Klassenkampfrap mit Holger Burner

„Wir machen schlechte Kunst im besten Sinne!“ Mit diesen Worten eröffnete Hannah Lürssen, Mitglied der SAV – Sozialistische Alternative und Unterstützerin des internationalen Bad Art-Netzwerks am 03. November eine Veranstaltung zur Russischen Revolution in Kassel.

Unter dem Motto „It’s time for a revolution – Party like it’s 1917“ hatte unter anderem der Kreisverband DIE LINKE.Kassel-Stadt hierzu eingeladen.

Etwa 100 Interessierte kamen, hörten die Auftritte verschiedener Künstler*innen, tanzten und schauten zu wie ein Bad Art-Graffiti gesprüht wurde, und feierten so das Gedenken an die Russische Revolution, die sich zum 100. Mal jährt. Viele weitere Menschen kamen eher zufällig vorbei am „Raum für Urbane Experimente“, der sich in der Unterführung an der Bahnhaltestelle nahe der Universität Kassel befindet und von einem Kollektiv von Künstler*innen betrieben wird. Dort entsteht zu den sommerlichen Jahreszeiten regelmäßig ein alternativer kultureller Freiraum mit Konzerten, Graffiti-Action und weiteren Aktivitäten.

Hannah Schäfer, ebenfalls Aktivistin der SAV, erklärte in einem politischen Beitrag, was die Ursachen für die Russische Revolution waren, warum hier 1917 die demokratischste Gesellschaft der Menschheitsgeschichte entstand und wie es zu den tragischen Entwicklungen durch die Stalinisierung und Bürokratisierung des Arbeiterstaats kam.

Holger Burner, sozialistischer Rapper aus Hamburg, erklärte in seinen Songs, wie Widerstand aufgebaut werden kann und warum es sich heute auch noch lohnt, für eine andere Gesellschaft zu kämpfen.

Im Anschluss an diese erfolgreiche Party veranstaltete die Kasseler Ortsgruppe der SAV – Sozialistische Alternative gemeinsam mit anderen Ortsgruppen und Mitgliedern ein zweitägiges Seminar mit dem thematischen Schwerpunkt rund um die Russische Revolution an dem ca. 20 Genoss*innen teilnahmen und sich in die Debatte einbrachten.

In einem Einleitungsplenum wurde in einem umfangreichen Vortrag erläutert, wie es zur Russischen Revolution kam, welche Akteur*innen eine bedeutende Rolle spielten und was die wichtigsten Lehren für soziale Kämpfe weltweit und den andauernden Kampf gegen Ausbeutung, Unterdrückung und für internationale sozialistische Demokratie sind.

Während der folgenden Tage diskutierten die Teilnehmer*innen beispielsweise über die besonders fortschrittliche und unabdingbare Rolle der Frauen in der Russischen Revolution, aber auch deren Rolle in vielen anderen historischen revolutionären Bewegungen, oder über den Einfluss der Russischen Revolution auf die Kämpfe der Schwarzen Bevölkerung gegen rassistische Diskriminierung und Gewalt. Andere Workshops beschäftigten sich auch mit den Fragen wie Rätedemokratie praktisch funktionieren könnte, warum es zur Stalinisierung der Sowjetunion kam und welche Folgen sich daraus ergaben, oder mit der Geschichte des CWI – „Commitee for a workers‘ international“.

Im Abschlussplenum wurde der Bogen von den historischen Themen der Russischen Revolution zu der aktuelle politische Lage in Deutschland gespannt. Wie gehen wir mit dem parlamentarischen Rechtsruck und dem Einzug der AfD in den deutschen Bundestag um? Was bedeutet eine wahrscheinlich zukünftige „Jamaika“-Koalition für die arbeitende Bevölkerung in Deutschland? Welche Rolle kommt der Partei DIE LINKE in Zukunft in der Opposition zu? Aus diesem Wochenende gingen alle heraus mit neuen Erkenntnissen über die historische Rolle der Russischen Revolution und die Bedeutung für heute, auch weiterhin müssen wir in Kämpfe intervenieren mit der Perspektive für eine Gesellschaft ohne Sozialkürzungen, Kriege und Hunger und für eine friedliche, demokratische und sozialistische Welt.