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Welche Rolle spielt die AUB?

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Im Zuge des Arbeitskampfes bei Opel Bochum, sind einige der Streikaktivisten in die Organisation AUB (Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger) eingetreten. Was verbirgt sich dahinter?
 
Gelbe Gewerkschaften

Ihren Ursprung hat die AUB beim Siemens- Konzern (Quelle: IGM-Bayern). Beim Münchener Elekro-Multi gibt es eine lange Geschichte von patriarchaler Sozialpartnerschaft. Soll heißen: Die Unternehmensleitung hatte sich zum Ziel gesetzt, den Aufbau von kämpferischen Gewerkschaften im Betrieb zu verhindern. Dies verfolgte sie mit einer zweigleisigen Strategie. Einerseits wurden von Oben soziale Zugeständnisse an die Beschäftigten gemacht, zum anderen wurden „alternative Arbeitnehmervertreter“ gefördert. Die Geschichte der Arbeiterbewegung ist voll von solchen Beispielen. All diesen Organisationen ist gemein, dass ihr politischer Ansatz der ist, dass kein grundsätzlicher Gegensatz zwischen Unternehmer- und Arbeitnehmerinteressen gemacht wird. Die klassische Formel ist:“Was gut ist für den Chef, ist auch gut für die Mitarbeiter.“ Weil die Farbe Rot die traditionelle Farbe der Arbeiterbewegung ist, wurden im 19. Jahrhundert als Gegensatz zu den sozialdemokratischen/sozialistischen Gewerkschaften die arbeitgebernahen als gelbe, gegnerische Organisationen betrachtet. Ihr Einfluss blieb in den meisten Ländern äußerst beschränkt Die AUB steht mit ihrem Programm gänzlich in dieser Tradition.

Ideologiefrei“

Mitte der siebziger Jahre begannen bessergestellte Angestellte in der Siemens-Filiale Erlangen damit, die AUB aufzubauen. Im Gegensatz zur IG Metall sah sich die AUB als „ideologiefrei“, das heißt sie identifiziert sich mit den Interessen der Chefs. Kein Wunder, dass die Organisation vom Konzern gehätschelt und getätschelt wurde. Als Belohnung für treue Dienste wurde ein AUB-Betriebsratsvorsitzender 1978 zum leitenden Angestellten befördert. Der heutige Bundesvorsitzende Wilhelm Schelsky macht keinen Hehl daraus, dass seine Organisation auch von Unternehmern finanziell unterstützt wird. Schelsky selber ist an mehreren Unternehmen beteiligt und arbeitete gar als Unternehmensberater für den Siemens-Konzern! Demenstprechend liest sich auch das Programm der AUB, als Abklatsch wohlvertrauter neoliberaler Phrasen. Da wird die „Funktionärsherrschaft und Fremdbestimmung“ der Gewerkschaften kritisiert, die keine Ahnung haben von der betrieblichen Realität. Zu kurze Arbeitszeiten führen angeblich zu Firmeninsolvenzen und „massiver Abwanderung deutscher Arbeitsplätze“ (Quelle: www.aub.de). Wie BDA, BDI und fast alle Parteien fordert auch die AUB „betriebliche Bündnisse für Arbeit“, die gesetzlich den Tarifverträgen gleichgestellt werden sollen. Die vollständige Zerstörung des -eh schon sehr löchrigen- Flächentarifsystems und damit verbundene Lohnsenkungen wären die Folge. Fazit: Die AUB ist eine arbeitnehmer- und gewerkschaftsfeindliche Organisation, deren Politik in Theorie und Praxis dazu führt, dass die Interessen der abhängig Beschäftigten verraten und verkauft werden.

DGB und AUB

Die Gewerkschaften kritisieren die AUB zu Recht als Spalter und bekämpfen sie. Für das Erstarken offen gelber Gewerkschaften und der wieder zunehmenden Tendenz hin zu Berufsverbänden (z.B. Pilotenvereinigung, Lokomotivführergewerkschaft etc.), die scheinbar besser die Interessen bestimmter Arbeitnehmergruppen vertreten, trägt allerdings die Führung der Gewerkschaften die Verantwortung. Vieles für das die IG Metall die AUB kritisiert, macht sie selber mit: Betriebliche Bündnisse bei Siemens, Opel, VW, usw. führen dazu, dass massive Lohnkürzungen und Arbeitszeitverlängerungen .durchkommen. Vor diesem Hintergrund muss man die Entwicklung bei Opel in Bochum sehen.

Streik bei Opel

Die SAV hat aktiv den Streik der Opel-KollegInnen vom Oktober letzten Jahres unterstützt. Wie viele der aktiven KollegInnen halten wir das Vorgehen der IG Metall für Streikbruch und haben dieses öffentlich kritisiert. Einzelne aktive KollegInnen, davon zwei, die auch in die WASG eingetreten waren, sahen sich von der IG Metall nicht mehr vertreten und sind in die AUB eingetreten. Wir halten den Eintritt der beiden Kollegen in die AUB für einen politischen Fehler und haben diese, statt sie zu verteufeln und auszugrenzen, versucht davon zu überzeugen, dass ihr Schritt falsch ist. Trotz ihres Fehlers bleiben diese Kollegen für uns Kollegen, die ohne die katastrophale Politik der IG Metall-Führung niemals in die AUB getrieben worden wären. Im Bezug auf diese Kollegen ist aus unserer Sicht eine inhaltliche Auseinandersetzung und nicht Ausgrenzung angesagt. Führt man diese, wird man feststellen, dass die Positionen der Kollegen wenig mit den AUB-Positionen zu tun haben.

Opposition in Gewerkschaften aufbauen

Wir werden diese KollegInnen wie alle anderen Basisgewerkschafter davon zu überzeugen suchen, in der Gerwerkschaft zu bleiben. Wir dürfen die IG Metall, verdi und die anderen DGB-Gewerkschaften nicht den abgehobenen Bürokraten wie Sommer und Co überlassen! Jeder Austritt schwächt die Arbeiterbewegung und wird es den Unternehmern noch leichter machen mit Entlassungen und Lohnraub durch zu kommen. Wir treten dafür ein innerhalb der Gewerkschaften, die kritischen KollegInnen zusammen zu bringen. Es muss eine politische und personelle Alternative zur Gewerkschaftsführung aufgebaut und so die Gewerkschaftsbewegung von unten erneuert werden. Deshalb beteiligen sich SAV-Mitglieder am Aufbau des „Netzwerks für eine demokratische und kämpferische verdi“ sowie der „Initiative zur Vernetzung der Gewerkschaftslinken“.

von Torsten Sting, IG-Metall-Mitglied aus Rostock