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Filmkritik „neue Wut“


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Thema: Kultur, veröffentlicht: 26.08.2005

„Wenn die Gewerkschaften mit der Macht des 3. April die Montagsdemonstrationen begleitet hätten, würden wir in einem anderen Land leben.“ (DGB-Vorsitzender Michael Sommer) so eine zentrale Aussage in dem Film "neue Wut", der beim deutschen Sozialforum in Erfurt seine Premiere hatte. Der Dokumentarfilm von Martin Keßler trägt den Untertitel: „Vereinzelter Protest oder neue soziale Bewegung?“.

von Michael Koschitzki, Berlin

So dokumentiert der Film die Montagsdemos, das hessische Sozialforum, den 2. Oktober, den Streik bei Opel Bochum bis hin zu der Agenturschlussaktion in diesem Jahr.

Gezeigt werden die verschiedensten TeilnehmerInnen der Demonstrationen und Proteste, deren Wut in zahlreichen Interviews zum Ausdruck kommt. Außerdem werden in Interviews und Stellungnahmen von AktivistInnen die unterschiedlichen politischen Strömungen gezeigt.

Der berühmteste ist wohl der „Held von Magdeburg“ Andreas Ehrholdt, dessen Weg der Film begleitet. Er hatte die Montagsdemonstrationen in Magdeburg initiiert, der anfängliche Star in den Medien. Doch wird auch gezeigt, was später passierte, als die Montagsdemos schon ger kein Thema mehr waren. Die Streitigkeiten in die er mitanderen Gruppen gerät, wie er der abflauenden Bewegung keine neuen Schritte aufzeigen kann und schließlich wie er bei der Gründung einer eigenen Partei scheitert.

Martin Kleßen begleitet auch den Weg der Sozialhilfeempfängerin Barbara Willmann vom Hartz IV-Fragebogen über den Besuch beim Amt bis zu ihrer Arbeit als 1-Euro Jobberin. Sie selbst nimmt an den Protesten nicht teil.

Gut getroffen sind Wirtschaftsminister Wolfgang Clement und DGB-Vorsitzender Michael Sommer. Ob im Interview oder Presseauftritt karikiert und offenbart Kleßen beide in ihrer Rolle während der Bewegung. Clement, der im Januar ein Arbeitsamt in Ostdeutschland besucht und den Mitarbeitern danken will und völlig hilflos einem Arbeitslosem gegenüber steht, der an Ende ist. Sommer, der nicht zentral zu den Demos aufrufen will, da sie teilweise rechts unterwandert seien.

Leider bleibt die gesamte Dokumentation wenig kommentiert. Martin Kleßen tritt gar nicht in Erscheinung. Im Interview: " Ich bin nicht der Anwalt des kleinen Mannes, sondern ich bin Dokumentarfilmer, der schon mit einer gewissen Distanz die Sache beobachtet."

Dafür, dass Martin Kleßen nur die Bewegung beobachtet, reißt er gut an, warum die Bewegung keinen Erfolg hatte, was nötig gewesen wäre: "wenn es einen einen Generalstreik geben würde wie in Frankreich", sagt ein Demonstrant.

Die Frage "vereinzelter Protest oder neue soziale Bewegung?" hätte besser beantwortet werden können, wenn man seinen Blickwinkel erweitert. Der 1. November 2003, mit einer Großdemo gegen Sozialabbau, als Initiative von unten gegen die Gewerkschaftsführung durchgesetzt, durchbrach als erstes die Lethargie. So war die Gewerkschaftsführung gewzungen zum 3. April aufzurufen, was massenhaft befolgt wurde.

Für die AktivistInnen aus der Bewegung ist sicherlich manches unterrepräsentiert.

Die WASG steht in dem Film gleichwertig neben der Partei Freie Bürger für soziale Gerechtigkeit (FBSG) von Andreas Ehrholdt. Die WASG wird somit bei der Darstellung der NRW-Wahlen auch schlichtweg ausgelassen. Leider erkennt er sie nicht als den politischen Ausdruck der Bewegung mit Massenwirkung an.

"Bei der Bundestagswahl soll abgerechnet werden", meinen die meisten AktivistInnen. Was der Zuschauer tun kann, wird nicht näher gesagt.

Dennoch macht der Film einen Unterschied in der Medienlandschaft: Wann gibt es schon eine so detaillierte Dokumentation einer Bewegung? Kein Wunder, dass noch kein Fernsehsender ihn zeigen will.

Jetzt anschauen und diskutieren! ("Neue Wut" erhältlich unter www.neuewut.de)

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