Demo GWG

Kundgebung des "Aktionsbündnis gegen Rechts" vor der GWG

Es gehört wahrlich nicht viel Fantasie dazu, sich vorzustellen mit welchen Gedanken man sich abends nach der Arbeit bis zur Haustür schleppt und am Briefkasten den zwei neuen Hausbewohnern begegnet. Wie würde man jedoch reagieren, handelt es sich dabei um zwei stadtbekannte Nazis, die in der Öffentlichkeit ihr rassistisches Weltbild verbreiten?

Nazis nutzen Wohnungen in Kassel als Rückzugsgebiet um von dort aus aktiv gegen Migranten, Linke und gegen diejenigen zu hetzen, die nicht in ihr Schema des “Deutschen” als Mitglied einer “überlegenen Herrenrasse” passen. Wohnraum wird hierbei dazu benutzt, um rechtsradikale Strukturen in Stadtteilen zu etablieren und ausgehend von dort durch martialisches Auftreten und aggressives Verhalten Menschen einzuschüchtern.

Nazis machen sich breit

Das “Aktionsbündnis gegen Rechts” hat darauf mit einer Kundgebung am vergangenen Montag vor der Zentrale der GWG (Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft) in Kassel hingewiesen. Konkret ist ein Fall bekannt, bei dem eine von der GWG gestellte Wohnung in der Fiedlerstraße (Nordstadt) über einen längeren Zeitraum hinweg von mehreren Mitgliedern der Neonazi-Gruppe “Kameradschaft Sturm 18″ als Wohnraum genutzt wurde. Dass diese sich nicht nur besuchsweise bei einer GWG-Mieterin dort aufgehalten haben, macht die Anbringung ihrer Namen am Briefkasten deutlich.

Die GWG reagiert

Während der Kundgebung brachte der Geschäftsführer der GWG (zu 100% Eigentum der Stadt Kassel), Peter Ley, seinen Unmut über diese Art von Öffentlichkeit zum Ausdruck. Nach seiner Aussage habe die Gesellschaft bereits Ende letzten Jahres auf die Existenz dieser Nazi-Wohngemeinschaft in einem Schreiben an die Mieterin reagiert. So wurde von Seiten des Vermieters untersagt, weiterhin die besagten Personen aufzunehmen. Der Brisanz des Themas war man sich also auch von Seiten der GWG bewusst. Höchstpersönlich wurde durch Ley Mitte Dezember das Gespräch mit der Mieterin gesucht. Dies ist bei einer Wohnungsbaugesellschaft mit über 8700 Wohnungen ein wohl eher außergewöhnlicher Vorgang. Das Verhalten der GWG wurde von Seiten des “Aktionsbündnis gegen Rechts – Kein Ort für Nazis” ausdrücklich begrüßt.

Spielraum nutzen

Der Stadtverordnete Simon Aulepp (Kasseler Linke) machte in seiner Rede deutlich, dass das Vorgehen der GWG auch Vorbild für andere Vermieter sein kann. Es könne anderen Vermietern durchaus Mut machen sich bestärkt zu fühlen, aktiv gegen Nazis in ihrer Mieterschaft vorzugehen. Außerdem werden MieterInnen ermutigt, solche Vorfälle zu melden und selbst dagegen aktiv zu werden. Das selbst der rechtliche Rahmen eines Mietverhältnisses dazu Spielraum bietet, zeigt das Beispiel der GWG, deren Verhalten gelobt wurde.

Das Aktionsbündnis, in dem auch die SAV aktiv mitarbeitet wird auch weiterhin das Bewusstsein für die Gefahr, die von faschistischen Gruppierungen ausgeht, stärken. In allen gesellschaftlichen Bereichen, im Stadtteil, an der Arbeit, in den Schulen und in der Freizeit haben Nazis keinen Raum, ihre menschenverachtende Ideologie zu verbreiten. Kassel ist “kein Ort für Nazis”!