Taiwan, Thailand, Indonesien, Singapur und Russland alle einer Politik der engen Anlehnung an den Dollar folgen.
China hat sich seit langem dem Druck widersetzt, den RMB aufzuwerten, was den Wettbewerbsvorteil seiner Exporte teilweise untergraben w?rde. J?ngst hat die chinesische Regierung versprochen, ?ber eine Neubewertung nachzudenken, wenn die Zeit reif ist. Sie f?rchten aber, dass eine Neubewertung das Wachstum von Chinas Exporten verringern w?rde, was eine Verringerung der Wachstumsrate bedeuten w?rde. Gleichzeitig z?gern andere asiatische Exporteure sehr, ihre W?hrungen einseitig neu zu bewerten, weil sie noch mehr an die billigen chinesischen Exporte verlieren w?rden.
Eine der Nebenwirkungen der Bildung dieser neuen Dollarzone ist, dass ?hei?es Geld? aus Dollarwerten (wegen der Abw?rtsbewegung des Dollars) abgezogen wurde und in den Euro floss, der einzigen gr??eren W?hrung, die gro? genug ist, gro?e Kapitalzufl?sse aufzunehmen. Dies hat den Euro gegen den Dollar und andere W?hrungen steigen lassen und die Exporte der Eurozone auf den Weltm?rkten teurer gemacht. Dies ist ein Hauptfaktor bei dem niedrigen Niveau des Wirtschaftswachstum der Wirtschaften der Eurozone.
Manche Kommentatoren sind ewig optimistisch und haben die neue Dollarzone als ein ?Bretton Woods II? gepriesen, einen Ersatz f?r das verh?ltnism??ig stabile Weltw?hrungssystem, das es w?hrend des Nachkriegsaufschwungs gab. Wie immer haben manche in dieser Beziehung ein ?neues Paradigma? entdeckt, obwohl diese doch einen vor?bergehenden Charakter hat. Die Idee, dass sie einen st?ndigen, stabilen Rahmen f?r einen gr??eren Teil des Welthandels darstellen kann, ist absurd. Realistischere Kommentatoren anerkennen, dass diese Dollarzone durch widerspr?chliche Kr?fte auseinandergerissen werden wird. Brian Redding von Lombard Street Research kommentiert: ?Dieser neue Dollarraum muss wie Bretton Woods in Tr?nen enden. Der synchronisierte Boom, der ihn geschaffen hat, kann nicht weitergehen. Es kann keine weiche Landung f?r die USA oder China geben. Amerikaner sparen ganz einfach zu wenig und m?ssen mehr sparen, was hei?t, dass Nachfrage und Einkommen schrumpfen m?ssen. Die Chinesen investieren zu viel und m?ssen weniger investieren, was hei?t, dass Nachfrage und Einkommen schrumpfen werden. Dies ist das Rezept f?r einen synchronisierten Abschwung?. (There Can Be No Soft Landing, Guardian, 20.09.2004)

Druck auf die US-asiatische Verbindung

Die Ersch?tterungen, die einen Zusammenbruch der US-asiatischen Verbindung ausl?sen werden, k?nnen aus mehreren Richtungen kommen. Ein Anstieg der US-Zinsen (m?glicherweise ein sehr schneller Anstieg auf einen Leitzins von etwa f?nf oder sechs Prozent) w?rde die US-Immobilienblase und den Verbraucherboom platzen lassen, die US-Nachfrage nach Importen verringern. Es w?rde auch die USA als billige Quelle f?r internationalen Kredit entfernen, und die US- und internationalen Investitionen in China und anderswo verringern. H?here Zinsen w?rden auch das bestehende Niveau der US-Bundesschulden nicht durchhaltbar machen. Das Gespenst eines Inflationstrends zur Entwertung der US-Schuldenlast (welche die Anpassung den Gl?ubigern aufhalst) w?rde entstehen. Internationale aufkommende ?ngste vor einem Sturz des Dollars und einer sich beschleunigenden Inflation in den USA w?rden an einem bestimmten Punkt eine massive Flucht aus dem Dollar ausl?sen. Dies hat unter privaten kapitalistischen Investoren, Banken und Institutionen etc. in gewissem Umfang schon begonnen. Aber die asiatischen Zentralbanken, die in j?ngster Zeit massive Dollarreserven aufgeh?uft haben, st?nden vor einer klaren Entscheidung: ihre Dollarwerte verkaufen oder eine riesige Abwertung der Verm?genswerte erleiden, wenn der Dollar sinkt. Obendrein w?rden sie angesichts von Wirtschaftskrisen im eigenen Land auf ihre Devisenreserven zur Stabilisierung ihrer eigenen Wirtschaften zur?ckgreifen m?ssen. Bei einem Abzug von Mitteln aus den USA durch die Zentralbanken im gro?en Stil w?ren die Zwillingsdefizite (Zahlungsbilanz und Bundeshaushalt) absolut nicht durchzuhalten. Die USA m?ssten entweder ?ffentliche Ausgaben zusammenstreichen, Steuern erh?hen und Verbraucherausgaben (durch weitere Zinserh?hungen) senken oder Geld drucken, um die Ausgaben zu decken, was zu beschleunigter Inflation f?hren w?rde.
Auf der anderen Seite kann die US-asiatische Verbindung durch einen Abschwung in China und seinen Nachbarn gebrochen werden. Die massive Investitionsblase, die durch den Zufluss von Investitionen und massive Kredite durch Staatsbanken angeheizt wird, hat ebenso wie die j?ngere Immobilienblase in den K?stenst?dten klar ihre Grenzen erreicht. Seit einiger Zeit hat jetzt die chinesische Regierung versucht, das Wachstum durch administrative Kreditbeschr?nkung zu verlangsamen, aber mit wenig Erfolg. Jetzt hat sie z?gerlich versucht, ?marktgest?tzte? Mittel zu verwenden, n?mlich Zinserh?hungen zur Begrenzung der Kredite und Abk?hlung des Wachstums. Aber dies ist vielleicht keine ausreichende Ma?nahme, die auch noch zu sp?t kommt. Um das Wachstum und die Inflation, besonders bei Rohstoff- und Energiepreisen, wirksam zu begrenzen, h?tte man die Zinsen viel mehr erh?hen m?ssen. Nat?rlich hofft das chinesische Regime auf eine weiche Landung. Nach so einem rasenden Industrie- und Immobilienboom wird es aber sehr schwierig sein, eine sanfte Verlangsamung zu erreichen, besonders angesichts der internationalen Faktoren. Eine ernste Wachstumsverlangsamung in China erscheint unvermeidlich, die einzige Frage ist der Zeitpunkt und das Ausma?.
Ein Abschwung in China w?rde Japans k?rzliche, begrenzte Erholung durchkreuzen, die haupts?chlich auf seinen Exporten nach China beruhte. Das selbe gilt f?r andere s?dostasiatische Wirtschaften.

Wachsende Instabilit?t

Der j?ngste schnelle Preisanstieg bei Erd?l und anderen wichtigen Massenwaren (z. B. Stahl), bei der erh?hte Nach-frage aus China ein gro?er Faktor war, wird das Wachstum in China und der Weltwirtschaft begrenzen und die Weltnachfrage nach asiatischen Exporten verringern. In einer Periode von robustem Wachstum k?nnte der Weltkapitalismus die gegenw?rtige ?lpreiserh?hung abfedern. In ihrem gegenw?rtigen Zustand macht aber eine ganze Reihe von Problemen die Weltwirtschaft durch einen neuen ?l?schock? verwundbar.
Erh?hte Spekulation auf den Weltfinanzm?rkten, immer ein Symptom der herannahenden Krise, versch?rft die globale Instabilit?t. Die Spekulationst?tigkeit nahm seit 2001 zu. Da Profite aus Aktien und Anleihen zur?ckgingen, bet?tigten sich Banken, Hedgefonds vorneweg, mit hochriskanter Spekulationst?tigkeit auf Devisen- und Derivat-M?rkten. Die Zahl der Hedgefonds hat sich in den letzten f?nf Jahren verdoppelt (auf jetzt ca. 8.000) und sie kontrollieren Fonds im Wert von etwa einer Billion Dollar. Diese geheimen, nicht regulierten Clubs der reichen Spekulanten machen nur etwa vier bis sechs Prozent der Investitionsfonds international aus. Aber wegen ihrer aktiven, hochriskanten Strategien haben sie eine unverh?ltnism??ig gro?e Wirkung auf die Weltfinanzm?rkte. 1998 drohte die Zahlungsunf?higkeit des US-Hedgefonds Long Term Capital Management (LTCM), das Weltfinanzsystem zum Einsturz zu bringen. Dies wurde nur verhindert, indem die US-Bundesbank ein Bankenkonsortium organisierte, um LTCM zu retten. Hedgefond-Investition beruht auf riesigen Krediten (insgesamt zwischen 1,5 und zwei Billionen Dollar). Derivatehandel hat sich seit 2001 verdoppelt (jetzt etwa 1,2 Billionen Dollar pro Tag), w?hrend der Welthandel um etwa ein Drittel in der selben Zeit wuchs. Laut der Bank f?r Internationalen Zahlungsausgleich ist der Handel auf den Weltdevisenm?rkten jetzt auf den Rekord von 1,9 Billionen Dollar pro Tag angestiegen. Diese T?tigkeit soll angeblich Risiken ?streuen?, aber sie ist eine der gr??ten Quellen der Instabilit?t auf den Weltfinanzm?rkten. Ein scharfer Fall im Dollar oder ein pl?tzliches Ende beim Investitionsboom in China k?nnte neue LTCM-artige Krisen in noch gr??erem Ma?stab als 1998 hervorrufen.
Ein Abschwung in den USA und China w?rde einen Weltabschwung bedeuten. Die schw?chliche Wachstumsrate in der Eurozone w?re Vergangenheit. Die Mehrheit der unterentwickelten L?nder, die von der begrenzten Erholung in den USA und Asien in den letzten paar Jahren keinen Nutzen hatten, w?rde erneut in eine schreckliche wirtschaftliche, soziale und politische Krise gest?rzt werden.
W?hrend seiner ersten Amtszeit schaffte es Bush, die drohende Wirtschaftskrise in den USA zu verz?gern. Greenspan und die US-Bundesbank machten bei dieser Politik v?llig mit und schoben Probleme wie die Immobilienblase und den Schuldenberg beiseite. Greenspan hielt einen Leitzins von fast Null so lange wie m?glich bis zur Wahl im November aufrecht. Dies lie? die neue Schuldenblase zu noch gr??eren Ausma?en anwachsen. So besteht jetzt die M?glichkeit einer massiven ?Korrektur? in den n?chsten paar Monaten. Teile der herrschenden Klasse der USA glauben, dass das Niedrigsteuer-, Billigkredit-Nirwana ewig dauern wird. Unter Bushs schicksalsgl?ubiger Wirtschaftspolitik werde die wirtschaftliche Erl?sung f?r den US-Kapitalismus durch einen neuen Schub von hohem Wachstum vergleichbar mit 1995-2000 kommen, der durch weitere Steuerk?rzungen f?r Konzerne und die Superreichen angeheizt wird. Aber ernsthafte b?rgerliche Strategen f?rchten, dass sie einen hohen Preis f?r Bushs unverantwortliche Politik zahlen werden. Es ist vor allem die Arbeiterklasse der USA und international, die unter den verheerenden Folgen eines US-Abschwungs leiden wird. Bush schaffte es, die herannahende Krise zu vermeiden und eine zweite Amtszeit zu gewinnen. Durch die Ausbeutung von Unsicherheitsgef?hlen und Appellen an ?moralische Werte? konnte Bush die Aufmerksamkeit von wirtschaftlichen und sozialen Problemen bei einer Schicht der W?hlerInnen ablenken, die gerade gro? genug war, um das Stimmergebnis zu seinen Gunsten zu verschieben. Aber das ?politische Kapital?, das Bush w?hrend der Wahl angeblich gewonnen hat, wird nicht die Entfaltung der Widerspr?che im US- und Weltkapitalismus verhindern. Der genaue Verlauf der Krise und ihr Zeitpunkt kann nicht exakt vorhergesagt werden. Aber Bush und andere F?hrer des Weltkapitalismus stehen vor einer ?u?erst turbulenten Periode. Bush hat die Wiederwahl gewonnen und ist auf dem Gipfelpunkt der Achterbahn angelangt. Er wird eine tiefe Talfahrt, Loopings und andere Ersch?tterungen erleben.

?bersetzung: Wolfram Klein und Rebecca G?hrt